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Solidarität

Portrait Mädchen und JungeMenschen leben - zum Glück - nicht alleine auf einem einsamen Planeten. Wie die Menschen allerdings ihre Beziehungen zu den anderen Wesen auf dieser Welt gestalten sollen, wurde im Laufe der Geschichte sehr unterschiedlich gesehen. Solidarität ist eine Haltung, die helfen kann, die Welt im Sinn des Evangeliums zu gestalten.

1. Begriffsbestimmung

Vom Wortlaut her bedeutet "solidarisch" (sein): zu jemandem halten, für jemanden einstehen. Laut katholischem Soziallexikon bezeichnet Solidarität "das Zusammengehörigkeitsgefühl, die enge Verbundenheit, die wechselseitige Verantwortlichkeit, in einer Gruppe von Menschen". Gemeinsamkeiten, wie z.B. die soziale Lage, politischen Überzeugungen, gemeinsame Interessen, Weltanschauung und Ideologie, begründen ein Gemeinschaftsbewußtsein, das zu solidarischem Handeln führt.

Mit anderen Worten, formuliert Paul M. Zulehner: "Solidarität ist die Fähigkeit eines Menschen, sich für das Gemeinwohl und darin für gerechte Verteilung der Lebenschancen (wie bewohnbare Welt, Nahrung, Wohnung, Familiengründung, freie Erziehung, Bildung, Arbeit, gemeinsame öffentliche Religionsausübung) stark zu machen."

1. Solidarität ist immer auf ein "Gemeinwohl" hin bezogen, auf gerechte Verteilung der Lebenschancen. Allerdings darf Solidarität nicht mit Gruppenzusammenhalt und Gruppenkonformität verwechselt werden. Gruppenzusammenhalt könnte mit "Solidarität nach innen" umschrieben werden, bedeutet aber noch lange nicht, daß eine Gruppe nach außen hin solidarisch ist. Gruppenkonformität sagt etwas über das Verhalten innerhalb der Gruppe aus, hat mit Gruppendruck und Harmonisierung zu tun. Dieses Verhalten ist nicht aktives Handeln, sondern beschreibt ein angepaßt sein an Normen und Regeln, um den Platz in der Gruppe nicht zu verlieren. Solidarität dagegen verträgt Konflikte und lebt von Freiheit und Parteinahme.

2. Der Ausgangspunkt für Solidarität ist dort, wo sich Menschen in Unrechtssituationen befinden.

3. Um solidarisch zu sein, bedarf es der Fähigkeit mitfühlend zu sein und sich in anderer Menschen hineinversetzten zu können. Die "Mitfühlenden" identifizieren sich, lassen sich betreffen und tun aktiv etwas, um Leiden zu mildern oder zu beseitigen.

4. Solidarität muß sich im Alltag bewähren. Hier werden die Haltungen und Handlungen sichtbar. Solidarität erfordert aktiv zu sein und vorauszuplanen.

2. Zusammenhalt und Solidarität in Gegenwart und Vergangenheit

Zusammenhalt mit den engsten LebenspartnerInnen und Bezugspersonen.

In traditionellen Gesellschaften der Gegenwart und Vergangenheit gehört Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe zu den Grundvoraussetzungen des Überlebens. Die Hilfe, die man sich gegenseitig zukommen läßt, ist gegenseitig und nicht zu hinterfragen.

Solidarität mit Menschen, die unter denselben lebensfeindlichen Bedingungen leben

Der Begriff "Solidarität" ist ein Begriff der Neuzeit, und nimmt erst im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts die heutigen Form an. Im 19. Jahrhundert entwickelt sich die erste große Solidaritätsbewegung - die der Arbeiterschaft. Das gleiche Schicksal (schwere körperliche Arbeit, Proletarierdasein, Rechtlosigkeit) ist die Grundlage für den gemeinsamen Kampf um die Vermenschlichung der Arbeits- und Lebensverhältnisse aller ArbeiterInnen.

Solidarität in einer global erlebten Welt

Mit dem Informationszuwachs im 20. Jahrhundert wird die ganze Welt in unser Blickfeld gerückt und der Bezugsrahmen erweitert. Die Lebensinteressen der Menschen sind nicht mehr an einen Ort oder eine bestimmte Gruppe von Menschen gebunden. Durch die Medien wird das Bild vermittelt, Zerstörung der Umwelt, Verlust der Artenvielfalt, Bedrohung durch Kriege etc. würden alle Menschen im gleichen Maße beschäftigen. Die Probleme unserer Zeit begegnen uns als umfassend und global.

Für den/die Einzelne/n stellt sich nun die Herausforderung, den Soliditätsradius selbst zu wählen. Aus Studien ist zu ersehen, daß Solidarität ihre stärkste Ausprägung im Mikrobereich (Familie, nahestehende Personen) hat. Je weiter man sich vom Mikrobereich entfernt (Umverteilung, Arbeitsplatzsolidarität, Resozialisierung, Flüchtlingsfragen, Entwicklungspolitik) desto geringer wird solidarisches Bewußtsein und Handeln.

3. Solidarität kann man nicht lehren.

Um solidarisch sein zu können brauchen Menschen Grunderfahrungen mit Solidarität. Sie brauchen dazu auch soziale Grundfähigkeiten:

  • Die Fähigkeit, sich mit allen Sinnen auf die Welt einlassen zu können
  • Empathie - die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können
  • Die Fähigkeit, Unrechtssituationen als solche zu entlarven
  • Selbstvertrauen und Civilcourage
  • Ein geeigneten Handlungsrepertoire um politisch handeln zu können.
  • Persönliche Reflexionsfähigkeit

4. Solidarisches Handeln mit Kindern und für Kinder

Solidarität für Kinder:

Kinder gehören zu jener Gruppe von Menschen, die in vielen Situationen unberücksichtigt bleiben und benachteiligt werden. Hier gilt es für die Interessen der Kinder einzutreten.

Solidarität mit Kindern:

Die Jungschar will es Kindern ermöglichen, die nötigen Grunderfahrungen zu machen und soziale Grundfähigkeiten zu erlernen. Dies ist im alltäglichen Miteinander der Gruppe möglich. Förderlich ist es z.B.:

  • Wenn Entscheidungen anstehen: Abwägen von möglichen Folgen, seine eigene Entscheidungsfreudigkeit reflektieren.
  • Sich mit Situationen von AußenseiterInnen in der Gruppe bewußt auseinandersetzen.
  • Den Versuch unternehmen, seinen Vorurteilen und Ängsten auf die Spur zu kommen.
  • Aktiv an Solidaritäts- und Hilfsaktionen teilnehmen.
  • Bei verschiedensten Diskussionen Selbstsicherheit, Interesse an gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen, Neugierde und soziales Verhalten üben.
  • Hinterfragen eigener Standpunkte und Meinungen.

In all diesen Situationen können Kinder aber auch Jugendliche und Erwachsene erleben, wie sie an der Entwicklung innerhalb der Gruppe und über die Grenzen hinaus (Umfeld, Gesellschaft) aktiv teilhaben können. Die Jungschar steht für einen Solidaritätsradius, der sowohl den Mikro- als auch den Makrobereich betrifft. Die Entscheidung, wo sich jemand vermehrt engagiert, muß jede/jeder Einzelne allerdings für sich selbst treffen.

Dieser Text wurde vom Arbeitskreis für Kinderpastoral- und Pädagogik der KJSÖ erarbeitet und verabschiedet, im Jänner 1998. Er ist Teil des "Jungschar-Lexikons".