Kinderarmut

Genug für Alle!


„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“

Mohandas Karamchand Gandhi

Armut oder gar Kinderarmut - gibt es das in Österreich überhaupt noch? Leider ja! Armut ist für viele Kinder in Österreich nach wie vor alltägliche Realität.

Obwohl Österreich eines der reichsten Länder der Welt ist, sind noch immer 17,5 % der österreichischen Wohnbevölkerung - das sind 1.512.000 Menschen - von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Wir finden, das ist in einem der reichsten Länder der Welt, wo die reichsten 5 % der Haushalte 45 % des gesamten Bruttovermögens besitzen, ein Skandal. Armut grenzt Erwachsene und Kinder aus und verschlechtert ihre Zukunftschancen.

Besonders gefährdet sind Kinder, Frauen im Alter, Alleinerzieherinnen und Langzeitarbeitslose sowie Menschen mit chronischer Erkrankung. Ein Viertel aller Armuts- und Ausgrenzungsgefährdeten (25 % bzw. 372.000 Personen)( sind Kinder. Personen, die in Ein-Eltern-Haushalten aufwachsen, sind zu 44 % armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, Familien mit mindestens drei Kindern zu 28 % (EU-SILC 2018).

Gerechte Verteilung statt Treten nach unten

Anstatt die wohlhabenden Bevölkerungsschichten in die Pflicht zu nehmen und durch Vermögens- oder Erbschaftssteuer zur gerechteren Verteilung des Wohlstands in unserem Land beizutragen, überbieten sich viele Parteien darin, wer am besten nach unten tritt.

Die Katholische Jungschar lehnt Kürzungen der bedarfsorientierten Mindestsicherung entschieden ab. Diese betreffen vor allem Mehr-Kind-Familien und verstärken damit die Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen in betroffenen Haushalten. Die Sicherung des Kindeswohls, das bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, beachtet werden muss, ist so nicht mehr gegeben. Die Lebenserhaltungskosten steigen mit der Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder. Daran muss sich auch die Auszahlung der Mindestsicherung orientieren. 

Artikel 2 der UN-Kinderrechtskonvention schreibt vor, dass kein Kind aufgrund von ‚Rasse‘, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischen oder sonstigen Anschauung, nationaler, ethnischer oder sozialer Herkunft, des Vermögens, einer Behinderung, der Geburt oder sonstigen Status des Kindes, seiner Eltern oder seines Vormunds diskriminiert werden darf. Der Staat muss sicherstellen, dass Kinder vor allen Formen der Diskriminierung aufgrund seines Status oder des Status der Eltern geschützt wird. Ebenso ist der Staat nach Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention zur Wahrung des Kindeswohls verpflichtet. Die Katholische Jungschar Österreichs spricht sich daher klar gegen die Kürzung von Sozialleistungen für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte aus.

Wie nehmen Kinder Armut wahr?

Ingrid Kromer und Gudrun Horvat haben sich in ihrer Studie für die Katholische Jungschar, „Arm dran sein & arm drauf sein“, mit dem Armutsverständnis von Kindern auseinandergesetzt und zeigen, dass Kinder Armut anders wahrnehmen als Erwachsene: Armut heißt für Kinder „Mutterseelenallein sein“, „Ausgeliefert sein“, „Anders sein“ und „Verletzbar sein“. „Fast ausnahmslos sehen Mädchen und Buben das Kinderarmutsrisiko außerhalb ihrer Gestaltungsmöglichkeiten. Aus Kindersicht sind Armutslagen von Kindern geprägt durch Abhängigkeiten von Bezugspersonen, von wohlfahrtsstaatlichen Einrichtungen und von je individuellen Umfeldfaktoren des Kindes.“ (Kromer, Horvart 2012: 65)

Wenn du mehr über Armut wissen möchtest…

Auf der Homepage der Armutskonferenz Österreich, bei der auch die KJSÖ Mitglied ist findest du viele Informationen zum Thema Armut.

Die Studie von Ingrid Kromer und Grudrun Horvat (2012): „Arm dran sein & arm drauf sein“ Wie Mädchen und Buben in Österreich Armut erleben und erfahren. Bericht zur Lage der Kinder 2012, Schriftreihe der KJSÖ; beleuchtet Armut aus der Sicht von Kindern.

UN-Kinderrechtskonvention

Artikel 27 der UN-Kinderrechtskonvention garantiert das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard und die staatliche Sicherung eines Existenzminimums:

Kinder und Jugendliche haben das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard. Grundsätzlich sind die Eltern nach ihren Möglichketen verantwortlich dafür. Der Staat wiederum muss dafür sorgen, dass es die notwendigen Voraussetzungen dafür gibt, dass die Eltern ihrer Pflicht nachkommen können. Bei Bedürftigkeit hat der Staat Hilfs- und Unterstützungsprogramme vorzusehen. Der Staat hat alle Maßnahmen zu treffen, um die Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen des Kindes gegenüber den Eltern sicherzustellen.

Was arm sein in Österreich heißen kann

  • Die Wohnung nicht ausreichend heizen können
  • Sich die ganze Zeit Sorgen machen wie man finanziell über die Runden kommen kann und wo man noch sparen könnte
  • Kein Taschengeld bekommen
  • Nicht auf Urlaub fahren können
  • Nicht genug Geld für Nahrungsmittel haben
  • Sich schämen
  • Keine neue und der Jahreszeitentsprechende Kleidung kaufen können
  • Nicht auf Schulausflug mitfahren können
  • In einer zu kleinen Wohnung leben
  • Nicht zu Geburtstagsfeiern gehen, weil kein Geld für ein Geschenk da ist
  • Was fällt dir noch ein?