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Religiöses im Gruppenalltag

Wir bemühen uns, Kindern erfahrbar zu machen, daß es gut tut, religiös zu sein.

Als Jungschargruppe steht ihr in einem Naheverhältnis zur christlichen Glaubensgemeinschaft und zur katholischen Kirche. Das ergibt sich schon aus den äußeren Umständen. Dazu kommen verschiedene Erwartungen seitens der Eltern, der Pfarrgemeinde - vielleicht auch der Kinder selbst - die in Richtung einer christlichen Alltagspraxis gehen: Meist derart, daß die Kinder in der Jungschar "etwas Religiöses" miteinander tun sollen.

Für Deine Praxis wird es hilfreich sein, diese Erwartungen klar zu benennen. Wenn Du davon ausgehst, daß das Religiöse eine Grunddimension des Menschen ist, dann wird es darum gehen, in der Gruppe ein Klima zu unterstützen, das die Auseinandersetzung um Grundfragen des Menschseins fördert. Dies wird Dir gelingen, wenn Du den Kindern vermitteln kannst, daß alle ihre Fragen wichtig sind, daß euch die Auseinandersetzung damit Spaß macht und daß es letztlich persönlich guttut, sich auf solche Auseinandersetzungen einzulassen.

Ein Anknüpfungspunkt - an dem sich die Fragen der Kinder festmachen können - sind z.B. die verschiedenen Feste und Festzeiten im Kirchenjahr. Berücksichtige diese Feste in der Programmgestaltung und beteilige Dich auch mit Deinen Kindern an den entsprechenden pfarrlichen Feiern.

Vielleicht gelingt es euch auch in der Gruppe eine bestimmte Gemeinschaftskultur zu entwickeln: D.h. es entstehen bei euch verschiedene Rituale oder Bräuche, die über die konkrete Alltagssituation "hinausverweisen".

Religiöses ist immer Bestandteil thematischer Auseinandersetzungen in der Gruppe. Du wirst bei allen Themen an den Punkt kommen, wo Deine persönliche Stellungnahme, Deine Positionierung verlangt ist. Diese ist mit Wertungen verbunden, die sich letztlich auf Dein Menschenbild oder Deine Sicht der Welt rückbinden lassen. Dies gilt konsequenterweise auch schon für die Auswahl von Themen und Inhalten, ja sogar für die Festlegung von Rahmenbedingungen für Deine Jungschararbeit.

Die Vorstellung, daß nur dann etwas Religiöses in der Gruppenstunde passiert, wenn die Bibel oder zumindest ein frommes Liederbuch im Spiel ist, ist schlichtweg falsch. Das Religiöse läßt sich damit auch nicht in bestimmte Sonderbereiche eures Gruppenlebens abschieben, es durchdringt vielmehr alle Formen und Aktivitäten eures Zusammenseins.

In der Gruppe entstehen Symbole, Bräuche, Rituale

Jede Gruppe entwickelt Rituale, Bräuche, Symbole. Das können dann Formen des gemeinsamen Singens oder Betens sein, eine bestimmte Jausen-Zeremonie, die Art, miteinander zu streiten und sich zu versöhnen, oder besondere Aktivitäten, wenn jemand krank ist, Streß in der Schule hat oder sonstwie viel Aufmerksamkeit der Gruppe benötigt.

Diese Rituale leben davon, daß sie immer wieder stattfinden und die Besonderheit eurer Gruppe hervorheben.

Das Anfangen und das Aufhören sind heikle Momente im Gruppenprozeß. Deshalb auch gut geeignet, passende Rituale auszubilden. Zu wissen, daß am Anfang z.B. immer gemeinsam gespielt wird, gibt den Kindern Sicherheit und ermöglicht jenen, die ein wenig den Anschluß verloren haben, gut einzusteigen. Ähnliches gilt für das Aufhören. Eine Abschiedszeremonie erleichtert das Auseinandergehen, auch wenn einige noch ein bißchen dableiben wollen.

Überlegt miteinander einen Gruppennamen. Nehmt euch dazu Zeit und tragt zusammen, was euch zu diesem oder jenem Namen in den Sinn kommt. Auch wenn derartige Namensgebungen meist spontan erfolgen, so kann es doch spannend sein draufzukommen, was jede und jeder in der Gruppe mit dem Namen verbindet.

Wenn die Kinder den Gruppenraum persönlich ausgestalten, dann ist das nicht nur eine vordergründige Beschäftigung. Sie schaffen sich als Gruppe ein Stück "zu Hause". Das ist ein sehr wichtiger Prozeß, von dem auch abhängen kann, ob die Kinder immer wieder und vor allem gerne zur Jungschar kommen. Du solltest alles daransetzen, daß die Kinder Deiner Gruppe solche Raumgestaltungsmöglichkeiten vorfinden und auch Veränderungen mit der Zeit gestattet sind.

