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Spielkultur

Wir fördern eine Kultur des gemeinsamen Spielens, die kooperativ ist, keine Angst macht und niemanden ausschließt.

Spielen macht Spaß, Spielen ist lustvoll. Der erste Sinn und Zweck des Spielens liegt in sich selbst. Das Spielen ist dem Menschen von Anfang an zu eigen und hat in seiner Entwicklung eine zentrale Bedeutung.

Für die Kinder ist das Spielen die ihnen entsprechende Art der Auseinandersetzung mit dem Leben. Kinder lernen, wenn sie spielen. Sie probieren neue Verhaltensweisen, üben ungewohnte Tätigkeiten, sie experimentieren, erproben sich in verschiedenen Rollen, setzen ihre Phantasie in Beziehung zur realen Welt und erweitern so ihre individuellen Begabungen und Möglichkeiten.

Spielen befreit, wenn es den Kindern diese Erweiterung ihres Lebenshorizontes ermöglicht, Spaß macht und neue, ermutigende Erfahrungen vermittelt. Dafür brauchen Kinder Zeit, Platz und anregendes Spielmaterial.

Die Lust am Spielen kann Kindern verdorben werden, wenn ihr Spiel von Erwachsenen eingeengt oder gemaßregelt wird, wenn zuwenig Platz und Zeit fürs Spielen zur Verfügung steht, wenn es dazu dient, Kinder von der Erwachsenenwelt fernzuhalten und auch kein anregendes Spielzeug zur Verfügung steht.

In der Jungschar ist das Spielen mit den Kindern eine Deiner Hauptbetätigungen

Gelegentlich bekommst Du vielleicht einen Vorwurf zu hören: „In der Jungschar wird ja nur (oder zuviel) gespielt ...“ Dem ist entgegenzuhalten, daß für Kinder das Spielen die beste Art des Lernens ist und Jungschararbeit sich gerade deshalb bemüht, Themen und Inhalte spielerisch, d.h. eben kindgerecht aufzubereiten.

Dabei solltest Du darauf achten, was den Kindern indirekt durch die Art der ausgewählten Spiele vermittelt wird:

Alle Mitspielenden sollen miteinander Spaß haben können. Wobei der Spaß nicht auf Kosten einzelner gehen darf. Das aktive Miteinander, nicht das Gegeneinander, steht im Vordergrund.

Das Spielen soll austoben und abreagieren möglich machen, ohne jedoch einander Schaden zuzufügen.

Spielen in der Gruppe soll die Kontaktaufnahme untereinander erleichtern. Durch das gemeinsame Tun werden Beziehungen hergestellt und vertieft.

Im Spielen soll die eigene Ausdrucksfähigkeit geübt und Kreativität entfaltet werden können.

Im Spiel soll es Möglichkeiten geben, eigene Erfahrungen zu verarbeiten und unangenehme Gefühle zu bewältigen.

Im Spielen kann Neues ausprobiert und Einsichten in Zusammenhänge gewonnen werden. Trotz aller Spielregeln, die nötig sind, muß es Flexibilität und Möglichkeiten der Veränderung geben.

Spiele mit den Kindern Deiner Gruppe nur Spiele, die Du selbst vorher ausprobiert hast (z.B. mit anderen GruppenleiterInnen). Diese Erfahrung ist sehr wichtig, weil sie Dir untrügerisch über die Qualität und Eignung eines Spieles Auskunft gibt.

Mit der Zeit wirst Du Dir ein gewisses Spielerepertoire aneignen. Das hilft Dir vor allem in jenen Situationen, wo Du Dir spontan etwas einfallen lassen mußt. Oft wollen die Kinder dann gar nicht so sehr etwas „Neues“, sie spielen auch gute bekannte Spiele immer wieder mit Begeisterung.

Versucht miteinander Spiele zu verändern und neue Spielregeln zu finden. Damit können auch altbekannte Spiele eine neue Dynamik bekommen. Achte aber darauf, daß Du nicht Spiele verzweckst, indem Du aus einem bestimmten Spielverlauf das Verhalten oder die Persönlichkeit einzelner MitspielerInnen unzulässig deutest. (Z.B.: mangelndes Gruppenvertrauen beim „Pendeln“ ...)

Du bemühst Dich um eine Spielkultur, die Solidarität und Kooperation unterstützt

Es gibt eine Vielzahl von Spielen, deren Spielziel darin besteht, MitspielerInnen oder mitspielende Gruppen zu besiegen, zu übervorteilen oder aus dem Spiel zu werfen. Meist ist der Spielreiz direkt an das Gewinnen gebunden und der Spielspaß geht auf Kosten derer, die verlieren oder vorzeitig ausscheiden müssen. Das Spiel ist auf ein Gegeneinander, nicht auf ein Miteinander ausgerichtet.

