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Forschen

Wir erforschen gemeinsam mit den Kindern Neues und versuchen diesem auf den Grund zu gehen.

Kinder sind neugierig. Mit großer Lust erweitern sie tagtäglich ihr Wissen und ihren Erfahrungshorizont. Auf Schritt und Tritt begegnen ihnen im Alltag Dinge, Personen und Ereignisse, die ihren Forschungsdrang anregen. Wie Du sicher beobachten kannst, wollen sie dabei alles selbst „in die Hand“ nehmen, damit im Spiel experimentieren und so ihre Erfahrungen sammeln. In ihrer Herangehensweise unterscheiden sie nicht zwischen Gegenständen und Personen. Wenn sie einen Menschen kennenlernen wollen, dann versuchen sie in spielerischer Weise herauszufinden ob sie/er sympathisch oder unsympathisch und ihnen wohlgesonnen ist.

Die Gruppe ist ein guter Ort zum Forschen. Einerseits können sich die Kinder gemeinsam ein Stück Welt erobern. Andererseits sind sie sich gegenseitig Forschungsobjekte: Wie mache ich das - Wie machst Du das? Was kann ich - Was kannst Du? Wie magst Du werden - Wie mag ich werden?

Du unterstützt die Selbsterfahrung in bzw. mit der Gruppe

In der Jungschar ist es uns ganz wichtig, daß die Kinder aus dem, was sie miteinander tun und erleben, Erfahrungen für sich persönlich gewinnen können. Das ist dann möglich, wenn die Kinder genügend Zeit und Gelegenheit haben, sich in das konkrete Tun zu vertiefen bzw. über ihre Erlebnisse nachzudenken und miteinander zu sprechen. Vieles davon passiert schon beim Tun und braucht keine besonderen Impulse. Wenn Kinder über sich selbst und ihr Leben nachdenken und ein wenig davon einander erzählen können, ist das ein Stück Selbsterfahrung.

Deine Aufgabe als GruppenleiterIn ist dabei vielschichtig: wenn die Kinder Dich fragen, dann interessieren sie sich für Erlebnisse und Erfahrungen aus Deinem Leben. Gleichzeitig mußt Du ihnen helfen, daß sie ihre eigenen Fragen sich selbst beantworten können, d.h. Du wirst mit Deinen Erfahrungen zurückhaltend umgehen müssen. Das Spannendste ist aber die Frage nach den Gemeinsamkeiten bzw. Unterschieden in der Gruppe. Da geraten die Kinder gelegentlich in heftige Auseinandersetzungen, die Du behutsam begleiten mußt.

Plane bei der Vorbereitung Deiner Gruppenstunden immer auch eine „Reflexionsrunde“ ein. Am besten zu einem Zeitpunkt, wo zu erwarten ist, daß die Kinder die gestellten Aufgaben erfüllt haben oder in der spielerischen Auseinandersetzung eine gewisse Erschöpfung eingetreten ist. Vermutlich ist das während des letzten Drittels der Gruppenstunde. Dann setzt euch dicht im Kreis zusammen, laßt einmal alles beiseite und berichtet einander über das, was ihr eben miteinander getan oder erlebt habt.

Ihr könnt auch miteinander ein „Gruppentagebuch“ beginnen: Unmittelbar nach jedem Treffen (auch außerhalb der Gruppenstunde) nehmt Ihr Euch ein paar Minuten Zeit für eine entsprechende Eintragung. Wenn das Buch großformatig ist, lohnt es sich auch Zeichnungen zu machen oder Erinnerungsstücke, Fotos, ... einzukleben.

Für ältere Kinder ist es spannend, bei verschiedenen Gelegenheiten sich selbst einen Brief zu schreiben. Ihr könnt das dann so vereinbaren, daß Du die Briefe eine Zeitlang verschlossen aufbewahrst und erst zu einem späteren Zeitpunkt den Kindern zuschickst. Dann ist nach einem Ereignis einige Zeit vergangen und für die Kinder ist es interessant zu vergleichen, wie sie damals darüber gedacht haben und wie sie jetzt dazu stehen.

Ihr bemüht euch gemeinsam etwas fürs Leben zu lernen

„Nicht für die Schule - fürs Leben lernen wir“. Ein Zitat, das immer dann Kindern gesagt wird, wenn ihnen die Lust am Schulbesuch zu vergehen droht. Es ist ja tatsächlich für Kinder oft nicht einsehbar, ob und wozu sie die Fülle an Wissen und Lernstoff je in ihrem Leben brauchen werden. Und tatsächlich: Das meiste, das Kinder in der Schule lernen, ist für „später“ gedacht, fürs Erwachsensein, für den Beruf usw.

Das meiste, das Kinder jetzt zum Leben brauchen, lernen sie voneinander bzw. von ihren älteren Geschwistern: Wie bringe ich meine Eltern dazu, daß ich abends länger aufbleiben darf? Meine Eltern lassen sich scheiden: Ich will aber keinen verlieren! Ich hätt so gerne, daß Du meine Freundin bist - wie sag ich Dir das? Wie mach ich’s bloß, daß mir nicht immer das Taschengeld zu wenig wird? .... Fragen über Fragen, auf die es in der Schule nur selten Antworten gibt.

