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Autorität

Im Leben jedes Menschen spielen Autoritäten eine bedeutende Rolle. Autoritäten können bedrohlich und unangenehm sein oder aber eine wichtige positive Stütze für die eigenen Entwicklung darstellen. Umgekehrt sind aber auch Kinder Autoritäten - wenn man sie ernst nimmt.

Was ist Autorität?

Will man das Wort "Autorität" übersetzen, dann hilft es, sich auf dessen Ursprung im Lateinischen zu beziehen, wo es soviel wie "Ansehen" heißt. Seit dem Mittelalter wird das Wort für Menschen gebraucht, die als "maßgebende Persönlichkeiten" verstanden werden. Dementsprechend bezeichnet man auch heute als Autorität Personen oder Institutionen, die aufgrund verschiedener Eigenschaften eben maßgeblich sind für andere und in irgendeiner Weise Ansehen genießen und dadurch Einfluß auf andere ausüben. Wir meinen, dass Autorität an sich etwas Positives ist, da sie Menschen Sicherheit geben kann. Sie ist dann abzulehnen, wenn sie dazu benutzt wird, autoritäre Entscheidungen zu treffen, über andere zu herrschen und Gewalt auszuüben.


Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, anderen gegenüber Autorität zu haben:

a. Autorität durch Amt oder Funktion

Zu ihr kommt eine Person dann, wenn es eine Regel oder ein Gesetz gibt, das anderen vorschreibt, sich dieser Autorität zu unterwerfen bzw. das die Entscheidungen dieser Person (oder Personengruppe) als allgemein verbindlich erklärt. Dazu gehören in den jeweils ihnen zugehörigen Tätigkeitsfeldern etwa PolizistInnen, Feuerwehrhauptleute, LehrerInnen, Erziehungsberechtigte, Bischöfe, aber auch das Parlament oder der Verfassungsgerichtshof. Hier hat jemand deshalb Einfluß auf andere, weil er oder sie ein bestimmtes Amt oder eine Funktion innehat. Das hat zunächst einen wichtigen Sinn. Wenn beispielsweise die Feuerwehr zu einem Brand gerufen wird, dann braucht es eine Person mit entsprechender Autorität, die die richtigen Kommandos und Befehle gibt, damit das Löschverfahren koordiniert ablaufen kann.

Eine Person, die nur dann auf Menschen Einfluß ausüben kann, wenn sie sich auf ihre Amts- bzw. Funktionsautorität beruft, genießt bei den betroffenen Menschen wenig persönliches Ansehen. Amtsautorität ohne Fachwissen und ohne persönliche Überzeugungskraft wirkt oft gezwungen und gewalttätig und wird somit autoritär.

b. Autorität durch Fachwissen

Eine Person kann andere auch beeinflussen, wenn sie in einem gerade zur Debatte stehenden Bereich über Fachwissen verfügt. Oftmals wird vor wichtigen Entscheidungen eine Fachfrau oder ein Fachmann als Orientierungshilfe herangezogen, weil man sich eben von dieser bzw. diesem im Entscheidungsprozeß beraten lassen will. Ein Besuch beim Arzt etwa begründet sich aus dessen Fachautorität, eine Lehrperson oder eine Politikerin sollten ihre Autorität unter anderem aus besonderer Fachkenntnis auf ihrem (Aufgaben-) Gebiet beziehen. In vielen Belangen können ebenso GruppenleiterInnen gegenüber Kindern Fachautorität haben, weil sie zum Beispiel schon längere Lebenserfahrung haben und sich in manchen Dingen besser auskennen als die Kinder.

c. Autorität durch Persönlichkeit

"Autorität durch Persönlichkeit" wird einer Person von anderen zugeschrieben, man kann sie nicht erzwingen, man sie sich aber erwerben. Sie ist jene Art von Autorität, die am meisten (nachhaltigen) Einfluß auf das Denken und Handeln anderer Menschen ausübt. Menschen mit persönlicher Autorität können darauf verzichten, auf Funktion oder Fachwissen zu pochen, damit ihnen zugehört wird. Sie wirken durch sich selbst auf andere. Diese Autorität wird leider auch mißbraucht; etwa dann, wenn das Gegenüber nicht ernstgenommen wird und wenn versucht wird, mit Hilfe der persönlichen Überzeugungsmacht andere Menschen zu manipulieren. Autorität durch Persönlichkeit kann man sich erwerben, indem man am eigenen Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein arbeitet, sein eigenes Handeln stets reflektiert, sich dadurch die Fähigkeit der Überzeugung aneignet und das Gegenüber immer ernst nimmt!
Oft sind diese verschiedenen Aspekte von Autorität in einer Person vereint, auch ein/e GruppenleiterIn hat von jedem ein bißchen etwas.

d. weitere Begriffsklärungen

Rund um den Begriff Autorität sind im Laufe der Zeit weitere Begriffe entstanden, die leicht zu Verwirrung führen. Darum seien sie hier kurz erklärt:

  • autoritär nennt man einen Stil bzw. ein Verhalten, das unbedingten Gehorsam von anderen fordert und das diktatorisch ist. Autoritär ist jemand, der seine Autorität dazu verwendet, über andere zu herrschen und zu bestimmen.
  • autoritativ nennt man jenen Stil oder jenes Verhalten, das auf Autorität und Ansehen beruht und das für andere maßgebend und entscheidend ist.
  • autokratisch ist jemand, der selbstherrlich bzw. der unumschränkt und alleine herrscht.
  • antiautoritär ist jemand, der sich gegen einen autoritären Stil wehrt und sich von diesem absetzt. Leider wird dieser Begriff oft fälschlicherweise dafür verwendet, um einen Stil zu beschreiben, der völlig darauf verzichten will, gezielt Einfluß auf die Entwicklung eines anderen zu nehmen. Dies wäre besser mit "laissez faire" (sprich: läße fär), das so viel heißt wie "gewähren lassen", zu benennen.

e. Das heißt für die Jungschararbeit...

Am bedeutsamsten für die Jungschararbeit ist die persönliche Autorität, die auf jegliche Macht- und Überlegenheitsdemonstration zu verzichten fähig ist. Kinder schreiben einer Gruppenleiterin, einem Gruppenleiter von vornherein Autorität zu. Sie/er bleibt Autoritätsperson für die Kinder, sofern sie/er immer glaubwürdig und partnerschaftlich handelt. Autorität ist also nicht eine Frage des Alters! Autorität haben heißt aber auch, Verantwortung haben für den Einfluss, den ich ausübe. Darum muß ich immer fähig sein, mein Handeln zu reflektieren und darüber Rechenschaft abzulegen.

Letztlich ist es auch von wesentlicher Bedeutung, vor der Autorität des Kindes Achtung zu haben und sich im Dialog mit Kindern immer auch ein Stück weit von ihnen beeinflussen zu lassen.

Dieser Text wurde vom Arbeitskreis für Kinderpastoral- und Pädagogik der KJSÖ erarbeitet und verabschiedet, im März 1994.