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Gottesdienste mit Kindern

Kinder sind regelmäßig in Gottesdiensten anzutreffen. Entweder, weil sie mit ihren Eltern mitkommen, oder weil in der Pfarre eigens gestaltete Gottesdienste für Kinder angeboten werden. Üblicherweise sind auch Feste oder andere besondere Anlässe (z.B. Jungscharaufnahmefeier ...) Gelegenheiten, bei denen vermehrt Kinder in die Kirche kommen.

An diesen Punkten stellt sich die Frage, ob und wie diese liturgischen Feiern auf die Teilnahme von Kindern ausgerichtet sind.

Wenn du einen Gottesdienst mit Kindern vorbereitest, dann solltest du vorab drei grundsätzliche Fragen beantworten:

1. Die Frage nach dem (äußeren) Anlaß

Es gibt unterschiedliche Gelegenheiten, Gottesdienst zu feiern. Neben dem regelmäßigen Sonntagsgottesdienst sind da die Feste im Jahreskreis (Weihnachten, Ostern,...), öffentliche Feiern (Kirchweihfest, Ortsjubiläum, ...) oder Brauchtumsfeiern (Erntedank, Nikolaus, Sternsingeraussendungsfeier,...).

Für die Kinder gibt es Gottesdienste während des Schuljahres, Vereinsfeiern (Feldmesse der PfadfinderInnen, Jungscharaufnahmefeier, ...) sowie die Feier besonderer Sakramente (Erstkommunion, Firmung...).

Für die Jungschargruppe selbst bieten sich auch viele Möglichkeiten an, Gottesdienste zu feiern: In der Gruppe, während eines Lagers, als Teil einer Wanderung oder zur Einstimmung auf die großen Kirchenfeste (Adventfeier, Kreuzweg ...)

Der konkrete Anlaß bestimmt in erster Linie die thematische Vorbereitung des Gottesdienstes. Darüberhinaus gibt es auch für besondere Feieranlässe besondere Zeremonien, die du kennen mußt, wenn du an eine kindgerechte Vorbereitung denkst.

2. Die Frage nach der Zielgruppe

Gottesdienste unterscheiden sich auch nach der Zusammensetzung der TeilnehmerInnen und deren durchschnittlichem Alter. Es gibt:

  • Gottesdienste für Erwachsene, an denen viele Kinder teilnehmen.
    Das sind z.B. die sog. ”Familienmessen”, aber auch alle (pfarrlichen) Festgottesdienste, die möglichst alle Generationen bei der Feier vereinen.
  • Gottesdienste für Kinder, an denen einige Erwachsene teilnehmen.
    Das sind besondere Kindergottesdienste, zu denen Kinder allein oder in Begleitung ihrer Eltern kommen können.

Eine besondere Form sind in diesem Zusammenhang die Feier der Sakramente (Erstkommunion, Firmung ...), wo zusätzlich noch die Pfarrgemeinde ”dabei ist”.

  • Gottesdienste mit Kindern, an denen nur wenige, ausgewählte Erwachsene teilnehmen.
    Das sind in erster Linie Gruppen- oder Gemeinschaftsgottesdienste sowie Schulgottesdienste. Wir können aber auch jene Kindergottesdienste dazu zählen, die z.B. parallel zur sonntäglichen Gemeindemeßfeier veranstaltet werden.

Die Bezugnahme auf die Kinder wird in jedem Fall anders sein: Einmal gestalten sie selbst den Gottesdienst, dann wiederum stehen sie aus besonderem Anlaß im Mittelpunkt, im ”Mindestfall” sollen sie angeregt mittun können.

Auch das Alter der Kinder verdient in diesem Zusammenhang besondere Berücksichtigung: Kleinkinder brauchen ihre Eltern als Bezugspersonen im Gottesdienst, auch zu zwischenzeitlicher Ablenkung oder ”stiller Beschäftigung”. Kindergarten- oder Schulkinder möchten konkret mittun können - und ältere wollen vielleicht lieber ”unter sich” sein, wenn sie einen Gottesdienst feiern.

3. Die Frage nach der Art des Gottesdienstes

Wenn wir Gottesdienst feiern, dann muß es sich dabei nicht in jedem Fall um eine Eucharistiefeier handeln. Der Wortgottesdienst ist z.B. die Grundform unserer verschiedenen Liturgien. Gerade mit Kindern lohnt es sich, verschiedene Feierformen auszuprobieren:

  • Wortgottesfeiern
  • Segensfeiern (z.B.: Haustiersegnung zum Fest des Hl. Franz v. Assisi, Segnungsfeier für die Sternsingergruppe,...)
  • Andachten (z.B. Kreuzwegandacht, Krippengang, ...)
  • Gebetsfeiern (z.B. Morgen- und Abendlob am Sommerlager, ...)
  • Lebenszeitliche Feiern (z.B. Buß- und Versöhnungsfeier, Krankensegnung, ...)
  • Sakramentenfeiern (z.B.: Taufe, Erstkommunion, Firmung ...)
  • Eucharistiefeier

Der Eucharistiefeier und der Feier der Sakramente muß nach derzeitigem Kirchenrecht ein Priester vorstehen. Die anderen Feiern dürfen (und sollen !) auch von Laien, Männern wie Frauen, geleitet werden. Das ist für dich als GruppenleiterIn von besonderer Bedeutung, weil du damit auch im gemeinsamen Gottesdienst eine wichtige Bezugsperson für die Kinder bleibst.

