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Leela aus Indien

Eine Gruppenstunde zur Vorbereitung auf die Jahresaktion für 8 bis12-Jährige

von Gudrun Langmann

Hintergrund und Ziel:

Anlässlich des 50. Geburtstags, den die Dreikönigsaktion heuer feiert, möchten wir bewusst ein Zeichen setzen und uns unseren Partnern im Osten zuwenden. Angelehnt an ein Projekt der Dreikönigsaktion, wo es um Bildung von Flüchtlingskindern in Kokrajhar/Nordostindien geht, erfahren wir einiges über das Schicksal des neunjährigen Mädchens Leela, über ihre Sorgen und Nöte, ihren Lebensalltag und ihre Kultur.

Einstieg:

Indien ist ein sehr großes Land in Asien (39 mal so groß wie Österreich). Mit dem Flugzeug benötigt man von Wien nach New Delhi, der Hauptstadt Indiens, etwa acht Stunden.
In Indien werden mehr als 1600 Sprachen gesprochen. Dort begrüßt man sich so: Ihr legt die Hände zusammen, senkt den Kopf und sagt in der jeweiligen Sprache z.B. "Namaste!"
Auf einem Plakat schreibt ihr in drei Sprachen Indiens die Begrüßung (siehe unten). Jeder sucht sich eine der Sprachen aus. Danach geht ihr umher und begrüßt einander in der jeweils gewählten Sprache. Vielleicht trefft ihr dabei auf jemanden, der in der gleichen Sprache begrüßt.

Material: Plakat mit Begrüßungsworten

Begrüßung

Hini Namaste
Bengali salám aláikum (Friede sei mit dir)
Antwort: walákum assalám (und mit dir)
Tamil VaNNakkam ("Seien Sie gegrüßt", gesprochen:
Wanackam, dabei werden die Hände unter dem
Kinn gefaltet

Wenn alle begrüßt wurden, nehmt im Schneidersitz auf dem Boden Platz.
Um euch noch mehr auf Indien einzustimmen, könnt ihr euch vom Duft entzündeter Räucherstäbchen inspirieren lassen.

Leela aus Indien:

Leela, ein indisches Mädchen, ist eines von vielen Kindern, die mit ihrer Familie ihr Heimatdorf verlassen musste. Anhand ihrer Geschichte erfahrt ihr einiges über das Schicksal des neunjährigen Mädchens.

Material: Räucherstäbchen (zur sinnlichen Einstimmung)
Geschichte (siehe unten)

Geschichte: Leela aus Indien (siehe Anhang)

Collage aus Zeitungsausschnitten:

Zur Vertiefung von Leelas Geschichte schneidet aus verschiedenen alten Zeitschriften Bilder, Statements, Slogans, Überschriften oder auch Texte aus, die mit dem Alltag Leelas in der Schule in Verbindung stehen. Klebt sie zu einer bunten Collage auf einen Bogen Packpapier. Wenn ihr damit fertig seid, könnt ihr das Plakat in eurem Gruppenraum aufhängen.

Material: Alte Zeitschriften (z.B. Missionszeitschriften, Tageszeitungen, …), Packpapier, Klebstoff und Scheren, Stifte

Auf dem Markt:

Manchmal begleitet Leela ihre Mutter auf den Markt. Es ist ein weiter Weg. Dort gibt es Stände mit Gewürzen, frischem Gemüse und Obst. Andere Händler verkaufen Sesamöl aus großen Kanistern oder Reis und Weizen aus großen Säcken. Leela steht oft vor den Verkaufsständen und beobachtet das rege Treiben. Leelas Mutter braucht Öl und einige Gewürze. Alles andere nehmen sie aus dem kleinen Garten.
Bei einem Verkaufsstand bleibt sie stehen. Dort werden viele verschiedene Früchte verkauft. Bananen, Papayas, Birnen, Mangos, Äpfel, Orangen und vieles mehr. Das Wasser läuft ihr dabei im Mund zusammen. So viele köstliche Dinge!
Habt ihr Lust, ein Rezept auszuprobieren?!

