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Koedukation

Portrait Mädchen und JungeDas gelingende Miteinander von Frauen und Männern hat größte gesellschaftspolitische Bedeutung. Koedukation gilt als zentrale pädagogische Maßnahme, Mädchen und Buben einen partnerschaftlichen Umgang zu lehren und Chancengleichheit zu sichern.

Koedukation ist die gemeinsame Erziehung von Mädchen und Buben. Seit vielen Jahren gibt es koedukative Jungschargruppen. Da wissenschaftliche Untersuchungen - vor allem aus dem Schulbereich - unter verschiedenen Aspekten darauf hinweisen, dass die allgemein gängige koedukative Praxis in vielen Fällen nicht jene Vorteile bringt, die man sich erhofft hatte, ja sogar Nachteile für die betroffenen Kinder - vor allem für die Mädchen - bringen kann, bemühen wir uns in der Jungschar nun um eine Qualifizierung der Koedukation.

1. Was heißt "qualifizierte Koedukation" aus Sicht der KJSÖ ?

Die KJSÖ ist überzeugt davon, dass koedukative Arbeit für das gedeihliche Zusammenleben von Mädchen und Buben, von Männern und Frauen förderlich ist. Im Bemühen um eine Qualifizierung der koedukativen Arbeit geht es uns um:

  • das Aufbrechen von Rollenfixierungen, die der Identität der Mädchen und der Buben zuwiderlaufen.
  • die Erweiterung des Selbstkonzeptes von Buben und Mädchen auf Eigenschaften und Fähigkeiten des jeweils anderes Geschlechts.
  • die Erfahrung von gegenseitiger Wertschätzung und das Einüben von anerkennenden Haltungen.
  • die gleichberechtigte Teilnahme und Teilhabe von Mädchen und Buben an Vorgängen, die sie alle betreffen.
  • die Möglichkeit, sich zeitweilig vom anderen Geschlecht zu absentieren, um spezifische Aspekte des Mädchen- bzw. des Bub-Seins zu bearbeiten.

2. Konsequenzen für die Jungschararbeit

Jede koedukative Gruppe soll eine weibliche und eine männliche Bezugsperson haben, idealerweise als Gruppenleiterin und Gruppenleiter. Ist dies gar nicht möglich, dann ist jedenfalls eine Person zu suchen, zu der die Kinder eine eigenständige Beziehung aufbauen können.

Qualifizierte Koedukation in der Jungschar fragt sich immer, worunter Mädchen und Buben in der aktuellen gesellschaftlichen Situation aufgrund ihres Geschlechts leiden und schließt daraus, was speziell die Mädchen bzw. speziell die Buben von und in der Gruppe brauchen.

Vor allem in der Arbeit mit Buben muss die Auseinandersetzung mit sich selbst als Person gezielt gefördert werden, da dieser Aspekt noch weitgehend vernachlässigt wird.

Vor allem in der Arbeit mit Mädchen muss die Stärkung des Selbstbewusstseins - auch gegenüber Buben - gefördert werden.

Wesentlich ist, dass sich die Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter ihr eigenes Frau- bzw. Mann-Sein bewusst machen und sich damit auseinandersetzen.

Qualifizierte Koedukation in der Jungschar berücksichtigt die je eigene Buben- bzw. Mädchen-Perspektive vor allem in folgender Hinsicht:

  • Durch bewusste Parteilichkeit wird eine andere, neue und reflektierte Fraulichkeit und eine andere, neue und reflektierte Männlichkeit gefördert.
  • "Weibliche" bzw. "männliche" Kompetenzen werden reflektiert und einer Auf- bzw. Neubewertung zugeführt.
  • Den Kindern werden Möglichkeiten bereitgestellt, sich im Gruppenalltag auch in geschlechtshomogenen Gruppen zusammenzufinden.

Dieser Text ist Teil des Positionspapiers "Koedukation", das der Bundesführungskreis der KJSÖ am 5. November 1993 in St. Pölten beschlossen hat.