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Gegen Unrecht! Kinder gehören nicht ins Gefängnis.

Während unserer Schulzeit hatten wir einen Besuch von Zeitzeug/innen, die von den Kriegsjahren berichtet haben und unter anderem erzählt haben, dass sie auch miterleben mussten, wie sie in der Schule gesessen sind und plötzlich Männer in ihre Klasse gekommen sind, und Mitschüler/innen abgeführt haben. Nicht weil diese sich etwas zu Schulden kommen haben lassen, sondern einfach aufgrund deren Herkunft oder Religionszugehörigkeit. Dieses Vorgehen, das uns unvorstellbar erschien, scheint in den letzten Tagen wieder Realität geworden zu sein. Kinder von Asylwerber/innen werden von Schulen abgeholt, in der Nacht aus ihren Betten gerissen und in Schubhaft genommen.

Die Berichte der vergangenen Tage über das Vorgehen der Fremdenpolizei haben großes Aufsehen erregt und auch bei der Katholischen Jungschar große Betroffenheit ausgelöst. Die aktuelle Asylpolitik ist unmenschlich und eines Rechtsstaats nicht würdig.

Uns von der Jungschar ist es wichtig, hier einen anderen Kurs einzuschlagen. Es ist für uns von großer Dringlichkeit nicht die Augen zu verschließen, sondern bewusst hinzusehen und die Missstände in der österreichischen Asylpolitik anzuprangern. Hierzu gehört es auch aktiv zu werden, weshalb wir die Initiative „Kinder gehören nichts in Gefängnis – www.gegen-unrecht.at“ unterstützen und auffordern die Petition zur Aufnahme der Kinderrechtskonvention in die Verfassung und für eine humane Asylpolitik zu unterschreiben. Die Katholische Jungschar setzt sich schon seit vielen Jahren für die Aufnahme der Kinderrechte in die Verfassung ein. Die Ereignisse der letzten Tage führen wieder einmal vor Augen, wie dringlich dieses Anliegen ist. Deshalb haben wir ein Gruppenstundenmodell erstellt, das Gruppenleiter/innen ermöglichen soll, sich mit Kindern diesem Thema anzunähern. Gerade für Kinder, die ja alltäglich mit Medienberichten genauso konfrontiert werden wie Erwachsene, stellen sich hier schwierige Fragen. Das Modell soll helfen, diese kindgerecht zu behandeln und zu sensibilisieren.

Wir würden uns freuen, wenn es von vielen Gruppenleiter/innen umgesetzt und somit gemeinsam ein Zeichen der Solidarität gesetzt wird.

Nicht mit mir! Für eine humanere Asylpolitik.

Eine Gruppenstunde zum Thema Asyl & Abschiebung für 8-10 Jährige von Kathi Bereis und Clemens Huber

Hintergrund:

In den letzten Tagen kam es in Wien und Oberösterreich zu aufsehenerregenden Abschiebungen, bei denen auch Kinder involviert waren. Im einen Fall war die Fremdenpolizei in einer Wiener Schule um eine Schülerin abzuholen und in einem anderen Fall wurden zwei 8-jährige Zwillinge mit ihrem Vater in den frühen Morgenstunden abgeholt und in Schubhaft genommen.
Die Katholische Jungschar beteiligt sich an der Kampagne „Kinder gehören nicht ins Gefängnis – www.gegen-unrecht.at“ und diese Gruppenstunde soll eine Möglichkeit bieten sich mit Kindern hierzu auseinanderzusetzen.

Aufbau:

Die Kinder erhalten einen Brief von einer Anwältin, die in der Asylberatung arbeitet, und sie um ihre Unterstützung bittet. Ausgehend von den Überlegungen, was man die letzten sechs Jahre (der Zeitraum, indem die abgeschobenen Kinder in Österreich waren) gemacht und erlebt hat, versuchen sich die Kinder in die Situation hineinzuversetzen, wie es wäre, plötzlich sein zu Hause zu verlieren. Abschließend werden als Zeichen der Solidarität Anstecknadeln gebastelt, die an Leute verteilt werden sollen, um gemeinsam ein Zeichen gegen diese Ungerechtigkeit zu setzen.

Material:

  • Anwaltsbrief
  • Zeitstreifen der letzten sechs Jahre
  • Rucksack
  • Steine
  • Sorgen-Kärtchen
  • Lila Borte oder breiteres Geschenksband
  • Sicherheits-Nadeln
  • Lila Papierstreifen

Ein Brief von der Anwältin

Der/die Gruppenleiter/in zeigt den Kindern am Anfang der Gruppenstunde einen Brief, den er/sie  von einer Anwältin erhalten hat, die sich um Flüchtlinge und Asylwerber/innen kümmert und sie in Rechtsfragen berät. Der Brief kann so aussehen:

Liebe Kinder!
Mein Name ist Paula Paragraph und ich bin Anwältin. Ich arbeite mit Flüchtlingen und Asylwerber/innen, also Menschen, die ihr Land verlassen mussten und nun in Österreich Schutz suchen. Leider dürfen diese Menschen nicht immer hierbleiben. Wenn sie hierher kommen, müssen sie bei Gericht anfragen, ob sie in Österreich bleiben können, die Antwort bekommen sie aber nicht sofort, sondern müssen jahrelang darauf warten. Während sie hier sind, lernen sie unsere Sprache, gehen in die Schule oder zur Arbeit und bilden sich somit hier ihr neues Zuhause. Oft sind Kinder zum Beispiel schon so lange da, dass sie das Land, aus dem sie kommen, nur aus Geschichten kennen.