Das Feiern ist ein wichtiger Bestandteil einer lebendigen Gruppe. Richtet es euch ein, daß ihr z.B. Geburts- und Namenstage gut feiern könnt. Das müssen nicht unbedingt großartige Parties sein. Spannender ist vielmehr, ob es der Gruppe gelingt, eine kleine Überraschung zu organisieren, die auch gut zu dem Geburtstags- oder Namenstagskind paßt.

Es ist eine Kunst, heilsam miteinander umzugehen

Die Gruppe vermittelt den Kindern nicht nur Sicherheit, Geborgenheit und Zugehörigkeit, sie kann einengen, sie verlangt Anpassung und Unterordnung. Der Druck einer Gruppe kann für Kinder bedrohlich werden.

Wenn Kinder in einer Gruppe zusammen sind, dann verbinden sie damit unterschiedliche Erwartungen. Sie wollen als Einzelperson beachtet werden und von den anderen Aufmerksamkeit und Anerkennung bekommen. Sie haben in der Gruppe besondere Freunde oder Freundinnen, mit denen sie zu zweit oder in kleinen Gruppen "unter sich" sein wollen. Und sie fühlen sich als Teil einer starken, interessanten und aktiven Gemeinschaft, in und mit der sie etwas erleben und bewirken können. Diese unterschiedlichen Rollen sind mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Verhaltensweisen verbunden.Die größten Spannungen entstehen dabei zwischen dem Bedürfnis nach individueller Freiheit und dem Anspruch eines verbindlichen Miteinanders. In der Auseinandersetzung darüber kann es in einer Gruppe immer wieder zu gegenseitigen Kränkungen und Verletzungen kommen. Deine Aufmerksamkeit als GruppenleiterIn wird sich darauf richten, daß die Kinder im Gruppenprozeß möglichst heilsam miteinander umgehen.

Gib den Kindern in Deiner Gruppe genügend Möglichkeit, sich in den Mittelpunkt zu stellen. Achte dabei darauf, daß es nicht nur besondere Leistungen sind, weswegen sie Anerkennung und Bewunderung von den anderen Gruppenmitgliedern bekommen. Ein überstandener Unfall, ein schlimmes Erlebnis oder schwierige Auseinandersetzung mit den Eltern sind auch eine besondere Aufmerksamkeit wert.

Übt miteinander, wie Ihr euch gegenseitig Betroffenheit und ehrliches Mitgefühl zeigen könnt. Das ist nicht so leicht: Entweder ist es schnell so "hingesagt" oder es wirkt gekünstelt. Ein kleines Ritual kann vielleicht helfen: Wenn ihr in der Gruppe eine Austauschrunde haltet und jemand erzählt von einem Ereignis, das sie/ihn besonders berührt hat, dann versucht zunächst als Antwort eure Anteilnahme zu formulieren: "Mir würde es da genauso gehen ..." "Ich weiß, wie das ist, ich hab auch so etwas erlebt ...", "Das muß aber schlimm für Dich gewesen sein ..."

Gelegentlich brauchen Kinder konkrete Hilfe: Bei der Bewältigung von Schulaufgaben ..., In einem Streit mit FreundInnen ..., materielle Unterstützung ... In solchen Situationen geht es einfach darum, zu überlegen, ob und wie ihr gut zur Lösung des Problems beitragen könnt.

Euer Ziel: ein lebendiges, ermutigendes Klima in der Gruppe

"Wir wollen: aufeinander hören, miteinander fröhlich sein, einander helfen und auf Gott vertrauen". Dieses schon ältere Motto der Jungschar beschreibt gut, was die "Qualität" der Gruppenarbeit ausmacht: Die Kinder kommen gerne in die Jungschargruppe, wenn sie dort Spaß miteinander haben und das Gefühl vermittelt bekommen, gut von den anderen angenommen zu sein. Lebendigkeit steht für Spontaneität, für offene und direkte Kommunikation, für Ehrlichkeit in der Auseinandersetzung und echten Gefühlsausdruck.

Das Gruppenklima lebt natürlich davon, ob Eure Kommunikation gut gelingt.

Schau darauf, daß immer alle Kinder zu Wort kommen und von den anderen auch gehört werden können. Es ist wichtig, daß jede/r in der Gruppe sagen kann, was sie ihn gerade bewegt, was freut oder stört. Ermutige die Kinder darin, ihre Gefühle und Phantasien auszusprechen und ihre Gedanken zu formulieren.

Vereinbart in der Gruppe, daß kein Kind zum Gespött der anderen wird. Ganz gleichgültig ob die äußere Erscheinung, eine Fehlhandlung oder bestimmte Wortmeldungen einen Anlaß dazu bieten mögen.

Besonders unter Buben herrscht desöfteren ein "rauher Ton". Setz Dich dafür ein, daß die Kinder im Gebrauch von Schimpfwörtern und Beleidigungen Zurückhaltung üben und daß persönliche Kränkungen ernstgenommen werden.

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