• Infos
  • Praxis
  • JS Grundlagen
  • Minis
  • Lager
  • Lobby
  • Angebote

Jungschar ist Kirche mit Kindern

Die Jungschararbeit bietet Kindern einen konkreten Platz in der Pfarrgemeinde und einen altersgemäßen Raum zur Entfaltung ihrer Religiosität. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die religiöse Entwicklung des Menschen ein lebenslanger Prozeß ist, der immer wieder Krisen und altersspezifische Neuorientierungen mit sich bringt. Religion hat eine höchst intime, private Dimension, aber auch eine soziale: Das Sich-Zugehörig-Wissen zu einer - in unserem Fall christlichen - Religionsgemeinschaft prägt die religiöse Entwicklung.

Kinder stehen am Anfang dieses Prozesses. Aus ihrer Offenheit und Entdeckungslust entstehen die Fragen nach dem Sinn des Lebens. Das sind zutiefst religiöse Fragen. Die Antworten und Deutungen des christlichen Glaubens werden dann hilfreich sein, wenn sie diese Fragen der Kinder ernstnehmen und sie bei ihrem Suchen nicht behindern. Kinder brauchen eine altersgemäße Einführung in das Grundverständnis, die Sprache, die Bildwelt und die Symbolik der christlichen Religion. Sie brauchen vor allem aber das vorgelebte Beispiel von Menschen, denen sie vertrauen.

Die Jungschar will Kinder ein Stück auf diesem Weg begleiten. Dabei gilt es zu berücksichtigen,

  • daß Kinder - im Gegensatz zu Erwachsenen - eine ihnen eigene spielerisch-konkrete Art haben, über den Sinn des Lebens nachzudenken.

  • daß Kindern auch zu religiösen Fragen ein ganzheitlicher Zugang eröffnet wird, damit nicht Glauben und Leben als voneinander getrennt erfahren werden.

  • daß gerade auch Kinder als Getaufte gleichwertige Mitglieder der Kirche und PartnerInnen im gemeinsamen Prozeß der Glaubenssuche sind.

Kirche mit Kindern zu leben, heißt...

...sich selbst im religiösen Fragen üben

Kinder haben viele Fragen, Erwachsene fühlen sich dazu gedrängt, auf alles eine Antwort zu geben. Das kann eine religiöse Entwicklung behindern. Kinder brauchen die Bestärkung darin, das Leben, also "Gott und die Welt" in Frage stellen zu dürfen. Dies gerade auch dann, wenn es fürs erste keine brauchbaren Antworten gibt.

Kindern religiöse Erfahrung zu ermöglichen heißt, ihnen Zeit und Raum zu geben ihren Fragen nachzugehen und ihnen dabei zu helfen ihre eigenen Antworten zu finden. Selbstverständlich erwarten sich Kinder von Erwachsenen, daß sie ihnen ihre Erfahrung und ihr Wissen zugänglich machen. Das schließt aber immer auch Zweifel und Widerspruch ein, den es auszuhalten gilt. Sich gemeinsam mit den Kindern fragend auf den Weg zu machen, kann dazu führen, daß auch die religiöse Entwicklung der/des Erwachsenen einen neuen Anstoß bekommt.

...den Kindern ein lebendiges Beispiel geben

Erwachsene haben für Kinder eine wichtige Vorbildfunktion. Dies gilt besonders in religiösen Fragen und in Bezug auf eine christliche Alltagspraxis. Mit Kindern Kirche leben heißt deshalb auch, sie in geeigneter Form am eigenen Leben als Jugendliche oder Erwachsene teilhaben zu lassen. Das bedeutet, daß pfarrliche Mitarbeite-rInnen für Kinder "echt" sein müssen, also stimmig in dem, was sie denken, sagen und tun. Kindern ein konkretes Christsein im Alltag vorzuleben wird auch dazu führen, daß Kinder nach dem "warum" fragen werden, wenn sie spüren, daß diese Art zu leben sie anspricht oder neugierig macht.

...sich um ein kinderfreundliches Klima in der Pfarre bemühen

Von Personen, die mit Kindern etwas unternehmen wollen, wird vorausgesetzt, daß diese ihnen ein besonderes Anliegen sind: Neben dem Verständnis für die Lebenssituation der Kinder ist viel Einfühlungsvermögen und auch persönliche Belastbarkeit erforderlich, um Kindern offen und wertschätzend zu begegnen. Letzteres gilt gerade auch für die Pfarrgemeinde: Kinder sollen nicht bloß "ausgehalten" werden, sondern sich willkommen und beteiligt wissen.

Ein kinderfreundliches Gesamtklima berührt in erster Linie die Rahmenbedingungen, unter denen sich Kinder in der Pfarre einbringen und beteiligen können. Dazu braucht es kindgerecht ausgestattete Räume, Veranstaltungszeiten, die zum Tagesablauf der Kinder passen, Materialien und Methoden, die Kinder anregen und ihren spielerischen Ausdruck fördern.

...an einer für Kinder verstehbaren Verkündigung arbeiten

Verkündigung richtet sich in erster Linie an Erwachsene. Die Liturgie verwendet eine Symbolik und Sprache, die kindlichem Denken oder Erleben zumeist fremd ist. Wenn Kindern von Gott und seiner frohen Botschaft erzählt werden soll, dann bedarf es einer entsprechenden "Übersetzung", die sich an der Lebenserfahrung der Kinder orientiert. Von Personen, die an einer kindgerechten Verkündigung arbeiten, verlangt das oft ein Umdenken und ein bewußtes Einüben kindgemäßer Kommunikationsformen.

Kinder beten und feiern auch anders als Erwachsene. Sie äußern sich spontan und haben einen spielerischen Zugang zu Symbolen. Es gehört viel Übung, Erfahrung und Fingerspitzengefühl dazu, gemeinsam mit Kindern eine lebendige Liturgie zu gestalten.

...sich um ein gutes Leben für Kinder, die am Rand stehen, sorgen und einsetzen

Die christliche Vision, die den Menschen heilen, befreien und ermutigen will, stellt die Kirche auf die Seite derer, die in Not sind, die arm und ausgebeutet, einsam, verzweifelt oder verlassen sind.

Kirche mit Kindern leben heißt also auch, sich um jene Kinder besonders zu bemühen, die am Rand stehen, die aus vielfältigen Gründen benachteiligt oder in Not sind und sich für eine Verbesserung ihrer Situation stark zu machen. Dies unabhängig davon, ob diese Kinder Mitglieder unserer Religionsgemeinschaft oder in der Pfarre integriert sind. Dabei gilt es auch, die engagierten Kinder zu einer solidarischen Haltung anzustiften und mit ihnen geeignete Projekte zu starten.

Mit Kindern Kirche leben heißt nicht...

...Kindern ein bestimmtes Verhalten als Ausdruck christlicher Frömmigkeit einzutrainieren und abzuverlangen beziehungsweise ihre Beteiligung am Gemeindeleben davon abhängig zu machen.

...pfarrliche Angebote für Kinder unter dem vordringlichen Aspekt von Mitgliedergewinnung und -verpflichtung zu setzen.

...Begeisterung und Engagement der Kinder für die "religiöse Erbauung" von Erwachsenen zu mißbrauchen.

Creative Commons License Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.