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Risikofeld „Jungschar“?

Es ist nicht gänzlich auszuschließen, dass auch die Jungschararbeit Tätern Gelegenheiten gibt, sexuelle Gewalt an Kindern auszuüben.
Allerdings findet Jungschararbeit üblicherweise unter anderen Rahmenbedingungen statt, als sie z.B. in Familien- oder Internatsstrukturen gegeben sind:

  • Die Teilnahme der Mädchen und Buben an den Aktivitäten der Jungschar ist grundsätzlich freiwillig, d.h. auch die persönliche Bindung an dort tätige erwachsene Leitungspersonen ist üblicherweise weniger intensiv. Wenn Jungschararbeit keinen Spaß macht oder irgendetwas „komisch“ in der Beziehung zu Gruppenleiter/innen oder Gruppenmitgliedern wird, fällt es Kindern leichter, sich von den Aktivitäten zu distanzieren bzw. sich außenstehenden Personen anzuvertrauen.

  • Im Gegensatz zu Familie und Schule besteht in der Jungschararbeit kein ausdrücklicher Erziehungsanspruch, der das einzelne Mädchen / den einzelnen Buben an eine erwachsene Erzieherpersönlichkeit bindet. Jungschararbeit fußt auf einem pädagogischen Konzept der Selbst-Bildung in der Gruppe der Gleichaltrigen. Das bedeutet, dass die Kinder in der Jungschargruppe von Anfang an zu Mitbestimmung, zum Aussprechen der eigenen Wünsche und Bedürfnisse, zum Widerstand gegen Vereinnahmungen durch andere, zur Artikulation von Kritik udgl. angehalten und aufgefordert werden mit dem Ziel, die Persönlichkeit und Eigenmächtigkeit der/des einzelnen zu stärken und zu stützen.

  • Die sog. Jungscharpädagogik – wie sie seit der Gründung der Organisation im Jahr 1947 besteht und bis heute weiterentwickelt wurde – hat ihre Wurzeln in der Tradition der Reformpädagogik der 30er Jahre des 20.Jhdts. Drei pädagogische Grundüberzeugungen haben sich dabei über die Jahre hinweg gefestigt:

Gewaltfreiheit

Gewalt – in welcher Form auch immer, ob physisch, psychisch oder sexualisiert – ist niemals als Mittel der Disziplinierung oder gar als Erziehungsmaßnahme begründbar und zulässig. Es gibt keine „gesunde“ Watschen!

Gelebtes Vorbild

Die „Autorität“ der Gruppenleiter/innen leitet sich nicht aus strukturellen Machtbefugnissen ab, sondern aus dem persönlich vorgelebten Beispiel einer christlich motivierten und christlich begründbaren Lebenshaltung ab.

Die Sicht der Kinder

Die Entscheidung über Konzeption und Durchführung von Aktivitäten mit der Kindergruppe hängt wesentlich davon ab, dass Gruppenleiter/innen die Sichtweise der Kinder einnehmen und sich in die damit verbundenen Gefühlslagen der Mädchen und Buben hineinversetzen („Das macht Spaß!“, „Das ist fad!“, „Davor fürchte ich mich!“, „Da will ich nicht mitmachen!“ ...) und diese respektieren.