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Hier bloggt Sara Dallinger, Vorsitzende der Jungschar Österreichs, von der Mini-Wallfahrt in Rom.

Freitag, 07.08.: Voll vertrauen gehen wir

Ich sitze im Zug nach Wien. Erstaunlich wie schnell die Zeit vergeht. Ein wenig eigenartig fühle ich mich dabei, in die ‚normale‘ Zivilisation zurück zu kehren – aber das bringen solche bewegenden Wochen meist mit sich. Ich lehne mich zurück und versuche die zahlreichen Gedanken, die ich für diesen letzten Blogeintrag im Lauf des vergangenen Tages in Rom schon gesammelt habe, zusammen zu fassen.

Wie es so ist, kommt es manchmal nicht so wie man plant. So auch an diesem letzten Tag unserer Wallfahrt. Vormittags streiken die öffentlichen Verkehrsmittel in Rom, sodass ein Besuch der Diözesen Salzburg und Feldkirch verunmöglicht wird. Es ist schade nicht alle Diözesen besuchen zu können, aber in der Woche sind wir einander ohnehin zahlreiche Male begegnet. Ich stelle also ein neues Programm für diesen Tag zusammen, um noch ein paar letzte Eindrücke von Rom und der Wallfahrt einzufangen.

Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Morgenlob mit einer Gruppe der Diözese Linz. Wir feiern in Santa Maria Maggiore, der Kirche, in der montags auch das Anfangsgebet mit der Diözese Graz-Seckau stattgefunden hat. Mayella erzählt, dass in dieser Kirche seit über 1000 Jahren täglich eine Heilige Messe gefeiert wird. Bei unserem Morgenlob wird gesungen und die gestrigen Worte von Bischof Wilhelm Krautwaschl werden nochmals in Erinnerung gerufen. Ich merke die Erschöpfung und die Müdigkeit, die nach so intensiven Tagen nicht verwunderlich sind. Trotzdem bleibt die Begeisterung – alle erzählen sich noch vom gestrigen Gottesdienst und Begegnungsfest. Das Gefühl Teil einer großen Kirche zu sein ist bei vielen nun wirklich angekommen.

Nachmittags darf ich mich einer Gruppe motivierter Ministrantinnen aus Zirl anschließen, die sich einen ganz besonderen Ort für den Abschluss ihrer Wallfahrtswoche ausgesucht haben: den Schlüssellochblick auf dem Aventino. Wir steigen auf den Hügel und tatsächlich ist der Blick aus dem unscheinbaren Schlüsselloch überwältigend. Vielleicht kann er auch als ‚Erinnerungsblick‘ für die Wallfahrt gelten: ganz gleich wie unser Weg aussehen mag, wie verschlungen oder gerade, mit welchen Umwegen oder Zwischenhalten: wir können uns darauf verlassen, von Gott getragen und begleiten zu sein.

Es bietet sich an, noch einen Sprung bei den Minis der Diözese Innsbruck vorbei zu schauen. Sie feiern ihr Abschlussgebet in einer niederländischen Kirche neben dem Petersplatz. Generalvikar Jakob Bürgler und Jungscharseelsorger Wolfgang Meixner gestalten das Gebet. Sie nutzen dieses Gebet für Dank, aber auch für einen Segen: „Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu weisen. Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen. Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst. Der Herr sei um dich herum, um dich zu beschützen. Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.“ Aufbruchsstimmung macht sich bemerkbar. Und wenn auch nicht jeder die Frage mit Worten beantworten können wird, wie die Zeit in Rom sein Leben beeinflusst hat, so merkt man den Funken, der aus dieser Woche und den vielen Begegnungen auf die Minis übergesprungen ist.

