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Halloween

Zum Thema "Halloween"

Einleitung

Aspekte der Brauchtumspraxis von Halloween haben sich in den vergangenen Jahren auch in Österreich etabliert. Der Süßwarenhandel, die Dekorations- und Verkleidungsbranche fördern den Eindruck, dass der Abend des 31. Oktobers von Hexen, Geistern, Dämonen und ihrem Verlangen nach Süßigkeiten, Streichen und Spaß vereinnahmt worden ist. Sowohl öffentliche wie auch private Fernsehanstalten zeigen Horrorfilmreihen und Spezialsendungen zum Thema und in vielen Schulen, Kindergärten und Kindergruppen werden eigene Halloween – Verkleidungsfeste veranstaltet.
Der spielerische Umgang mit dem „Fürchten“ hat für viele Kinder großen Anreiz, solange Kinder selbst bestimmen können, inwiefern sie sich einer gruseligen Situation aussetzen und sie selbst noch die Kontrolle über das Geschehen behalten. Sterben, Tod und die Vorstellungen von einer „Unterwelt“ oder der „Hölle“ üben zudem auf viele Kinder starke Faszination aus, was sich zum Beispiel in ihrem Wunsch nach möglichst schaurigen Verkleidungen äußern kann. Verlockend an Halloween ist zweifelsohne auch die Aussicht auf Süßigkeiten und die Möglichkeit, Erwachsenen „offiziell“ einen Streich androhen zu dürfen, da sich so für kurze Zeit das Abhängigkeitsverhältnis der „Kleinen“ zu den „Großen“ umkehrt.

Die Katholische Jungschar steht Teilen dieses Trends sehr kritisch gegenüber und fordert den Verzicht auf Gewalt- und Streichandrohung, einen überlegten Umgang mit Konsumbedürfnissen und eine höhere Sensibilität gegenüber dem kindlichen Umgang mit Angst, Sterben und Jenseitsvorstellungen.

Hintergrund

Der Ursprung von Halloween gilt als umstritten. Eine Herkunftsmöglichkeit liegt in einem alten, vorchristlichen Fest keltischen Ursprungs, namens „Samhain“. Ob es sich bei diesem Fest um die kultische Verehrung des Totengottes „Samhain“ oder um das Feiern des Sommerendes und des Übergangs zur kalten Jahreszeit gehandelt hat, kann nicht sicher belegt werden. Angenommen wird, dass nach keltischer Vorstellung an diesem Feiertag Geister und Wesen aus anderen – jenseitigen – Welten ungehindert ins Diesseits eindringen würden. Und so wurde an jedem Tisch ein Stuhl vor einem gedeckten Platz frei gelassen, um die Ahnen zu bewirten. Äpfel wurden an Wegesrändern vergraben und Speisen wurden als Opfer im Feuer verbrannt, um die Geister der Toten gnädig zu stimmen. Die Fenster schmückte man mit Kerzen, die Licht in die Dunkelheit werfen sollten, real wie auch in symbolischem Sinn. Damit die Kerzen nicht vom Wind gelöscht werden konnten, steckte man sie in ausgehöhlte Rüben oder Kürbisse.

Im Zuge der Christianisierung Europas verfügte Papst Gregor IV im Jahr 837 n.Chr. die Einführung der Feste Allerheiligen und Allerseelen, die vor allem im Zeichen des Totengedenkens standen. „Samhain“ wurde nun am Vorabend von Allerheiligen gefeiert, in der Hoffnung, dass sich damit aus Sicht der Kirche heidnisches Brauchtum dauerhaft zurückdrängen ließe.
Einen weiteren Versuch, dieses heidnische Brauchtum abzuschaffen, starteten die protestantischen Kirchen im 16. Jhdt. mit der Einführung von „All Hallowed Evening“. Von diesem englischen Namen für das Allerheiligenfest leitet sich der heute gebräuchliche Begriff für Halloween ab.

Irische Auswanderer/innen brachten Halloween im 19. Jhdt. nach Amerika, wo es in Verschmelzung mit anderen lokalen Bräuchen jene Formen entwickelt, die bis zum heutigen Tag bestehen. Das Fest wurde im Laufe der folgenden Jahrzehnte in Amerika immer mehr zu einer Kinderattraktion, die infolge des Bedeutungszuwachses moderner Medien auch wieder in Europa eine größere Verbreitung erfahren hat.

Keine Angst vor Allerheiligen

Die Katholische Jungschar möchte als größte Kinderorganisation Österreichs betonen, dass in der Brauchtumspraxis generell das gemeinsame Feiern und nicht der Konsum im Vordergrund stehen sollte.  Außerdem darf die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern nicht den Weg der „Erpressung“, egal ob in lustig oder ernst gemeinter Weise, gehen. Der christliche Jahreskreis bietet zudem viele Möglichkeiten und Anlässe mit Kindern Lebensthemen, wie zum Beispiel der Umgang mit Sterben und Tod, zu bearbeiten. Allerheiligen, als Fest des gemeinsamen Erinnerns und der Auseinandersetzung mit dem Tod, soll in der kinderpastoralen Praxis einen höheren Stellenwert bekommen, damit Kinder, als aktive Mitglieder der Gemeinde ihren Bedürfnissen entsprechend, teilhaben können.

Forderungen der Katholischen Jungschar:

• Verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema „Angst“. Kinder müssen selbst bestimmen, welchen „gruseligen“ Situationen sie sich aussetzen wollen und jederzeit die Möglichkeit zum Ausstieg haben.
• Verzicht auf jegliche Form von Gewalt- und Streichandrohung.
• Süßigkeiten sollen nicht als Belohnung oder erzieherisches Druckmittel eingesetzt werden.
• Der eigenständige Charakter von Allerheiligen muss gewahrt bleiben. Kinder haben ein Recht auf eine ernsthafte, altersgemäß gestaltete Auseinandersetzung mit Sterben und Tod.
• Verstärkte Sensibilität gegenüber Themen, die Kinder bewegen und ständige Weiterentwicklung von Konzepten zur kindgerechten Feier in der pastoralen Praxis und Theorie.
• Einbauen von altersgemäßem kreativen Spiel und Verkleidung in den Alltag: Verkleiden zu einem bestimmten Thema ermöglicht spannende Rollenwechsel, fördert die Kreativität und somit auch das Wohlbefinden von Kindern.
• Planung von regelmäßigen Feiermöglichkeiten zu unterschiedlichen Anlässen in Schule oder Freizeiteinrichtungen. Kinder brauchen Feste, die sie in einem geschützten Rahmen selbst gestalten und gemeinsam erleben können.

Kinder haben einen eigenen Umgang mit Themen wie Angst, Sterben und Tod. Ihr Zugang kann ein lustiger, lauter oder zurückhaltender und leiser sein. Als Erwachsene tragen wir die Verantwortung, ihre gewünschte Art der Auseinandersetzung  in einem geschützten Umfeld zu ermöglichen, dabei aber darauf zu achten, dass sie und ihre Bedürfnisse nicht zum Spielball von Medien- und Konsumindustrie werden.

Das Positionspapier der Katholischen Jungschar wurde am 26.06.2009 von der Bundesleitung beschlossen.