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Kinder ernst nehmen

Wir nehmen Kinder mit ihren Anliegen wie auch in ihren Gefühlen ernst und orientieren uns an ihren Bedürfnissen.

Kinder ernstzunehmen ist eine Grundhaltung, die von Dir verlangt, daß Du jedes einzelne von ihnen, jeden Bub und jedes Mädchen als gleichwertig akzeptierst. Und damit gestehst Du ihr/ihm prinzipiell die gleichen Rechte und Ansprüche zu, die Du auch Dir selbst zugestehst: Recht auf Individualität, auf Freiheit der Entscheidung, auf Freiheit in der Beziehung, auf eigene Wünsche und Bedürfnisse, auf Anerkennung und Zuwendung, auf Gestaltung der Umwelt, auf Mitbestimmung usw.

Die Dir anvertrauten Kinder sind also keine „Betreuungsobjekte“, sondern selbstbewußte und autonome Persönlichkeiten, die auch freiwillig zur Jungschar kommen, weil sie ein besonderes Interesse für das Zusammensein und die Aktivitäten in der Gruppe haben.

Du bemühst Dich, alle Kinder zu kennen

Zwischen Dir und den Kindern soll eine tragfähige Beziehung wachsen. Das geht nur, wenn Ihr einander gut kennenlernen könnt. Kennenlernen ist ein wechselseitiger Prozeß: Du sollst nicht nur möglichst viel über die Buben und Mädchen Deiner Gruppe in Erfahrung bringen, sondern auch viel von Dir selber erzählen und zeigen.

Gute Beziehungen kannst Du nicht erzwingen. Es wird Kinder geben, mit denen Du rasch vertraut bist, andere werden zurückhaltender sein. Es wird auch nicht so sein, daß alle Kinder Dich gleich interessant und sympathisch finden, so wie Du merken wirst, daß Dir die einen lieber sind als die anderen. Das ist nicht weiter schlimm, wenn Du Dir dieser Verschiedenheiten der Beziehungen bewußt bist und gut (das heißt fair allen Kindern gegenüber) damit umgehen kannst.

Achte darauf, daß Du von allen Kindern aus der Gruppe bald die Namen kennst und sie auch mit ihren Namen ansprichst.

Lege Dir von den Kindern Deiner Gruppe zu Hause eine Kartei an, auf der Du alle wichtigen Daten einträgst (Geburts- und Namenstage, Geschwister, Schule, Hobbys, ...) und die Du auch laufend ergänzt.

Nimm Dir vor, etwas vom Umfeld der Kinder in Erfahrung zu bringen. Eltern und Geschwister kannst Du z.B. kennenlernen, wenn Du die Kinder nach der Gruppenstunde nach Hause begleitest. Vielleicht gestaltet ihr in der Pfarre auch einen Familienausflug, bei dem die Kinder Deiner Gruppe mit ihren Eltern mitmache.

Du orientierst Dich an ihren Wünschen und Bedürfnissen

Für Deine Vorbereitung ist es hilfreich, wenn Du über die wichtigsten Bedürfnisse und Erwartungen der Kinder Deiner Gruppe Bescheid weißt und das, was Du mit ihnen vorhast, daran ausrichtest.

Die Kinder erwarten sich in der Jungschar in erster Linie Spiel und Spaß und nicht ein Programm in der Art des Schulunterrichts. Gemeinschaft ist ihnen besonders wichtig, und dazu gehört wiederum, daß sie sich viel zu erzählen haben und auch gemeinsam etwas Spannendes erleben wollen. Von der Jungschar erwarten sich die Kinder einen gewissen Freiraum, wo sie ein bißchen der Bevormundung von Erwachsenen entzogen sind und gelegentlich auch Dinge tun können, die sie sonst nicht tun dürfen.

Wenn die Kinder zur Gruppenstunde kommen, dann bringen sie viele Erlebnisse mit, sind vielleicht von der Schule müde oder mit ganz anderen Gedanken beschäftigt. Berücksichtige zu Beginn Eures Treffens immer eine „Zeit zum Ankommen“.

Ein abwechslungsreich gestaltetes Programm garantiert, daß für jede und jeden etwas Anregendes dabei ist: Bewegung, Spiel, Handwerkliches, Nachdenkliches, Aufregendes, Entspannendes ... Achte auch in der Abfolge der einzelnen Gruppenstunden darauf, daß die Kinder inhaltliche Abwechslung vorfinden.

Nimm Dir vor und nach der Gruppenstunde Zeit, um mit einzelnen Kindern (z.B. mit denen, die schon früher kommen oder noch länger bleiben wollen) näher in Kontakt zu kommen. Das kann Dir helfen, die Kinder und ihr Verhalten zu verstehen und besser auf sie eingehen zu können.

Mach den Kindern keine Angst!

Kinder ernst zu nehmen heißt auch ihre Gefühle und Phantasien ernstzunehmen. Es gibt vieles, was Kinder verunsichert, sie hemmt oder ihnen Angst macht. Als GruppenleiterIn solltest Du darauf achten, Kindern Sicherheit zu bieten. Leider gibt es in der Jungschar immer noch die Praxis, daß GruppenleiterInnen ihren Spaß daran haben, Kinder zu erschrecken oder ihnen absichtlich Angst zu machen. Dafür gibt es jede Menge guter Ausreden („Was nicht umbringt, härtet ab...“). Mit den „Mutproben“ wird Kindern physische oder psychische Gewalt angetan. Das ist unverantwortlich.

Angst macht Kindern auch ein drohender Liebes- oder Zuwendungsverlust. Einzelne Kinder zu bestrafen, sie vor der Gruppe bloßzustellen oder ihnen damit zu drohen, daß sie alleingelassen werden, sind keine geeignete Maßnahmen um ein gutes Miteinander in der Gruppe zu bewirken. Die Kinder sollen ja schließlich mittun, weil es ihnen Spaß macht - und nicht, weil sie vor Dir oder Deinen Drohungen Angst haben müssen.

Es gibt viele Spiele, bei denen die Kinder die Augen schließen müssen oder sich „blind“ fortbewegen sollen. Verzichte darauf, Kindern die Augen zu verbinden, und laß es zu, wenn sie zwischendurch schauen wollen, wo´s weitergeht.

In der Nacht draußen im Freien zu sein, ist ganz schön aufregend, vor allem, wenn die Umgebung nicht vertraut ist. Laß Kinder in dieser Situation nicht allein und wehre Dich gegen unsinnige Schreckensszenarien (Überfälle, Mutproben, ...)

Oft sind es gerade die Buben, die ihren Mut und ihre Männlichkeit unter Beweis stellen wollen, und schrecklich viel Angst davor haben, ausgelacht zu werden. Dann ist die Anwesenheit von Männern nötig, die ihnen glaubhaft vermitteln, daß auch Männer schwach und ängstlich sein dürfen.

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