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"Kindern absichtlich Raum geben"

"Niemand will so viele Reformen durchführen wie Kinder" (Franz Kafka)

Kindgerechtheit zum Gestaltungsmaßstab machen

Trotz ausgeprägter Kinderfreundlichkeit vieler Erwachsener wird unser Lebensraum immer kinderfeindlicher. Die Sorge um das einzelne Kind kann die strukturelle Rücksichtslosigkeit gegenüber Kindern nicht wettmachen. Oft gilt lediglich: "Was für Erwachsene passt, wird schon für Kinder gut sein!" Kindgerechtheit muss neu als Gestaltungsmaßstab gewonnen und strukturprägend werden.

Kinder sind nicht nur "die Zukunft der Kirche", sie sind vielmehr ein wichtiger Teil "ihrer Gegenwart" - auch und gerade im Gemeindeleben. Sie sollen dort mit ihren Interessen und Erwartungen Heimat finden, denn Kinder sind gleichwertige PartnerInnen im gemeinsamen Prozess der Glaubenssuche. Eine solche kinderfreundliche Pfarrgemeinde kann gelingen, wenn

  • Kindern in der Gemeinde Raum gegeben wird, dass sie sich leiblich, geistig und seelisch entfalten, also "groß und stark" werden können. Ein solcher Raum ist nur dann möglich, wenn Erwachsene nicht immer steuernd und kontrollierend eingreifen.
  • um eine kindgerechte Liturgie immer wieder neu gerungen wird: Stärkung der Beteiligung von Kindern und deren Mitgestaltungsmöglichkeiten; Verwendung einer Sprache und von Symbolen, die Kinder nicht ausgrenzt bzw. ihnen zugänglich sind; bei Kernpunkten der Feierkultur Kindern bewusst Deutungen anbieten; bei der Kirchenraumgestaltung Kindern Platz geben; Kinder zu nichts zwingen.
  • Kinder bei pfarrlichen Aktivitäten entsprechend beteiligt werden: Bei Pfarrfesten, Ausflügen, ... gibt es auch genügend Angebote, die für Kinder attraktiv sind. Bei Flohmärkten, sozialen Aktionen, ... gibt es Rollen und Aufgaben, die Kinder übernehmen und dadurch die gemeinsame Leistung mittragen können.
  • Kinder in der Pfarre Menschen begegnen, ... die ihnen belastbare Beziehungen anbieten, auf die sie sich verlassen können, ... die sie an ihren Hoffnungen und Sorgen teilhaben lassen und ihnen Werte und Haltungen durch ihr Leben weitergeben, ... die ihre eigenen Fehler den Kindern nicht verschweigen, Kindern keine Angst machen und bereit und interessiert sind, von Kindern auch zu lernen.

Kindgerechtheit in verschiedenen kirchlichen Handlungsfeldern überprüfen

Auch viele kirchliche Strukturen und Handlungsfelder sind danach zu prüfen, inwieweit sie der Nutzung durch Kinder gerecht werden - zum Beispiel:

  • Kirchliche Medien: Werden in kirchlichen Medien (Kirchenzeitungen, Pfarrblätter, ... ), auch Kinder als AdressatInnengruppe angemessen berücksichtigt? Kinder brauchen Informationen, die im Zusammenhang mit ihren konkreten kirchlichen Erfahrungsräumen stehen.

Kirchliche Räume und Ressourcen zu Gunsten der Kinder umverteilen

Die Raum- und Ressourcennutzung in unseren Pfarrgemeinden ist noch immer stark erwachsenenzentriert. Selten hat man beim Betreten einer Kirche den Eindruck, dass sie auch als Feierraum für Kinder genutzt wird. Pfarrsäle und Gruppenräume werden oft für Erwachsene geplant und eingerichtet und können für die Kinderarbeit nur unter Auflagen benutzt werden. Kindern absichtlich Raum zu geben, ist auch ein Zeichen der Anerkennung und Teilhabe in der Gemeinde - Zeichen, die auf vielfältige Weise gesetzt werden können:

  • Wir treten dafür ein, dass Kinder bereits in die Planung pfarrlicher Raumnutzung einbezogen werden und zumindest ein großer Raum in Ausgestaltung und Nutzung den Kindern vorbehalten ist.
  • Oft mangelt es an kindgerecht gestalteten Bewegungsflächen im Freien. Wenn Pfarren über Freiflächen, wie Pfarrplätze, Pfarrgärten oder Innenhöfe verfügen, sollen diese für Kinder zugänglich und auch zum Spielen geeignet sein.
  • Pfarrliche Kinderarbeit und Kinderpastoral braucht auch eine adäquate finanzielle Unterstützung. Wir schlagen vor, dass Kinderpastoral in den pfarrlichen Haushaltsplänen eigens ausgewiesen wird und im Vergleich zu anderen pastoralen Sachmittelausgaben angemessen dotiert wird. Auch organisatorische Unterstützung wie Kopierer-, Telefon- und EDV-Nutzung und sekretarielle Begleitung sollten für die Kinderpastoral eine Selbstverständlichkeit sein.

Resolution des Bundesführungskreises der Katholischen Jungschar Österreichs im Frühjahr 2002 in Arbogast