Bibelarbeit mit Kindern

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Die Bibel – ein großes Buch! Ein Buch? – Eine Sammlung vieler verschiedener Bücher, gefüllt mit Erzählungen, Gebeten, Weisheiten, Erfahrungen aus einer lang vergangenen Zeit. Manches spricht uns an, manches ist uns unverständlich. Vieles lässt sich historisch nicht belegen. Und trotzdem: Sie ist die Grundlage unseres Glaubens. Und sie hat etwas mit unserem Leben hier und jetzt zu tun. Glaube bleibt lebendig, weil davon erzählt wird.

Methoden für die Bibelarbeit mit Kindern

Bücher, Texte usw. sind in erster Linie etwas zum Lesen, zum Vorlesen oder zum Erzählen. Das ist auch die erste und wichtigste Methode für eine Bibelarbeit mit Kindern. Natürlich darf man sie auch frei erzählen oder in Szenen spielen – vorausgesetzt es bleibt eine grundlegende Texttreue gewahrt. Wer mit Kindern und der Bibel arbeiten will, für die/den gilt, lesen, lesen, lesen und keine Scheu, mit Interessierten darüber zu reden. Sei es in einem Bibelkreis, mit Religionslehrer/innen, dem Pfarrer oder der/der Pastoralassistent/in. Bibel wird lebendig, wenn sie auch im Alltag zur Hand genommen wird.

Die Jungschar Innsbruck bietet auch Bibelmalbilder für Kinder an, die eine gute Möglichkeit bieten, Kindern die Bibel näher zu bringen.

Wer die Bibel Mädchen und Buben näherbringen will, sollte sich ein paar grundlegende Fragen stellen.

Wie auswählen?

Lassen wir den Anspruch, dass jedes Wort der Bibel von gleicher Bedeutung sein muss. Es ist wie in jedem anderen Buch: da eine spannende Passage, dort plätschert es so dahin, dann ein Satz, den man sich am liebsten gleich groß übers Bett hängen würde, manchmal der berühmte "Hänger", wo man einen Abschnitt zum x-ten Mal von vorne zu lesen beginnt, und nicht und nicht versteht, was gemeint sein mag. Was ist also naheliegend? Sich mit dem beschäftigen, was "spannend" ist. Wie tun wir mit Märchen? Wenn wir Kindern Märchen vorlesen, entscheiden Mädchen und Buben meist sehr schnell, was für sie spannend ist: Sie verlangen dann, dass wir bestimmte Märchen immer und immer wieder – möglichst wortident! – vorlesen oder erzählen. Das ist ein guter Hinweis darauf, dass den Kindern an dieser Geschichte im Moment etwas besonders wichtig ist, dass sie diese Geschichte gerade jetzt gut brauchen können, um etwas, was sie innerlich beschäftigt zu klären. Heißt für Bibelarbeit: Regelmäßig vorlesen oder erzählen - und die Kinder selbst suchen und auswählen lassen, welche Geschichten für sie gerade von Bedeutung sind.


Wann ist es spannend? Was ist fad?

Bibelarbeit mit Kindern wird oft als "schwierig" eingestuft. Mädchen und Buben beschweren sich schnell, dass es "fad" wird, wenn in der Gruppenstunde die Rede auf Jesus kommt. Und ehrlich gesagt – in den meisten Fällen haben sie Recht! Das ist aber nicht ein Problem der Bibel an sich, sondern eine Reaktion auf eine meist eingeschränkte Auswahl dessen, was ihnen angeboten wird. Biblische Geschichten sind dann besonders fad, wenn Kinder keinen persönlichen Zugang dazu finden können. Was heißt das? Sie können keine Identifikation mit irgendeiner der handelnden Personen herstellen, oder zu der dargestellten Szene lassen sich keine vergleichbare Erfahrung aus dem eigenen Leben finden. Fad ist es also z.B., wenn Jesus mit den Pharisäern über Feinheiten der Gesetzesauslegung streitet. Diese Szene mag für Theolog/innen, die gerade mit der römischen Glaubenskongregation einen Konflikt austragen, spannend sein, aber Kinder wird sie vermutlich nicht berühren. Spannend ist es aber, wenn Kain seinen Bruder Abel erschlägt, weil er von ohnmächtiger Wut gepackt wurde. Solche Gefühle kennen Kinder, zumindest diejenigen, die Geschwister haben und auch schon mal eifersüchtig waren, weil der Papa den/die andere/n bevorzugt hat.