Die Vorbereitung von Kindergottesdiensten

Neben der Klärung dieser Grundfragen gilt es noch weitere Fragen zur Vorbereitung von Gottesdiensten mit Kindern möglichst konkret zu beantworten. Die folgende ”Checkliste” bezieht sich in erster Linie auf inhaltliche und gestalterische Fragen.

  • Ist eine Bibelstelle (etwa beim Sonntagsgottesdienst) oder ein Thema (z.B. bei einem besonderen Fest) der Ausgangspunkt inhaltlicher Überlegungen ?) (Beispiel: Evangelium von der Heilung des blinden Bartimäus: Mk 10, 46b-52)
  • Welchen persönlichen Zugang habe ich selbst zu diesem inhaltlichen Schwerpunkt des Gottesdienstes? (Beispiel: Kenne ich Situationen, in denen ich ”mit Blindheit” geschlagen war - und wie bin ich da wieder herausgekommen ? Hat mir jemand dabei geholfen ? Wie ging das ?)
  • Welche Perspektiven lassen sich von der Bibelstelle bzw. vom Thema her entfalten ? (Beispiel: Jemand ist in Not und schreit um Hilfe, es gibt Leute, die ihn abschieben und ”zum Schweigen” bringen wollen, er läßt nicht locker, gibt gegen Widerstand nicht auf, bekommt letztlich das, was er braucht.)
  • Welche Blickrichtung ist aus der Perspektive der Kinder interessant bzw. für sie nachvollziehbar ? (Beispiel: Ich bin oft die/der Kleine, die/der gerne von der Erwachsenen weggeschoben wird. Mit meinen Fragen, meiner Neugier, aber auch meinen Ängsten bin ich allein. Ich muß mich ziemlich anstrengen, daß Erwachsene auf mich reagieren. Aber ich laß mich nicht abwiegeln. Ich vertrau darauf, daß eine/r mich hört und mir weiterhilft.)
  • Welche lebhaften Tätigkeitsformen fallen mir zu meinem inhaltlichen Schwerpunkt ein ? (Beispiel: Ausprobieren, wie gegen Umweltlärm lautes Schreien geht.)
  • Welche Fragestellungen sind für die Kinder von Bedeutung ? (Beispiel: Wie können wir Erwachsene auf unsere Fragen aufmerksam machen?)
  • Wie kann ich die Fragestellungen methodisch einkleiden? (Beispiel: Puppenspiel: verschiedene Möglichkeiten, Aufmerksamkeit von Erwachsenen zu erreichen ausprobieren.)
  • Welches Material kann ich sinnvollerweise einsetzen und woher bekomme ich es ? (Beispiel: verschiedene Handpuppen, ev. mit den Kindern in der Vorbereitung selbst gebastelt)
  • Welche Elemente gottesdienstlicher Feiern (Gebete, Segnungen, Lesungen, Psalmen, Lieder, Predigt, Prozessionen, Symbolhandlungen ...) möchte ich gestalten bzw. in den Gottesdienst einbauen ? (Beispiel: Bibelstelle auch mit den Puppen - und verteilten Rollen - vortragen)
  • Passen die einzelnen Elemente gut zueinander (Lieder <-> Texte <-> Symbolhandlungen ...) ? (Beispiel: Lied zur Bibelstelle: ”Mutmacherlied” - Notenstrudel 156)
  • Sind die vorgesehenen Texte (Lieder, Gebete, Lesungen, Predigt ...) für die Kinder verständlich? (Beispiel: Fürbitten von den Kindern zum Thema selbst formulieren lassen ...)
  • Kann ich den Raum gegebenenfalls so einrichten oder umgestalten, daß die Kinder gut miteinander feiern können? (Beispiel: Statt des Ambo u.U. eine kleine ”Bühne” mit Hilfe eines auf die Seite gelegten Tisches bauen, sodaß die Kinder gut das Puppenspiel sehen können ...)
  • Unterstützen technische Hilfsmittel die Gestaltung - oder stören sie eher? (Beispiel: Ausprobieren, ob es für das Puppenspiel mehrere Mikrofone für die verschiedenen SprecherInnen braucht, oder ob es auch ohne Mikros gut verständlich bleibt ...)

Eine wertvolle Hilfe zur Vorbereitung von Gottesdiensten mit Kindern bietet das ”Direktorium für Kindermessen”, das von der römischen Kongregation für den Gottesdienst auf Anregung mehrerer Bischofskonferenzen des deutschen Sprachgebietes 1973 herausgegeben wurde. Der Deutsche Katechenten-Verein und das Liturgische Institut Trier hat den Text zusammen mit einer Fülle weiterer praktischer Hinweise als handliche Broschüre publiziert. Diese kannst du über die Diözesanbüros der Kath. Jungschar beziehen.

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