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Spielen

Mädchen und Jungen beim SpielenJungschararbeit ist Spiel. Neben Spaß und Entspannung hat das Spiel unverzichtbare Bedeutung für das (soziale) Lernen von Mädchen und Buben. Eine kritische Spielpädagogik achtet auf Spielziele und Spielregeln und nützt diese für ein kooperatives Miteinander.

1. Die Funktion des Spielens für Kinder

Spielen ist eine spezifische Form menschlicher Tätigkeit, die darauf abzielt, Spaß und Lust zu empfinden. Der erste Sinn und Zweck des Spielens liegt in sich selbst. Spielen hat in der Entwicklung des Menschen eine zentrale Bedeutung. Im Spiel können neue Verhaltensweisen ausprobiert und ungewohnte Tätigkeiten geübt werden. Beim Spielen können neue Lösungen für Probleme des Alltags gefunden und kreative Kräfte freigesetzt werden. Spielen ist auch ein lustvolles Experimentierverfahren, das die Grundform kindlichen Lernens ist. Es erlaubt die Durchführung von Handlungen, die in anderen Zusamenhängen nicht möglich wären, weil sie dort unangenehme Konsequenzen hätten. Im Spielen können wir also lernen, unsere persönlichen Möglichkeiten zu erweitern. So kann für Kinder auch kurz gesagt werden: Ein Kind lernt, wenn es spielt. Schließlich kann Spielen als eine Tätigkeit verstanden werden, in der die Innenwelt des Kindes, seine Phantasien und Vorstellungen in Beziehung zu der Welt um es herum gesetzt werden. Die Erfahrungen der inneren und der äußeren Welt werden im Spielen miteinander verbunden.

2. Die Bedeutung des Spielens

Die Bedeutung des Spielens ist vielfältig. Wesentliche Aspekte davon sind:

  • Spielen bereitet Spaß, Freude, Lust und Entspannung.
  • Spielen ermöglicht die Entfaltung von persönlichen Fähigkeiten, von Phantasie und Kreativität.
  • Spielen fördert die Kommunikation zwischen Menschen und bietet Möglichkeiten, sich selbst und andere zu entdecken.
  • Im Spielen werden Grundhaltungen des Miteinander-Umgehens geformt und bestärkt.
  • Spielen fördert das Erforschen und Entdecken der Umwelt.
  • Im Spielen können Alltagserfahrungen ausgedrückt und verarbeitet werden.
  • Schließlich kann Spielen zu neuen Einsichten und Problemlösungen führen.

Darum gehört Spielen zu den wichtigsten Elementen der Jungschararbeit.

3. Der Sinn von guten Gruppenspielen

In der Jungschar ist es wichtig, zwischen dem freien, spontanen Spielen der Kinder und dem - von GruppenleiterInnen (GL) eingebrachten - Regelspielen zu unterscheiden. Bei ersteren hat der/die GL nur die Aufgaben, darauf zu achten, dass kein Kind Schaden erleidet, den Kindern bleibt weitgehend die Gestaltung des Spiels vorbehalten. Wenn ein/e GL ein Spiel vorschlägt, als "gutes" Spiel in der Gruppe propagiert, dann ist dies bereits ein Akt der Wertvermittlung. Denn die Kinder lernen für sich: das, was hier vorgeschlagen ist, findet der/die GL so gut, dass er/sie uns davon überzeugen will. Bei der Auswahl und Durchführung von Gruppenspielen ist also darauf zu achten, dass der pädagogische Sinn derselben eingelöst wird. Das heißt:

  • Alle Mitspielenden sollen miteinander Spaß haben können. Der Spaß der einen darf niemals auf Kosten von anderen gehen. Das aktive Miteinander (nicht das Gegeneinander) steht im Vordergrund.
  • Das Spielen soll austoben und abreagieren möglich machen, ohne jedoch einander Schaden zuzufügen.
  • Spielen in der Gruppe soll die Kontaktaufnahme untereinander erleichtern. Durch das gemeinsame Tun werden Beziehung hergestellt und vertieft.
  • Im Spielen soll die eigene Ausdrucksfähigkeit geübt und Kreativität entfaltet werden können.
  • Im Spiel soll es Möglichkeiten geben, eigene Erfahrungen zu verarbeiten und unangenehme Gefühle zu bewältigen. Die Realität darf nicht in der Weise verfälscht werden, dass künstliche Gefühle erzeugt werden, die dem Momentanzustand der Gruppe nicht entsprechen (z.B. durch künstliches "Aufheizen" der Stimmung).
  • Im Spielen kann Neues ausprobiert und Einsichten in Zusammenhänge gewonnen werden. Trotz aller Spielregeln, die nötig sind, muss es Flexibilität und Möglichkeiten der Veränderung geben.

Spiele, die diesen Grundlagen grundsätzlich widersprechen, sind für die Jungschar keine guten Gruppenspiele. In diesem Sinn sind sogenannte "Einfahrerspiele" in der Arbeit mit Kindern abzulehnen, denn ihr einziger Witz besteht darin, dass die einen Spaß haben, wenn andere Schaden erleiden oder "dumm dastehen". Diese Haltung widerspricht jeglichen Zielen der Jungschararbeit. Problematisch sind auch Ausscheidespiele, weil sie Schritt für Schritt Kinder aus dem gemeinsamen Spiel ausschließen, was nicht Sinn von wertvollen Gruppenspielen sein kann. Diese Spiele können meist durch geringfügige Regelveränderungen so abgewandelt werden, dass weiterhin immer alle Kinder am Spiel teilnehmen können (z.B. wenn ein Kind statt auszuscheiden für kurze Zeit eine andere Spielaufgabe erhält).

4. Zwei grundsätzlich verschiedene Spieltypen

In der Spielelandschaft sind zwei grundsätzlich verschiedene Spieltypen anzutreffen: Spiele, die am Schluss einen Gewinner und einen Verlierer ausweisen und Spiele, in denen es keine Verlierer gibt. Je mehr ein Spiel darauf ausgerichtet ist, in Gewinner und Verlierer zu teilen, umso wichtiger ist es für die Mitspielenden sich in Konkurrenz gegeneinander zu begeben, um einander auf die Verliererseite zu verweisen. In diesen Spielen wird eine Grundhaltung des Gegeneinanders eingeübt und bestärkt

Da in der Jungschar die Kinder aber in erster Linie die positiven Möglichkeiten eines gedeihlichen Miteinanders kennen lernen und üben sollen, sollten vor allem Spiele ohne Verlierer gespielt werden. Schließlich muss bei jedem Konkurrenzspiel damit gerechnet werden, dass ein Teil der Kinder am Schluss traurig, enttäuscht oder niedergeschlagen ist, weil sie ja das Spielziel - zu gewinnen - nicht erreicht haben. Daher haben Spiele, die dem Prinzip der Kooperation und der Solidarität folgen, in der Jungschar eine vorrangige Stellung.

KJSÖ, im März 1994