Indischer Fruchtsalat:

Zubereitungszeit: ca. 15 Minuten

Ihr braucht (für ca. 4 Personen):
1 Banane, 1 Papaya oder Birne, 1 Mango oder Pfirsich, 2 Äpfel (süßsauer), 2 Orangen, 2 Pfirsiche oder Nektarinen, 4 Marillen, 2 Eßl. Zitronensaft

Zuerst Obst waschen, schälen und in mundgerechte Stücke schneiden. Die Orangen schneidet ihr in kleine Stücke und gebt sie ebenfalls dazu. Dann füllt die Obststücke in eine große Schüssel und gebt anschließend den Zitronensaft hinzu.
Viel Spaß und Freude beim Zubereiten und Essen!

Essensregeln in Indien:

In Indien isst man mit der beweglichsten Gabel der Welt - mit den Fingern der rechten Hand. Die linke Hand gilt als unrein. Vielleicht habt ihr Lust, es auszuprobieren?!
Wenn ihr mit dem Essen fertig seid, benötigt ihr eine große Schüssel mit Wasser, ein Handtuch und etwas Seife. Die Wasserschüssel wird reihum gegeben. Nun könnt ihr euch die Hände waschen.
Und übrigens gibt es einige Essensregeln, die in Indien anders sind als bei uns. Rülpsen nach dem Essen bedeutet, dass es gut geschmeckt hat. Heißer Tee wird immer laut geschlürft. Aber Naseputzen beim Essen gilt als sehr unfein.

Material: Schüssel mit Wasser, Handtuch, Seife

Wenn ihr noch Zeit, Lust und Laune habt ...

Leela hat oft nicht sehr viel Zeit zum Spielen - aber sie tut es für ihr Leben gern. Viele Spiele kennt ihr auch: z.B. Fußball und Fangen. Hier nun das Spiel, das sie am liebsten spielt und das ihr sicher noch nicht kennt:

Sat Pitho

Für mindestens sechs Spieler

Material: Kreide, Alte Blechdosen, Softball

Ein Spielfeld wird abgetrennt (mit einer Kreide markieren). Es kann 5 Meter mal 5 Meter oder größer sein. In der Mitte baut ihr einen Turm aus alten Blechdosen. Es wird ein weiterer Punkt markiert. Von hier aus muss der/die Spieler/in, der/die beginnt, werfen. Er/Sie soll dabei den Turm mit dem Ball treffen und zerstören. Die anderen Spieler/innen stehen verteilt im Spielfeld. Sie fangen den Ball und versuchen nun ihrerseits den/die Werfer/in zu treffen. Diese/r versucht in der Zwischenzeit, den Dosenturm wieder aufzubauen. Er/Sie muss immer versuchen, dem Ball geschickt auszuweichen. Gelingt es ihm/ihr, den Turm zu errichten und nicht getroffen zu werden, so hat er/sie einen Punkt gewonnen. Nun ist der/die nächste Spieler/in an der Reihe.

Namaste - bis zum nächsten Mal in Indien!


Geschichte: Leela aus Indien

Habt ihr Lust, Leela aus Indien kennen zu lernen? Sie ist neun Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in einem Flüchtlingslager in Kokrajhar im Nordosten Indiens. Sie besucht dort eine Schule, die von der Dreikönigsaktion, dem Hilfswerk der Katholischen Jungschar, unterstützt wird. Durch die Spenden vieler Menschen in Österreich und den Einsatz von vielen Sternsingern, die sich in den Tagen der Weihnachtszeit auf den Weg machen, um Geld für Menschen aus Ländern der "Dritten Welt" zu sammeln, hat sie die Möglichkeit, in die Schule zu gehen. Sie ist sehr glücklich darüber, da nicht alle Kinder in Indien eine Schule besuchen können.

