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Aggression

Es gibt kein Leben ohne Aggression, so sehr wir es uns auch wünschen. Auch im Leben der Kinder spielt Aggression eine wichtige Rolle, ob sie nun Aggressionen ausgesetzt sind oder selbst aggressiv werden. In der Jungschar soll es Raum dafür geben, einen guten Umgang mit Aggression kennenzulernen und zu üben.

1. Was ist Aggression?

Das Wort "Aggression" heißt von seinem Ursprung her so viel wie "auf etwas zugehen". Es beschreibt also einen Zustand der offensiven Aktivität, ohne noch festzuhalten, in welcher Weise diese Aktivität durchgeführt wird. In unserem Kulturraum wird mit Aggression meistens eine negative bzw. ungesunde Verhaltensweise bezeichnet. Wir verstehen unter Aggression einen psychischen Zustand, der ein Verhalten auslöst, das darauf abzielt, Individuen (anderen Menschen oder sich selbst) oder Sachen Schaden zuzufügen, sie zu schwächen, in Angst zu versetzen oder zu beleidigen. Für unser weiteres Nachdenken wird es also hilfreich sein, zu unterscheiden zwischen

  • Aggressionen als Gefühle, innere Zustände und psychische Zustände und
  • aggressivem Verhalten als Äußerung der Aggression


2. Wie entstehen Aggressionen?

Über die Entstehung von Aggressionen gibt es viele unterschiedliche Theorien. Für die Praxis in der Jungschargruppenarbeit ist es hilfreich, Aggression als eine Reaktion auf Frustration bzw. als Reaktion auf ein Gefühl der Bedrohung zu verstehen. Wenn sich ein Mensch bedroht fühlt, dann muß er sich irgendwie verteidigen. Und diese Verteidigungshandlung äußert sich oft in aggressivem Verhalten. Das heißt, dass es im Grunde genommen gut ist, zur Aggression fähig zu sein, weil es ein Zeichen dafür ist, dass ein Mensch fähig ist sich zu verteidigen, wenn er oder sie sich bedroht fühlt.
Auch Frustrationen können als Bedrohung erlebt werden. Sie hindern einen Menschen daran, jene Erfolge zu erzielen, die er oder sie anstrebt. Sie tauchen auf, wenn ein Mensch einen Mangel erlebt, z.B. wenn er Hunger hat, sich eingeengt fühlt oder wenn ihm langweilig ist. Frustrationen entstehen auch, wenn man unangenehmen oder schädigenden Reizen wie Beleidigungen, Belästigungen oder eben den Aggressionen anderer Menschen ausgesetzt ist. Je größer diese Frustrationen sind, desto bedrohlicher wirken sie auf den Menschen. Um darin nicht völlig unterzugehen, um (psychisch) überleben zu können, entwickeln Menschen Aggressionen als Verteidigungsstrategie. Aus diesem Verständnis heraus wird deutlich, dass etwa Kinder, die sich selbst sehr schwach und klein fühlen, häufiger aggressives Verhalten zeigen als solche, die ein gestärktes Selbstbewußtsein haben. Oder anders ausgedrückt: Wenn ein Kind auffallend aggressiv ist, dann können wir in vielen Fällen davon ausgehen, dass es sich in seinem Inneren sehr klein, schwach und unterlegen fühlt. Ein Unterlegenheitsgefühl, ein Minderwertigkeitsgefühl wirkt im Zusammensein mit anderen natürlich sehr bedrohlich.


3. Wie äußern sich Aggressionen?

Aggressives Verhalten kann sich gegen Personen oder Sachen richten. Es kann sich auch gegen einen selbst richten; das ist die psychisch gesehen ungesündeste Variante. Durch welches Verhalten die innere Aggression nach außen hin gezeigt wird, ob verbal oder non-verbal, ob durch Gewalt oder durch demonstrative Ignoranz, hängt von verschiedenen Umständen ab: von der momentanen Situation, von den anwesenden Personen, von der Struktur des Systems (es ist etwa ein Unterschied, ob Aggressionen in der Schule oder in der Familie auftreten) oder auch von der Tagesverfassung. Wesentlich ist auch die Erfahrung, mit welchen aggressiven Verhaltensweisen die Person bereits Erfolg gehabt hat und welches Verhalten sie bei anderen Personen beobachten konnte. Wenn beispielsweise ein Kind erlebt, dass Konflikte von Erwachsenen oft gewalttätig gelöst werden und dass dabei der oder die Stärkere am Schluß am besten aussteigt, dann wird es selbst diese Verhaltensweise anderen gegenüber vorziehen, wenn es vermutet, der oder die Überlegene zu sein.


4. Wie können wir mit aggressivem Verhalten von Kindern umgehen?

Besonders wichtig ist es, darauf zu achten, unnötige Frustrationen zu vermeiden. Ein genaues Überlegen und Abwägen, ob das, was von den Kindern verlangt und erwartet wird, wirklich notwendig ist und ihren Bedürfnissen nicht (massiv) entgegensteht, kann viele unnötige Frustrationen und damit die entsprechenden aggressiven Verhaltensweisen verhindern. Für den Umgang mit Aggressionen sollte folgender 5-Schritt als Grundlinie beachtet werden:

   1. entspannen: Immer, wenn es aggressiv zugeht, sind die Beteiligten innerlich angespannt. Es ist dann kaum möglich, "vernünftig" zu handeln. Darum ist es vordringlich, sich bzw. die Kinder zuerst einmal zu entspannen. Man kann bei sich selbst dadurch anfangen, indem man zweimal tief durchatmet, bevor man eine weitere Handlung setzt.

   2. versuchen zu verstehen: Jedenfalls muß versucht werden zu verstehen, warum ein Kind aggressiv ist. Schon dieses Verstehen kann in einer angespannten Situation sehr hilfreich sein.

   3. Verstehen äußern: Wenn im Verstehensprozeß eine Vermutung über den Grund des Verhaltens auftaucht, dann kann diese als Mutmaßung (nicht als Diagnose!) geäußert werden. So erlebt das Kind, dass es verstanden wird und dass seine Gefühle zugelassen werden.

   4. Standpunkt beziehen: Nicht jedes Verhalten, das verstanden wird, muß zugleich akzeptiert werden. So wichtig es ist, gerade in angespannten Situationen persönliche Nähe zu zeigen, so wesentlich ist es auch, immer wieder auf die elementarsten Gruppenregeln hinzuweisen und die eigene Meinung zu äußern.

   5. Alternativen suchen: Letztlich sollte auch gemeinsam überlegt werden, wie das nächste Mal in einer vergleichbaren Situation gehandelt werden könnte.

Dieser Text wurde vom Arbeitskreis für Kinderpastoral- und Pädagogik der KJSÖ erarbeitet und verabschiedet, im März 1994.