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In der Gruppe tut sich allerhand

„Einzeln ist jede/r für sich ja ganz nett, aber wehe, wenn sie auf einem Haufen beisammen sind ...!“ Diesen Satz kann man öfters hören, wenn von Mädchen oder Buben in Gruppen die Rede ist. Oft scheint es so, als wären Individuen wie ausgewechselt, wenn sie mit anderen zusammentreffen.

Gruppen haben eine eigene, innere Dynamik. Diese ergibt sich daraus, dass in der Gruppe die/der Einzelne ihren/seinen Platz finden und behaupten muss – und das geschieht in einem ständigen Wechselspiel zwischen dem Durchsetzen eigener Bedürfnisse und Interessen sowie dem Akzeptieren von Kompromissen bzw. dem Aufgeben eigener Bedürfnisse und Interessen zugunsten derer von anderen Gruppenmitgliedern. Das Dabei-Bleiben-Wollen in einer Gruppe führt die/den einzelnen beständig vor die Frage ob und wieweit sie/er dafür ein Stück Individualität aufgeben will bzw. muss.

Die Gruppendynamik beschreibt in diesem Zusammenhang Prozesse einer Gruppenentwicklung, die sich auch von außen gut beobachten lassen. Grob lassen sich dabei folgende Phasen eines Gruppenentwicklungsprozesses beschreiben.

Fremdheit

Wer sind die anderen ?
Wie wird es mir mit ihnen ergehen ?
Die Phase, die zumeist am Beginn eines Gruppenprozesses aufzufinden ist: Alles ist ganz offen und unsicher. Die Gruppenmitglieder gehen sehr vorsichtig miteinander um, man muss sich erst kennen lernen.
Oft mit ein Grund dafür, dass Mädchen und Buben sich nicht gerne ganz allein einer Gruppe anschließen, sondern lieber eine/n FreundIn mitbringen.

Orientierung

Passe ich zu den anderen ?
Werde ich einen Platz finden ?
Wie darf ich sein ?
Wenn eine Gruppe schon etwas Zeit miteinander verbracht hat, und erste Schritte der Kontaktaufnahme untereinander geschafft sind, dann geht es um die Findung des eigenen Platzes in der Gruppe. Das ist meist verbunden mit der Übernahme bestimmter Rollen und Aufgaben. Das gibt der/dem Einzelnen Sicherheit und ein erstes Gefühl der Zugehörigkeit zur Gruppe. In dieser Phase ist eine gut durchdachte Begleitung sehr wichtig, weil sich sonst ganz schnell auch Rollen verfestigen können, mit denen die/der Einzelne gar nicht so glücklich ist.

Vertrautheit

Wir gehören zusammen !
Wir können viel miteinander tun !
Wir passen zusammen tun, wir verstehen uns !
Mit fortschreitender Vertrautheit untereinander entsteht in Gruppen bald ein sogenanntes „Wir-Gefühl“. Das ist auch jener Zeitpunkt, wo sich Gruppen deutlich nach außen abschließen und neue Gruppenmitglieder nur in Ausnahmefällen zulassen. Das Zusammenleben und Zusammenarbeiten spielt sich ein, es gibt formal vereinbarte wie auch informelle Regeln. In dieser Phase sind Gruppen meist sehr produktiv, weil auch die Verbindlichkeit untereinander hoch ist. Dabei sein und Mitmachen lautet die Devise.

Differenzierung

Ich bin Ich und Du bist Du.
Wir können Rollen verhandeln und tauschen.
Unterschiedlich sein und Konflikte haben gehören zur Gruppe.
Schreitet der Gruppenentwicklungsprozess weiter voran, werden hinter dem Gemeinschaftsgefühl die Unterschiede und Differenzen sichtbar. Das ist üblicherweise eine kritische Phase. Zu bemerken, dass doch nicht alle gleicher Meinung sind, das selbe wollen oder unterschiedliche Bedürfnisse haben, ist eine große Verunsicherung für die ganze Gruppe. Manche Gruppen beginnen an dieser Stelle wieder von vorne: Es wird neu sortiert, der/diejenige, die/der sich nicht anpassen will, wird aus der Gruppe hinausgedrängt – bis das „Wir-Gefühl“ wieder da ist.

Schwieriger ist es, an der Weiterentwicklung der Gruppe zu arbeiten, denn das bedeutet, dass ein Stück „Wir-Gefühl“ zugunsten individueller Positionen aufgegeben wird: Jede/r wird so akzeptiert, wie sie/er ist und muss sich nicht in jedem Fall anpassen oder gar verstellen. Die Gruppe als Gemeinschaft zu begreifen, auch wenn nicht alle immer alles gemeinsam denken oder machen, ist eine große Anforderung an alle Gruppenmitglieder. Reife Gruppen schaffen das ganz gut – und bleiben gerade deshalb auch zusammen, weil die Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern so interessant sind.

MinistrantInnengruppen haben gute Chancen, diese Phase entsprechend zu bewältigen, weil der MinistrantInnendienst eine gemeinsame Aufgabe „von außen“ ist, die alle verbindet. Das kann in dieser kritischen Phase der inneren Differenzierung eine gute Stütze für den weiteren Bestand der Gruppe sein.

Abschluss/Ende

Werden (Müssen) wir uns trennen ?
Was wird dann mit uns / mit mir geschehen
Ist unsere gemeinsame Zeit vorbei ?
Jede Gruppe hat auch wieder ihr Ende. Bei den einen kommt es früher, bei anderen später. Manche Gruppen quälen sich damit – und es täte ihren Mitgliedern vielleicht ganz gut, wenn sie von außen beendet, also aufgelöst würden. Die Scheu vom Ende einer Gruppe ist stark mit verschiedenen Ängsten der Gruppenmitglieder verbunden. Manche sind persönlich froh, dass sie aus der Gruppe rauskommen, viele haben aber Angst, wichtige Bezugspersonen zu verlieren, eine Strukturhilfe des Alltags aufgeben zu müssen oder auch die Angst vor Orientierungsverlust.

Trennung ist schmerzhaft, macht aber auch frei für Neues. Wie am Anfang eines Gruppenprozesses so ist auch zu Ende die gute Begleitung von außen wichtig. GruppenleiterInnen sollten sich nicht scheuen, beim Abschluss eines Gruppenprozesses zu helfen. Ein gutes Ende – und das ist immer auch ein offiziell angesagtes und entsprechend gefeiertes Ende – ist für die Gruppenmitglieder immer auch ein neuer guter Anfang.

 

 

Zwei Buben mit Skaterhelmen sitzen, die Arme umeinander gelegt, unter einem Baum