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In einem Boot

Ein Gottesdienst am Jungscharlager

Dieses Modell baut auf der Erzählung aus der Bibel auf, in der die Jünger während einer Bootsfahrt in einen großen Sturm geraten (Mt 14,24-33). Wenn ihr für einen Gottesdienst am Lager diese oder eine andere Bibelstelle auswählt, die ebenfalls ein „Boots-Motiv“ hat, dann könnt ihr das hier vorgeschlagene Gottesdienstmodell als Grundlage für eure Überlegungen zur Gestaltung verwenden.

Grundidee:

Menschen, mit denen uns etwas verbindet, sind wie Mitreisende in einem Boot. Wie die Jünger am See erleben wir manchmal Gegenwind, der unser Boot ins Wanken bringt. Aber wir haben auch die Möglichkeit mitzuwirken, damit unsere Reise gemeinsam weitergehen kann.

Material:

  • ein großes aus Karton gebasteltes Boot
  • Filzstifte
  • ein großes weißes Tuch

Evangelium:

„Das Boot mit den Jüngern war inzwischen weit draußen auf dem See. Der Wind trieb ihnen die Wellen entgegen und machte ihnen schwer zu schaffen. Gegen Morgen kam Jesus auf dem Wasser zu ihnen. Als sie ihn auf dem Wasser gehen sahen, erschraken sie. Sie meinten, es sei ein Gespenst, und schrien vor Angst. Sofort sprach Jesus sie an: ‚Erschreckt nicht! Ich bin es, habt keine Angst!’
Da sagte Petrus: ‚Herr, wenn du es wirklich bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen!’ ‚Komm!’ sagte Jesus. Petrus verließ das Boot und ging auf dem Wasser auf Jesus zu. Als er aber die hohen Wellen sah, bekam er Angst. Er begann zu sinken und schrie: ‚Hilf mir, Herr!’ Jesus streckte sofort seine Hand aus, fasste Petrus und sagte: ‚Du hast zu wenig Vertrauen! Warum bist du so halbherzig?’ Dann stiegen beide ins Boot und der Sturm legte sich. Da warfen sich die Jünger im Boot vor Jesus nieder und riefen: ‚Du bist wirklich der Sohn Gottes.’“

Erklärungen zum Evangelium

In dieser Erzählung geht es nicht darum, eine historische Begebenheit zu überliefern. Die Gemeinde, mit der Matthäus lebte, war wahrscheinlich gerade in einer Situation des Zweifelns und der Bedrohung von außen. In dieser Situation will der Evangelist Trost und Ermutigung geben und erzählt von Jesus. Er schildert eine Szene der Selbstoffenbarung Jesu und seiner göttlichen Macht vor den Jüngern. Die Jünger geraten bei der Überfahrt über den See in starken Wind. Das bringt sie in große Bedrängnis. Die Beschreibung erinnert an das alttestamentliche Zeichen des Windes für die Anwesenheit Gottes. Außerdem ist sie ein Bild für die Situation der Gemeinde von Matthäus.
Jesus lässt seine Jünger in diesem Sturm nicht allein und er beruhigt sie dreifach: „Erschreckt nicht!“ – „Ich bin es“ – „Habt keine Angst!“ Weil die Gemeinde des Matthäus eine besondere Beziehung zu dem Apostel Petrus hatte, erhält dieser einen eigenen Stellenwert in der Erzählung. Er wird vorgestellt als einer, bei dem Mut, Zweifel und Angst eng beisammen liegen. An Petrus wird der Gemeinde beispielhaft gezeigt, was Jüngerschaft bedeutet: Den Glaubenden gibt Jesus Anteil an seiner Macht, den Verzweifelnden und Sinkenden reicht er rettend die Hand. Das soll der sich bedroht fühlenden und zweifelnden Gemeinde Aufforderung und Trost sein.

