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Lebendiger Glaube

Wir wollen die befreiende und heilende Dimension des christlichen Glaubens den Kindern erfahrbar machen.

"Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben" (Joh 10,10). Dieses Jesuswort umschreibt das zentralen Anliegen der christlichen Botschaft. Befreiung, Lebensspendung und Heilung liegen den Äußerungen und Handlungen Jesu zugrunde und gehören zum Grundverständnis des christlichen Glaubens. Deshalb ist von einer frohen, besser noch froh-machenden Botschaft die Rede, wenn wir das Evangelium verkünden.
Es gibt in der Tradition der Verkündigung auch dunkle Seiten: Die Heilszusage Gottes wurde an mühselige Bedingungen geknüpft, das jenseitige Leben gegenüber dem diesseitigen überhöht, und statt eines guten Vaters trat ein böser, angstmachender Alleswisser-Gott in den Vordergrund. Vieles von dieser einengenden und bedrohlichen Glaubensbotschaft (und der damit verbundenen unheilvollen Machtpolitik der Kirche) steckt noch heute tief in den Menschen und läßt sie dem Christentum zweifelnd und ablehnend gegenübertreten.

Andererseits gibt es heute immer mehr Menschen, die sich in den Pfarrgemeinden um eine lebendige Glaubenspraxis bemühen. Soziale und caritative Aktivitäten sind von einem solchen Aufbruch getragen.

Wenn wir uns bemühen, Kindern einen lebendigen und frohmachenden christlichen Glauben zu vermitteln, dann wollen wir ihnen drei Dinge konkret erfahrbar machen: das individuelle wie gemeinsam getragene Vertrauen in einen guten Gott, das von gegenseitigem Respekt und liebevoller Zuwendung bestimmte Miteinander in der Pfarrgemeinde und das entschiedene Engagement für soziale Gerechtigkeit und Frieden.

Der Glaube an einen liebenden und befreienden Gott

Der "liebe" Gott ist für viele Kinder nach wie vor eine bedrohliche und angstmachende, weil auch nicht konkret (be)greifbare Person. Trotz aller Aufklärung und Bemühungen um einen zeitgemäßen Religionsunterricht wird Gott Kindern gegenüber zur Unterdrückung und Disziplinierung mißbraucht. "Der liebe Gott sieht alles, weiß alles und straft unbarmherzig ..." So einen erbarmungslos strengen Gott kann ein Kind letztlich nur zutiefst fürchten und hassen. Eine religiöse Erziehung - sei es im Elternhaus, in der Schule oder in der Pfarrgemeinde - die derartige Grundannahmen aufgreift, unterstützt oder gar verstärkt, zerstört Kinderseelen.

In der Jungschararbeit wollen wir uns um die Vermittlung eines befreienden Gottesbildes bemühen. Wir wollen einen Gott verkündigen, der den Kindern zur Seite steht, sie in ihrer Entwicklung ermutigt und herausfordert, der ihnen vertraut und etwas zutraut, der sie letztlich liebt und annimmt, so wie sie sind - und zwar ohne jegliche Vorleistung oder Bedingung.

Theoretisch läßt sich so etwas schön formulieren, in der Praxis wirst Du als GruppenleiterIn auf viele Kleinigkeiten achten müssen, die diesem großen Anspruch vielleicht entgegenstehen.

Versuche Dir immer wieder darüber im Klaren zu werden, welches Gottesbild Du selbst in Dir trägst. Dies gelingt Dir z.B. dadurch, daß Du einmal Deine ganz persönlichen Beziehungswünsche an diesen Gott formulieren kannst: Was Du von ihm willst, wie er zu Dir stehen soll, wovor Du Angst hast, worauf Du hoffst...

Von Gott wird immer als Mann und "Vater" gesprochen. Es ist - nicht nur für Kinder - hilfreich, sich Gott auch als Frau oder Mutter vorzustellen. Das ist insofern wichtig, weil Väter für ihre Kinder oft "abwesend" sind und Kinder deshalb nicht viele Realerfahrungen mit ihren Vätern haben, die sie dann als Beispiel für ihr Gottesbild einsetzen könnten.

Achte ganz besonders darauf, daß Du den Kindern nicht "im Namen Gottes" absichtlich oder unabsichtlich ein schlechtes Gewissen machst. Das ist eine gängige Praxis, um Kinder zu einem bestimmten Engagement zu motivieren, sei es für den sonntäglichen Gottesdienstbesuch oder das Mitbasteln für den Ostermarkt. Laß den Kindern auch die Freiheit, "nein" zu sagen.

Hoffnung im Alltag leben

Friedrich Nietzsche kritisierte einmal am Christentum, daß "seine Jünger nicht erlöster aussehen". Es fällt auf, daß gerade Frauen und Männer, die sich in der Pfarre engagieren, dies oft mißmutig, gehetzt und mit einer gewissen Angestrengtheit ("Opfergesinnung") tun. Es ist manchmal tatsächlich recht schwer sich vorzustellen, daß in der Pfarre Menschen zusammenkommen, deren Lebensalltag von einer positiven, lust- und hoffnungsvollen Grundeinstellung geprägt ist. Kinder spüren recht gut, welche "Ausstrahlung" von anderen Menschen ausgeht, und instinktiv wenden sie sich den einen zu und von anderen ab. Das gilt auch z.B. für die Atmosphäre in einem Gottesdienst.

