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Gemeinschaft

Wir achten auf ein faires Miteinander in der Gruppe und wahren die Rechte und Interessen von Minderheiten.

Kindern ist Gemeinschaft sehr wichtig. Wenn man sie fragt, was sie darunter verstehen, kann man verschiedene Antworten bekommen: „daß man sich gut kennt und gut versteht und auch nicht dauernd streitet ...“, „daß man miteinander spielt, sich Geheimnisse anvertraut ...“, „daß alle zusammen sind und etwas zusammen machen ...“, „daß man Rücksicht auf andere nimmt ..."

Zur Gemeinschaft gehört vor allem auch ein Gefühl, das sich nur schwer beschreiben läßt und über die gemeinsame Betätigung hinausweist. Gemeinschaft ist also mehr als der Treffpunkt mit den FreundInnen, Gemeinschaft ist mehr als die gleichzeitige Benützung angebotenen Spielmaterials.

Kinder sind um der Gemeinschaft willen durchaus bereit Konflikte auszutragen, Uneinigkeiten und Streit auszuhalten, Kompromisse einzugehen und Rücksicht aufeinander zu nehmen. Wenn Kinder Gemeinschaft als solche erleben, dann ist sie ihnen einiges wert.

Gemeinschaft ist letztlich nicht erzwingbar. Unser Bemühen in der Jungschar konzentriert sich deshalb auf die Rahmenbedingungen, die es ermöglichen sollen, daß Gemeinschaft entsteht und sich weiterentwickeln kann: auf Spielregeln fürs Zusammensein, auf das Angebot gemeinsamer Aktivitäten, auf die Auseinandersetzung mit bedeutsamen Themen und Lebensfragen.

„Gemeinschaft“ wird als Begriff in der Kirche gerne verwendet, um ein bestimmtes Verhalten einzumahnen. Das kann dazu führen, daß einzelne sich gegen Gemeinschaft wehren, weil sie diese als vereinnahmend und ausbeuterisch erleben. Überlaß deshalb den Kindern die Beschreibung dessen, was sie in der Jungschargruppe erleben und erfahren und freu Dich darüber, wenn sie ganz von selbst dieses als Gemeinschaft bezeichnen wollen.

In jeder Gruppe kann es „AußenseiterInnen“ geben

Gruppenmitglieder übernehmen mit der Zeit bestimmte Rollen. Es gibt Rollen, die sich von den Aufgaben, die eine Gruppe zu bewältigen hat, ableiten. Andere beziehen sich auf das soziale Gefüge und das Klima einer Gruppe. Wieder andere entstehen aus den Bedürfnissen einzelner Gruppenmitglieder. In jedem Fall ist die Übernahme einer bestimmten Rolle ein wechselseitiger Prozeß. Die Erwartungen (und Zuschreibungen) der anderen müssen mit eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen in Einklang gebracht werden. Für die jeweilige Rolle entscheidet sich der/die einzelne nicht nur selbst. Rollen können anerzogen werden (z.B. Mann-Sein, Frau-Sein ...). Man kann in eine bestimmte Rolle gedrängt werden, indem man entsprechende Erwartungshaltungen seitens der anderen Gruppenmitglieder nachgibt (bzw. nachgeben muß). Letztlich kann sich auch eine bestimmte Rolle aus dem Widerstand gegen die Gruppe, deren Aktivität oder gegen einzelne Mitglieder entwickeln.

Ziel in der Gruppe ist es, daß möglichst viele Gruppenmitglieder fähig werden, je nach Situation unterschiedliche Rollen wechselnd zu übernehmen.

Von „AußenseiterInnen“ kann man dann sprechen, wenn einzelne Gruppenmitglieder auf bestimmte, meist negative Rollen festgelegt werden (... ist der Gruppenclown, ... sagt nie etwas in Diskussionen, ... muß immer stänkern, ... will sich immer in den Mittelpunkt stellen, ...). Es kann auch vorkommen, daß eine Gruppe einen solchen Sündenbock „braucht“, weil sie damit bestimmte Auseinandersetzungen in der Gruppe vermeiden kann.

Für die Rollenübernahme ist die erste Zeit des Gruppenprozesses bedeutsam. Die meisten Gruppennormen (und damit verbundenen Rollenzuschreibungen) entstehen informell. Als GruppenleiterIn mußt Du deshalb zu Beginn einer Gruppe gut wahrnehmen, was unter den Kindern läuft, und vor allem dort steuernd eingreifen, wo einzelne Kinder zu AußenseiterInnen gemacht werden. Du kannst das u.a. über eine bestimmte Spiel- oder Methodenauswahl tun.

Manchmal benützen Kinder die äußere Erscheinung einzelner Gruppenmitglieder (Körperfülle, starke Brillen, „billige“ Kleidung, Körpergröße, Sprechfehler, ...) zu verächtlichen oder aggressiven Äußerungen. Wenn Du den Eindruck gewinnst, daß einzelne in der Gruppe „fertiggemacht werden“, ist ein entschiedenes Eingreifen zu ihrem/seinem Schutz unbedingt erforderlich.

Es gibt Situationen, in denen es besser sein kann, wenn ein „störendes“ Kind die Gruppe verläßt. Dies darf aber nur der letzte Ausweg sein und setzt voraus, daß Ihr in der Gruppe alles euch mögliche versucht habt, um ein gedeihliches Miteinander zu erreichen. Für Dich kann in solchen Fällen eine Aussprache mit erfahrenen GruppenleiterInnen hilfreich und entlastend sein.

