Meilensteine

Seit 1947 aktiv für Kinder


Lichtstafette, Sternsingeraktion, Bubenolympiade, Kinderrechteaktion.... Neben der pfarrlichen Gruppenarbeit war und ist Jungschar mit verschiedenen Großveranstaltungen und gesellschaftspolitischen Aktionen öffentlich präsent.

Die frühe „Gründerphase“ der Katholischen Jungschar ist vor allem durch den organisatorischen und inhaltlichen Aufbau der Organisation gekennzeichnet. In den 1950er- und 1960er-Jahren tritt die Jungschar als selbstbewusste kirchliche Kinderorganisation vor allem mit einer Reihe von Großveranstaltungen in die Öffentlichkeit: Lichtstafetten, Dreikönigsaktion, Aktion Ostergruß sowie Start der Großtreffen für Jungscharbuben („BUOLY“) und Jungscharmädel („PALETTE“). Das bringt eine entsprechende mediale Aufmerksamkeit und macht „die Jungschar“ auch außerhalb kirchlicher Kreise bekannt.

Die 1970er- und 1980er-Jahre erweisen sich als Jahre des Umbruchs und der Veränderung in Gesellschaft und Kirche. Äußere Anstöße sind die europaweite Protestbewegung der 1968er sowie das II. Vatikanische Konzil (1962-1965). Ein neues Kirchenbild und umfassende Demokratisierungsprozesse führen zu inhaltlichen und organisatorischen Erneuerungen. Die Katholische Jungschar gibt sich ein neues Statut, gestaltet das Gruppenleben koedukativ, orientiert die Gruppenarbeit an gewaltfreier Pädagogik und kooperativer Spielkultur und positioniert sich politisch für die Interessen und Bedürfnisse von Kindern.

1959: Sternsinger – unterwegs in Linz – schreiben mit Kreide den Segen an die Eingangstüre (Diözesanbildstelle Linz)

Während der 1990er- und 2000er-Jahre wird die Katholische Jungschar als Organisation „erwachsen“. Ein großer Schwerpunkt konzentriert sich auf die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter/innen. Eine eigene Jungschar-Akademie wird gegründet, das Handbuch Jungschararbeit entsteht mit der Neuformulierung eines Organisationsleitbildes und eines zeitgemäßen pastoralen Selbstverständnisses.
Es sind die Jahre zunehmender Professionalisierung und Qualitätssicherung. Die Dreikönigsaktion ist zu einem respektablen entwicklungspolitischen Hilfswerk herangewachsen und bekommt das Spendegütesiegel zuerkannt.
Zugleich werden rückschrittliche Entwicklungen innerhalb der Kirchenleitungen spürbar, welche dazu führen, dass auch der Jungschararbeit „von außen“ nicht mehr jenes selbstverständliche Wohlwollen entgegengebracht wird wie in den Anfangsjahren.

Die 2010er-Jahre bringen einen traurigen Höhepunkt in der Kirchenkrise: Auch die österreichische Kirche muss eine Vielzahl von Fällen sexueller Gewalt an Minderjährigen bekennen, was zu einer entsprechenden Austrittswelle und steigender Kirchenkritik in der Gesellschaft führt. Die Katholische Jungschar engagiert sich inzwischen klar für die Anerkennung und Umsetzung der Kinderrechte in Österreich und wird zu einer engagierten Vorreiterin im Bereich der Prävention gegen sexuelle Gewalt.
Schon seit der Jahrtausendwende wird eine zunehmende Individualisierung und Pluralisierung der Gesellschaft spürbar, welche auch vor der Arbeit der Katholischen Jungschar nicht Halt macht. Die Arbeit der Katholischen Jungschar ist inzwischen zu einem vielgestaltigen „Markt der Möglichkeiten“ geworden. Damit befindet sich auch die Kinderorganisation der Katholischen Kirche in einem Transformationsprozess, dessen Ausgang derzeit noch offen erscheint.