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Kinderrechte

Wir setzen uns dafür ein, dass Kindgerechtheit ein selbstverständlicher Maßstab politischen Handelns wird.

Einen wichtigen Maßstab zur Prüfung der Kindgerechtheit politischen Handelns bildet die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. Sie wurde 1989 von der Generalversammlung der UNO beschlossen und beinhaltet Anforderungen an beitretende Vertragsstaaten zum Schutz, zum Wohl und zur Förderung der Kinder.

"Kinderrechte", was heißt das eigentlich?

Kinderrechte sind Menschenrechte. Eine gerechte Welt bedeutet, alle Lebensrealitäten ernst zu nehmen und die bestmöglichen Bedingungen für ein gutes Leben zu gewährleisten.  

Kinderrechte sind eine Grundeinstellung dem Leben gegenüber, eine Brille, die man trägt, um Situationen und Handlungen als Erwachsene/r gerechter beurteilen zu können.

Kinderrechte sind eine Selbstverständlichkeit, insofern jeder Mensch von Geburt die Chancen auf ein gelungenes Leben haben muss.

Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes wurde 1989 von den Vereinten Nationen beschlossen. Sie bildet die Grundlage der Kinderrechte, als Ausdruck besonderer Menschenrechte von Babys, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen in Schule und Ausbildung (die Konvention definiert „Kind“ als alle Menschen unter 18 Jahren).

Das Recht des Kindes, mit den Eltern zu leben, die besondere Verantwortung der Massenmedien gegenüber Kindern, das Recht auf Bildung, Freizeit und Spiel oder besondere Schutzmaßnahmen für Flüchtlings-, Minderheiten-, Waisen- und behinderte Kinder sind dort verankert.

Die Kinderrechtskonvention (KRK) ist getragen von 4 Grundprinzipien:

•    Vorrang des Kindeswohls: bei Entscheidungen, die Kinder betreffen, soll das Wohl des Kindes ein vorrangiges Kriterium in der Interessenabwägung sein.
•    Kinderrecht auf Partizipation: damit verbunden die Forderung, dass Kinder bei Entscheidungen, die sie selbst betreffen, angemessen eingebunden werden sollen.
•    Recht auf Leben, Überleben, Entwicklung: Existenzsicherung und bestmögliche Entfaltungsmöglichkeiten müssen dem Kind gewährleistet werden
•    Verbot der Diskriminierung: gleich aus welchen Gründen (Hautfarbe, Herkunft, Staatsangehörigkeit, Sprache, Geschlecht, Religion, Behinderung, Vermögen der Eltern etc.) ist eine Benachteiligung von Kindern unzulässig.

An diese Grundprinzipien schließt ein Katalog von Rechten an, die häufig in drei Gruppen eingeteilt werden:

•    Versorgungsrechte: dazu gehören zum Beispiel das Recht auf angemessenen Lebensstandard (einschließlich Nahrung und Unterkunft), auf Zugang zu Gesundheitsdiensten, auf Bildung, auch im Hinblick auf besondere Zielgruppen wie Kinderflüchtlinge.
•    Schutzrechte: in diese Gruppen fallen zum Beispiel das Verbot jeglicher Form von Gewalt gegen Kinder und der Schutz vor sexueller und wirtschaftlicher Ausbeutung von Kindern (Kinderarbeit).
•    Beteiligungsrechte: „klassische“ Freiheitsrechte wie Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit sind Kindern ebenso garantiert wie ein Recht von Kindern auf soziale Integration und das schon erwähnte grundsätzliche Recht auf Partizipation.

Schließlich hält die KRK auch fest, dass primär die Eltern für die Erziehung des Kindes verantwortlich sind, doch falls diese dazu nicht bereit/in der Lage sind, so hat der Staat diese Verantwortung wahrzunehmen.
Im Jahr 2000 wurden von der UNO in Ergänzung zur KRK noch zwei Vertragsprotokolle beschlossen, die insbesondere den Einsatz von Kindersoldaten und Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie verbieten.
Die KRK ist insofern auch ein besonderer Vertrag als sie die Menschenrechtskonvention mit prinzipiell weitreichendster Zustimmung unter den Staaten darstellt: mit Ausnahme von zweien (Südsudan, USA) haben sich alle Staaten der Welt rechtlich dazu verpflichtet, die Rechte und Prinzipien der KRK zu gewährleisten, das heißt für die Kinder in ihrem Verantwortungsbereich Wirklichkeit werden zu lassen. Inwieweit Staaten dieser Pflicht aber in der Praxis nachkommen, ist Aufgabe des Monitorings. Die Katholische Jungschar ist als Mitglied des Netzwerks Kinderrechte aktiv am Monitoring beteiligt.

