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Konfliktbewältigung

Wir suchen in der Konfliktbewältigung gemeinsam mit den Kindern nach kreativen Lösungen und fairen Umgangsformen.

Konflikte sind etwas Alltägliches. Sie sind im Zusammenleben der Menschen kaum vermeidbar. Immer wieder kommen sich die verschiedenen Wünsche, Vorstellungen, Ziele und Bedürfnisse von Menschen in die Quere und verursachen „Zusammenstöße“.

Den meisten Menschen sind Konflikte unangenehm, sie versuchen ihnen auszuweichen oder sie zu vermeiden.

Auch Kinder streiten und haben ihre Konflikte. Gerade in einer Gruppe, wo für die/den einzelne/n nur begrenzt Zeit, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Raum, Material ... zur Verfügung steht. Buben streiten lauter und lösen ihre Konflikte zumeist mit aggressivem Körpereinsatz. Mädchen streiten etwas versteckter, dafür können sie länger aufeinander böse sein.

Deine Aufgabe als GruppenleiterIn wird es sein, Konflikte zunächst als etwas „Normales“ darzustellen und dann gemeinsam mit den Kindern zu überlegen, wie Konflikte gut und befriedigend für alle gelöst werden können.

Ihr bemüht euch miteinander um faires Streiten

Es gibt verschiedenste Gründe für Streit. Manche sind tatsächlich unnötig oder vermeidbar, anderen kann man gar nicht ausweichen. Fair zu streiten muß geübt werden, denn erste Reaktionen von Ärger oder Wut überlagern vernünftige Einsicht. Ärger entsteht in der Gruppe dann, wenn einzelnen Kindern an den anderen etwas nicht paßt oder aufregt. Ärger entsteht, wenn sich einzelne nicht an vereinbarte Spielregeln halten oder einen persönlichen Grant von außen in die Gruppe hineintragen. Ärger entsteht aufgrund von Ohnmachtserfahrungen (...weil uns jemand von außen etwas verbieten will ..., ... weil wir irgendwie nicht mit dem, was uns wichtig ist, weiterkommen ...).

Fair streiten heißt, den Gründen für Ärger oder Streit auf die Spur zu kommen und in der Auseinandersetzung zwischen Sache und Person genau zu unterscheiden.

In Konfliktsituationen erwarten sich die Kinder Unterstützung von Dir als GruppenleiterIn. Achte vor allem darauf, nicht vorschnell Partei zu ergreifen und respektiere Gefühlsreaktionen, auch wenn sie heftig sind. Wenn der erste Zorn verraucht ist, kannst Du meist recht bald mit den Kindern die Gründe für den Streit besprechen und gemeinsam mögliche Lösungen überlegen.

Wenn die Kinder untereinander streiten, mußt Du als GruppenleiterIn nicht in jedem Fall sofort einschreiten. Laß die Kinder vor allem „kleinere“ Streitigkeiten allein untereinander aushandeln. Dein Einschreiten ist vor allem dann notwendig, wenn es gilt, einzelne vor der Übermacht der Gruppe zu schützen oder wenn die Auseinandersetzung gewalttätige und zerstörerische Formen annimmt.

Entscheidungskonflikte werden in Gruppen häufig durch Abstimmungen gelöst. Das hinterläßt oft eine frustrierte Minderheit von VerliererInnen. Trefft Entscheidungen so, daß statt „entweder-oder“ möglichst ein „zuerst-danach“ geregelt wird.

Du selbst brauchst auch nicht alles zu schlucken, was Dich ärgert oder Dir gegen den Willen geht. Du darfst auch mit den Kindern streiten, bedenke aber, daß Du in jedem Fall die/der Stärkere bist und daß sich die Kinder gerade von Dir genau abschauen werden, wie faires (oder eben nicht faires) Streiten gehen kann.

In eurer Gruppe gibt es bestimmte Regeln und Normen.

Jede Gruppe braucht für das Zusammenleben Regeln - und entwickelt auch eigenständig solche. Wir können dabei zwischen den „offiziellen“ Gruppenregeln und den „unausgesprochenen“ Gruppennormen unterscheiden.

Derartige Regelungen werden gleich zu Beginn eines Gruppenprozesses abgeklärt bzw. entstehen in dieser ersten Zeit unbewußt. Wenn Normen bekannt sind und offen ausgehandelt wurden, dann tragen sie zu einem positiven Gruppenklima bei. Verstöße gegen derartige Normen sind auch offenkundig und können je nach Vereinbarung entsprechende Konsequenzen auslösen.

Überlege gleich zu Beginn Deiner Gruppenarbeit mit den Kindern gemeinsame Gruppenregeln. Diese sollen sich auf die Organisation der Gruppe (Pünktlichkeit, Zusammenräumen, Umgang mit Materialien, ...) und auf den Umgang miteinander (Warten bis alle fertig sind, zuhören, niemandem weh tun, ...) beziehen. Es ist auch wichtig, daß Du die Kinder mit jenen Regeln vertraut machst, die von außen kommen (Spielen rund ums Jungscharheim, Umgang mit Anrainern, ...).

Ihr müßt Gruppenregeln immer wieder überprüfen, nötigenfalls korrigieren oder erweitern. Wichtig ist, daß immer alle Gruppenmitglieder daran beteiligt sind und die Begründungen für Änderungen klar sind.