Der berühmte "Sitz im Leben"

Die Bibel ist kein Antwortbuch, sie ist ein Fragebuch. Wir finden Geschichten, Szenen, Bekenntnisse, Ereignisse ... die zeigen, wie Menschen so sind, wie sie miteinander in unterschiedlichster Art und Weise umgehen, was sie fühlen, denken, hoffen ... und wie das alles mit ihrem – unserem – Gott zusammengeht. Beim Lesen wird dann der berühmte "Aha"-Effekt eintreten, wenn ich auf eine Szene treffe, die mir irgendwie "bekannt vorkommt". Weil sie mir in vergleichbarer Form aus meinem eigenen Leben vertraut ist. Will ich nun für Kinder eine Vorauswahl treffen, dann ist es entscheidend, ob ich auch gut über die "Lebensszenen" der Mädchen und Buben Bescheid weiß. Über das, was sie beschäftigt, über das, was sie freut oder ängstigt, über Fragen und Konflikte, die sie in sich tragen. "Kenne" ich also die Mädchen und Buben, mit denen ich gerade zu tun habe, dann werde ich vermutlich auch jene Geschichten leicht finden, die für sie spannend werden können. Der Weg geht nicht von der Bibel zum Leben der Kinder, sondern umgekehrt: Das Leben der Kinder sucht seine passenden Geschichten in der Bibel.


Kinder denken konkret – nicht abstrakt

Bis zum 11./12.Lebensjahr können Mädchen und Buben – entwicklungsbedingt – noch nicht abstrakt denken. Ihre Vorstellungen sind sehr konkret, erlebbar, bildhaft. Wenn man sie beispielsweise fragt, was "Freundschaft" sein mag, dann ist es meist so, dass sie erzählen, wer ihre Freund/innen sind, was die tun, wie sie sich verhalten, worauf man sich bei ihnen verlassen kann usw. Je konkreter ein biblischer Text, je vorstellbarer die Szene, je klarer die Personen und Handlungen, desto leichter der Zugang. Desto leichter auch die Möglichkeit, so eine Szene nachzuspielen und in die verschiedenen Rollen zu schlüpfen, um herauszufinden, was sich gut mit selbst Erlebtem verbinden lässt.


Das Problem mit der "Moral"

Biblische Texte werden leider viel zu oft moralisierend verzweckt. Praktisch läuft das so, dass man versucht, Mädchen und Buben mit Hilfe von Bibelversen ein bestimmtes Verhalten als gottgewollt ("Jesus verzeiht der Sünderin, weil sie ehrlich ihr sündhaftes Leben bereut. Wenn wir ehrlich bereuen, wird uns Gott auch verzeihen!") oder eben nicht gottgewollt ("Wahrscheinlich war Kain in seinem Herzen ein böser Mensch, deshalb hat Gott auch sein Opfer nicht angenommen!") nahe zu bringen. Das geht mitunter am eigentlich Text ziemlich vorbei – und ist mit ein Grund für die bekannten Abwehrhaltungen der Kinder. Biblische Texte sind meist interpretationsoffen, also mehrdeutig, oft sogar ziemlich widersprüchlich. Gerade die Geschichte von Kain und Abel ist ein gutes Beispiel, weil hier die Frage, warum Gott des einen Opfer annimmt und des anderen Opfer nicht, einfach nicht beantwortet wird. So etwas provoziert zur eigenen Auseinandersetzung – und zu eigener Positionierung!


Die Sorge, etwas "falsch" zu interpretieren

Der Bibel wird oft mit großer Scheu begegnet. Vor allem weil sie als "geoffenbartes Wort Gottes" gilt, zu dessen "richtiger" Interpretation man viel theologisches Fachwissen benötige. Das mag einerseits schon eine gewisse Berechtigung haben, andererseits gilt die Bibel als "Lebensbuch", also sollten die Texte im Großen und Ganzen auch von nicht besonders theologisch vorgebildeten Menschen gelesen und verstanden werden können. Die Angst, mit Kindern möglicherweise einen Bibeltext "nicht nichtig" ausdeuten zu können, ist dann unbegründet, wenn man darauf achtet, die Struktur des Textes nicht zu verfälschen. Ich darf natürlich eine biblische Szene frei nacherzählen, ich darf auch Ausschmückungen anbringen, wenn sie helfen, Mädchen und Buben eine bestimmte Situation zu verdeutlichen. Ich darf auch eine Szene aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der beteiligten Personen interpretierend entfalten usw. Fehldeutungen entstehen dann, wenn ich die Textvorlage durch unpassende Ergänzungen oder Weglassungen in ihrem Sinn verdrehe. Was davor schützt? Ein klarer Blick auf die innere Struktur des Textes: auf den Aufbau der Szene, auf das Handeln der Personen, auf die Abfolge der Ereignisse.


Materialien für die Bibelarbeit mit Kindern

Zahlreiche Bücher, Handreichungen, Behelfe, pädagogische Unterlagen können die praktische Arbeit unterstützen. Fortbildungsreihen in den Diözesen und Studientagungen zu biblischen Themen sind ein wertvoller Motor in der Auseinandersetzung. Die Katholische Jungschar bietet zum Einstieg den Folder „Kinder&Bibel“, der auch kostenfrei im Bundesbüro der KJSÖ bestellt werden kann. 

Ansprechperson

Linda Kreuzer

Referentin für Kinderpastoral

T: +43 14810997-15
E: kreuzer@jungschar.at