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Was meint "Berufung"?

Wer "berufen" ist, ist von irgendwem oder irgendetwas "gerufen", also angesprochen, angefragt worden. Die Bibel spricht an mehreren Stellen davon, dass Gott jede und jeden von uns "ins Leben" gerufen hat, persönlich und unverwechselbar. Das Wissen, dass Gott mit mir ist, weil er mich gewollt hat und liebt, wie ich bin, kann Mut machen, kann Ängstlichkeit und Zweifel überwinden, kann Ansporn sein ...

Die Kirche ist dazu da, an diese erste und grundlegende Berufung immer wieder zu erinnern und den Menschen Mut zu machen, aus dieser Liebeszuwendung Gottes heraus ein gutes, ein gelingendes und ein solidarisches Leben zu gestalten und zu genießen.

Im Alltag sichtbar wird die Zuwendung Gottes in erster Linie in der Zuwendung anderer Menschen. Wer also "gerufen" ist, die/der steht vor dem Auftrag, die Liebe Gottes anderen Menschen in Wort und Tat konkret erfahrbar zu machen. Damit ein Stück Friede wird ..., damit jeder Mensch das bekommt, was sie/er zum Leben braucht ..., damit Natur und Umwelt nicht weiter kaputtgemacht werden ... usw.

Wie ist das mit den "geistlichen Berufungen"?

Ob jemand Ordensfrau/mann, Pastoralassistent/in oder Priester werden will hat sicher auch damit zu tun, welche Erfahrungen sie/er mit der Kirche und der Verkündigung der christlichen Botschaft gemacht hat. Es wäre falsch anzunehmen, dass es die "besseren Christ/innen" sind, die einen Beruf in der Kirche wählen. Vielmehr geht es dabei um eine kritische Prüfung persönlicher Eignungen und Fähigkeiten und um die Entscheidung, ob Mann oder Frau bereit ist, einen doch großen Teil ihres/seines Lebens einer Arbeit in der und für die Kirche zu widmen.

Die "Berufung" der Ministrant/innen? 

Der Ministrant/innendienst ist traditionell von einer besonderen Erwartungshaltung begleitet. Insbesondere an die Buben knüpfen sich immer wieder - leise gedachte wie laut geäußerte - Hoffnungen, dass der eine oder andere von ihnen doch zum Priesterberuf finden möge.

In der Praxis ergeben sich daraus manch fragwürdige Entwicklungen:

Ministrant/innenarbeit wird zur "Chefsache", ist also dem Pfarrer direkt zugeordnet, der sich selbst um seinen möglichen Nachwuchs kümmern möchte. Lai/innen als Gruppenleiter/innen bekommen in solchen Situationen wenig Gestaltungsmöglichkeiten ...

Mädchen als Ministrantinnen werden argwöhnisch beobachtet: Sie "verdrängen" vielleicht die Buben vom Ministrant/innen-Dienst und verhindern dadurch mögliche Priesterberufungen ...

Die allgemeine Wertschätzung gegenüber den Ministrant/innen ist deutlich höher als gegenüber anderen Formen kirchlicher Kinderarbeit, was entsprechende Eifersüchteleien, Rivalitäten und Streitereien in der Gemeinde zur Folge haben kann ...

Ministrant/innen haben schon aufgrund ihrer Aufgabe ein besonderes, auch räumliches Naheverhältnis zu den "heiligen Geheimnissen" des katholischen Glaubens. Das mag im Einzelfall Anstoß dafür sein, sich später ein berufliches Engagement in der Kirche zu überlegen.
Als deklariertes (oder heimliches) Ziel für Ministrant/innenpastoral ist es untauglich. Mit 10jährigen über einen späteren Priesterberuf nachzudenken oder sie gar auf eine derartige "Karriere" einzuschwören, ist nicht seriös. Dies vor allem auch deshalb, weil sich Fragen einer definitiven Berufsentscheidung für Jugendliche aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen heute erst zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt stellen. Zudem verengt der Blick auf die Liturgie das Berufsbild eines Priesters: Neben der Feier eines Gottesdienstes werden von einem Priester heute noch eine Reihe anderer Qualifikationen erwartet: Kommunikations- und Konfliktfähigkeiten, seelsorgliche und beratende Aufgaben, soziale Dienstleistungen, Management, Leitungsaufgaben usw.

Berufungen fördern = Klima verbessern

Will man in der Pfarrgemeinde besondere Berufungen fördern, dann geschieht dies am besten über die bewusste Gestaltung des Pfarrklimas. Das fängt z.B. bei der Frage nach der "Kinderfreundlichkeit" einer Gemeinde an. Denn wenn man Menschen, die sich beruflich in der Kirche engagieren, nach ihren Motiven befragt, dann sagen sehr viele, dass sie von positiven Erfahrungen mit Kirche im Kinder- und Jugendalter geprägt wurden. Und das sind dann Erfahrungen des Angenommenseins, spannender Auseinandersetzungen mit interessanten Menschen und aktivierende Erlebnisse. In einem derart anregenden und freundlichen Pfarrklima können Mädchen und Buben "groß und stark" werden, und das ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, sich später für einen Beruf in und für die Kirche zu entscheiden.

 

 

 T-Shirt Aufschrift: Johannes der Täufer war Laie