2011 sind bestimmte Paragrafen der Kinderrechtskonvention in die österreichische Verfassung aufgenommen worden. Von 54 Artikel der UN-Konvention wurden nur acht Artikel im Bundesverfassungsgesetz aufgenommen. Die grundlegende Bedingung der Antidiskriminierung fehlt zum Beispiel.

Du findest im Folgenden noch einige Hinweise für die Jungschararbeit.

Kinderbeteiligung ermöglichen und einmahnen - Artikel 12 Kinderrechtskonvention:

"Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife. ..."

Hierzulande ist nicht zuletzt aufgrund dieser Anforderung der Kinderrechtskonvention ein verstärktes Bemühen, Kindern in der Regionalpolitik die Möglichkeit zur aktiven Mitwirkung einzuräumen, zu beobachten. In manchen Gemeinden haben sich bereits Kindergemeinderäte etabliert, anderswo sind beratende Kindergruppen bei Spielplatzerneuerungen und örtlichen Bauvorhaben eingerichtet worden.

Die Jungschar unterstützt diese Entwicklung, denn der Auftrag der Kinderrechtskonvention, die Meinung des Kindes zu berücksichtigen, erfordert aktives Handeln der Kommunalpolitik: Kinder müssen von kommunalen Vorhaben regelmäßig informiert werden und sich hierzu eine Meinung bilden können. Ein Gemeinderat, der auf schriftliche Stellungnahmen von Kindern wartet oder lediglich die Ansicht der eigenen Kinder am Frühstückstisch einholt, entspricht nicht dem Geist der Kinderrechtskonvention.

Überlegt in der Jungschar deiner Pfarre, wie ihr die Gemeindepolitik von der Einrichtung eines ständigen Kindergemeinderates überzeugen könnt und versucht, die weitere Entwicklung des Kindergemeinderates und der Einbeziehung der Kinderanliegen bei kommunalen Projekten kritisch zu begleiten.

Achte bei regionalen Partizipationsmodellen, dass nicht einfach die gewohnten politischen Strukturen Erwachsener auf Kinder übertragen werden: Wörter wie "Gewählte Mandatare", "Auftrag der Wählerschaft" oder "Funktionsperiode" sollen nicht zum Alltag von Kindergemeinderäten gehören. Alle Kinder des Ortes sollen zum Kindergemeinderat eingeladen werden und jedes Kind soll bei jenen Themen, die ihm persönlich wichtig sind, mitreden können.

Setzt euch in der Gemeinde dafür ein, dass die Rahmenbedingungen der Kinderbeteiligung den Kindern Gehör und Gestaltungsmöglichkeiten zusichern. Dazu gehören die Selbstverpflichtung des Gemeinderates, zu Anliegen des Kindergemeinderates öffentlich Stellung zu nehmen und ein eigenes Budget des Kindergemeinderates.

Auch in der Pfarre ist Kinderbeteiligung wichtig. Eine Möglichkeit ist die Einrichtung eines Kinderpfarrgemeinderates, wo Mitglieder des Pfarrgemeinderates und der Pfarrer sich regelmäßig mit Kindern treffen, ihren Anliegen zuhören und gemeinsam Konsequenzen vereinbaren.

Sich für den Schutz von Kindern einsetzen - Artikel 34 Kinderrechtskonvention:

"Die Vertragsstaaten verpflichten sich, das Kind vor allen Formen sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs zu schützen. ..."

Sexualisierte Gewalt an Kindern wird in unserer Gesellschaft meist totgeschwiegen. Hast du dir schon einmal Gedanken gemacht, dass auch in deiner Jungschargruppe Opfer sexueller Ausbeutung sein können? Statistisch gesehen müssten welche dabei sein, denn nach Schätzungen von Fachleuten ist jedes dritte bis vierte Mädchen und jeder siebente bis achte Bub unter 16 Jahren von sexualisierter Gewalt betroffen.

Sexualisierte Gewalt bedeutet nicht immer Vergewaltigung, sondern kann ganz viele verschiedene Formen haben. Das beginnt mit verbalen untergriffigen Äußerungen bis hin zu Annäherungen von Erwachsenen, um ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Täter/innen sind zu 90 % Männer und kommen aus der Familie oder ihrem Umfeld. Sexueller Missbrauch kommt in allen Schichten vor; das Vorurteil, so etwas passiert in einer "ordentlichen, christlichen Familie" nicht, ist nicht nur falsch, sondern hemmt die Aufklärung.

In der Jungschararbeit kannst du zur Enttabuisierung sexueller Gewalt beitragen, indem ihr sie in der pfarrlichen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit regelmäßig ansprecht. Aber auch im Zusammensein mit deinen Kindern kannst du mit dem Thema sexuelle Gewalt konfrontiert sein.