Auch für mich wird es Zeit, zu meinem Reisebus zurückzukehren. Ich schaffe es gerade beim Treffpunkt anzukommen, als der Bus heranrollt und merke nun auch bei mir die Anstrengung der letzten 5 Tage, als ich gleich nachdem ich meinen Platz gefunden habe, in eine Stunde tiefen Schlaf versinke. Aufgeweckt werde ich durch den Beginn des gemeinsamen Abendlobes. Noch einmal erklingen vielstimmig die Lieder der Rom-Wallfahrt 2015. Stefan aus Linz spricht abschließende Worte im Abendlob: „Es ist wie in dem Lied ‚Here I am Lord‘. Da stellt Gott auch die Frage: ‚Whom shall I send?‘ Und wenn wir im Alltag Situationen erleben, bei denen wir merken, da können wir Werkzeug des Friedens sein, dann brauchen wir nur eines: Mut, ja zu sagen und zu handeln.“. Ich denke solche Schlussworte sind das beste Zeichen dafür, was einen einfachen Romurlaub von unserer Wallfahrt unterscheidet: es war eine Woche voller Bestärkung für diesen Mut, aktiv auf Jesus zu hören und als Christinnen und Christen die Welt mitzugestalten.

Zum Abschluss gilt es noch von Herzen Dank auszusprechen. CIM für die Organisation der gesamten Wallfahrt, Bischof Wilhelm Krautwaschl für das gemeinsame Feiern, Elisabeth Greil für die österreichweite Koordination, allen diözesanen Koordinator/innen, den Busbegleiter/innen der über 50 österreichischen Busse und den Gruppenleiter/innen, die mit ihren Minis eine solche Wallfahrt wagen und die Verantwortung für die jeweiligen Gruppen tragen. Nicht zuletzt jedoch sei auch all den Ministrantinnen und Ministranten gedankt. Ihr macht die Kirche lebendig, seid ansteckend mit eurer Freude und Begeisterung und setzt Woche für Woche deutliche Zeichen dafür, dass Glaube kein Tabu für junge Menschen ist. Es ist mir in dieser Woche wieder ganz deutlich bewusst geworden, wie groß die Ehre ist, als Vorsitzende tätig sein zu dürfen.

Donnerstag, 6.8.: Es ist schön solche Freunde zu haben

Ein vorletzter Tag in Rom: Hitze, alte Gebäude und beeindruckende Geschichte prägten den Vormittag, der Nachmittag stand ganz im Zeichen des überwältigend schönen Gottesdienstes und des Begegnungsfests der Österreicher/innen.

Die Minis der Diözese Eisenstadt hatten sich für diesen Vormittag das Colosseum und das Forum Romanum vorgenommen. Trotz der Hitze und der Müdigkeit ob der fortgeschrittenen Woche standen wir in der Schlange für Gruppen an, um das eindrucksvolle Bauwerk zu besichtigen. Dominik, Zuständiger für Kinder- und Jugendpastoral in einer Regionalstelle der Diözese, nutzte sein Studium in Geschichte, um die Minis mit allerhand Wissen zu versorgen. So erzählte er zum Beispiel von der Möglichkeit, für das Nachstellen von Seeschlachten das Colosseum zu fluten oder von den zehn Tage dauernden Eröffnungsspielen. Nach einem der besten Erlebnisse der vergangenen Tage gefragt, schildert Christof aus der Pfarre Pinkafeld das gemeinsame Pizzaessen. „Es ist gar nicht zu leicht, hier gute Pizza zu finden. Wir mussten mehrere Restaurants hinter uns lassen, weil dort nur Tiefkühlpizza verkauft wird. Und das obwohl wir in Italien sind!“

Ab Mittag liefen die Vorbereitungen für den Abend auf Hochtouren. Aufbau der Technik, letzte Absprachen und logistische Überlegungen bestimmten den frühen Nachmittag. Gefeiert wurde in St. Paul vor den Mauern, einer großen Basilika. Gegen 15:30 treffen nach und nach die Minis aus allen Diözesen Österreichs ein. Die Basilika füllt sich bis zum letzten Platz. Besonders beeindruckend und schön ist, dass es, als Wolfgang Meixner, Diözesanjungscharseelsorger der Diözese Innsbruck, kurz um Ruhe bittet, in einer Kirche mit 3100 Minis mucksmäuschenstill wird.