Die schärfste Form dieser Spiele sind die sogenannten „Einfahrer-Spiele“. Das sind Spiele, die auf Kosten eines/einer einzelnen (oder einer Minderheit) gehen. Ihr Witz besteht darin, daß die Mehrheit Spaß daran hat, wenn einzelne Mit-spielerInnen „dumm dastehen“, einfahren oder Schaden erleiden. Solche Spiele lehnen wir in der Jungschar ab.

Spiele, die dem Prinzip des Zusammenarbeitens und der Solidarität folgen, sind wichtig und sollen in der Gruppenarbeit Vorrang haben. Allerdings wird auch in diesen Spielen Konkurrenz und Rivalität unter den Kindern deutlich. Ein Sich-aneinander-und-miteinander-Messen ist eine Verhaltensweise, die im Menschen grundgelegt ist. Darin sollen sich Kinder im Spiel auch üben können, vor allem, wenn es um Formen der offenen, direkten Auseinandersetzung geht: um offenen Konflikt, um Streit, Forderung und Verzicht, um Teilen und Trennen ... Spiele, die in dieser Weise Konkurrenz und Rivalität sichtbar und damit für die Kinder gestalt- und veränderbar machen, können für sie ebenso hilfreich sein, wie das spielerische Einüben kooperativen und solidarischen Handelns.

Kinder werden Gewinner-Verlierer-Spiele immer wieder von Dir einfordern. Dies vor allem auch deshalb, weil sie ihnen vertraut und vielleicht gerade wichtig sind. Achte darauf, daß Glück und Zufall bei derartigen Spielen entscheidend sind, bzw. daß die unterschiedlichsten Talente und Fähigkeiten bei derartigen Spielen gefordert sind.

Für Dich als Auswahlkriterium sollte gelten: Die Tätigkeit des Spielens an sich muß interessant bleiben, nicht die Frage, ob und wer jetzt gewinnen oder verlieren wird. Denn die Kinder achten natürlich auch darauf, welche Spiele Du auswählst und ihnen vorschlägst.

Bei „Fang-“ oder „Ausscheide-Spielen“ gelingt es oft durch einfache Regeländerungen den Spielverlauf so anzulegen, daß weiterhin alle Kinder am Spiel teilnehmen können. (Z.B. wenn ein Kind statt auszuscheiden für eine kurze Zeit eine andere Spielaufgabe erhält ...).

Spielende Kinder sind in Bewegung

Für Kinder sind Bewegung und Betätigung grundlegende Voraussetzungen ihrer psychischen Entwicklung. Stillhalten (müssen) oder einseitige Belastung von Muskeln und Bändern führen zu Haltungsschäden, die in erschreckendem Ausmaß bereits bei den Kindern zu beobachten sind. Die Ursachen dafür sind vielfältig: langes Stillsitzen, allgemeiner Bewegungsmangel, einseitiger Leistungssport, schwere Schultaschen, ungeeignete Sitzmöbel ...

Als GruppenleiterIn kannst Du leicht auf bewegungsfördernde Maßnahmen im Gruppenalltag achten: Nützt den Fußboden als Spiel- und Arbeitsfläche und verwendet mobiles Sitzgerät (Pölster, Matratzen, Sitzbälle ...) statt der herkömmlichen Tisch-Sessel-Einrichtung. Wenn Geld dafür da ist, kannst Du auch bewegungsanregendes Spielgerät anschaffen (Pedalos, Springschnüre, Schaukel- und Klettergeräte, Trampolin, Stelzen, Jongliermaterial ...)

Laß Dich nicht von „bewegten“ Kindern irritieren. Es stimmt nicht, daß Kinder nur dann etwas aufnehmen, wenn sie stillsitzen. Am besten ist es, wenn Du mit den Kindern etwas tust und bei diesem Tun das mit ihnen besprichst, was Dir wichtig ist.

Bewegung und vor allem vielfältige Bewegung ist gesund. Wenn Du mit den Kindern sporteln möchtest, dann schau darauf, daß ihr dabei laufen, hüpfen und springen könnt, und daß es etwas zum Klettern und Balancieren, Drehen und Schaukeln gibt.

Euer Gruppenraum sollte viel Bewegung ermöglichen. Meist sind diese Räume mit Mobiliar vollgestopft, sodaß einfache Kreis- oder Bewegungsspiele nur mühsam durchzuführen sind. Also: entweder Platz schaffen oder zumindest hin und wieder einen anderen Raum suchen ...

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