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Sexualisierte Gewalt - Worum geht es?

Sexualisierte Gewalt ist ...

  • ein gewalttätiger Übergriff in einem Abhängigkeits- und Autoritätsverhältnis

  • ein gewalttätiger Übergriff, der aus einem Macht- und Dominanzbedürfnis von Erwachsenen, insbesondere von Männern, getätigt wird

  • ein gewalttätiger Übergriff, der entweder sexuell motiviert ist oder in einer sexualisierten Form seinen konkreten Ausdruck findet

Vielfach ist in diesem Zusammenhang von „Sexuellem Missbrauch“ die Rede. Diese Bezeichnung sollte künftig nicht weiter verwendet werden, weil sie in ihrem Wortsinn einen „Sexuellen Gebrauch“ assoziiert, den es gerade auch gegenüber Kindern nicht geben kann und darf. Desgleichen sollten auch sexuelle Aktivitäten zwischen Erwachsenen auf Grundlage gleichberechtigter und frei vereinbarter Beziehungen erfolgen und niemand zu einem „Objekt“ degradiert werden, das man zur Befriedigung der eigenen sexuellen Bedürfnisse „gebrauchen“ darf.

Wer tut es?


Täter sind mehrheitlich Männer (Studien sprechen von 80-90%Tätern und 5-20% Täterinnen)
Täter sind Männer, die Defizite in ihrer Persönlichkeitsstruktur aufweisen (Sexualität, Beziehungsfähigkeit, Macht- und Dominanzprobleme ...)
Täter sind Männer, die an einem patriarchalen und hegemonialen Rollenbild festhalten und dieses auch gewaltsam durchsetzen wollen
Täter sind Männer, die persönliche (sexuelle) Befriedigung durch die Unterdrückung und Ausbeutung von Kindern suchen
Wir sprechen von "sexualisierter Gewalt", weil dieser Begriff sichtbar macht, dass es sich um Gewalttaten handelt, die in Form von sexuellen Handlungen ausgeübt werden. Sexualität wird in diesem Zusammenhang zur Durchsetzung von Macht- und Dominanzansprüchen funktionalisiert.

Förderlich für sexualisierte Gewalt ist demnach ein männlich-patriarchales Denken dem auch Frauen als Täterinnen unterworfen sind. Insofern muss man die Entstehensbedingungen für sexualisierte Gewalt in erster Linie bei der Sozialisation von Buben und Männern in unserer Gesellschaft suchen.

Pädophilie


Bei der Beschreibung der Täter ist vielfach von Pädophilie die Rede. Pädophilie ist als eine psychosexuelle Fixierung anzusehen, die bereits in der Kindheit angelegt wird und sich in der Pubertät ausformt. Neben einem sexuellen Interesse besteht auch ein gewisses soziales Kontaktbedürfnis zu Kindern im vorpubertären Alter. Pädophile neigen dazu, sich in Kinder zu „verlieben“ und ihre sexuellen Beziehungswünsche dementsprechend zu idealisieren. Aus allen derzeit bekannten Untersuchungen ergibt sich allerdings, dass der Anteil tatsächlich pädophiler Täter insgesamt sehr gering ist. Allerdings kann dafür die Zahl der Opfer groß sein, denn pädophile Täter können von ihrer sexuellen Fixierung nicht ablassen.
Korrekterweise sollte man in diesen Fällen von „pädosexuellen“ Tätern sprechen, um die gewalttätigen Aspekte dieser sexuellen Fixierung nicht schönzureden.

www.werkblatt.at/archiv/38becker.html

Homosexualität


Täter, die sexualisierte Gewalttaten ausüben, sind nicht selbstverständlich homosexuell – auch wenn die Opfer Buben sind. Die Mehrheit der Täter sind heterosexuell orientiert und in den meisten Fällen auch heterosexuell praktizierend. Natürlich gibt es unter den Tätern auch einen Anteil Homosexueller. Wiederum eine kleine Gruppe von diesen ist pädosexuell orientiert, der andere Teil agiert aus vergleichbaren Motivationslagen wie auch die heterosexuellen Täter.

Täterinnen


Im Ausmaß von etwa 5-20% (unterschiedliche Studienergebnisse) gibt es auch Frauen, die sexualisierte Gewalttaten an Mädchen und Buben ausüben. In ihren Motiven unterscheiden sie sich allerdings von den männlichen Tätern.
Neben jenen Frauen, die vornehmlich pubertierende Burschen zum eigenen Lustgewinn verführen, sind es vor allem Täterinnen, die in ihrer Kindheit selbst Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind und in vielen Fällen als Komplizinnen von männlichen Tätern agieren. Sexualisierte Übergriffe von Frauen finden auch im Rahmen von Pflegeleistungen statt.

Täter und Täterinnen agieren meist aus vielgestaltigen Motivationslagen heraus, die nicht vorwiegend sexualpathologisch begründet werden können. Diese Täter/innen üben sexualisierte Gewalthandlungen an Mädchen und Buben aus, auch ohne auf sie sexuell fixiert zu sein oder gar eine Beziehung zu ihnen zu wollen. Sexualität wird von ihnen als Instrument der Macht, der Demütigung und Unterdrückung eingesetzt. Es ist deshalb auch typisch, dass diese Täter/innen zum einen in den Familien und zum anderen in (geschlossenen) Erziehungseinrichtungen anzutreffen sind.

Wo wird es getan?

Vorwiegend in geschlossenen (Erziehungs-/ Betreuungs-) Systemen, wo sich Mädchen und Buben in einer unmittelbaren und längerfristig andauernden Abhängigkeit zu Erwachsenen befinden: Familie – (Internats)Schule – Erziehungseinrichtung – Horte und Wohnheime ...

www.schulische-praevention.de