"Leela!" ruft ihre Mutter. Leela hebt lauschend den Kopf. Sie wirft ihre langen schwarzen Zöpfe zurück. Ihre Mutter ruft nochmals: "Schnell! Komm! Lauf!" Leelas ältere Schwester schwingt ihren kleinen Bruder auf ihre linke Hüfte und eilt der aufgeregten Mutter voran ...

Eines Tages mussten sie über Nacht aus ihrem Heimatdorf fliehen. Und nun ist alles anders ...
Manchmal ist sie sehr traurig, weil sie ihr Zuhause vermisst.

Leela erzählt:
Ich heiße Leela, bin neun Jahre alt und habe vier Geschwister - zwei ältere Schwestern und zwei jüngere Brüder. Mein Heimatdorf liegt im Nordosten Indiens. Dort leben verschiedene Bevölkerungsgruppen. Bodos, Santhalis, Adivasis, Rabhas und Garos. Weil sich die Menschen dort nicht verstehen, kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Aus Angst vor weiteren Konflikten, mussten wir in einer einzigen Nacht unser Dorf verlassen. Es wurden sehr viele Menschen getötet. Durch die kriegsartigen Zustände wurden unsere Wälder zerstört. In diesen geschützten Naturgebieten liegt auch unser Heimatdorf. Nun können wir nicht mehr zurück. Die Regierung erlaubt es nicht, uns dort wieder anzusiedeln.
Nun leben wir in einem Flüchtlingslager in Kokrajhar - eines von vielen Flüchtlingslagern im Nordosten Indiens, in denen insgesamt über 80.000 Menschen untergebracht sind.
Wir haben keinen Platz, wohin wir können, und so bleibt uns nur eine kleine Hütte, die von einem kleinen Gemüsegarten umgeben ist. Auf engstem Raum leben wir dort zusammen. Viele Menschen sterben an verschiedenen Krankheiten und Seuchen, da es keine Medikamente gibt.
Auch meine Freundin Gita musste mit ihrer Familie fliehen. Sie ist in einem anderen Flüchtlingslager untergebracht und hat durch die Hilfe der Dreikönigsaktion, die heuer ihren 50. Geburtstag feiert, die Möglichkeit, in die Schule zu gehen. Dort sind die Mädchen und Buben in der Unterrichtszeit in einer kleinen Kapelle untergebracht.
Auch in unserem Flüchtlingslager gibt es eine Schule, die ich jetzt besuche. Sie wird durch die Hilfe aus Österreich mit Spenden der Sternsinger unterstützt. Wir haben eine Klasse, in der mehr als 55 Kinder aller Altersstufen von einer Lehrerin unterrichtet werden. Wir lernen Hindi lesen und schreiben, ein wenig Englisch und rechnen. Unsere Wände sind mit verschiedenen Schautafeln ausgemalt. In einer Ecke das Alphabet und in einer anderen das Einmaleins. Am schönsten finde ich jedoch den Querschnitt durch einen Vulkan. Wir sitzen alle am Boden. Manchmal sind so viele Kinder da, dass nicht alle in der Klasse Platz haben. Dann müssen sie im Freien sitzen. Mir gefällt es sehr gut, und ich bin dankbar und froh, dass es in Österreich so viele Sternsinger gibt, die mit ihren Spenden vielen Kindern hier in Indien den Besuch einer Schule ermöglichen.
Meine ältere Schwester Chandani geht mehrmals in der Woche zu einem Zentrum, wo sie an zwei Webstühlen lernt, wie man Saris webt. Dort wird auch genäht, gestickt und gestrickt und eine Frau bemüht sich um Möglichkeiten der Vermarktung.
Trotzdem ist hier alles anders als in unserem Heimatdorf. Doch seit einiger Zeit habe ich eine neue Freundin und gemeinsam werden wir es schaffen.

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