Kontinuität und Geschlossenheit kennzeichnen eine Jungschargruppe

Es liegt im Wesen einer Gruppe, daß sie „geschlossen“ ist. Das heißt, daß jede Gruppe aus nicht auswechselbaren Mitgliedern besteht, die eine Zeitlang etwas miteinander unternehmen und erleben wollen. In der Anfangsphase ist es noch möglich, daß einzelne Mitglieder neu zur Gruppe kommen, andere wiederum wegbleiben. Später wird sich ein derartiges „Kommen und Gehen“ störend auf die Gruppe und die gemeinsamen Unternehmungen auswirken.

Geschlossenheit bezieht sich auf die Gruppengröße und die Häufigkeit der Treffen. Eine Gruppe muß überschaubar bleiben. In der Praxis heißt das: die Gruppenmitglieder müssen jederzeit direkten Kontakt zueinander aufnehmen können ohne den Überblick dabei zu verlieren.

Zeitliche Geschlossenheit heißt, daß sich die Gruppe regelmäßig in überschaubaren Zeitabständen trifft. In der Jungschar sind wöchentliche Treffen eher üblich, es gibt aber auch Gruppen, die sich alle 14 Tage treffen. Was für euch ideal ist, kannst Du auch selbst überprüfen: Könnt Ihr Euch gut erinnern, was das letzte Mal los war? Habt Ihr das Gefühl, daß einige von Euch schon lange nicht mehr da waren? Lohnt es sich einmal, ein arbeitsintensiveres Projekt, das sich über mehrere Gruppenstunden zieht, zu starten, ohne daß es sich deshalb in die Länge zieht?

Vielleicht trifft Dich ein Anspruch von außen: Eine Jungschargruppe soll „offen für alle sein“. Das gilt - wie gesagt - nur für den Anfang. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen diese Frage die Gruppenmitglieder selbst entscheiden, weil dann ein Großteil des gemeinsamen Prozesses durch das Hereinkommen neuer Mitglieder möglicherweise gebremst oder abgebrochen wird.

Entwickelt miteinander ein Ritual für den Anfang einer Gruppenstunde. Dann könnt Ihr euch leicht orientieren: Ihr seht sofort, ob alle da sind oder jemand fehlt. Erzählt euch auch über die Abwesenden das, was ihr wißt, bevor Ihr mit dem Gruppenprogramm beginnt. So könnt ihr einander deutlich machen, wie wichtig und unverzichtbar jede und jeder von euch für das Gruppengeschehen ist.

Wenn Kinder aus verschiedensten Gründen Gruppentreffen ausfallen lassen müssen, dann solltest Du nicht bloß die Abwesenheit oder das Versäumnis beklagen. Motivierender ist ein positiver Bericht über das, was ihr in der Zwischenzeit erlebt und unternommen habt. Das hilft den Kindern sehr beim Wiedereinstieg.

Wenn Kinder Freundinnen oder Freunde in die Gruppe mitbringen wollen, dann sorge dafür, daß in der Gruppenstunde ausreichend Zeit ist, um einander kennenzulernen und „den Neuen“ einen guten Einstieg zu ermöglichen. Das ist meist ein guter Anlaß, bestehende Gruppenregeln auf ihre Gültigkeit hin zu überprüfen.

Kinder haben Anspruch auf Mitbestimmung

Die Arbeit der Katholischen Jungschar ist auf allen Ebenen demokratisch strukturiert. Das gilt auch für die pfarrlichen Aktivitäten und die Jungschargruppen. Es ist z.B. selbstverständlich, daß ihr aus eurer Mitte eine/n Pfarrverantwortliche/n wählt, daß ihr gemeinsam eure Jahresplanung beschließt oder euch über geeignete Spielregeln im pfarrlichen Jungscharalltag einigt.

Für die Kinder in der Gruppe geht es um Formen der Mitbestimmung. Das beginnt bei ganz einfachen Dingen, wie der Frage, was jetzt als nächstes gespielt werden soll. Mitbestimmung der Kinder sollte darüber hinaus auch für das Gruppenprogramm gelten, für die Ausgestaltung des Jungscharraumes, bei Anschaffungen von Spielgeräten, bei der Durchführung von Veranstaltungen, Aktionen und Projekten.

Mitbestimmung bei Entscheidungen heißt in den meisten Gruppen Abstimmung. Wenn diese einstimmig ausfällt, ist das weiters kein Problem. Heikel wird es dann, wenn sich in der Gruppe immer wieder dieselben Mehrheiten durchsetzen. Das kann bald zu Frust bei denen führen, deren Wünsche oder Ideen nicht weiter berücksichtigt werden.

Bemühe Dich um vielfältige Entscheidungsformen, die vor allem auch jenen gerecht werden, die jetzt nicht zum Zug kommen. (Z.B.: nicht entweder-oder, sondern hintereinander ...) Auch wenn mehr Zeit zum Diskutieren und Abwägen eingesetzt werden muß kannst Du damit die allgemeine Zufriedenheit mit dem Ergebnis bei den Kindern verstärken.

Kompromisse sind in einer Gruppe, die viele verschiedene Interessen hat, wichtig und notwendig. Ein schrittweises Aufeinanderzugehen muß auch gut geübt werden, damit nicht am Schluß wiederum SiegerInnen und VerliererInnen übrigbleiben. Du als Gruppen-leiterIn mußt für einen entsprechenden Minder-heitenschutz eintreten.

Abstimmungen sind eine schnelle Form der Entscheidung. Meist gelingt es nicht allen Kindern ihre Meinung deutlich zu sagen. Vielleicht haben sich einzelne auch noch gar keine Meinung gebildet. Du als GruppenleiterIn mußt dafür sorgen, daß vor jeder Entscheidung jedes Kind in der Gruppe zu Wort kommen kann und alle offenen Fragen zur Entscheidung ausgesprochen und geklärt werden können.

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