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Abenteuer

Kinder lieben Abenteuer. Nicht immer und nicht alle alles Abenteuerliche. Aber ein Leben ganz ohne Abenteuer klingt etwas öd. In der Jungschar versuchen wir, Kinder Gelegenheit zu geben, Abenteuer zu erleben, ohne dass es bedrohlich wird oder sie Angst bekommen.

Was ist gemeint?

Das Wort "Abenteuer" ist verwandt mit dem lateinischen Wort "advenire", das so viel wie "auf sich zukommen", "sich ereignen" bedeutet. Das Hauptwort "l'aventure" (französisch) oder niederdeutsch "Aventiure" bezeichnet ein Ereignis, eine Begebenheit, ein Wagnis, etwas Ungewöhnliches oder Seltsames. (Auch das Wort "Advent" ist mit dem Wort "Abenteuer" verwandt!)

Abenteuer können wir als eine Form des intensiven Sich-Selbst-Erlebens verstehen, auch durch eigenes Tun. Dabei setzt man sich zum Teil ungewissen, nicht voraussehbaren Ereignissen aus, wobei sich ein Bogen entwickelt, in dem Spannung aufgebaut und nach einiger Zeit wieder aufgelöst wird. Sehr viele Tätigkeiten von Kindern, gerade wenn sie dabei sind, die Welt um sich herum zu entdecken, bergen daher Aspekte von Abenteuer. In diesem Sinn können wir sagen, daß Kinder Abenteuer brauchen, die es ihnen möglich machen sich selbst in bezug auf andere und auf ihre Umwelt intensiv erleben zu können. Wenn Kindern das Erleben von solchen Abenteuern verwehrt bleibt, etwa durch eine beengende Umgebung oder durch permanente Appelle, doch "vernünftig" zu sein, werden sie sich höchstwahrscheinlich andere Möglichkeiten suchen, vergleichbare Gefühle zu erleben, zum Beispiel durch extrem gefährliche Aktionen auf der Straße (z.B. Skateboardfahren auf der Gehsteigkante oder auf einem hohen Geländer balancieren).

Das Spannende, Abenteuerliche in vielen Spielen der Kinder entsteht dadurch, daß sie sich im Spiel einer Ungewißheit und damit einem Risiko aussetzen, das es im Verlauf des Spiels zu bewältigen gilt. Nachtspiele, Entdeckungs- und Erfindungsspiele und Aktionen in ungewohnter Umgebung sind meist von sich aus abenteuerlich für die Kinder, ohne daß versucht werden, durch besondere zusätzliche Gestaltungselemente eine Aktion noch spannender zu machen.

In der Jungschar wollen wir den Kindern möglichst authentische Abenteuerräume zugänglich machen. Diese unterscheiden sich von künstlichen Abenteuerräumen, in denen Kinder nicht Wirklichkeit an sich sondern nur deren Abbildung erleben, etwa in der Abbildung auf dem Fernsehschirm oder auf dem Computer, in der Abbildung im Buch oder durch Erzählungen von abenteuerlichen Erlebnissen. (Eine Auflistung von natürlichen Abenteuer-Welten der Kindheit ist umseitig zu finden).

Bei "Abenteuer-Aktivitäten" in der Jungschar müssen wir immer darauf achten, daß die Ungewißheit des Abenteuers nicht zur Bedrohung wird, die Angst macht. Jede gestellte Aufgabe müssen die Kinder aus eigenem Vermögen heraus bewältigen können. Die Lösung eines Problems darf sich nicht dadurch erweisen, daß ein/e GruppenleiterIn als "Retter in der Not" auftaucht und damit den Kindern die Möglichkeit nimmt, eigenständig ihre Aufgaben zu lösen und persönliche Erfolgserlebnisse zu genießen. Keinesfalls darf Kindern absichtlich und gezielt Angst gemacht werden (Angst). Wenn die angenehm erlebte Spannung zur unangenehm erlebten Angst wird, dann wird den Kindern jegliches positives Abenteuererlebnis unmöglich gemacht.


Abenteuer-Themen

Thomas Lang beschreibt acht Grundthemen in der Entwicklungsphase von 6 - 12 -jährigen, die mit Erlebnis- und Abenteuer-Welten von Kindern verknüpft sind. Sie sind in der außerschulischen Arbeit von besonderer Bedeutung.

1. Jäger und Sammler: Kinder mittleren Alters haben einen ausgeprägten Hang dazu, die Natur zu erforschen und zu diesem Zwecke dem vielfältigen Getier, das es zu beforschen gilt, nachzujagen. Ebenso oder fast noch ausgeprägter zeigt sich eine Sammlerleidenschaft, deren Objekte so vielfältig wie das Leben selbst sind.

2. Sich sein eigenes Haus bauen: Kinder suchen sich unterschiedlichste Objekte, die sie zu ihren kleinen, intimen Eigenheimen umgestalten: große Kartonschachteln oder Nischen hinter einer Sitzbank, Hausecken oder Baumgeäst. So schaffen sie sich Räume, in denen sie selbst über den Ablauf der Dinge bestimmen können und in denen sie ihre Unabhängigkeit erproben.

3. Pflegen und hüten: Ein Beispiel dieses Grundthemas ist der heftige Wunsch vieler Kinder, ein Haustier zu besitzen und es zu hüten. Viele Kinder machen sich zu "Paten" von Tieren der Umgebung, etwa dem Hund der Nachbarin. Auch die Pflege von Pflanzen gehört zur Erfüllung dieses Grundanliegens.

4. Entdecker- und Erfindergeist: Der Entdecker- und Erfindergeist der Kinder dieses Alters bringt zugleich eine schrittweise Entfernung vom Elternhaus, das nun für die Erforschung der Welt und der Möglichkeiten, die sie einem bietet, an Bedeutung verliert.

5. Handwerk und Handel: Kinder haben Spaß daran, aus fast jedem Material, das sich ihnen bietet, handwerklich etwas herzustellen. Auch der Handel mit jeglichem Kleinod oder auch mit gesammelter Ware ist ein wichtiges Thema dieses Alters.

6. Freundschaften, Gruppen und Banden: Daß die Pflege von Freundschaften und das Bilden von Gruppen und Banden in dieser Zeit der Kindheit einen besonderen Stellenwert einnimmt, ist für uns in der Jungschar nichts Neues. Schließlich nimmt unsere Arbeit von ihnen ihren Ausgangspunkt.

7. Körpererfahrungen: Der eigene Körper wir nun in einer neuen Art entdeckt und erlebt - in Spielen, in sportlichen Betätigungen und in kleinen Alltagshandlungen. Etwa in Doktorspielen erforschen Kinder ihren Körper und untersuchen, wie er auf verschiedene Reize reagiert. Auch das Entdecken der eigenen Sexualität gehört zu diesem Grundthema.

8. Phantasiewelten: Diese sind nicht nur Abwechslung und Ergänzung im kindlichen Alltag. Sie helfen den Kindern auch, ihre Erlebnisse zu bewältigen und kreative Lösungen für anstehende Probleme zu finden. Darum spielen Geschichten und Sagen, auch altersentsprechende Märchen eine wichtige Rolle im Alltag der Kinder und sind Kristallisationspunkt und Anregung für Phantasien.

Literatur: Lang, Thomas: Kinder brauchen Abenteuer. Ernst-Reinhard-Verlag, 1992.

Dieser Text wurde vom Arbeitskreis für Kinderpastoral- und Pädagogik der KJSÖ erarbeitet und verabschiedet, im März 1994.