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"Ökumene - Gemeinsam leben auf der bewohnten Erde"

Ökumene als Grundhaltung verstehen ...

Von den Anfängen an haben sich im Christentum unterschiedliche Traditionsstränge entwickelt bzw. im Laufe der Geschichte ausgeformt. Den verschiedenen christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften ist der Glaube an den einen Gott der Offenbarung und das Bekenntnis zur Einheit in Jesus Christus gemeinsam. Gegensätze in der Lehre, in ethischen Fragen und in kirchenrechtlichen Festlegungen haben zu den Trennungen zwischen den Kirchen geführt, wobei besondere geschichtliche Umstände und unterschiedliche kulturelle Prägungen oft eine entscheidende Rolle spielten.

Diese Trennungen gelten in der christlichen Tradition als Ärgernis, weil sie der Überzeugung nach dem Wunsch Jesu, dass alle eins sein mögen, so wie er mit dem Vater eins sei (Joh 17, 20-21), widersprechen. Seit der Mitte des 19.Jhdts. formiert sich deshalb unter den christlichen Kirchen die Ökumenische Bewegung, mit dem Ziel, diese Trennungen zu überwinden. Die in Christus begründete Zusammengehörigkeit ist von derart fundamentaler Bedeutung, dass sie letztlich über alle unterschiedlichen theologischen und ethischen Positionen gestellt werden muss. 1948 wird der Ökumenische Rat der Kirchen gegründetet, dessen Ziel es ist, für konkrete Entwicklungen in Richtung Einheit der christlichen Kirchen zu arbeiten. Zielsetzung der ökumenischen Arbeit ist es allerdings nicht, die christlichen Kirchen in Lehre, Praxis und Tradition zu vereinheitlichen um damit eine einzige umfassende christliche Kirche zu schaffen. Die historisch gewachsene Vielfalt wird als Bereicherung und Chance zur wechselseitigen Anregung gesehen.

Die katholische Jungschar steht in der römisch-katholischen Tradition des Christentums. Im Sinne des II.Vatikanischen Konzils und nachfolgender Entwicklungen auch innerhalb der röm-kath. Kirche verstehen wir die anderen christlichen Konfessionen als gleichwertige Geschwisterkirchen. Wir bekennen uns zu einer Ökumenischen Grundhaltung, die andere Traditionen respektiert und auf ein respektvolles Miteinander in Lehre und Praxis abzielt. Gegenseitige Anerkennung, theologischer Austausch und weitestmögliche gemeinsame Praxis sind nötig um dem Christentum einen zeitgemäßen Stellenwert in der Gesellschaft zu erhalten.

Ökumenisch Theologie treiben ...

Ökumenische Orientierung einerseits und Vertiefung eigener religiöser Überzeugungen andererseits sind nicht als Gegensatz zu sehen, sondern als Ergänzung und Bereicherung. Gerade im Austausch mit anderen theologischen Traditionen können die eigenen religiösen Themen und Fragen oft besser weiterentwickelt werden, da die unterschiedlichen Kirchen auch unterschiedliche Kompetenzen - wie z.B. in der Frage biblischer Exegese u.a. - anzubieten haben. Zudem hilft ein kritischer Blick "von außen" oft die eigene Innensicht zu präzisieren.
Die katholische Jungschar verbindet mit den anderen christlichen Kirchen viele gemeinsame Fragestellungen (z.B. nach dem Problem der allgemeinen Säkularisierung, nach der neuen religiösen Bedürftigkeit außerhalb der traditionellen Konfessionen, nach der Lösung sozialer Fragen usw.)
Besonders im Bereich der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit beschäftigen uns Fragen nach einer zeitgemäßen religiösen Erziehung und Begleitung von Mädchen und Buben, von jungen Frauen und jungen Männern. Hierzu kann eine verstärkte ökumenische Zusammenarbeit gerade im Grundlagenbereich (Gesellschaftsanalyse, Pädagogik, Seelsorge ...) sehr nützlich und hilfreich sein ...

Nötige ökumenische Abgrenzungen ...

Aus der Beobachtung gesellschaftlicher Entwicklungen lässt sich feststellen, dass sich derzeit ein immer breiter und vielfältiger werdender religiöser "Markt" entwickelt. Innerhalb des christlichen Segmentes zeichnen sich derzeit zwei Grundströmungen ab, die quer durch alle Konfessionen oder konfessionellen Gruppen gehen. Grob kann man hier unterscheiden zwischen jenen, die an Zusammenarbeit und ökumenischem Dialog interessiert sind - und jenen, die diese Kooperation aus grundsätzlichen Überlegungen verweigern. Letztere zeichnen sich meist durch eine fundamentalistische Denkhaltung und mehr oder weniger radikale Bekehrungspraxis aus.

Die zumeist traditionellen christlichen Kirchen, die sich in der Ökumenischen Bewegung zusammengeschlossen haben, stehen vor der Herausforderung, ihre gewachsenen theologischen Überzeugungen in inhaltlicher, formaler und wissenschaftlich-methodischer Hinsicht gegenüber diesen radikalen Gruppen klarstellen und nötigenfalls auch abgrenzen zu müssen. Dies vor allem im Sinne eines fairen und seriösen christlichen Glaubensangebotes an suchende Menschen.

Gerade in der religiösen Erziehung von Kindern und Jugendlichen ist eine ökumenische Zusammenarbeit für die katholische Jungschar von Bedeutung, um ein zeitgemäßes christliches Religionsverständnis weiterzuentwickeln und Verkürzungen, Manipulationen oder Missdeutungen entschieden entgegenzutreten.

Möglichkeiten zu konkreter ökumenischer Praxis finden und nützen ...

Die Katholische Jungschar engagiert sich ökumenisch über die aktive Mitgliedschaft im Ökumenischen Jugendrat in Österreich (ÖJRiÖ). Seit 1989 ist die Jungschar ordentliches Mitglied des ÖJRiÖ und bekennt sich zu ökumenischer Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Kinder- und Jugendorganisationen des Landes.
Ein wesentlicher Teil dieser Zusammenarbeit besteht in kontinuierlichem Austausch, wechselseitiger Information und Initiierung gemeinsamer Projekte.

Die Katholische Jungschar will ihre Kontakte über den ÖJRiÖ zu den VertreterInnen der Kinder- und Jugendarbeit der anderen christlichen Kirchen aktiv nützen: Durch Einladung zu Bildungsvorgängen, Teilnahme an Austauschtreffen, sowie Mitwirkung an ökumenischen Initiativen. Konkret soll eine Befassung mit dem Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österrech zum Anlass für eine verstärkte ökumenische Zusammenarbeit auf Diözesan- und Bundesebene genützt werden.

Ein kontinuierliches Projekt ökumenischer Zusammenarbeit ist der ökumenische Weltgebetstag der Kinder, der jährlich im Frühjahr gefeiert wird. Die Katholische Jungschar arbeitet in der Vorbereitung dieses Projektes mit und bewirbt die Durchführung offensiv in der eigenen Organisation.

Mittelfristig wird angestrebt, ökumenische Kontakte vor Ort ausfindig und bekannt zu machen sowie untereinander zu vernetzen. Jungschargruppen aus Pfarren, in deren Gebiet auch andere christliche Kirchen tätig sind, sollen zu ökumenischer Zusammenarbeit am Ort aufgefordert und dabei unterstützt werden.

Positionspapier der Kath. Jungschar
beschlossen von der Bundesleitung, 27. Juni 2004