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Kindgerechte Verkündigung

Wir erzählen Kindern von Gott in einer Sprache und Form, die ihnen verständlich ist, und setzen uns spielerisch mit Symbolen und Ritualen auseinander.

Kindern heute von Gott zu erzählen ist keine leichte Aufgabe. Meist beginnt es schon bei der Sprache und der Wahl der Wörter und Begriffe. Du weißt ja, daß Kinder erst sehr spät abstrakte Begriffe richtig verstehen und verwenden können. Leider ist unsere heutige Kirchensprache voll von solchen abstrakten Begriffen, die oft schwer Kindern zu "erklären" sind. Deine Aufgabe ist es, abstrakte Begriffe und Inhalte unseres christlichen Glaubens in konkrete, vorstellbare Bilder zu fassen. Das ist übrigens auch genau das, was Jesus mit seinen Geschichten, Gleichnissen und Bildreden bezweckte: Die jüdische Religion für die einfachen Leute be"greif"bar zu machen. Denn Kinder brauchen etwas zum Angreifen, wenn sie verstehen sollen ...

Die Bibel muß erzählt werden

Mit der Bibel ist es wie mit einem guten Märchen: Es wird spannender und lebendiger, wenn jemand die Geschichte gut erzählen kann und nicht einfach herunterliest. Die Texte selber sind ja zumeist recht knappe, aufs Wesentliche konzentrierte Niederschriften von Geschichten, Erlebnissen, Erfahrungen, die Jahrzehnte hindurch nur mündlich weitererzählt wurden. Du kannst es ausprobieren: Beim flüchtigen Drüberlesen bleibt manches widersprüchlich oder unverständlich. Laut gelesen - und da kommt es darauf an, wie Du es liest - bekommen die Sätze Farbe, in eigene Worte gefaßt werden sie auf einmal klar und einprägsam. Leider gibt es in unserer Liturgie eine seltsame Tradition, wie Bibeltexte z.B. im Gottesdienst vorgetragen werden: Durchaus angebrachte Ehrfurcht wird gerne mit hohlem Pathos verwechselt, und eine ungeübte Lesetechnik trägt dazu bei, daß die biblische Botschaft für Kinder so seltsam fremd und unverständlich bleibt. Wenn Du in der Kindergruppe oder beim Kindergottesdienst mit der Bibel arbeitest, dann achte darauf, daß Du die Texte so einsetzt, daß sie die Kinder gut verstehen und etwas damit anfangen können.

Verwende lieber längere Texte, bei denen klar ist, wo die Geschichte anfängt und wie sie ausgeht, als aus den Zusammenhang gerissene Einzelzitate, die bloß Verwirrung stiften.

Kinder müssen biblische Szenen spielen können. Die Diskussionen um die handelnden Personen und deren mögliche Darstellung ist der beste Ausgangspunkt, sich den Hintergrund der Geschichte gemeinsam zu erarbeiten.

Schau darauf, ob es bei der ausgewählten Stelle eine entsprechend vergleichbare Alltagssituation gibt, wie sie Kinder heute erleben. Dann wird auch die Aussage des Textes für die Kinder nachvollziehbar sein.

Die Auseinandersetzung mit Symbolen vertieft

In der christlichen Religion wimmelt es von Symbolen: Licht, Wasser, Brot, Kreuz ... um nur die wichtigsten zu nennen. Dementsprechend vielfältig sind auch unsere Liturgien: Mahlgemeinschaft, Prozessionen, Segnungen ..., dazu Sprache, Gesang und Bild. Für die/den Glaubenden Zeichen und Handlungen, die dazu da sind, einer Wirklichkeit, die das alltägliche Erleben übersteigt, Ausdruck zu verleihen. In Symbolen verdeutlichen sich menschliche Grundstrebungen, Sehnsüchte, Ängste und deren mögliche Lösungen.

Kinder haben einen ungehinderten Zugang zu Symbolen. Der Umgang mit ihnen ist ein selbstverständlich: Sie schlüpfen gerne in Rollen, sie erwecken ihr Spielzeug zum Leben, sie lassen sich von Märchen, Puppentheater udgl. in eine Phantasiewelt entführen und vieles mehr. Wir können davon ausgehen, daß Kinder Symbole "verstehen", weil sie mit ihrer Sprache vertraut sind. Wenn Du Dich mit Kindern den christlichen Symbolen annähern willst, dann tu dies behutsam und mit der nötigen Offenheit, die es zuläßt, daß die Kinder selbst zu ihrer Deutung finden.

Die Auseinandersetzung mit Symbolen ist ein sinnlicher Prozeß: Kinder müssen etwas angreifen können, sie müssen riechen, kosten und schmecken dürfen, Kinder müssen mit Symbolen spielen und experimentieren.

Sich konzentrieren heißt, sich im Kreis setzen und die Aufmerksamkeit auf das richten, was in der Mitte ist. Es ist deshalb von Vorteil, wenn Du Dir mit den Kindern immer nur eine Sache vornimmst und störendes Rundherum möglichst vermeidest.

Laß Dich überraschen. Deine Deutung muß nicht die der Kinder sein - und trotzdem habt ihr beide recht, weil eben ein Symbol für vieles stehen kann. Eine gemeinsame Deutung entsteht aus dem Austausch gemeinsamer Erfahrungen.

Ministrieren ist eine besondere Form der Beteiligung am Gottesdienst

Viele Kinder gehen nicht nur zur Jungschar, sondern engagieren sich auch als MinistrantInnen. In manchen Pfarren ist es üblich, daß es neben den Jungschargruppen auch MinistrantInnengruppen gibt. Wenn auch - historisch gesehen - der Ministrantendienst nicht ausschließlich ein Betätigungsfeld für Kinder ist, so ist es doch sinnvoll, daß ihn Kinder in ihrer Pfarrgemeinde ausüben.

Das Ministrieren bietet Kindern Betätigung und die räumliche Nähe zum Geschehen im Gottesdienst. Im Erlernen, Üben und Ausführen der liturgisch notwendigen Handreichungen bietet sich eine Möglichkeit, spielerisch zu einem tieferen Verständnis für Symbole und Rituale des christlichen Glaubens zu gelangen. Das Üben und gemeinsame Vorbereiten einer liturgischen Feier ist kein Ersatz für eine kontinuierliche Gruppenarbeit. Wenn die Kinder aus Deiner Gruppe gerne ministrieren gehen, dann bemühe Dich um eine gute Abstimmung zwischen Deiner Gruppenarbeit und den notwendigen Vorbereitungen für den liturgischen Dienst.

Das Ministrierenlernen kann z.B. im unmittelbaren Anschluß an Eure Gruppenstunde erfolgen. Idealerweise sogar unter Deiner Anleitung, weil Du ihnen als GruppenleiterIn vertraut bist und so die Jungschargruppe und das Ministrieren nicht in zwei (gegensätzliche) Erlebniswelten zerfällt.

Setz Dich Dafür ein, daß MinistrantInnen bei ihrem Dienst nicht "bloßgestellt" werden. Das fängt bei zerschlissenen und nicht passenden Kultgewändern an und endet bei rüpelhaftem Hin- und Hergeschubse durch "die Großen".

MinistrantIn zu sein heißt auch, daß man zu denen gehört, die "hinter die Kulissen" schauen dürfen. Die geheimnisvolle Welt der Sakristeien, Kirchendachböden oder Glockentürme bietet jede Menge Stoff und Anlaß für aufregende Aktivitäten.

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