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Kontakte nach außen

Während eines Lagers ergeben sich Kontakte zu Personen, die nicht Lagerteilnehmerinnen sind. Manche dieser Kontakte sind notwendig um ein Lager durchführen zu können. Andere wiederum können die Durchführung eines Lagers erheblich beeinträchtigen. Gerade deshalb müssen diese Punkte vor dem Lager im Team gemeinsam diskutiert werden. Das kann mitunter zu Konflikten im Lagerteam führen. Wenn diese nicht geklärt wurden und am Lager auftreten, ist es schwer, sich auf eine gemeinsame Vorgangsweise zu einigen.

Notwendige Kontakte

Die/der VermieterIn

Wenn ein Lager durchgeführt wird, ergibt sich zwangsläufig die Notwendigkeit, mit der Vermieterin eines Lagerquartiers Kontakt aufzunehmen.

  • Vor dem Lager,
    um die Unterkunft überhaupt mieten und ein erstes Mal besichtigen zu können.
  • Zu Beginn des Lagers,
    damit die Vermieterin weiß, daß man angekommen ist und der Schlüssel und das Haus bzw. der Lagerplatz übernommen werden können.
  • Während des Lagers,
    wenn die Vermieterin am Lager vorbeikommt, um zu schauen, “ob eh alles in Ordnung ist. Oder braucht’s ihr was?” (Diese unregelmäßigen und oftmals auch unangekündigten Besuche können bei unangenehmen Vermieterinnen sehr rasch lästig werden. In diesem Fall ist es günstig, wenn die Lagerleiterin die Vermieterin von den anderen GruppenleiterInnen und den Kindern fernhält, damit sie diesen nicht lästig wird.)
    Gute Kontakte zu wohlgesonnenen, aufgeschlossenen, offenen und interessierten VermieterInnen können für den Ablauf eines Lagers sehr von Nutzen sein. Zu solchen VermieterInnen sollte der Kontakt sehr offensiv gepflegt werden, da ein Lagerquartier leichter zu bekommen ist, wenn die Vermieterin gute Erfahrungen mit einer Gruppe hat und von ihrem Stil bzw. Programm begeistert ist.

Bäcker, Lebensmittelhändler

Im Zuge der Lagervorbereitung müssen auch die Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung des Lagerquartiers geklärt werden, nachdem nicht alle Lebensmittel für ein Lager schon zu Hause eingekauft und zum Lagerort transportiert werden. Das ist einerseits durch die begrenzten Transportkapazitäten nicht möglich, andererseits durch die zumeist ausreichende Nahversorgung in der Umgebung auch nicht unbedingt sinnvoll. Am besten verbindet man die Klärung der Einkaufsmöglichkeiten gleich mit der Besichtigung bzw. Bestellung des Lagerquartiers.

Die/der VermieterIn ist eine gute Informationsquelle für Brot- und Milchbezugsmöglichkeiten (Liefert der Bäcker das Brot zum Haus oder muß man es holen? Verkauft in der Nachbarschaft ein Bauer die Milch ab Hof?). Analog zur Vermieterin sollte auch zum Lebensmittelhändler und zum Bäcker im Ort ein guter Kontakt gepflegt werden. Durch die Abnahmemenge ergeben sich mitunter auch Preisnachlässe.

Nachbarn

Der Kontakt zu den Nachbarn ist aus zwei Gründen sehr wichtig: Einerseits stellt ein Nachbarbauer eine potentielle Milchbezugsquelle dar. Andererseits muß im Sinne eines gedeihlichen Zusammenlebens mit den Nachbarn geklärt werden, in wessen Eigentum sich die Grundstücke rund um das Lagerquartier befinden, wenn diese benützt werden sollen und nicht zum Haus dazugehören. Ein Nachbar, der erst nach ein paar Tagen davon erfährt, daß in seinem Wald Geländespiele durchgeführt werden, kann durchaus ungehalten werden und die Benützung des Waldes verbieten. Auch wenn das Benützen des Waldes nach dem österreichischen Forstgesetz nicht verhindert werden darf, so ist ein Konflikt mit dem Nachbarn doch ziemlich unangenehm.

Zu vermeidende Kontakte

Eltern

Eltern von Kindern kommen sehr gerne auf Lager zu Besuch. Gründe gibt’s dafür viele:

  • “Wir sind gerade auf dem Weg in den Urlaub und haben uns gedacht, wir schauen kurz vorbei.”
  • “Wir wollen sehen, wie heutzutage ein Jungscharlager abläuft, früher war’s ja ganz anders.”
  • ...

Eltern wollen wissen, wie’s auf einem Lager so zugeht. Sie wollen sicher gehen, daß es ihrem Kind auch gut geht (sozusagen sehen, ob die GruppenleiterInnen auch gute Arbeit leisten) und das ist auch verständlich. Elternbesuche sind allerdings eine Störung des Lagerablaufs, da sie zumeist unangekündigt kommen und Eltern extra zu betreuende Personen darstellen. Die Extra-Betreuung ist vor allem notwendig, damit die Eltern das Lagerleben und den Programmablauf nicht zu stören.

