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Konkurrenz

1. Worum es geht

Unter dem Begriff „Konkurrenz“ versteht man vieles: Rivalität zwischen Menschen, (sportlicher) Wettstreit und Wettkampf, (wirtschaftlicher) Leistungsvergleich … Konkurrenz entsteht zum einem aus dem Bedürfnis des Menschen, sich mit anderen zu messen und zu vergleichen, zum anderen aus Mangelsituationen. Konkurrenz ist zudem ein typisches Merkmal einer kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur, die auf Wettbewerb und Leistungsbewertung ausgerichtet ist.

Konkurrenz tritt zwischen Menschen immer auch dort auf, wo nicht auf die unterschiedlichen Fähigkeiten des/der Einzelnen geachtet wird, sondern „Gleichheit“ postuliert wird. Das Bedürfnis nach Individualität führt dann dazu, dass sich Menschen vergleichen, sich im Vergleich bewerten und um Vorrangstellungen wetteifern. Richtet sich die Aufmerksamkeit auf Vielfalt, dann entsteht die Forderung nach „fairer“ Konkurrenz, weil plötzlich deutlich wird, dass Vergleiche zwischen „Nicht-Gleichen“ schwer oder gar nicht möglich sind.

2. Konkurrenz im Erleben der Kinder

Mädchen und Buben sind von klein auf Konkurrenzsituationen ausgesetzt. Sie erfahren Wertschätzung und Anerkennung häufig über Leistung und Erfolg. Sie sind mit Mangelsituationen konfrontiert, die unsere Gesellschaft künstlich herstellt: Leistungserfordernisse, Wertvorstellungen, Idealbilder von gesunden, erfolgreichen, begehrenswerten Frauen und Männern. Wer diese Ansprüche erfüllen will, begibt sich zwangsläufig in Konkurrenzsituationen und erfährt eine dementsprechende Bewertung ihres/seines Handelns, ihrer/seiner Person.

Für (Schul-)Kinder wird das besonders deutlich spürbar, wenn sie Anerkennung immer nur dann bekommen, wenn sie gute Leistungen erbringen, d.h. aus Konkurrenzsituationen als Gewinner/innen hervorgehen. Leider wachsen Mädchen und Buben mehrheitlich unter sozialen Bedingungen auf, in denen das Gewinnen einer Konkurrenzsituation wesentlich zur positiven Beeinflussung des Selbstwertgefühls beiträgt – und das Verlieren zu einer dementsprechend negativen Beeinflussung.

Wer Konkurrenz von klein auf gelernt hat, braucht ein starkes Selbstbewusstsein, um auf Konkurrenz im Umgang mit anderen Menschen wieder verzichten zu können.
Traditionell werden in unserer Gesellschaft Buben verstärkt dazu angehalten und aufgefordert, in Konkurrenz zu anderen zu treten – Mädchen eher zur Zurückhaltung und zum sozialen Ausgleich erzogen.

3. Konkurrenz in der Jungschargruppe

Die Jungschargruppe ist für Mädchen und Buben eine Vergleichssituation. Die Kinder finden sich in einer Gruppe scheinbar Gleicher wieder, was Wettstreit und Leistungsvergleiche provoziert. Die (Selbst-)Organisation eines Gruppengefüges verlangt zudem die Klärung von Zielen, Regeln und Rollen. Das kann Konkurrenzverhalten verstärken, weil es dabei ganz stark um wechselseitige Aufmerksamkeit, Respekt und Anerkennung unter den Kindern geht.
Auf mehrere Kinder kommt ein/e Gruppenleiter/in. Die Mädchen und Buben müssen Bedürfnisse nach ihrer/seiner Zuwendung und Beachtung untereinander teilen und damit umgehen können, wenn einzelne mehr davon bekommen als andere. Das kann wiederum Eifersucht und Rivalitäten fördern.

Ein bedeutsames Ziel der Jungschararbeit ist es also, einen guten Umgang mit derlei Konkurrenzsituationen in der Gruppe zu entwickeln(Leerzeichen raus)Entscheidend dabei, neben Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen des Gruppenleiters / der Gruppenleiterin, sind ihre/seine Möglichkeit und Fähigkeit in das Gruppengeschehen einzugreifen und den Kindern bei der Aushandlung solcher Konkurrenzsituationen weiterzuhelfen, z.B. indem sie/er

  • Gewalttätigkeiten in der Gruppe unterbindet
  • Schützend eingreift
  • Hilfen für konstruktives Streiten anbietet
  • Aushandlungsprozesse zwischen den Kindern begleitet

Mitunter kann es auch hilfreich sein, den Mädchen und Buben Räume zu eröffnen, um vorhandene Konkurrenz spielerisch, beispielsweise im Rollenspiel ausagieren zu können.

Gruppenleiter/innen müssen auch ihr eigenes (Konkurrenz)Verhalten reflektieren können. Die Beziehungsgestaltung zu jedem Kind ist unterschiedlich, Sympathien lassen sich nicht erzwingen. Das Wissen um die sozialen Hintergründe eines Buben oder eines Mädchens ermöglichen aber in jedem Fall ein besseres Verstehen und entsprechenden Respekt vor der Persönlichkeit. Ziel einer guten Gruppenbegleitung muss sein, dass den Kindern das Miteinander Spaß macht und sich alle beim Zusammensein wohl fühlen. 

4. Konkurrenz in der Spielkultur

Die Katholische Jungschar hat sich eine kooperationsfördernde Spiel- und Aktionskultur als Ziel für ihre Arbeit mit den Kindern gesetzt. Das bedeutet vor allem die Vielfalt unter den Gruppenmitgliedern wertzuschätzen und einander bewusst zu machen: Die unterschiedlichen Begabungen, Fertigkeiten und Interessen der Mädchen und Buben bestimmen die Praxis der Gruppenarbeit

  • Indem Spiele und Aktivitäten ausgewählt werden, die allen Kindern in der Gruppe Spaß machen und das Miteinander fördern
  • Indem Aktivitäten bevorzugt werden, wo Mädchen wie Buben ihre unterschiedlichen Interessen und Fertigkeiten gleichberechtigt und gleichbewertet einbringen können
  • Indem Spiele, die Wettbewerbscharakter haben, nur dann eingesetzt werden, wenn Regeln geändert werden können und Glück und Zufall neben Leistung und Können für den Spielspaß ausschlaggebend sind.
  • Indem darauf geachtet wird, dass jedes Kind die Möglichkeit hat, sich mit seinen Talenten und Leistungen in der Gruppe so zu präsentieren dass es ausreichend Anerkennung und Wertschätzung von den anderen erhält.

Beschlossen am 10. IDF der KJSÖ am 24. November 2011