Ebenfalls besonders ist die Predigt des Diözesanbischofs von Graz, Wilhelm Krautwaschl. Er greift eine sehr spannende und herausfordernde Frage auf: was heißt es eigentlich ‚auf Jesus zu hören‘? Bischof Krautwaschl schlägt vier verschiedene Wege vor: im Gottesdienst, beim Umsetzen eines Wortes oder eines kurzen Satzes aus der Bibel im täglichen Leben, beim Besuch von Kirchen und durch das Zuhören, Respektieren und Annehmen des jeweils Nächsten. Er zeigt durch Beispiele konkret, was diese Punkte bedeuten können.

Berührend ist das gemeinsame Singen. Begleitet werden wir dabei vom Herz.chor Swinging Acts, einem Chor mit Band aus Oberösterreich. 3100 Stimmen singen gemeinsam ‚Here I am Lord‘. Dabei muss ich an die Herfahrt im Bus denken, bei der dieses Lied auch gesungen wurde. Hier sind wir, stehen vor Gott, feiern gemeinsam Heilige Messe. Wir als Minis, als Christinnen und Christen vertrauen darauf, dass Gott uns auf unserem Weg begleitet, welcher Berufung auch immer wir in unserem Leben nachgehen.

Nach dem Gottesdienst und einem guten Lunchpaket beginnt das Begegnungsfest auf der kleinen für uns aufgebauten Bühne neben der Kirche. Zahlreiche Minis zeigen nun, dass sie nicht nur den Dienst am Altar gerne tun, sondern auch beim Tanzen und Feiern voll dabei sind. Herz.chor Swinging Acts sorgt durch geniale Lieder für unglaubliche Stimmung und gemeinsam mit Markus Mochoritsch, Minireferent der Diözese Graz-Seckau darf ich moderierend durch den Abend führen. Neben Statements von Minis, Organisator/innen und dem Bischof Wilhelm Krautwaschl gibt es auch einige Möglichkeit zum Austausch und zum einander Begegnen. Den Abschluss bildet eine Tauschaktion von Postkarten, die vielleicht über den Sommer zu Mini-Freundschaften und Austausch führt: jeder schrieb seine Adresse auf eine Postkarte und tauschte diese dann mehrmals mit den Minis um sich herum. Wir dürfen also gespannt auf Post warten, wenn wir nach Hause kommen!

Mittwoch, 05.08.: kalt - heiß: ein Tag der Gegensätze

Wer meint, dass diese Woche in Rom Urlaub und Entspannung sei, der irrt. Bereits um 6:30 waren die Minis der Diözese Kärnten und ihre Begleiter/innen auf den Beinen, um sich nach einem stärkenden Frühstück auf den Weg zu den Domitilla-Katakomben zu machen.

Die Gruppe aus Kärnten ist mit knapp 50 Teilnehmer/innen zwar die kleinste Gruppe, die aus Österreich an der Wallfahrt teilnimmt. Das schlägt sich jedoch nicht im Geringsten auf ihre Motivation nieder: ich treffe auf eine bunte, begeisterte, aber natürlich auch schon etwas müde Gruppe.

Zu den Domitilla-Katakomben zu reisen ist eine Besonderheit. Diese Katakomben, von denen es mehrere gibt, sind unterirdische Friedhöfe, die sich außerhalb des damaligen Roms befanden. Bis heute konnten über 60 dieser unterirdischen Plätze gefunden werden. Einige sind sogar mehr als zehn Kilometer lang. Es sind Begräbnisstätten der ersten Christinnen und Christen und deshalb haben diese Orte eine ganz besondere Austrahlung.