Wenn sich Gruppennormen heimlich entwickeln und einzelne Mitglieder der Gruppe einschränken oder zur Verstellung zwingen (Miteinander singen ist blöd...., Immer, wenn der Franzi etwas sagt, wird er ausgelacht ..., jede neue Idee wird zuerst heruntergemacht ...) solltest Du Dich dafür einsetzen, daß diese Normen bewußt gemacht und in der Gruppe verändert werden.

Überprüfe jede Gruppenregel auf ihre Sinnhaftigkeit und Plausibilität. Alles, was wir von Kindern wollen oder erwarten, sollten wir gut begründen können. Das heißt allerdings nicht, daß Kinder jede Regel widerspruchsfrei akzeptieren und einsehen.

Beobachte, wie sich Gruppennormen im Laufe der Zeit „einschleifen“. Sprich diese Entwicklung in einer geeigneten Situation an. Du kannst dafür auch spielerische Feed-back-Methoden (z.B. ein Bild von der Gruppe als Zoo malen ...) einsetzen.

Gruppenregeln für Kinder brauchen eine sehr konkrete Sprache („Wir wollen nicht lachen, wenn sich jemand verspricht ...“). Abstrakte Begriffe, vor allem solche, die vielfältig interpretiert werden können („Toleranz“, „Verständnis“, „Freundschaft“,...) solltet ihr vermeiden.

Du entwickelst einen wertschätzenden Leitungsstil

Eine Gruppe zu leiten ist nicht einfach. Du mußt imstande sein, drei Dinge zu koordinieren: Die Erwartungen und Bedürfnisse der Kinder, Deine Zielsetzungen und den Gruppenprozeß. Zufrieden wirst Du am Ende der Gruppenstunde sein, wenn mit der Gruppe etwas weitergegangen ist, wenn die Kinder zufrieden sind und ihren Spaß dabei gehabt haben, und wenn Du auch ein Stück von dem erreicht hast, was Du Dir für diese Stunde vorgenommen hattest.

Dies alles verlangt von Dir drei Grundqualitäten, die Du zum Teil für Deine Aufgabe mitbringen mußt, zum Teil Dir durch gezieltes Üben anlernen kannst:

Empathie (einfühlendes Verstehen): Wenn Du mit Kindern etwas unternehmen willst, dann mußt Du ihr Verhalten verstehen und richtig deuten können. Das setzt voraus, daß Du über ihre persönliche Situation Bescheid weißt und Dich in ihre aktuelle Befindlichkeit hineinversetzen kannst.

Kongruenz (persönliche Echtheit): Die Kinder erwarten von Dir, daß Du „echt“ bist. Das heißt, daß Dein Reden und Wollen mit dem übereinstimmt, wie Du Dich verhältst und handelst. Sie erwarten von Dir nicht, daß Du fehlerlos oder einE SuperheldIn bist, sondern Aufrichtigkeit und Verläßlichkeit.

Akzeptanz (bedingungslose Wertschätzung): Bedingungslose Wertschätzung heißt Kinder so anzunehmen, wie sie sind, und Deine Zuwendung von keinen Gegenleistungen (z.B. sonntäglicher Kirchbesuch...) oder Vorbedingungen (z.B. nur die „Braven“ ...) abhängig zu machen.

Es ist schwierig für die Gruppenarbeit einen bestimmten Leitungsstil festzulegen. Du wirst - je nach Temperament und persönlicher Begabung - wahrscheinlich einen individuellen Stil entwickeln, wie Du mit den Kindern in der Gruppe umgehst und wie Du Deine Leitungsaufgabe erfüllst.

Hilfreich ist vielleicht folgendes Modell: Ein Höchstmaß an persönlicher Wertschätzung den Kindern gegenüber kombiniert mit einem, der jeweiligen Situation angepaßten Maß an Lenkung. Das meint: Es wird Situationen in der Gruppe geben, wo Dein entschiedenes Eingreifen angebracht ist, und es wird Situationen geben, wo Du die Kinder ohne Probleme sich selbst überlassen kannst.

Neben der Wertschätzung ist auch noch die Partnerschaftlichkeit ein wichtiges Leitmotiv für den Umgang mit den Kindern. Du bemühst Dich, die Kinder in Deinen Entscheidungen zu beteiligen. Autoritär wäre ein Leitungsstil, der die Lebenssituation und die Bedürfnisse der Kinder mißachtet, ihnen keine Eigenständigkeit zubilligt und nur darauf abzielt, die eigenen Interessen und Zielsetzungen durchzusetzen.

Wenn Ihr zu zweit die Gruppe leitet, dann vereinbart in regelmäßigen Zeitabständen eine gegenseitige Beobachtung. Du läßt Dich dann eine Gruppenstunde lang bewußt von Deiner Kollegin / Deinem Kollegen in Deinem Umgang mit den Kindern beobachten und bittest sie/ihn im Anschluß um ein ausführliches Feed-back.

Wenn Du Dich fragst, womit Du bei Deinen Gruppenstunden zufrieden bzw. unzufrieden bist, dann werden Dir vielleicht einzelne Szenen einfallen, die immer wieder in der Gruppenstunde vorkommen könnten. Solche Szenen in der Grup-penleiterInnenrunde durchzuspielen kann Dir wertvolle Hinweise auf Dein Verhalten als Grup-penleiterIn geben.

Wenn Du Deine Fähigkeit Gruppen zu leiten weiter verbessern möchtest, ist ein Videotraining eine gute, wenn auch konfrontierende Übungsmethode. Es gibt gute Weiterbildungsangebote (diözesane Jungscharschulungen, Volkshochschulen, Bildungshäuser...), die das Leiten von Gruppen zum Thema haben.

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