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Bezahlung von Ministrant/innen?

Auf der Suche nach mehr Ministrant/innen kommen Menschen auf die sonderbarsten Ideen – manche auch auf die Idee, Kinder für etwas zu bezahlen, dass die doch eigentlich gerne machen!

Viele Pfarren, die Kinder für das Ministrieren bezahlen, glauben Kindern nichts anderes anbieten zu können. Es fehlt an GruppenleiterInnen, an Pfarrräumen, an Spielgeräten, an Menschen die sich für Kinder Zeit nehmen.
Die Bezahlung von MinistrantInnen wirft viele grundsätzliche Fragen auf, Fragen nach dem Wert von Ehrenamtlichkeit, nach der Rolle als MinistrantInnen, nach der Motivation der Kinder.

Als katholische Jungschar stellen wir bei unseren Gedanken rund ums Ministrieren immer die Mädchen und Buben in die Mitte. So können wir uns fragen, was denn ein Kind, das am Sonntag ministrieren geht, überhaupt will. Will es nach getaner Arbeit tatsächlich Geld haben? Kinder haben zu Geld eine völlig andere Beziehung als wir Erwachsene, und das ist gut so. Sicherlich freuen sich Mädchen wie Buben, wenn sie Geld bekommen, schließlich können sie mit dem Geld z.B. Süßigkeiten kaufen. Dennoch macht es einen riesen Unterschied aus, wenn ein/e Gruppenleiter/in gegen Schulschluss mit der Ministrant/innen-Gruppe Eis essen geht. Klar, die Kinder hätten sich das Eis auch alle einzeln kaufen können, mit dem Geld, dass sie letzten Sonntag bekommen haben.

Und doch bin ich davon überzeugt, dass das allein und selbstgekaufte Eis bei weitem nicht so gut schmeckt wie das Eis, das sie beispielsweise bei einem gemeinsamen Ausflug bekommen und gemeinsam mit ihren Freundinnen und Freunden essen können.

Bezahlung von Kindern birgt in sich auch noch andere Gefahren. Zum Ersten ist Geld eine messbare Größe – wenn Minis für ihre Dienste bezahlt werden, wir es nicht lange dauern, und sie beginnen einander zu vergleichen und zu messen. Bald werden deine Kinder erkennen, dass es lukrativere Mini-Dienste gibt (Taufe, Hochzeit…) und weniger lukrative (Sonntagsmesse…). So kann schnell eine Eigendynamik entstehen, dass MinistrantInnen nur noch in die Kirche kommen, um Geld zu verdienen.

Außerdem ist es keine kindgerechte Form von Wertschätzung. Geld ist und bleibt für viele Kinder ein gedrucktes Stück Papier und glänzende Metallstücke, die zuhause in eine Sparbüchse geworfen werden. Kinder haben grundsätzlich kein Interesse an Geld – sie wollen spielen, Spaß haben, gemeinsam mit Anderen Abenteuer erleben und die Welt entdecken. Dazu ist Geld manchmal hilfreich, um sich beispielsweise ein neues Spielzeug zu kaufen, aber garantiert nicht notwendig.
Woran kannst du dich in deiner Kindheit besser erinnern: An das teuerste Spielzeug oder das größte Eis, dass sie sich selbst gekauft haben, oder an ihren besten Freund und ihre beste Freundin?

Die Bezahlung von MinistrantInnen ist oftmals einfach auch schon zur Gewohnheit geworden. So wie der Mesner und der Organist nach der Messe ihr Geld bekommen, werden die Minis ebenso bezahlt. Ein solches System aufzubrechen, kann sehr schwer sein und bei Kindern, Pfarrer und bei der Pfarrgemeinde auf Unverständnis stoßen. Bei all den Schwierigkeiten im Alltag, die mit dem Weggang von Bezahlungssystemen einhergehen, dürfen wir eines nicht vergessen. Das Bild, das wir von MinistrantInnen in der Messe haben. In unserem Fall ist es ein Bild von fröhlichen Buben und Mädchen, die Pfarre als ein Stück Heimat empfinden, die GruppenleiterInnen haben, zu denen sie eine belastbare Beziehung haben. Einfach Kinder, die sich aufs Ministrieren freuen.

 

 

Kleine Ministrantenfigur aus Fimo gebastelt mit