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Gottesdienst mit Kindern feiern

Seitdem das Zweite Vatikanische Konzil von der Berücksichtigung des Alters, der Lebensverhältnisse und des religiösen Entwicklungsstandes spricht, um eine tätige Teilnahme zu ermöglichen, wird eifrig versucht dies in die Praxis um zu setzen.

Ein Ergebnis dieser Bemühungen ist das Direktorium für Kindermessen, das am 1.11.1973 von der Kongregation für den Gottesdienst, nach der Approbation durch Papst Paul VI., veröffentlicht wurde. Es ist ein historisch wegweisendes Dokument, das für die gesamte röm.-kath. Kirche Gültigkeit hat.

1. Teil: Direktorium für Kindermessen.
2. Teil: Überlegungen und Anregungen für die Messfeier mit Kindern.
Hrsg. vom Deutschen Katecheten-Verein und vom Deutschen Liturgischen Institut, München 2006 (9. Auflage, aktuelle Literaturliste), 64 Seiten

Direktorium für Kindermessen – Eine kurze Zusammenfassung

Bereits im Vorwort wird festgehalten, dass Kinder eine besondere Beachtung in der Gestaltung von Messfeiern brauchen, weil sie die verwendeten Worte und Zeichen aufgrund ihrer Entwicklung noch nicht zur Gänze mitvollziehen können.
Es geht nicht um die Gestaltung eines neuen Ritus’, sondern um eine entsprechende Anpassung der Gesamtliturgie und die Auswahl geeigneter Texte.
Das Direktorium berücksichtigt nicht die spezielle Situation von Kindern mit besonderen Bedürfnissen.

Die Hinführung der Kinder zur Messfeier

Das erste Kapitel befasst sich mit der Hinführung von Kindern zur Messfeier und betont, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, die Bedeutung der Elemente in Gottesdiensten zu verstehen. Dazu braucht es die Bemühungen vieler und die Verbindung zu Werten, die im alltäglichen Leben praktiziert werden. Die Rolle der Begleitung der religiösen Entwicklung durch die Familien und die besondere Aufgabe der Pfarrgemeinden wird hervorgehoben.
Hinführungen können auch im Rahmen verschiedenartiger Feiern geschehen, wobei betont wird, dass diese nicht zu sehr verzweckt werden dürfen. Die Ausrichtung aller Bemühungen am Evangelium gilt als oberster Anspruch.

Die Kapitel zwei und drei befassen sich konkreter mit Möglichkeiten der Gestaltung von Messfeiern mit Kindern (=Gottesdienste für Erwachsene bei denen Kinder dabei sind) bzw. für Kinder (z.B. Schulgottesdienste, Gottesdienste für Kindergruppen,… die speziell gestaltet sind).

Messfeiern mit Kindern

Zunächst wird die bereichernde Rolle von Kindern im Rahmen von üblichen Sonn- und Festtagsgottesdiensten hervorgehoben und die Möglichkeit der Betreuung von Kleinkindern in einem Nebenraum in Betracht gezogen. Ebenso wie die spezielle Gestaltung des Wortgottesdiensts und der Predigt für Kinder in einem separaten Raum. Wenn beides nicht möglich ist, so soll zumindest immer wieder während der Liturgie direkt Kontakt zu den Kindern aufgenommen werden oder ihnen bestimmte Aufgaben zu übergeben.
Mit zunehmender Anzahl von Kindern im Gottesdienst, soll auch der Grad der Einbeziehung erhöht werden.

Messfeiern für Kinder

Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der Gestaltung von Kindermessen ohne oder mit nur wenigen Erwachsenen. Diese sollen sich nicht zu einem eigenen Ritus entwickeln, bieten aber vielfältige Möglichkeiten zur Anpassung an die Bedürfnisse der Kinder, weil „die Grundsätze der tätigen und bewußten (!) Teilnahme ein besonders starkes Gewicht für Kindermessen“ (Direktorium für Kindermessen, Kap.3, Abs. 22) haben. Sowohl die direkte, aktive Einbindung durch die Übernahme von Aufgaben und Diensten als auch das Element der Stille werden explizit angeführt. Großes Potential wird auch in der sprachlichen Gestaltung durch den Priester gesehen, der freie formulierte Aufforderungen, zum Beispiel beim Bußakt, zum Gabengebet oder Vaterunser, bevorzugt einsetzen soll. Für die Ansprache nach dem Evangelium kann in Kindergottesdiensten ein Laie/eine Laiin herangezogen werden.

Kindermessen können dezidiert auch außerhalb der Kirche gefeiert werden, wenn es dafür entsprechende Räumlichkeiten gibt.

Die Vorbereitung von Kindergottesdiensten soll nicht nur gewissenhaft, sondern auch unter Einbindung von Kindern geschehen.

Dem Element der Musik kommt in Kindermessen große Bedeutung zum, weil es für Kinder leichter fassbar und verständlich ist, als gesprochene Texte. Auf eine geeignete Sprache der Liedtexte sollte besonders geachtet werden.

Ebenso soll auf die Visualisierung bedacht genommen werden, z.B. durch den bewussten und gezielten Einsatz von Gesten (beispielsweise verschiedene Prozessionen) und Bildern und Symbolen, die das Geschehen und die Inhalte verdeutlichen können.

Der letzte Teil des dritten Kapitels geht auf einzelne Messteile und die Möglichkeit von deren Kürzung oder Abänderung ein. Einige Teile müssen ausdrücklich unverändert bleiben, bei vielen ist allerdings eine Anpassung an die Möglichkeiten der Kinder wünschenswert und sinnvoll.

Weitere Anregungen und Überlegungen zur praktischen Umsetzung dieses römischen Dokuments, sowie der volle Wortlaut sind in dem Büchlein „Gottesdienst mit Kindern“ zu finden. Dieses kann unter folgender Internetadresse bestellt werden: Deutsches Liturgisches Institut, www.liturgie.de oder direkt im Shop des Instituts.

Zusammenfassung von Ulrich Schilling

 

 

Buchcover Direktorium für Kindermessen