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Kinder in der Liturgie

Lange Zeit wurden Kinder als „unfertige Erwachsene“ betrachtet, die durch Erziehung möglichst bald reifen sollten. Die Aufmerksamkeit für Kinder, für ihre Bedürfnisse und Rechte ist erst ein Phänomen der jüngeren Vergangenheit. Von kirchlicher Seite wurde im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil 1973 offiziell festgestellt, dass „die Worte und Zeichen [in der Messe] der Fassungskraft der Kinder nicht genügend angepasst“ sind.
Das so genannte Direktorium für Kindermessen dient dem Bemühen, kindgemäße Feiern zu ermöglichen und vorzusorgen, dass Kinder sich auch in Gottesdiensten von Erwachsenen nicht übergangen fühlen.

Nun ist es aber weithin immer noch so, dass die Mädchen und Buben beim Ministrieren Aufgaben in einem Ritual übernehmen, das in der Mehrzahl von Erwachsenen gefeiert wird. Der Gottesdienst erscheint als eine Sonderwelt, die sich vom Alltag der Kinder deutlich unterscheidet: Alle Bewegungen sind gemessen und in ihrer Feierlichkeit ganz anders als das „natürliche“ Gehen und Sich-Bewegen. Die Sprache klingt fremd und ist in ihren Inhalten – nicht nur für Kinder – oft unverständlich. Darüber hinaus gibt es mehr oder weniger klar ausgesprochene Erwartungen der Erwachsenen, wie sich die Kinder bei diesem Dienst verhalten sollen – nämlich so wie die Erwachsenen.

Gottesdienst als Ritual ist von seinem Wesen her nicht nur für Erwachsene

Religiöse Rituale sind in ihren Grundhandlungen vielmehr so elementar, dass sich alle Lebensalter und Milieus in ihnen wieder finden können – bei der Messe sind das: Horchen und Antwort geben, Brot und Wein bringen, über diesen Gaben beten, sie teilen und empfangen, Gott danken und loben. Das ist auch für Kinder leicht mitvollziehbar. Zu einem „Erwachsenenritual“ wird das Tun vor allem durch die Worte, durch die geschichtlich gewachsenen Ausgestaltungen und durch die Art der Durchführung. Wenn die symbolischen Handlungen und die verwendeten Dinge nur mehr angedeutet sind, wird das Ritual staubtrocken (z.B. wenn in einem Gebet, das die Händewaschung begleitet, von „Waschen“ die Rede ist, und nur ein paar Tropfen gegossen werden).

Kinder sind – mindestens bis ins Volksschulalter – grundsätzlich „rituell begabt“, so wie sie begabt sind für das Verstehen und Erleben von Symbolen und für das Spielen, das in eine andere Welt eintauchen lässt. Ja mehr noch, Kinder lieben oft dieses Spielen, sie fühlen sich durchaus angezogen von den Wiederholungen eines Rituals und den Verfremdungen (der Kleidung, der Sprache, der Bewegung, des Raumes) gegenüber der Alltagswelt. Das heißt nicht, dass jedes Ritual schon „kindertauglich“ ist. Es heißt aber auch nicht, dass alle Rituale zu Ritualen für Kinder umgestaltet werden müssten.

Das Gottesdienstritual ist eine Sprache, in die man hineinwächst

Eine Sprache lernt man nur durch Sprechen. Kleine Kinder erleben zunächst eine Sprache, bevor sie die Bedeutung einzelner Worte genau verstehen; sie gebrauchen Klangkombinationen und lernen nach und nach sie mit Inhalten zu füllen. Durch theoretische Erklärungen werden die Grammatik und die Gesetzlichkeiten einer Sprache bewusst gemacht und so die Ausdrucksfähigkeit perfektioniert.

Die Verständlichkeit einer Sprache lebt wesentlich davon, dass die Sätze übersichtlich sind und die Worte ihre Bedeutung in Verbindung mit Gesten, Körpersprache, Stimmfärbungen usw. bekommen.

Für die Kinder in der Liturgie heißt das: Die Kinder lernen sich im Ritual zurechtzufinden, wenn sie es mitfeiern. Es ist kein Problem, wenn sie nicht alles verstehen – das ist ohnehin eine Lebensaufgabe! Aber: Es ist wichtig, dass ihnen die Ausdrucksformen in ihren Inhalten nach und nach erschlossen werden. Gemeinden müssen sich fragen: Werden bei uns im Gottesdienst ausreichend alle Sinne angesprochen? Sind die Grundhandlungen gut erkennbar und wird elementar genug gefeiert? Elementarisieren bedeutet verdichten; es wird erreicht durch ein gekonntes Konzentrieren auf das Grund-Legende und ein Ansprechen aller Sinne. Menschen, die selber im Ritual daheim sind ermöglichen den Mädchen und Buben in der Sprache „Ritual“ zu reifen.

Nicht Perfektion und Drill, sondern Verhaltenssicherheit und liebevolle Toleranz

Bei keiner Sprache geht es darum, sie um ihrer selbst willen perfekt zu beherrschen. Wichtig ist, sie zu verstehen und sich darin ausdrücken zu können. Entscheidend ist ein Klima, in dem die Möglichkeiten der Buben und Mädchen liebevoll erweitert und angeregt werden und in Unsicherheiten Unterstützung gegeben wird. Das ist eine Herausforderung für die ganze Pfarre. Wichtig ist, dass die Kinder die Grundhaltungen entfalten können, die dem Dasein vor Gott im Feiern entsprechen, entscheidend, dass ihnen ihre Handlungen und Haltungen erschlossen werden.

 

Verwendete Literatur:

Kongregation für den Gottesdienst, Direktorium für Kindermessen, Nr. 1, in: Deutscher Katechetenverein/Deutsches Liturgisches Institut Trier (Hg.), Gottesdienst mit Kindern. Ergänzte und überarbeitete Neuauflage, München/Trier 1988, 7.

Eduard Nagel, Die Kunst Gottesdienst zu feiern. Symposion der Liturgischen Kommission Österreichs, in: Zeitschrift Gottesdienst 41. 2007, 161-163.

Guido Fuchs (Hg.), sinnenfällig Eucharistie erleben, Regensburg 2003.

 

 

 

 

 

Ministrant/innengruppe geht aus der Sakristei in den Kirchenraum

 

 

 

 

 

 

 

 

Junger Ministrant mit Kerzenleuchter im Altarraum