Unsere Tour beginnen wir in einer unterirdischen Basilika. Ein sehr kompetenter Guide erzählt uns einiges über die Entstehung der Katakomben und Leben und Glauben der damaligen Christen. Besonders weist er uns auf die Unterschiede der Pilgerschaft von damals zu heute hin. 80 Tage war ein Pilger zu Fuß von Augsburg nach Rom zu jener Zeit unterwegs. Bevor er uns zum Spaziergang in die Katakomben selbst einlädt, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu: „Probeliegen ist nur dienstags zugelassen, somit schaut, dass ihr euch nicht verirrt!“

Jakob aus Kärnten ist schon sehr gespannt und fragt, ob er noch weitere Infos zu den Katakomben bekommen kann. Gerhard Simoniti, Kinder- und Jugendseelsorger der Diözese Kärnten, war schon mehrmals hier und bietet sein Wissen gerne an. Beim Betreten der unterirdischen Gänge fällt als erstes der große Temperaturunterschied auf. Nur 18 Grad hat es hier, wir begeben uns vier Stockwerke unter die Erde, 34 Meter am tiefsten Punkt. Zu beiden Seiten der Gänge sind Vertiefungen in die Wände eingelassen, zahlreiche Abzweigungen kreuzen unseren Weg. In die Platten, die teilweise die Grabnischen bedecken, sind Zeichen der frühen Christen wie Anker und Fische eingekerbt.

Während wir am Weg sind komme ich mit Kathrin aus der Pfarre Sankt Theresia ins Plaudern. Sie schildert mir die Arbeit in ihrer Pfarre und als Religionslehrerin. Mit 15 Kindern ist ihre Pfarre Teil der Mini-Wallfahrt. Ihre Minis freuen sich schon sehr auf das morgige Begegnungsfest mit ganz Österreich. „So wie es der Guide vorhin formuliert hat: es ist ein Anknüpfen. Hier an die Traditionen der frühen Christen und morgen an all die anderen Minis die aus Österreich nach Rom gekommen sind. Es ist schön mit Kindern so etwas zu erleben!“

Vorsichtig und langsam steigen wir die Treppe aus den Katakomben wieder hinauf in die Vormittagshitze. Dort warten bereits zahlreiche Minis anderer Diözesen, denn der Besuch der Katakomben ist heute Teil vieler Programme. Ich darf mich nach einem Gruppenfoto von den Kärntnern verabschieden und zur Diözese Innsbruck wechseln. Im Gegensatz zu den kalten Katakomben steht jetzt ein heißer Strandnachmittag bevor.

Mit dem Bus fahren wir die 40 minütige Strecke bis nach Ostia an den Strand. Busbegleiterin Bianca erinnert alle noch daran, eine Jause für das Meer zu kaufen, bevor wir es uns in einem Strandbad auf Liegen unter Sonnenschirmen gemütlich machen. Einige Innsbrucker begeben sich sofort ins kühle Nass. Fürsorglich hat eine kleine Gruppe an Minis Bianca beim Wort genommen und überraschen mit Fischfutter als ‚Jause für das Meer‘. Wir genießen Melone und verbringen die Zeit mit baden, spielen, plaudern und dem Nachschlafen der Defizite der letzten Nächte. Dem nun doch auftretenden Urlaubsgefühl kann man sich kaum erwehren. Aber wie hat es Klara aus der Diözese Innsbruck so treffend formuliert: „Das ist kein Urlaub, das ist einfach eine hammergeile Woche!“

Dienstag, 4.8.: Werkzeuge des Friedens

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des Vatikans. Bereits vormittags verbrachte ich die Zeit mit der Diözese St. Pölten auf dem Petersplatz und im Petersdom, nachmittags fand das Begegnungsfest und Gebet mit dem Papst statt.

Pius, Vorsitzender der Jungschar St. Pölten und Busbegleiter der von mir besuchten Gruppe, erzählte während der Wartezeit auf den Einlass in den Petersdom nicht nur spannende Details über den Vatikan, sondern schaffte es durch Spiel und Späße seine Gruppe trotz der Hitze bei wunderbarer Laune zu halten. „Das Wichtigste ist die Freude am Minidienst,“ meint er, als zwischen einem Schreispiel und einem Lied kurz Zeit für ein Gespräch ist. „Und die multipliziert sich durch die Gemeinschaft. Und wo kann Gemeinschaftserfahrung schöner sein als in der ewigen Stadt?“

Roman aus Klein-Pöchlarn nutzt die Wartezeit effizient. Er schreibt Postkarten an alle Daheimgebliebenen. 30 Karten wurden gekauft. Während wir in der Schlange stehen, schafft er es beinahe alle fertig zu schreiben. Gerne ist er zu einem Foto bereit. Auch er freut sich schon auf den Besuch des Papstes am Nachmittag und erzählt mir  von seinen Erlebnissen am gestrigen Tag in Rom. Noch eine Möglichkeit, mir die Wartezeit zu verkürzen, lerne ich von Toni: er zeigt mir, wie die einzelnen Schritte zu einem kompletten Rubik’s Cube funktionieren. Ich bin fasziniert!