Es gibt keine typischen Opfermerkmale. Jede Verhaltensauffälligkeit oder Verhaltensänderung eines Kindes kann auch Folge sexueller Gewalt sein. Wichtig ist, dass du diesen Tatbestand nie ausschließt, wenn dir bei einem Kind etwas komisch vorkommt. Wenn du die Vermutung hast, sprich mit einem/r anderen Gruppenleiter/in oder einer anderen Person, die das Kind kennt, darüber und tauscht eure Wahrnehmung aus.
Nehmt professionelle Hilfe in Anspruch! Weder die Eltern noch der mögliche Täter/innen sollen frühzeitig mit einem Verdacht konfrontiert werden. Ruft bei einer Beratungsstelle oder einem Kinderschutzzentrum an. Aktuelle Kontaktadressen kannst du im Jungscharbüro nachfragen.
Unabhängig von einem Verdacht ist es sinnvoll, Erfahrungen mit körperlicher Nähe und Intimität in der Jungschargruppe zu thematisieren. Dabei kannst du deine Kinder auf die Gefahr sexualisierter Gewalt aufmerksam machen und ihre Widerstandsfähigkeit stärken.

Hier findest du unseren Info-Folder zu sexualisierter Gewalt. 

Hier findest du Adressen von Beratungsstellen...

Die Förderung von Kindern verstärken - Artikel 3 Kinderrechtskonvention:

"Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, gleichviel ob sie von öffentlichen oder privaten Einrichtungen der sozialen Fürsorge, Gerichten, Verwaltungsbehörden oder Gesetzgebungsorganen getroffen werden, ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist."

Das Wohl des Kindes ist im österreichischen Familienrecht ein wichtiger Grundgedanke. Aber nicht nur bei familienrelevanten Entscheidungen wie Obsorge oder Bezugsrecht ist die Berücksichtigung des Kindeswohls entscheidend, Leben und Lebensraum der Kinder wird ebenso durch Verkehrs-, Schul-, Wirtschafts- oder Sozialgesetze geregelt.

So betont die Kinderrechtskonvention auch, dass bei "allen Maßnahmen, die Kinder betreffen", das Wohl des Kindes vorrangig zu berücksichtigen ist. Dazu braucht es Personen, die die Interessen von Kindern in Verfahren vertreten, Einrichtungen, die für politische Entscheidungen Fachwissen zu Kinderfragen bereithalten, verpflichtende Untersuchungen, die Auswirkungen von verschiedenen Entscheidungsalternativen auf die Kinder und ihre Lebenswelt aufzeigen, ...

Immer dort, wo du merkst, dass in Politik und Verwaltung die Beachtung des Kindeswohls und der Kinderinteressen zu kurz kommen, könnt ihr auf das Fehlen solcher Maßnahmen hinweisen; bereits bestehende Einrichtungen kannst du in der Jungschararbeit auch nutzen:

In den Landeshauptstädten gibt es überall eine Kinder- und Jugendanwaltschaft. Sie beraten Kinder und Eltern, helfen bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Kindern und Eltern bzw. Kindern und öffentlichen Einrichtungen, begutachten Gesetzesentwürfe, weisen auf Problemsituationen von Kindern öffentlich hin und geben Anregungen zur Verbesserung der Lebenssituation von Kindern. Bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft kannst du dich über den aktuellen Stand gesetzlicher Vorschriften informieren und dich in rechtlichen Belangen beraten lassen.
In jeder Gemeinde sollte es eine/n Kinderbeauftragte/n der Gemeinde geben. Sie/Er könnte Ansprechpartner/in für Kinder vor Ort sein, die Interessen der Kinder bei kommunalen Entscheidungen einbringen und Initiativen zur Verbesserung der Lebenssituation von Kindern setzen. Die Jungschar deiner Pfarre kann sich für die Einsetzung eines Kinderbeauftragten in eurer Gemeinde stark machen.
Bei anstehenden kommunalen Projekten wie Verkehrsregulierungen, Bauten oder Betriebsansiedlungen könnt ihr eine "Kinderfreundlichkeitsprüfung" einfordern. Umweltverträglichkeitsprüfungen sind ja bereits vorgeschrieben, Kinderfreundlichkeitsprüfungen noch nicht, obwohl der Grundgedanke der gleiche ist: Vor Genehmigung des Projektes ist zu prüfen, welche Interessen der Kinder hiervon berührt sind und wie diese berücksichtigt werden können.

Die UN-Kinderrechtskonvention im Volltext findest du hier.

Kinderrechte-Kalender

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