Sehr oft werden diese Ansuchen um Bleiberecht nach mehreren Jahren und komplizierten Verfahren abgewiesen, was bedeutet, dass die Leute, nachdem sie sich hier ein Zuhause aufgebaut haben, Österreich wieder verlassen müssen. In den letzten Wochen wurden sogar Kinder mitten in der Nacht aus den Betten geholt und ins Gefängnis gebracht; die so genannte „Fremdenpolizei“ war auch in einer Schule, um dort ein Mädchen abzuholen.

Ich finde, das ist eine große Ungerechtigkeit und, dass man mit Menschen, egal woher sie kommen, nicht so umgehen darf. Es ist wichtig, dass sich ganz viele Menschen gegen diese Ungerechtigkeit stark machen und ihren Ärger über diese Politik und ihr Mitgefühl mit den Betroffenen ausdrücken. Deshalb schreibe ich euch diesen Brief und bitte auch euch um eure Mithilfe.

Liebe Grüße,
Dr. Paula Paragraph

In den letzten 6 Jahren

Du hast vor der Gruppenstunde eine Zeitleiste  vorbereitet, auf der die Jahre von 2004 bis 2010 eingezeichnet sind. Ihr „schreitet“ nun gemeinsam durch die Jahre und versucht euch zu erinnern, was ihr in dieser Zeit erlebt habt, z.B: 2007 ist mein kleiner Bruder auf die Welt gekommen, ich habe die ganze Volksschule erlebt, ich hab meine beste Freundin im Sommer 2005 kennengelernt, ich war 2008 auf meinem ersten Jungscharlager, … Wenn deine Kinder acht oder neun Jahre alt sind, werden die letzten sechs Jahre vermutlich ihre ganzen Erinnerungen umfassen.

Du erzählst deiner Gruppe, dass Kinder von Asylwerber/innen oft einen großen Teil ihres Lebens hier verbracht haben und daher  wahrscheinlich sehr ähnliche Erinnerungen haben werden wie sie. Wie schon die Anwältin berichtet hat, stellen die Eltern einen Antrag um hier zu bleiben. Oft dauert dessen Bearbeitung aber sehr lange. Deine Kinder sollen sich vorstellen, wie es ist, so viele Jahre hier zu leben, all diese Erinnerungen zu haben, an Ereignisse, die sie hier erlebt haben und plötzlich die Nachricht zu bekommen, ihr Zuhause verlassen zu müssen, weil der Antrag hier bleiben zu dürfen, vom Gericht abgelehnt wurde.

Ein Rucksack voller Sorgen

Gemeinsam überlegt ihr nun, was in den Köpfen der Kinder, die diese schlimme Nachricht erhalten haben wohl vorgehen könnte. Was könnten ihre Sorgen, Ängste und Befürchtungen sein? Einige hast du schon auf Zetteln vorbereitet (z.B.: „Wo werde ich wohnen?“, „Kann ich meine Katze mitnehmen?“, „Gibt es dort wo ich hin muss, immer noch Krieg?“, „Versteht man mich dort überhaupt““, „Werde ich dort neue Freund/innen finden?“,…) andere könnt ihr gemeinsam sammeln. Die Zettel klebt oder bindet ihr an Steine, die ihr dann in einen Rucksack packt. Am Ende wird dieser Rucksack vermutlich ziemlich schwer sein. Auch die Sorgen werden den Kindern vermutlich schwer auf den Schultern lasten.

Du kannst deiner Gruppe erklären, dass man den Kindern diese Last leider nicht abnehmen kann, denn um wirklich etwas zu ändern, müsste sich die Politik und die Gesetze in Österreich verändern. Zum Glück gibt es aber viele Menschen, die den Politiker/innen bewusst machen wollen, wie unmenschlich diese Regelungen sind und die daher Initiativen gegründet haben, um Betroffenen zu helfen und auch zu zeigen, dass viele Menschen in Österreich nicht einverstanden damit sind, wie mit Asylwerber/innen und Flüchtlingen umgegangen wird.

Lila Maschen für Menschlichkeit

Um zu zeigen, dass auch wir gegen diese Unmenschlichkeit eintreten und uns solidarisch zeigen, werden gemeinsam lila Ansteckmaschen gemacht – der Verein purple sheep (www.purplesheep.at), der sich für die Rechtslage von Asylwerber/innen stark macht, hat die Initiative gestartet sich lila Maschen anzustecken, als Zeichen gegen die aktuelle Asylpolitik. Du kannst mit deinen Kindern aus lila Borte oder etwas breiterem Geschenksband Maschen binden und diese mit einer Sicherheitsnadel sichtbar an einem Kleidungsstück befestigen.  Zusätzlich kannst du auf kleinen lila Papierstreifen auch Forderungen für eine humanere Asylpolitik aufschreiben und diese zu den Maschen dazuheften. Im Anschluss könntet ihr noch hinausgehen und Schleifen an Leute verteilen und ihnen erzählen wofür diese stehen und warum ihnen das wichtig ist.

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