Einige Lieder, Spiele und Unterhaltungen später schaffen wir es in den Petersdom. Er beeindruckt wie jedes Mal durch seine Monumentalität und lässt all die zahlreichen Menschen, die ihn füllen, sehr klein wirken. Pius erzählt einige sehr interessante Fakten zum Dom, die Minis der Gruppe sind mit einem eigens gestalteten Quiz-Heft im Petersdom unterwegs. Nach dieser Herausforderung haben sich alle ein gutes Mittagessen verdient.

Der Nachmittag bricht schneller an als gedacht und zum Petersplatz strömen aus allen Himmelsrichtungen begeisterte Minis aus aller Welt. Über 8000 Sitzplätze stehen bereit, und als Überraschung verschaffen vier Feuerwehrmänner mit zwei Wasserschläuchen bei den heißen Temperaturen wohlige Abkühlung.

Und dann geht es auch schon los mit dem Begegnungsfest. CIM-Bischof Ladislav Nemet begrüßt alle Anwesenden und natürlich werden die Länder einzeln aufgerufen. Auch die Bischöfe aller Länder, die das Gebet mitfeiern, begrüßen. Wunderbare Bands begleiten uns mit stimmigen Liedern durch den ersten Teil des Festes. Überall werden bereits die bunten Wallfahrtstücher getauscht, bunt und fröhlich herrscht quirliges Treiben am Petersplatz. Schließlich ist es soweit: um 18h trifft Papst Franziskus am Platz ein. Zuerst fährt er einige Runden auf dem Platz und begrüßt die Ministrant/innen von allen Seiten. Dann beginnt das gemeinsame Gebet.

Papst Franziskus spricht beim Gebet von einem sehr wichtigen Punkt an: Ministrant/innen als Werkzeuge des Friedens, einem Frieden der über nationale Grenzen hinausgeht und für den diese Zusammenkunft auch Zeichen sein soll. Denn im Leben ist es möglich eine große Reise zu machen, weil wir von Christus begleitet werden. Minis sind Werkzeug der Gegenwart und Barmherzigkeit Gottes. Denn der Glaube lässt uns aus uns selbst und aus der Isolierung herausgehen und auf andere Zugehen. Es ist ein berührendes Zusammentreffen zwischen dem Papst und den Minis aus aller Welt, das die Begeisterung für die Kirche als Gemeinschaft deutlich werden lässt.

Diesen Abend lasse ich bei einem Spaziergang durch das nächtliche Rom ausklingen und plaudere über die Botschaften, die wir uns vom Gebet mitnehmen und das was wir in Pfarren, in Diözesen und österreichweit als Werkzeuge des Friedens umsetzen können. Besonders schön ist es zu wissen, dass Papst Franziskus mit einem Salzburger Mini sein Tuch getauscht hat, und nun ein besonderes Erinnerungsstück an Österreich in Händen hält.

Montag, 3.8.: In deinem Namen wollen wir

Alle Busse aus Österreich haben ihr Ziel gut und sicher erreicht. Und bereits der erste Tag war (und ist immer noch) ein Tag voller Erlebnisse. Angefangen beim Kennenlernen der Hotels, in denen wir die kommenden Nächte wohnen bis hin zu einem Gebet mit der Diözese Graz in Santa Maria Maggiore. Aber alles der Reihe nach.

