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Sexualität

Jungscharkinder sind Mädchen und Buben. Damit wird bereits angesprochen, dass auch Kinder sexuelle Wesen sind. Für einen guten pädagogischen und pastoralen Umgang mit Sexualität ist es hilfreich zu wissen, was denn eigentlich Sexualität ist.

Was ist gemeint?

Sexualität kann als Lebensenergie beschrieben werden, die in allen Phasen des menschlichen Lebens körperlich, geistig-seelisch und sozial wirksam ist. Sexualität kennt unterschiedliche Ausdrucksformen und verschiedene sinnstiftende Aspekte. Von Kindheit an sind Menschen sexuelle Wesen, was sich letztlich dadurch ausdrückt, daß Kinder als Mädchen bzw. Buben zur Welt kommen und auch von Anfang an in ihrer Geschlechtlichkeit wahrgenommen werden. Sexualität läßt sich also nicht von den anderen Lebensäußerungen des Menschen abspalten. Sie läßt sich unter vier verschiedenen Sinnaspekten konkreter beschreiben:

Der Identitätsaspekt
meint in seiner elementarsten Bedeutung die Erfahrung des eigenen Ichs als eine eigenständige und zur Selbstbestimmung fähige körperliche und seelisch-geistige Ganzheit als Mann wie als Frau.

Der Beziehungsaspekt
betont die Möglichkeit, im Kontakt zu anderen Menschen Wärme, Vertrautheit, Geborgenheit und Liebe zu geben und zu empfangen.

Der Lustaspekt
deutet auf Sexualität als Antriebskraft hin, die Lebensmut erhöhen und in Leidenschaft und Extase ihren kraftvollsten Ausdruck finden kann.

Der Fruchtbarkeitsaspekt
verweist auf die lebensspendende Kraft der Sexualität, deren sichtbarste Form die Zeugung eines Kindes ist. Auch wenn die Zeugung oder Empfängnis eines Kindes nicht möglich ist, kann Fruchtbarkeit anders sichtbar werden (in der Kreativität, im schöpferischen Tun ...).
Eine gelingende Sexualität ist dann gegeben, wenn alle vier Sinnaspekte gemeinsam erlebt werden können, Es gibt aber auch Verschiebungen in bestimmten Lebensphasen, wo einzelne Aspekte mehr im Vordergrund treten. So stehen z.B. für kleine Kinder der Lust- und Beziehungsaspekt im Vordergrund; in der Phase der Pubertät wird der Identitätsaspekt wichtiger.

Sexualität läßt sich in ihrem Ausdruck nicht auf Genitalität reduzieren. Zärtlichkeit, Leidenschaft, Ergriffensein, Erotik, Geilheit, Geborgenheit und Fürsorge setzen im sexuellen Erleben unterschiedliche Aspekte. Sexualität hat aber auch ihre "dunkle Seite": Gewalt, Ausbeutung, Mißbrauch, Pornographie, ... an denen eine Auseinandersetzung nicht vorbeigehen darf.

Kindliche Sexualität

Sexuelle Entwicklung ist ein Prozeß, der zwar naturhaft angelegt ist, aber wesentlich vom sozialen Umfeld beeinflußt wird. Im Normalfall ist es der zärtliche Umgang der Eltern mit ihrem Kind, der zu erstem sexuellen Erleben und Handeln führt. Kinder entwickeln ihre Sexualität im Entdecken ihres Körpers und im bewußt spielerischen Umgang mit ihm.
Gleichermaßen bedeutsam sind die Interaktionen mit der (erwachsenen) Umwelt: Erfahrungen des Wohlbefindens, des Angenommenseins, der Geborgenheit und der Lustbefriedigung sind für die sexuelle Entwicklung und damit für die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit von größter Bedeutung.

In unterschiedlichen Entwicklungsphasen kann Sexualität dem/der Einzelnen Probleme bereiten: Wenn z.B. im Zuge der Pubertätsentwicklung Buben und Mädchen mit ihrer körperlichen Erscheinung nicht mehr zurechtkommen, wenn sie von der ersten Regelblutung oder dem ersten Samenerguß überrascht werden, wenn sie mit ihren Phantasien über ein "richtiges" Mann- oder Frau-Sein von den Erwachsenen alleingelassen werden.

Sexualität in der Jungschargruppe.

Die Mitglieder der Gruppe erfahren sich als Mädchen und Buben, ihre/n Gruppenleiter/in als Frau bzw. als Mann. Das alltägliche Miteinander wird immer auch von sexuellen Aspekten mitbestimmt, deren Äußerungen sehr vielfältig sein können: Wir kennen sehr "kuschelige" Gruppenphasen, aber auch Momente der Unruhe und des körperlichen Gewaltausbruchs. Das Gruppenklima wird davon bestimmt werden, wie deutlich zeig- und spürbar z.B. Geborgenheit, Nähe, Zärtlichkeit, Trost, Freude ... sind, wie behutsam und respektvoll mit "Liebes"Beziehungen innerhalb der Gruppe umgegangen wird und wie insbesondere das Ausdrücken von Gefühlen unter den Buben zugelassen werden kann.

Die Vorbereitung von gemeinsamen Jungscharlagern sollte Anlaß sein, nicht nur über mögliche "sittliche Gefährdungen" der Kinder nachzudenken, sondern die intime Atmosphäre des Zusammenlebens auf engem Raum im Sinne eines möglichst angst- und repressionsfreien Miteinanders zu gestalten.

Es kann Gruppenphasen geben, wo die Mädchen und Buben einander lieber aus dem Weg gehen. Dies hängt auch mit unterschiedlichen Phasen der sexuellen Entwicklung zusammen. Eine bewußt geschlechtsspezifische Pädagogik (Koedukation) trägt dem Rechnung und bietet gezielt geschlechtshomogene Aktivitäten an.

Die Kinder sind auch neugierig, wie der/die jeweilige Gruppenleiter/in seine/ihre Sexualität lebt, ob er/sie einen Freund/in hat und wie die beiden z.B. ihrer Beziehung Ausdruck verleihen. Es ist daher wichtig zu entscheiden, wieweit die Kinder Einblick in das Privatleben und in die Gestaltung von persönlichen Beziehungen bekommen sollen.

Grundsätzlich sollte der/die Gruppenleiter/in den Umgang mit der eigenen Sexualität beständig reflektieren, um den Kindern Intimität, Geborgenheit und Zärtlichkeit in der Beziehung bieten zu können, ohne dabei in mißbräuchlicher Form die Befriedigung eigener Bedürfnisse zu verfolgen.

Literatur:
Uwe Sielert: Sexualpädagogik, Dortmund 1991
S.R.Dunde (Hrsg.): Handbuch Sexualität, Weinheim 1992

Dieser Text wurde vom Arbeitskreis für Kinderpastoral- und Pädagogik der KJSÖ erarbeitet und verabschiedet, im März 1995. Er ist Teil des "Jungschar-Lexikons".