Elemente für die Gottesdienstgestaltung

Während des Tages bzw. vor dem Gottesdienst wird mit einigen Kindern ein möglichst großes Boot aus Karton gebastelt. Dieses Boot wird so aufgestellt, dass es alle gut sehen können. Nach der Eröffnung des Gottesdienstes wird folgende Geschichte vorgelesen:

Die Bootsfahrt

Es waren einmal fünf Kinder, denen schenkte ein alter Kapitän, der sich zur Ruhe gesetzt hatte, ein schönes Boot. Mit diesem Boot fuhren die Kinder hinaus auf den See. Es war ein herrlicher Frühlingstag und die Sonne spiegelte sich in der Wasseroberfläche. Die Kinder segelten bis zur Mitte des Sees. Das erste Kind hatte eine Angel mit, es warf den Angelhaken aus und wartete, dass ein Fisch anbiss. Das zweite Kind machte es sich im Boot bequem und ließ sich sonnen, es wollte nämlich schön braun werden. Das dritte Kind hatte seine Schulaufgaben mitgenommen. Es setzte sich zurecht und begann, seine Hausübung zu schreiben. Das vierte Kind lehnte sich an die Bootswand, ließ eine Hand ins Wasser hängen und betrachtete die Wellen. Das fünfte Kind, das übrigens das jüngste war, hatte eine Trommel mit und mit der trommelte es so laut, dass man es fast bis ans Ufer hören konnte. Das war aber den anderen vier Kindern gar nicht recht.
„Du vertreibst mir ja die Fische!“ rief das erste Kind. „Kann man sich denn nicht einmal in Ruhe sonnen?“, brummte das zweite Kind verärgert. Und das dritte Kind stöhnte: „Bei dem Krach kann ich unmöglich meine Hausübung schreiben. Hör sofort auf damit“. „Ja, sofort aufhören“, stimmte das vierte Kind zu, „das stört mich beim Schauen.“ Das war natürlich nicht ganz richtig, aber das vierte Kind wollte sich der Mehrheit anschließen. Nun fuhr das fünfte Kind ganz vorsichtig mit dem Schlegel über das Fell der Trommel, was ein ganz sanftes Geräusch machte. Aber als es die vier anderen Kinder ärgerlich ansahen, hörte es auch damit auf.
Es verging eine Weile, als sich plötzlich der Himmel verdunkelte und Wind aufkam. Der Wind wurde immer stärker und das Boot begann heftig auf den Wellen zu schaukeln. „Hilfe, wir kentern, wir kentern!“ riefen jetzt die anderen vier. „Wir müssen schnell zurückrudern, bevor der Sturm noch stärker wird“, schlug eines vor.
Da griff sich jedes ein Ruder und begann wild draufloszurudern. Das gab aber ein heilloses Durcheinander. Sie schlugen mit den Paddeln anei-nander, jedes ruderte in eine andere Richtung, sodass sich das Boot nur um sich selbst drehte, aber nicht von der Stelle kam.
„Wir müssen im Takt rudern“, sagte das fünfte Kind, „alle gleichzeitig und gemeinsam, sonst kommen wir nie weiter.“ Und es nahm seine Trommel und begann, damit im Takt zu schlagen. In diesem Takt ruderten dann alle. Sie ruderten, so fest sie konnten, und der Wind wurde stärker und stärker, aber näher und näher rückte das Ufer.
„Jetzt haben wir‘s geschafft“, rief eines der Kinder, „wir sind da!“ Sie sprangen alle aus dem Boot, zerrten es an Land und setzten sich eng zusammen unter einen Baum, um sich vor dem Regen zu schützten, der gerade eingesetzt hatte.
„Was war das doch für eine aufregende, wunderschöne Bootsfahrt“, sagte das fünfte Kind. Und da gaben ihm alle recht.

Kyrie

Die fünf Kinder haben bei ihrer Bootsfahrt viel dazugelernt. Auch wir können immer wieder dazulernen, denn auch wir sind mit Menschen zusammen, mit denen wir gemeinsam unterwegs sind. Denken wir jetzt ein wenig darüber nach, was jede/r einzelne von uns noch lernen kann, um mit anderen besser auszukommen.

Jesus Christus, du hast dich mit Menschen abgegeben, die von anderen Menschen ausgeschlossen wurden, denn als Kinder Gottes sind alle Menschen deine Freund/innen. Hilf uns, es dir gleichzutun.
Herr, erbarme dich.

Jesus Christus, deine Jünger haben Fehler gemacht wie alle Menschen, aber du hast sie nicht im Stich gelassen, sondern ihnen geholfen. Hilf uns, es dir gleichzutun.
Christus, erbarme dich.

Jesus Christus, du hast uns aufgefordert, einander beizustehen und auch denen zu helfen, mit denen wir nicht so gut auskommen. Hilf uns zu erkennen, dass wir nur auf diese Weise weiterkommen.
Herr, erbarme dich.

Der Herr erbarme sich unser, er nehme unsere Schuld von uns und gebe uns Kraft, aus unseren Fehlern zu lernen.

Evangelium

Das Evangelium kann auch von einigen Kindern oder Gruppenleiter/innen vorgespielt werden.

