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Belastbare Beziehungen

Wir gestalten verläßliche und belastbare Beziehungen zu den Kindern.

Als GruppenleiterIn stehst Du in einer besonderen Beziehung zu den Kindern Deiner Gruppe. Du bist ihnen nahe, vielleicht so etwas wie ein Freund oder eine Freundin. Du bist für sie in gewisser Weise ein Vorbild. Du bist jemand, der/dem die Eltern ein Stück ihrer Erziehungsverantwortung übertragen haben. Es ist wichtig, daß Du Dir selbst darüber im Klaren wirst, wer Du für die Kinder sein möchtest. In jedem Fall wohl jemand der/dem sie vertrauen und mit der/dem sie gerne zusammensein möchten. Dies setzt voraus, daß Du den Kindern eine verläßliche und belastbare Beziehung anbietest.

Kindern eine belastbare Beziehung anzubieten heißt nicht, immer und in jedem Fall das zu tun, was die Kinder gerade von Dir wollen. Oft kann es viel wichtiger sein, ein Grenze zu ziehen und ihnen damit Widerstand und eine Reibfläche zu bieten. Auch das ist ein Bestandteil einer belastbaren Beziehung.

Manchmal wollen Kinder gar nichts von Dir. Vielleicht wollen sie sogar etwas Abstand haben. Dann ist es gut, wenn auch Du loslassen und Trennung zulassen kannst. Es mag Dich vielleicht traurig stimmen, wenn Kinder von Dir wegwollen, für ihre Entwicklung ist das aber von großer Bedeutung: Weggehen zu können und gleichzeitig zu wissen, wo sie Dich wieder finden und zurückkommen können, wenn sie Dich wieder brauchen...

Du bist BegleiterIn des Gruppengeschehens

Eine Gruppe zu leiten stellt einige Ansprüche an Dich. Du brauchst dazu neben den guten Ideen für die Gruppenarbeit vor allem Einfühlungsvermögen und ein entsprechendes Fingerspitzengefühl. Die Kinder erwarten sich von Dir, daß Du das Gruppengeschehen steuerst, daß Du bei Konflikten hilfst und daß Du dafür sorgst, daß das Miteinander gut gelingt. Du mußt je nach Situation entscheiden, ob Du eingreifst oder Dich zurückhältst und den Kindern die Initiative überläßt. Manchmal ist es wichtig, daß Du Dich überhaupt aus dem Gruppengeschehen zurückziehen kannst, um eine beobachtende Position einzunehmen. Die Kinder sollen jedenfalls wissen, woran sie bei Dir sind und worauf sie sich verlassen können.

Schau darauf, daß Du Deine Gruppenstunden regelmäßig (Ort, Zeitpunkt, Dauer) halten kannst, und daß ihr auch dann, wenn nur wenige Kinder kommen, etwas Interessantes und Lustiges unternehmen könnt.

Sag Deinen Kindern immer wieder, was Du mit ihnen vorhast und bemühe Dich auch alles gut zu begründen, was Du Dir von ihnen erwartest. Diese Offenheit gibt ihnen Sicherheit.

Die Kinder sollten auch Deine Grenzen kennen. Manchmal gibt es Momente, wo von Dir rasches Handeln gefragt ist. Dann solltest Du Dir überlegt haben, von welchen Kriterien (z.B. keine gewalttätige Konfliktaustragung, Schutz von Minderheiten, ...) Du Dich leiten läßt.

Eine verläßliche Vertrauensperson für die Kinder

Kinder werden Dich gelegentlich persönlich ins Vertrauen ziehen. Vielleicht weil sie ein Problem haben, ein aufregendes oder mieses Erlebnis loswerden wollen oder einen Rat brauchen. Du wirst dann einen tieferen Einblick in das Privatleben des einzelnen Kindes bekommen. Es kann sein, daß es da etwas gibt, daß Dich erschreckt oder sehr betroffen macht: Schlechte Lebensbedingungen, Krankheiten, materielle Not, Gewalt, Mißbrauch, Alkohol oder Drogen ... Vielleicht wirst Du sogar um konkrete Hilfeleistung gebeten. Jedenfalls erwarten sich die Kinder, daß Du mit dem, was sie Dir erzählen, vertraulich umgehst.

Du kannst nicht alle Probleme der Kinder lösen. Versprich nichts, was Du nicht wirklich einhalten kannst oder willst. Oft hilft es den Kindern schon sehr, wenn Du ihnen einfach geduldig zuhören kannst.

Wenn Du Dich intensiver um einzelne Kinder kümmerst, dann tu das nicht allein. Such Dir jemanden, die/den Du ins Vertrauen ziehen und von der/dem Du Dir Hilfe und Beratung erwarten kannst.

Wenn Du Dir unsicher bist, ob im Einzelfall professionelle Hilfe nötig wäre, dann berate Dich zunächst mit entsprechend kompetenten und vertrauenswürdigen Personen. Die MitarbeiterIn-nen im diözesanen Jungschar-Büro können Dir in diesem Fall mit Kontaktadressen gut weiterhelfen.

Du ergreifst entschieden Partei für Kinder

Die Kinder erwarten sich, daß Du für sie eintrittst und ihre Anliegen gegenüber den anderen (Erwachsenen) in der Pfarre vertrittst. Das setzt voraus, daß Du Dich mit ihnen solidarisierst, also Partei für sie ergreifst. Du wirst Dich also z.B. im Pfarrgemeinderat engagieren, mit Eltern reden, Kontakte zur Schule knüpfen, versuchen, mit örtlichen PolitikerInnen ins Gespräch zu kommen. Das sind nicht immer einfache Auseinandersetzungen. Gerade junge GruppenleiterInnen machen die Erfahrung, daß sie - und ihre Anliegen - von Erwachsenen nicht ernstgenommen werden. Du tust gut daran, Dir Verbündete zu suchen bzw. Dein Vorgehen mit jenen zu koordinieren, die vergleichbares im Sinn haben.

Informiere Dich über die Lebensinteressen der Kinder. Dann wirst Du ihre Anliegen besser verstehen und gut argumentieren können.

Die Kinder sollen spüren, daß Du für sie Partei ergreifst. Überlege Dir, wie und in welcher Sache Du das tun willst, und wenn Du Zweifel hast, dann erkläre sie auch den Kindern.

Oft ist es wichtig, daß die Kinder etwas ganz allein durchkämpfen. Dann reicht es schon aus, wenn Du ihnen die entsprechenden Möglichkeiten dafür schaffst und sie bei ihrem Vorhaben ermutigst.

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