Es ist nicht immer leicht, Optimismus auszustrahlen, wenn der Alltag stressig ist, wenn es gilt Probleme zu meistern, wenn Sorgen und Zweifel plagen und dazu noch die anderen ihren Grant an mir abladen. Du brauchst deshalb nicht zur/zum "DauerlächlerIn" zu werden. Kinder verstehen es und halten es aus, wenn Du grantig oder sauer bist. Hoffnung im Alltag ausstrahlen gelingt dann, wenn Du Deine Chancen im Leben sehen und aufgreifen kannst, wenn Du mit Deinem Alltag einigermaßen zufrieden bist und wenn Du Dich immer wieder mit den Fragen nach dem Sinn Deines Lebens auseinandersetzt.

Erzählt euch in der GruppenleiterInnen-Runde von dem, was euch im Alltag beschäftigt. Erzählt euch das, was euch ärgerlich, ängstlich, mutlos ... macht, aber auch das, was für euch toll, aufbauend, weiterführend ... war. Versucht auch in den belastenden Dingen - wo dies ehrlicherweise geht - positive Aspekte zu entdecken und euch damit gegenseitig Mut zu machen.

Wenn GruppenleiterInnen zusammenkommen, wird gerne viel "gejammert": Über die Kinder ..., über die Eltern ..., über den Pfarrer ..., über die Kirche ... Versucht zu differenzieren: Mißstände gehören ordentlich analysiert und kritisiert. Individuelle Situationen können in entscheidenden Punkten verändert werden. Und wenn die Arbeit mit den Kindern wirklich keinen Spaß mehr macht, dann ist es besser damit aufzuhören.

Nütze Gespräche mit "Außenstehenden", denen Du eine gewisse Kompetenz für Deine Fragen zugestehst: Gerade in der Jungschararbeit ist es möglich, immer wieder neue Dinge auszuprobieren, eingefahrene Traditionen zu brechen und scheinbare Unveränderlichkeiten durch kreative Ideen in Bewegung zu bringen.

Engagement bei sozialen und caritativen Aktionen

Christlicher Glaube vollzieht sich in einer Haltung des dienenden Miteinanders. Das äußert sich in konkreten sozialen oder caritativen Leistungen gegenüber Menschen oder Personengruppen im unmittelbaren Lebensumfeld und reicht bis zu internationalen Hilfs- und Entwicklungsdiensten. Die Jungschar verfolgt hier z.B. einen besonderen, entwicklungspolitisch ausgerichteten Ansatz mit ihrer Dreikönigsaktion.

Für die einzelne Jungschargruppe ist es sinnvoll und wichtig, sich sozial oder caritativ zu betätigen. Die Möglichkeiten dazu reichen von konkreten Hilfeleistungen für alte Menschen bis hin zur besonderen Betreuung für Kinder aus benachteiligten Familienverhältnissen. Wenn Du die Kinder Deiner Gruppe zum Mittun bei einer derartigen Aktion motivieren möchtest, dann überlege Dir folgendes:

  • Besprich mit den Kindern genau, was Du vorhast, wozu dies gut sein soll und was von ihnen erwartet wird.
  • Überrede sie nicht zu diesem Engagement und setze sie in keinem Fall moralisch unter Druck.
  • Informiert euch genau über die konkrete Situation, über die Lebensumstände der betroffenen Personen, über besondere Rahmenbedingungen usw.
  • Unternehmt nichts, ohne euch mit den Betroffenen ins Einvernehmen gesetzt zu haben. Sie selbst wissen am besten, was ihnen guttut oder weiterhelfen kann.
  • Wenn ihr mit einer Hilfsorganisation zusammenarbeitet, dann erkundigt euch über deren Arbeitsweise und Anforderungen.
  • Plant eure Aktion so, daß auch ein Ende oder Abschluß vereinbart wird.
  • Konzentriere Dich auf jene Aktivitäten, die von Kindern gut verstehbar und leistbar sind.
  • Bedenke, daß auch zunächst rein materielle Hilfen mit einer gewissen Beziehungserwartung verknüpft sind und versprich nichts, was Du oder die Kinder nicht einhalten können.

Die Adventszeit ist eine beliebte Zeit für diverse Geschenksaktionen. Das führt dann z.B. dazu, daß alle möglichen Gruppen in Altersheime gehen und Weihnachtslieder singen, daß jede Menge Geschenkpackerln für Häftlinge verschickt werden udgl. Während der restlichen Jahreszeit ist nichts mehr los. Vielleicht ein Anlaß dafür, eine unübliche Jahreszeit für derartige Aktionen auszuwählen ...

Das Verschenken eigener Spielsachen an Kinder, die nicht so begütert sind (Flüchtlingskinder, Heimkinder, ...) könnte eine gute Aktion sein. Schaut aber darauf, daß die Sachen, die Ihr weitergeben wollt, vollständig und funktionstüchtig sind und kümmert euch gegebenenfalls auch darum, daß ausreichend Batterien mitgeliefert werden ...

Benefizveranstaltungen sind auch eine gute Gelegenheit, Geld für bestimmte Projekte zu sammeln: Ihr könntet z.B. ein Konzert veranstalten, ein Theaterstück oder Kindermusikal aufführen, eine Kunstausstellung, eine DichterInnen-lesung, einen Diaabend udgl. ....

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