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Religiöse Sozialisation

Mädchen zündet Kerze anMädchen und Buben, die zur Jungschar kommen, erleben Menschen in ihrer religiösen Praxis. Gemeinschaftsbezug, Feierkultur, Bibellesen und selbstloser Dienst an den Nächsten kennzeichnen unsere Religion. Dieses Erleben prägt die religiöse Entwicklung.

1. Begriffsbestimmungen

"Religiosität" gilt als "Wesensmerkmal" des Menschen, als eine bestimmte, prozesshafte Verfasstheit, die Männer und Frauen von klein auf dazu befähigt, die Grenzen beschreib- und begreifbarer Wirklichkeit zu überschreiten. Konkreter Ausdruck, also sichtbare Gestalt und Praxis von Religiosität ist "Religion".
"Transzendenz" beschreibt jene Inhalte und Wirklichkeiten, auf die sich die Religiosität eines Menschen ausrichtet. "Religion", "Religiosität" und "Transzendenz" sind nicht voneinander zu trennen, sie beziehen sich aufeinander und begründen einander.

Jeder Mensch - so gerade auch Kinder - stoßen in ihrem Leben immer wieder auf grundlegende Sinnfragen: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Warum ist etwas und nicht nichts? Was ist der Sinn meines Lebens? Dieses Fragen und damit verbunden die Versuche des Antwortens kennzeichnen religiöse Prozesse des Alltags, weil der Mensch gerade in den Antwortversuchen immer wieder über sich hinausverwiesen wird.

2. Allgemeines Verständnis von religiöser Sozialisation

Die Art des Fragens und noch mehr die Art der Antworten und des Antwortgebens sind von verschiedenen Rahmenbedingungen abhängig: Von geisteskulturellen Traditionen, von Beziehungen zu Menschen und Menschengruppen, von der Auseinandersetzung mit überlieferten Weisheiten, von individuellen Erlebnissen und Erfahrungen ...

"Religiöse Sozialisation" beschreibt eine Fülle bewusster und unbewusster Einflussfaktoren, denen Mädchen und Buben im Prozess des Erwachsenwerdens ausgesetzt sind, und die bei der Wahrnehmung und Deutung religiösen Erlebens mitwirken.
"Religiöse Erziehung" ist demgegenüber die absichtsgeleitete Einführung in die Denkweise und Alltagspraxis einer konkreten Religion - in unserem Fall ist das die christlich/katholische Glaubensgemeinschaft.

Die gesellschaftliche Entwicklung ermöglicht derzeit etwas, das man als "religiösen Markt" bezeichnen könnte. Dies meint vor allem, die durch Informationstechnologie gewonnene Vielfalt an unterschiedlichen, zum Teil widersprüchlichen "Antwortsystemen", die Menschen gleichzeitig zur Auswahl angeboten werden. Ein bislang gültiges, konfessionell gebundenes Modell einer einzig wahren und richtigen Antwort ist damit massiv infrage gestellt. Die Tradition einer relativ geschlossenen christlich-abendländischen Kultur ist aufgebrochen.

3. Was bedeutet religiöse Sozialisation für Kinder?

Mädchen und Buben fragen viel, sie fragen umfassend und tiefgründig. Sie machen von Anfang an die Erfahrung, dass die Welt mehr ist als das, was sie sehen oder begreifen können. Durch die Auseinandersetzung in der Familie, im Kindergarten, in der Schule, in der Jungschar ... erleben sie, wie Erwachsene mit ihren Fragen umgehen.

Religiöse Sozialisation innerhalb der Jungschar geschieht nicht im luftleeren Raum, sondern in einem sehr konkreten christlichen Kontext. Die Mädchen und Buben sind durch ihr Mitleben und Mittun in der Pfarrgemeinde mit kultischen Räumen (Kirchenraum, Andachtsstätten, Friedhof,...), "heiligen" Zeiten (Feste im Jahreskreis ...), Symbolen, Traditionen und Brauchtümern konfrontiert, die zur Betätigung auffordern. Indem Kinder Erwachsene dabei beobachten, wie sie mit diesen "religiösen Dingen" im Alltag umgehen, erfahren sie etwas darüber, wie Menschen versuchen, ihre Fragen des Lebens zu beantworten. Religiöse Erziehung (zum Christentum) besteht darin, Mädchen und Buben mit den Traditionen, Bräuchen und Weisheiten des Christentums vertraut zu machen, ihnen von den spezifischen Erfahrungen zu erzählen, die Menschen seit Jahrhunderten mit ihrem Gott gemacht haben und sie beim Lesen der Bibel und beim Gebrauch von Symbolen und Ritualen anzuleiten.

Religiöse Erziehung gründet auf religiöser Einstellung und Haltung der erziehenden Person/en. Religiös erziehen kann nur, wer sich selbst als "religiös" versteht und ihr/sein Alltagshandeln ebenso zu deuten imstande ist.

4. Zielsetzungen für die Arbeit der Kath. Jungschar:

GruppenleiterInnen geben Mädchen und Buben Raum und Zeit zur Auseinandersetzung mit religiösen Fragen.
Dies setzt voraus, dass sie sich selbst als religiös begreifen können und sich der Auseinandersetzung mit der katholischen Tradition stellen.

GruppenleiterInnen schaffen ein vertrauensvolles Klima, in dem die Mädchen und Buben besonders zum (kritischen) Fragen ermutigt werden.
Sie selbst zeigen sich den Kindern als Fragende und Suchende.

GruppenleiterInnen "machen Kindern nichts vor".
Sie bemühen sich um persönliche Echtheit im eigenen religiösen Denken und Handeln.

GruppenleiterInnen fördern die Auseinandersetzung mit Religion unter den Mädchen und Buben.
Die Anknüpfungspunkte, die Auslöser für religiöse Fragen sein können, sind vielfältig:

  • in dem, was von außen sichtbar ist: Jungschar gehört zur Kirche, Kirche als Bauwerk, Gruppenräume in der Pfarre, "kirchliche" Personen, wie Pfarrer, PastoralassistentIn, GruppenleiterIn..., Gebet, Bibel, kultische Feiern usw.
  • im Umgang miteinander in der Gruppe: Jungschar ist erlebbar als "Gemeinschaft", mit menschenbezogenen und rücksichtnehmenden Spielregeln und Umgangsformen, es gibt einen christlichen Werthintergrund bei der Lösung von Konflikten usw.
  • aus individueller Betroffenheit: Die Gruppe als vertraulicher Ort, wo persönliche Fragen und Probleme des Lebens angesprochen werden können und entsprechendes Verständnis finden usw.

KJSÖ, im November 1999