Den Aufenthalt in Rom durften wir mit traditionell italienischem Essen beginnen. Da wurde von Meeresfrüchten bis Lasagne alles aufgetischt, was das Herz begehrt. Die ausgezeichneten Speisen luden die Energie der oberösterreichischen Minis und ihrer Gruppenleiter/innen wieder auf und so ging Bus 21 der Diözese Linz nachmittags auf Entdeckungstour. Auf diese begleitete ich sie nicht mehr, sondern wechselte zur Diözese Graz. Bereits auf dem Weg zu meinem neuen Treffpunkt konnte ich etwas Geniales entdecken: bunte Wallfahrtstücher führen zu vermehrter Freundlichkeit unter einander unbekannten Menschen! Man lächelt einander zu, grüßt winkend oder rufend und hat beinahe das Gefühl einander schon zu kennen.

Angekommen in Santa Maria Maggiore traf ich vor der Kirche nicht nur Bischof Wilhelm Krautwaschl, der vor kurzem sein Amt in der Diözese Graz-Seckau angetreten hat. Auch der ORF war ganz neugierig auf die zahlreichen jungen Menschen, die da - bestückt mit roten Tüchern - in diese beeindruckende Kirche einzogen. Gemeinsam zeigten die Minis aus der Steiermark einen kleinen Vorgeschmack auf die Menge der diese Woche in Rom Versammelten. Über 600 Kinder und Jugendliche stimmten in das Lied 'In deinem Namen wollen wir', das zu Beginn gesungen wurde, mit ein.

Bischof Wilhelm Krautwaschl stellte allen Anwesenden gleich zu Beginn die Frage, ob sie von der vergangenen Nacht im Bus bereits ausgeruht seien. Dass diese Frage nur sehr wenige mit Ja beantworten konnten, nahm er mit Humor. Nach der Lesung vom brennenden Dornbusch gab er den Minis aus der Steiermark eine Aufgabe: "Mose hatte das Erlebnis mit dem brennenden Dornbusch und bestimmt hatte jede und jeder von euch auch ein solches Erlebnis, das euch zum Ministrieren bewegt hat! Denkt kurz darüber nach und erzählt euer Erlebnis dann eurem Nachbar, eurer Nachbarin.“ Sofort erhebt sich Gemurmel, auch ich beginne an mein erstes Jahr als Ministrantin zu denken und nehme mir fest vor, später ein paar Kinder zu ihren Erlebnissen zu befragen.

‚Voll Vertrauen gehen wir den Weg mit dir mein Gott‘ lautet die erste Zeile des letzten Liedes. Ich blicke durch die unzähligen Reihen an Ministrant/innen und habe das Gefühl, dass der Text, genau beschreibt, wie wir in dieser Woche und auch in unserem restlichen Leben unterwegs sind. Auch wenn das volle Vertrauen nicht immer einfach ist. Auch Bischof Wilhelm Krautwaschl greift diesen Gedanken auf: „Wir sind als Minis und als Christen hier unterwegs. Das Leben mit Gott ist toll aber manchmal ziemlich schweißtreibend. Nutzen wir diese gemeinsame Woche um uns gegenseitig zu stärken!“

Als das Gebet zu Ende ist berichtet mir Torsten, Jungschar- und Miniseelsorger der Diözese Graz-Seckau, was ihm so besonders an dieser Wallfahrt gefällt: „Mich freut total das so viele Kinder und Jugendliche hier mit uns sind. Die Stimmung ist total toll, schon seit unserem Startgottesdienst gestern und die ganze Nacht im Bus.“ Er lacht. „Wenn ich mich so umschaue, habe ich das Gefühl: der Glaube geht weiter. Es finden hier so viele unglaublich tolle Begegnungen statt!“

Alle Minis aus der Steiermark versammeln sich auf den Stufen vor der Kirche zu einem Gruppenfoto. Viele von den Touristen bleiben stehen, um die große Schar zu betrachten. Mitten unter den Kindern und Jugendlichen ist auch der Bischof, nun wieder in Zivil. Nach dem Foto treffe ich noch eine steirische Pfarrgruppe. „Wir sind aus der Pfarre Straden in der Südoststeiermark!“ erzählen sie. Johannes, einer der Minis dieser Gruppe meint: „Also nach Rom gefahren bin ich, weil ich Rom immer schon einmal sehen wollte und das eine tolle Möglichkeit ist. Es ist ein Ereignis bei dem man Begeisterung spürt!“ Auf die Frage nach seinem Mini-Erlebnis verrät er mir: „Ich hatte einen sehr tollen Religionslehrer, der mich dafür begeistert hat!“ Helena und Romana ergänzen, dass bei ihnen allen der damalige Pfarrer einfach nachgefragt hat, ob sie ministrieren möchten. „Und da haben wir dann einfach damit angefangen!“