Verkündigung

So wie die Jünger sich zusammengehörig fühlten und in einem Boot unterwegs waren, so haben auch wir Menschen, mit denen wir uns besonders verbunden fühlen, die wir mögen und mit denen wir gemeinsam auf Fahrt sind. Gemeinsam überlegt ihr nun, welche Menschen das für euch sind. Diese Gruppen oder Personen könnt ihr nun mit Filzstiften auf das Boot schreiben, z.B. Familie, Jungschargruppe, Schulklasse, Freunde und Freundinnen, Pfarrgemeinde...
So ein Boot kann kentern, wenn es dem Sturm ausgesetzt ist, wenn ein Donnerwetter losbricht. Gibt es das auch bei Freund/innen, in der Klasse oder Jungschargruppe, dass einmal „schlechtes Wetter aufzieht“ und es stürmisch zugeht? Wann ist das der Fall?
Die Kinder setzen sich nun jeweils mit einem/r Gruppenleiter/in in Kleingruppen zusammen und überlegen zu folgenden Fragen: Worüber wird am meisten gestritten und wie könnte man das vermeiden? Was ist in einer Gruppe wichtig, damit sich jede/r einzelne wohl fühlen kann?

Dabei kann auch auf die Geschichte vom Beginn Bezug genommen werden, z.B.: Wichtig ist,…

  • aufeinander Rücksicht zu nehmen wie das Kind mit der Trommel.
  • nicht immer das zu sagen, was alle sagen, wie das vierte Kind, sondern auch selbst eine Meinung zu haben.
  • Dinge nicht gegeneinander zu unternehmen (wie die Kinder beim Rudern), sondern miteinander.
  • auch auf die Kleinsten und Jüngsten zu hören, die können genauso etwas beitragen wie die Großen (so wie das fünfte Kind mit seiner Trommel).

Wenn die Kleingruppen fertig sind, wird in die Mitte ein weißes Tuch gelegt – das ist das Segel für euer Boot. Auf dieses könnt ihr nun eure Überlegungen aus den Kleingruppen und weitere Ideen schreiben, was notwendig ist, um das Boot, eure Gemeinschaft auf dem Lager, zu unterstützen und was jede/r selbst dazu beitragen könnte. Jedes Kind, das will, kann seine Ideen mit Filzstift auf das Tuch schreiben. Dann wird das Tuch als Segel über das Mastenkreuz des Bootes gehängt.

Ein so kleines und leichtes Boot wird natürlich leichter von Wind und Wellen hin und her geschaukelt als ein fester, sicherer Dampfer. Dem kann ein bisschen Sturm nicht schaden. Wenn Jesus auf unserem Boot ist, dann ist das auch, als wären wir auf einem festen, sicheren Schiff. Ein bisschen Wind kann uns nicht aus der Fassung bringen. Wenn wir auch Fehler machen, dann wissen wir: Jesus ist bei uns. Wenn wir Jesus ernst nehmen und versuchen, so zu leben, wie er es uns gezeigt hat, dann können uns unsere Konflikte nicht schaden. Dann haben wir auch den Mut, uns wieder zu versöhnen – dann geben wir dem, der über Bord gefallen ist, die Hand, um ihn wieder rauszufischen. So hat auch Jesus Petrus wieder herausgeholt.
Denn wir wissen: Wir sitzen alle gemeinsam in einem Boot. Wir haben den gleichen Weg und wir brauchen einander, um weiterzukommen. Und mit Freund/innen und Verwandten gemeinsam ist eine Bootsfahrt ja auch viel lustiger als ganz alleine.

Friedensgruß

Zum Friedensgruß werden kleine Schiffchen aus Papier gefaltet. Diese steckt ihr einander an, um zum Ausdruck zu bringen, dass ihr alle – so unterschiedlich ihr auch seid – in einem Boot seid und zusammengehört.

Gebet zum Abschluss

Guter Gott, durch deinen Sohn Jesus bist du uns ganz nah. Du fährst mit uns in unserem Boot. Du bist nicht der Sturm, der das Boot zum Kentern bringt, sondern du bist im sanften leisen Säuseln des Windes, der unsere Segel bläht und unser Boot in Fahrt setzt. Gib uns die Kraft, die Segel zu setzen, und die Weisheit, den richtigen Kurs einzuschlagen. Lass uns nicht mutlos werden, sondern hilf uns, damit wir aufeinander schauen und niemanden verloren gehen lassen. Amen.

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