Besuche von Eltern können nur vermieden werden, wenn die Eltern vor dem Lager gut darüber informiert werden, was am Lager passiert (am Elternabend vor dem Lager zum Beispiel Dias vom Lagerquartier zeigen, eine Kurzvorstellung des Programms geben) und wie An- und Abreise organisiert sind. Wenn sie also sicher gehen können, daß sie sich um das Wohlergehen ihres Kindes nicht zu sorgen brauchen und “Überprüfungen” vor Ort nicht notwendig sind.

Es soll vom Lagerteam ruhig aktiv und offensiv darauf hingewiesen werden, daß Elternbesuche auf Lager nicht erwünscht sind. Weil sie nicht nur den Lagerablauf stören und durcheinanderbringen können, sondern auch die Heimwehgefahr des eigenen Kindes und der anderen Kinder dadurch massiv gesteigert wird.

Das eigene Kind zum Beispiel war bis zum Besuch der Eltern gut gelaunt, begeistert vom Lager und hat überall mitgetan. Nach dem Besuch möchte es plötzlich am liebsten zu Hause sein, ist traurig, möchte seine Eltern anrufen und einfach nicht mehr auf Lager sein. Andere Kinder wiederum stellen erst durch die Anwesenheit der Eltern fest, daß ihre eigenen Eltern sie nicht besuchen oder daß sie noch keine Karte von zu Hause erhalten haben und ihnen ihre Katze ganz plötzlich sehr stark abgeht etc.

Ein Grund, der einen Besuch von Eltern allerdings erfordert, ist die Erkrankung ihres Kindes, die eine Heimfahrt erforderlich macht (Eltern sollten auf jeden Fall informiert werden, wenn ihr Kind länger als einen Tag krank ist).

GruppenleiterInnen, (Pfarr)Jugendliche, Pfarrangehörige

Bei Besuchen von diesen Personengruppen gehen die Meinungen in Lagerteams immer wieder auseinander. Unter anderem auch, weil Besuche auf Lager oft fixer Bestandteil einer Pfarrkultur sind und diese Kultur sehr schwer zu ändern ist. Und hier entstehen auf Lager meist die größten Konflikte, wenn in der Lagervorbereitung keine gemeinsame Vorgangsweise vereinbart wurde.

Jugendliche

Positives ...
Bei Jugendlichen wird zum einen argumentiert, daß der Besuch auf Lager für Jugendliche ein geeigneter Einstieg in die und eine gute Möglichkeit zum Kennenlernen der Jungschararbeit darstellt. Außerdem können Jugendliche am Lager mitarbeiten und das Lagerteam beim Programm unterstützen.

... und Negatives
Ein Gegenargument ist, daß die Jugendlichen für die Kinder eventuell Unbekannte sind. Und später auf Lager fahrende Personen haben die Entwicklung des Lagers nicht von Beginn an miterlebt. Es fehlt ihnen nicht nur ein wesentliches Stück gemeinsamen Lagerlebens. Auch die am Lager entstandenen und gewachsenen Beziehungen zwischen den Lagerteilnehmerinnen haben sie nicht mitvollziehen können. Das gilt besonders für Besucher, die mit der Jungschar nichts zu tun haben, in die Vorbereitung nicht eingebunden waren und auch nicht bis zum Ende des Lagers dableiben.

Wenn Jugendliche mit einem Teil der GruppenleiterInnen befreundet sind und mit den anderen im Lagerteam nicht, dann kann das die GruppenleiterInnen entzweien und zur Spaltung des Lagerteams führen.

Ein weiterer Grund, Besuche von Jugendlichen am Lager abzulehnen, ist die Tatsache, daß ein Besuch auf einem Jungscharlager einen billigen Urlaub (“Vollpension und Animation”) darstellt, für den nicht besonders viel getan werden muß. Außerdem lenkt ein Besuch die GruppenleiterInnen von ihrer Arbeit ab und erschwert die Arbeit des Lagerteams.

Pfarrangehörige

Bei Pfarrangehörigen fällt das Argument, das bei den Jugendlichen noch für einen Besuch spräche, weg. Die Jungschararbeit kennen sie wahrscheinlich schon seit Jahren. Und wenn sie in diese einsteigen wollen, dann gibt es für Pfarrangehörige zu Hause genug Möglichkeiten, den Kontakt zu den GruppenleiterInnen aufzunehmen und sich gemeinsam zu überlegen, wie dies am sinnvollsten geschehen kann.

GruppenleiterInnen

GruppenleiterInnen, die nicht auf das Lager mitfahren, wissen wahrscheinlich aus ihrer eigenen Lagererfahrung sehr gut, wie sich Besuche auf das Lagerleben auswirken. Bei ihnen fällt allerdings das Argument, daß sie für Kinder eventuell Unbekannte sind, wahrscheinlich weg.

Fremde

Der Besuch von fremden Personen (z.B. Wanderer), die keinen Bezug zum Lager haben, tritt wahrscheinlich höchst sporadisch auf. Hier ist es wichtig, diesen Personen zu erklären, worum sich’s auf dem Lager dreht und sie zu bitten, das Lagerquartier wieder zu verlassen. Meistens stellt das allerdings kein größeres Problem dar.

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