Bei einem gemütlichen Abendessen schließe ich diesen ersten Tag in Rom ab. Morgen geht es mit einer Gruppe der Diözese St.Pölten in den Vatikan, bevor am Nachmittag ein großes Highlight, das Gebet mit dem Papst, auf dem Programm steht. Den ganzen Tag schon habe ich immer wieder mit unterschiedlichen Menschen über den morgigen Nachmittag gesprochen und alle erwarten wie ich gespannt die Begegnung mit diesem so besonderen Papst. Dieses Ereignis wird auch im Livestream übertragen: http://w2.vatican.va/…/vatican…/it/2015/8/4/ministranti.html Das Wichtigste des Tages gibt es abends wieder hier zu lesen.

Sonntag, 2.8.: Alle Wege führen nach Rom…

…sagt ein altbekanntes Sprichwort, das gerade von über 3000 jungen und jung gebliebenen Menschen in die Tat umgesetzt wird! Ich darf meine Reise nach Rom im Bus 21 der Diözese Linz antreten. Während ich meinen Bericht beginne, erklingen einige Reihen hinter mir bereits die ersten Lieder aus dem Wallfahrts-Repertoire mit Gitarrenbegleitung, viele Minis plaudern oder spielen miteinander. Die Vorfreude auf diese doch außergewöhnliche Reise knistert überall in der Luft.

Viktoria, eine Ministrantin aus der Pfarre St. Magdalena erzählt mir, dass sie es wunderbar findet, mit ihren Mini-Kolleg/innen eine solche Reise machen zu können. „Wir freuen uns natürlich auf den Papst!“ meint sie. „Und auf das Meer!“ fügt ihre Busnachbarin gleich hinzu. Beide lachen. Es ist schön zu erleben, dass bei dieser Reise Glaube und Spaß so sehr miteinander verbunden sind.

Die Busbegleiter/innen Mayella und Florian schaffen es inzwischen die logistische Herausforderung der Zimmereinteilung zu bewerkstelligen. Die Wallfahrtshefte und die Wallfahrtstücher werden verteilt. Sofort beginnen alle im Bus die unterschiedlichen Tragemöglichkeiten der Tücher zu erkunden und es entsteht eine ganze Reihe lustiger Fotos. Bei der Pause auf einer Raststation unterhält sich die Dame an der Kassa mit ihrem Kollegen. „Du, die haben gesagt da sind 1000 Kinder in 100 Bussen unterwegs!“ „Sogar 3100 Kinder und ein paar Busse mehr als 100!“ sage ich lachend und hinterlasse ungläubige Gesichter.

Während der Bus Oberösterreich und dann Salzburg hinter sich lässt, komme mit den Gruppenleiter/innen ins Gespräch. Michi, Sebastian und Eva schildern mir lebhaft die Vorbereitungen auf diese Reise, die in ihrer Pfarre – der Pfarre Leonding – schon das ganze vergangene Jahr andauern. Gemeinsam mit den mitreisenden Kindern haben sie sich auf diese Reise sowohl inhaltlich als auch organisatorisch vorbereitet. „Wir haben für den Adventmarkt gebastelt und auch unterm Jahr einen Kinderflohmarkt gemacht. Dass so viel Geld für unsere Reise zusammenkommt, hätten wir uns nie gedacht!“ Die ganze Pfarre hat sich so an der Reise der Minis beteiligt. Die jetzige Reise ist für die Gruppe aus Leonding nun der krönende Abschluss eines gemeinsamen ‚Romjahres‘.

