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Liturgie mit Kindern

Wir ermutigen die Kinder, eigene Ausdrucksformen des Glaubens zu entwickeln und im Alltag zu pflegen.

Die Kinder im Gottesdienst sind in jeder Pfarrgemeinde ein Thema. Entweder weil sie als "störend" erlebt werden oder - und das ist der hoffnungsvollere Fall - weil Erwachsene sich um eine kindgemäße Gottesdienstgestaltung bemühen. Du mußt Dir vor Augen halten, daß unsere Liturgie sich in erster Linie an Erwachsene wendet. Die besondere Berücksichtigung der Kinder im Gottesdienst ist erst ein Thema der Liturgischen Erneuerungsbewegung unseres Jahrhunderts und in der Folge des II. Vatikanischen Konzils.

Eine Liturgie mit Kindern ist immer auch eine Liturgie der Kinder. Das heißt, daß nicht nur die Erwachsenen für Kinder etwas vorbereiten oder gestalten sollen. Ziel wäre es vielmehr, daß die Kinder sich selbst beteiligen und auch Eigenverantwortung bei der Gestaltung übernehmen.

Die Kinder im Sonntagsgottesdienst

Es gibt zwei Grundmodelle für die Praxis des Sonntagsgottesdienstes: Der gemeinsame Gottesdienst für alle Gemeindemitglieder mit jeweils besonders für die Kinder gestalteten Elementen, dieser trägt zumeist die Bezeichnung "Familiengottesdienst". Daneben gibt es das Modell der teilweise oder gänzlich getrennten Kindergottesdienste, die in anderen Räumlichkeiten aber zeitgleich zum Pfarrgottesdienst der Erwachsenen stattfinden. Ziel beider Modell ist es, Kindern verstärkt Möglichkeiten zur Beteiligung zu geben und mit ihnen (neue) Formen kindgemäßer Liturgiegestaltung zu entwickeln.

Es gibt viele Möglichkeiten, Kinder im Gemeindegottesdienst zu beteiligen. Es ist allerdings besser, jeden Sonntag eine (kleine) Besonderheit für Kinder vorzubereiten, als einige wenige Gottesdienste im Jahr mit vielen guten Gestaltungsideen zu überfrachten.

Eine Gottesdienstgestaltung wird sich in erster Linie an den jeweiligen Lesungstexten aus der Bibel orientieren. Manche Bibeltexte sind allerdings für Kinder wirklich nicht verstehbar. Dann ist es besser, darauf nicht Bezug zu nehmen und ein anderes Element des Gottesdienstes für Kinder zu gestalten.

Wenn der Kindergottesdienst abseits des Erwachsenengottesdienstes stattfindet, dann ist es sinnvoller ihn auch bis zum Schluß als eigene Liturgie zu gestalten. Die Idee, daß Kinder und Erwachsene nur den Wortgottesdienst getrennt, die Eucharistiefeier aber gemeinsam feiern, bringt in der Praxis einige Probleme mit sich: Ein gewisser Zeitdruck und die oft vorfindbare Erwartung, daß die Kinder in dieser Zeit etwas gestalten und in den Erwachsenengottesdienst "mitbringen" sollen, macht Streß und verzweckt das Feiern der Kinder.

Mit den Kindern in der Gruppe eine Liturgie feiern

Neben den Gottesdiensten am Sonntag gibt es noch eine Fülle anderer Liturgien: Wortgottesdienste, Andachten, Gebetsstunden, Wallfahrten ... Vieles davon darfst Du auch selbst mit den Kindern gestalten, nur die Eucharistiefeier und ein Großteil der Sakramentenspendung ist dem Priester vorbehalten. Du kannst also mit Deiner Gruppe verschiedene gottesdienstliche Feiern gestalten.

Das Gruppenleben bietet viele Anlässe für die Gestaltung besonderer liturgischer Feiern: Ein Segensfest zur Gruppengründung, ein Dankgebet nach einem gelungenen Projekt, ein Bittgang vor schwierigen Prüfungen in der Schule, ein Versöhnungsfest nach beendigtem Streit usw.

Wenn Du mit Kindern Liturgie feierst, dann muß das nicht ausschließlich im Kirchenraum sein. Mitunter ist die Atmosphäre in Eurem Gruppenraum oder im Freien geeigneter bzw. besser gestaltbar.

Liturgie ist keine nüchtern-sachliche Angelegenheit. Sie lebt vielmehr von sinnlichen Eindrücken. Das kommt auch den Bedürfnissen der Kinder nach Spiel und Bewegung entgegen: Gestaltet eure liturgischen Feiern also in bunter Vielfalt: Mit Spiel, Tanz, Musik, Kerzenlicht und Weihrauch, mit Gesang, mit Prozessionen und Symbolen.

Eine liturgische Feier hat immer einen freudigen Auferstehungscharakter. Wir Menschen loben und preisen unseren Gott, wir freuen uns über unser Leben, staunen über die Wunder der Schöpfung und erzählen die befreiende Botschaft der Bibel. Eine Überbetonung von Opfer, Leid und Schuld ist gerade bei Feiern mit Kindern unangebracht.

Gottesdienste bei besonderen Anlässen

Auf Sommerlager oder im Rahmen von Wochenendausflügen bieten sich viele Möglichkeiten, Gottesdienst mit Kindern zu feiern. Das längerdauernde Zusammensein und die gemeinsamen Erlebnisse erleichtern zudem die Gestaltung. Oft sind es auch die ungewöhnlichen Rahmenbedingungen (körperliche Anstrengung, Lagerfeuer, Nacht- und Naturerlebnisse, Witterung ...) die Kinder wie Erwachsene dazu anregen, mehr als sonst über sich selbst und die Fragen nach dem Sinn des Lebens nachzudenken. Ein Feiern unter diesen Rahmenbedingungen ist oft intensiver und tiefgehender als beim sonntäglichen Meßbesuch.

Der besondere Anlaß ist Thema genug für eine Gottesdienstgestaltung, die zumeist auch weniger Vorbereitung nötig macht. Nehmt das, was ist, was ihr gesehen, erlebt, erfahren habt als einfache Bestandteile für Eure Liturgie.

Abseits vom Alltag läßt sich auch im Gottesdienst vieles ausprobieren und experimentieren. Nützt dazu auch die Möglichkeiten des Raumes, der Zeit oder der besonderen Rahmenbedingungen, indem ihr z.B. den Gottesdienst mit einer Agape verbindet oder überhaupt in ein größeres Fest integriert.

Unterwegs-Sein ist nicht nur ein biblisches Grundmotiv, sondern auch ein Symbol für unser Leben. Das könnt ihr auch liturgisch ausdrücken, indem ihr z.B. bei all Euren Unternehmungen eine Segensfeier an den Beginn (zum Aufbruch) oder an den Schluß (zum Ankommen) setzt.

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