Die Jungschargruppe könnte ein guter Ort sein, diesen Fragen nachzugehen. Dabei werden die Kinder draufkommen, daß ihre Fragen auch die Fragen der anderen sind, und daß ein gemeinsames Nachdenken bessere Antworten bringt, als das einsame Herumgrübeln.

Deine Gruppenstundenthemen sollten immer einen für die Kinder nachvollziehbaren, konkreten Bezug zu ihrem Leben haben. Wenn ein Thema für Kinder nicht wirklich bedeutsam ist, werden sie vermutlich auch nicht mitmachen wollen. Stell Dir schon vor Deiner Vorbereitung die Frage, ob das, was Du mit den Kindern vorhast, ihnen auch etwas bringt, also für sie hilfreich und weiterführend ist.

Scheu Dich nicht davor, sogenannte „Tabu-Themen“ zuzulassen. Sexualität, Krankheit und Behinderungen, Tod, Gewalt, ... sind Aspekte menschlichen Lebens, von denen Kinder mehr mitbekommen, als wir vermuten. Gleichzeitig finden sie aber wenig Erwachsene, die ihnen dazu brauchbare Erklärungen geben können. Wenn die Kinder Dir trauen, dann werden sie Dich auch zu diesen Bereichen fragen.

Vielleicht hast Du selbst auch den Anspruch, daß die Kinder in der Jungschar etwas Nützliches fürs Leben lernen. Fair miteinander umzugehen z.B., oder für Schwächere einzutreten ... Deklariere deine Zielsetzungen den Kindern gegenüber und achte darauf, daß Du sie nicht zu etwas drängst, wo Du selber nicht dahinterstehen kannst.

Du erlebst mit den Kindern Abenteuer

Kinder beschäftigen sich zunehmend mit künstlichen Abenteuerräumen, in denen sie nur Abbildungen von Wirklichkeit erleben (Fernsehen, Computer, Comics, ...). In der Jungschar bemühen wir uns, den Kindern möglichst authentische Abenteuerräume zugänglich zu machen.

Abenteuer ist eine Form des intensiven Sich-Selbst-Erlebens. Wir setzen uns dabei im eigenen Tun zum Teil ungewissen, nicht voraussehbaren Ereignissen aus, wobei Spannung aufgebaut und wieder gelöst wird.

Kinder erleben Spannung und Abenteuer z.B. im Spielen dadurch, daß sie sich einer Ungewißheit und einem damit verbundenen Risiko aussetzen, das es im Verlauf des Spiels zu bewältigen gilt. Nachtspiele, Entdeckungs- und Erfindungsspiele, Aktionen in ungewohnter Umgebung sind meist von sich aus abenteuerlich. Sie brauchen daher nicht durch überflüssige Gestaltungselemente (Mutproben!) spannender bzw. gar bedrohlich gemacht werden.

Sehr viele (alltägliche) Tätigkeiten von Kindern, gerade wenn sie dabei sind, die Welt um sich herum zu entdecken, bergen daher Aspekte von Abenteuer in sich. In diesem Sinn können wir sagen, daß Kinder Abenteuer brauchen, die es ihnen möglich machen, sich selbst in bezug auf andere und auf ihre Umwelt intensiv erleben zu können.

Für Buben ist es aufgrund ihrer männlichen Sozialisation selbstverständlich, nach „draußen“ zu gehen, körperliche Kraft und Geschicklichkeit einzusetzen und entsprechende (riskante) „Abenteuer“ zu bestehen. Mädchen müssen zu solchen Erfahrungen oft eigens ermutigt werden. Abenteuerlich kann auch die Auseinandersetzung mit der „Innenwelt“ sein. Erfahrungen mit dem eigenen Körper, die Auseinandersetzung mit Gefühlen und Phantasien ...

Abenteuer nach „innen“ oder „draußen“ sind keinesfalls nur Bubensache, auch Mädchen wollen Abenteuer erleben.

Abenteuerlich ist nicht nur der nächtliche Wald. Das Herumstöbern auf alten Dachböden, ein Ausflug ins Kanalnetz der Großstadt, eine Fahrt im Rettungs- oder Feuerwehrauto, und sogar das Aufstellen von hunderten Dominosteinen für eine Riesen-Umfall-Schlange steckt voller Abenteuer.

Abenteuer sind gelegentlich mit Risiken verbunden. Manchmal sind Abenteuer auch bedrohlich und machen Kindern Angst. Sorge dafür, daß Kinder die gestellte Aufgabe freiwillig, aus eigener Kraft und ohne Schaden für Leib und Seele bewältigen können.

Erlebtes Abenteuer muß verarbeitet werden können. Du merkst das daran, daß die Kinder Dir ganz aufgeregt davon erzählen, was sie jetzt alles erlebt, entdeckt, geschafft haben. Schau, daß nach allen euren Aktivitäten auch genügend Zeit bleibt, über das Erlebte zu reden und die erste Aufregung gut abklingen zu lassen.

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