Uschi aus der Pfarre Hl.Geist in Linz strahlt noch die Begeisterung ihrer eigenen Jugendzeit aus, wenn sie von ihren Erlebnissen mit Veranstaltungen wie diesen erzählt. „Ich war damals beim Weltjugendtag, da war ich 17. Das war einfach ein großartiges Gefühl! Das ist das, was auch die Kinder durch diese Wallfahrt mitnehmen können: das Gefühl, dass die Kirche bunt und vielfältig ist und unglaublich groß! In der ganzen Welt!“

Während wir durch die Nacht in Richtung Rom pilgern, gut aufgehoben bei einem sehr freundlichen und kompetenten Busfahrer, klingt ‚Here I am Lord‘ in meinen Ohren. Das Lied erinnert mich an unser Motto für die kommende Woche: ‚Hier bin ich, sende mich!‘ ein Bibelzitat aus Jesaia. Welchen jungen Menschen werden wir in Rom begegnen? Welche Themen werden sie bewegen? Worin werden sie ihre Sendung verstehen? Ich stimme in das Lied ein und freue mich auf den morgigen ersten Tag in Rom.

30.7.: Nur noch 3 Nächte schlafen...

...dann ist es so weit! Die Busse stehen bereits in den Startlöchern und die Packlisten warten nur darauf abgehakt zu werden. Auf geht's zur 11. Ministrant/innenwallfahrt nach Rom!

Acht Diözesen Österreichs sind ab Sonntag gemeinsam auf dem Weg. Das Ziel? Nicht nur Rom soll erobert und von den tiefen Brunnen bis zur hohen Kuppel des Petersdoms erkundet werden. Am Dienstag steht als großes Highlight ein gemeinsames Gebet mit dem Papst am Petersplatz auf dem Programm. Und auch ein Treffen unter den Österreicher/innen darf nicht fehlen: am Donnerstag feiern wir gemeinsam eine Messe und genießen anschließend die Zeit beim Fest der Begegnung.

Insgesamt sind 3100 österreichische Ministrant/innen in zahlreichen Reisegruppen unterwegs. Hier im offiziellen Wallfahrts-Blog werden jeden Abend Berichte über den vergangenen Tag zu lesen sein. Als Bloggerin ist es dabei natürlich wichtig, Reisegruppen aus allen Diözesen zu erleben. Ich freue mich darauf, jeweils einen Halbtag in jeder Diözese dabei sein zu dürfen!

Aber nicht nur Österreich wird in dieser Woche in Rom unterwegs sein. Insgesamt nehmen 20 Länder an der Wallfahrt, die von CIM (Coetus Internationalis Ministrantium) organisiert ist, teil. Zeit und Gelegenheit um viele internationale Bekanntschaften mit jungen Menschen aus der ganzen Welt zu schließen!

Es steht uns eine Woche mit strahlendem Sonnenschein und vielen strahlenden Gesichtern junger Menschen bevor, die durch ihren Dienst in der Kirche für Lebendigkeit und jugendliches Engagement sorgen. Ich bin gespannt auf vielfältige Begegnungen, spannende Ereignisse und erfrischende Motivation für die gemeinsame Arbeit in der katholischen Kirche. Und ich hoffe vor lauter Vorfreude nicht auf Wichtiges beim Packen zu vergessen! :-)

Facts: Internationale Ministrant/innenwallfahrt 2015

Minis in Rom 2015

Folder download (PDF 1,2MB)

Wann und wo: Rom, 2. - 8. August 2015

Wer: ca. 3.100 Ministrant/innen ab 12 Jahren aus ganz Österreich treffen auf Tausende Ministrant/innen aus 20 Ländern. 

Was:

  • Mit Spaß und Spannung Rom erkunden
  • Eine Papstaudienz miterleben
  • Gemeinsam Feiern (Gottesdienst, Löber etc.)
  • Minis aus zahlreichen verschiedenen Ländern treffen
  • Sommer, Sonne und vieles mehr


Kontakt: Elisabeth Greil, elisabeth.greil@dioezese-linz.at, 0676/8776-3161 

oder in den diözesanen Jungscharbüros.

Ministrantinnen auf dem Petersplatz