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Lebensraum bieten

Jungschar ist Lebensraum für Kinder

In der Jungschararbeit erfahren Kinder durch ihr Eingebundensein in eine Gruppe und den Kontakt zu ihren GruppenleiterInnen eine kontinuierliche Begleitung in einem wichtigen Lebensabschnitt. Die Qualität der Jungschar als Lebensraum für Kinder wird davon bestimmt, inwieweit Kindern hier konkrete Unterstützung in ihrer persönlichen Entwicklung zuteil wird.

Die Form der regelmäßigen Gruppentreffen ist typisch für die Jungschar und hat eine wichtige Funktion für das soziale Lernen der Kinder. In der Gruppe können Kinder gemeinsame Erlebnisse machen und in Erfahrungen umsetzen. Dazu brauchen sie das einfühlsame Engagement der GruppenleiterInnen, die sich um eine tragfähige Beziehung zu den Kindern bemühen.

Dieses Bemühen um die Kinder darf letztlich nicht „Privatsache“ einzelner sein. Die Jungschar versteht ihre pädagogische Arbeit eingebettet in das Leben der Pfarrgemeinde. Dabei gilt es zu berücksichtigen,

  • daß die Rahmenbedingungen, unter denen Jungschararbeit vor Ort stattfindet, diese nicht behindern bzw. ihren Zielen entgegenstehen

  • daß Kinder eine eigene Art haben sich zu äußern, sich darzustellen und zu kommunizieren, mit der sich Erwachsene verstehend auseinandersetzen müssen.

  • daß Kinder in ihrer Eigenart und Eigen-Sinnigkeit von den Erwachsenen ernst- und angenommen werden.

Kindern Lebensraum bieten heißt...

...kindliche Bedürfnisse ernstnehmen und das eigene Handeln daran ausrichten

Wer bewußt und rücksichtvoll mit Kindern umgeht, bemüht sich in besonderer Weise darum, die Bedürfnisse der Kinder zu achten und das eigene Handeln daran zu orientieren. Neben den Grundbedürfnissen nach Liebe und Geborgenheit, nach Lob und Anerkennung sind es vor allem die Bedürfnisse nach neuen Erfahrungen, nach Übersicht und Zusammenhang sowie nach Eigenverantwortung und Selbständigkeit, die das Leben und Handeln der Kinder bestimmen.

Diese Grundbedürfnisse geraten oft auch in Spannung zueinander, wenn z.B. Sicherheitsbedürfnisse jenen nach neuen Herausforderungen gegenüberstehen. In dieser Spannung vollzieht sich die persönliche Entwicklung jedes einzelnen Menschen. Kinder in dieser Entwicklung zu begleiten setzt ein gutes Einfühlungsvermögen der GruppenleiterInnen voraus. Beziehungsangebot und gemeinsames Tun muß jedem Kind Sicherheit bieten, darf aber nicht Entwicklung verhindern; muß herausfordern, darf aber nicht überfordern.

...den Kindern verläßliche und belastbare Beziehungen anbieten

Im Zusammensein mit Kindern werden Jugendliche und Erwachsene zu bedeutsamen Bezugspersonen, an denen sich Kinder orientieren. Sie erwarten sich von den „Großen“ Erklärungen für die Geschehnisse in der Welt, Maßstäbe für richtiges Handeln und letztlich Orientierung in der Frage nach dem Sinn. Kinder brauchen Menschen, die sich auf ihre Fragen einlassen und sich mit ihnen gemeinsam auf die Suche nach Antworten und neuen Fragen machen.

Das setzt voraus, daß die Kinder diesen Menschen trauen, weil sie erfahren, daß sie in ihrem Reden und Tun authentisch sind, und sich die Beziehung als verläßlich und belastbar erweist.

...Kinder in der Gestaltung tragfähiger Beziehungen zu Gleichaltrigen unterstützen

Kinder brauchen Kinder. Sie machen sich selbst auf die Suche nach gleichaltrigen bzw. gleichinteressierten Freunden und Freundinnen, mit denen sie spielen, Spaß haben, Erlebnisse austauschen, streiten und kämpfen können.

Kindern in diesem Beziehungsgeschehen beizustehen, vor allem bei Auseinandersetzungen, die schmerzvoll oder gewalttätig zu werden drohen, ist eine Gratwanderung zwischen bewahrendem, behütendem Eingreifen und dem Zulassen eigen“mächtiger“ Lösungen.

Das Angebot beziehungskonstanter Gruppen ist für Kinder ein wichtiger Raum, in dem sich soziales Lernen ereignet. Die/Der GruppenleiterIn begleitet diesen Beziehungsprozeß der Kinder untereinander.

...Kindern Platz und Zeit geben, die sie nach eigenen Vorstellungen gestalten können

Kinder haben heute vielfältige Möglichkeiten, ihren Alltag zu gestalten, allerdings fehlt es oft an tatsächlich freier, das heißt unverplanter und unverzweckter Zeit. Im Bemühen, Kindern zu einer „sinnvoll“ gestalteten Freizeit zu verhelfen, beherrschen oft die Vorstellungen Erwachsener die eigentlichen Bedürfnisse der Kinder. Kindern Platz und Zeit zu geben meint in erster Linie einen Ort, wo Kinder selbstbestimmt freie Zeit mit anderen Kindern gestalten und erleben können.

Dies setzt voraus, daß Räume kindgerecht ausgestattet sind, die zur Verfügung gestellte Zeit auf kindliche Bedürfnisse und Lebenssituationen Rücksicht nimmt, die vielfältigen Angebote ausreichend Gelegenheit zur Mitbestimmung und Beteiligung bieten und sich Erwachsene mit Einflußnahme und Kontrolle zurückhalten.

...sich um kindgemäße Formen gemeinsamen Tuns und Erlebens bemühen

Kinder erleben und lernen im Tun. Im Spielen eignen sich Kinder Wirklichkeit an. Im Spiel erfahren sie die Welt; in spielerischer Form äußern sie sich, kommunizieren sie mit anderen und drücken ihre Gefühle aus.

Dabei setzen Kinder alle Sinne ein. Sie bewegen sich, sie greifen alles an, sie schauen, hören, sie riechen und schmecken.

Kinder als eigenständige Personen ernstnehmen heißt, sie in ihrer Ganzheit von Leib, Geist und Seele anzunehmen, anzusprechen und anzuregen. Durch entsprechend kindgemäß-spielerische Formen und vielfältige Aktivitäten in einer kontinuierlich begleiteten Gruppe wird dem Rechnung getragen.

Kindern Lebensraum bieten heißt nicht...

...Kinder zu Aktivitäten drängen, die ihnen keinen Spaß machen bzw. ihre Bedürfnisse mißachten; sie zu etwas zwingen, das ihnen Angst macht, das ihr Selbstwertgefühl durch Tadel, Strafe oder Gewaltanwendung zerstört oder das sie in den Beziehungen untereinander behindert.

...ihnen kindgemäße Formen der gemeinsamen Betätigung zu verwehren.

...einen „pädagogischen Schonraum“ einzurichten, wo Kinder unterhaltsam beschäftigt werden, ihnen aber eine partnerschaftliche Teilnahme am Gesamtleben der Pfarrgemeinde vorenthalten wird.

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