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Ausdeutung von Alltagserfahrungen

Wir greifen bedeutsame Alltagserfahrungen der Kinder auf und sind ihnen bei der Ausdeutung behilflich.

Die Arbeit in der Jungschar ist u.a. dadurch gekennzeichnet, daß die Kinder dazu angeregt werden, sich mit verschiedenen interessanten Themen zu beschäftigen, die irgendwie bedeutsam für ihr Leben und ihre Entwicklung sein können. Als Hilfestellung für Dich als GruppenleiterIn gibt es eine Vielzahl von Behelfen, die in den Jungscharbüros erhältlich sind und eine Fülle von thematischen Gruppenstunden- oder Aktionsmodellen anbieten.

Auch im Werkbrief, der Zeitung für GruppenleiterInnen, findest Du aktuelle Vorschläge für die Gestaltung von Gruppenstunden und anderen Aktivitäten mit Kindern.

Die thematische Auseinandersetzung soll nicht als Beschäftigung mit abstrakten Dingen mißverstanden werden. Egal ob es sich um ein musisch-kulturelles, ein soziales, ein politisches oder ein religiöses Thema handelt, es geht dabei immer um das Leben der Kinder, um den Austausch persönlicher Erlebnisse und Erfahrungen.

Auseinandersetzung aufgrund persönliche Betroffenheit

Eine inhaltliche Auseinandersetzung wird mit Kindern dann gelingen, wenn sie einen persönlichen Zugang zum Thema gewinnen können. Du wirst also bei der Vorbereitung einer Gruppenstunde überprüfen, wieweit Dein Thema konkrete Erfahrungen der Kinder aufgreift. Wieweit Du also davon ausgehen kannst, ob diese oder jene Frage bei den Kindern etwas anrührt, Erinnerungen oder Gefühle weckt und so auf Interesse stößt. Ähnliches gilt für die Art der methodischen Aufbereitung: Die Art und Weise wie sich die Kinder mit diesem Thema beschäftigen sollen, muß eine für die Kinder passende sein. Das betrifft die Abfolge von Denkschritten ebenso wie die sprachliche Formulierung.

Persönliche Betroffenheit von Kindern kann sich bei einem Thema auch unvermutet zeigen. Meist wird es dann auch einen konkreten Anlaß gaben, auf den die Kinder Bezug nehmen und den Du aufgreifen kannst.

"Thema" ist aber nicht immer nur das, was Du für die gemeinsame Beschäftigung vorschlägst. In einer Gruppe gibt es vieles, was nicht (offen) ausgesprochen, versteckt oder "tabu" ist. Es sind das z.B. Fragen, die die Beziehungen der Kinder untereinander berühren, die Rolle und das Verhalten einzelner udgl. Manchmal kann Unausgesprochenes in der Gruppe "stören". Dann mußt Du überlegen, wie Du es ansprechen und damit einer Auseinandersetzung zugänglich machen kannst.

Wenn Du Dich umsiehst, was Kinder derzeit interessiert, dann kommst Du leicht zu "Themen" für die Gruppenstunde. Einige Beispiele: aktuelle Fernsehserien aus dem nachmittäglichen Kinderprogramm, Spielzeug, Sportarten oder Musik, die gerade "in" sind, Haustiere, Schulerlebnisse, Umweltverschmutzung, ...

Achte gut darauf, daß Du Kinder nicht mit abstrakten Begriffen "verwirrst". Vielleicht können sie Dir nicht wirklich erklären, was z.B. "Freundschaft" bedeutet, aber sie werden viel zu erzählen wissen, was FreundInnen miteinander tun, ob sie selbst eine/n FreundIn haben. Je konkreter und erlebnisnaher Du ein Thema mit den Kindern bearbeitest, desto größer wird ihre Bereitschaft zum Mittun sein.

Verzichte darauf, Dein Programm "durchzuziehen", wenn Du den Eindruck hast, daß die Kinder etwas ganz anderes beschäftigt.

Ihr schärft euren kritischen Blick im Alltag

In der Jungschar wollen wir die Kinder dazu anleiten, sich mit dem Leben, der Welt, dem Tun der Menschen neugierig und kritisch auseinanderzusetzen. Dazu gilt es einerseits die Dinge so darzustellen wie sie sind und den Blick der Kinder für die Vielgestaltigkeit und Vieldeutigkeit zu schärfen. Andererseits verlangt dies von Dir als GruppenleiterIn eine gewisse persönliche Entschiedenheit. Denn die Kinder werden Dich nach Deiner Meinung und Deinen Einstellungen fragen, weil sie nach Orientierungshilfen suchen.

Die kritische Auseinandersetzung mit unseren Lebenswirklichkeiten läßt sich nicht von einer Wertvermittlung trennen, die bei uns in der Jungschar auf einem humanistisch-christlichen Menschen- und Weltbild gründet. Dieses rückt nicht nur das Wohlergehen und die Wertschätzung des Individuums in den Mittelpunkt, sondern orientiert sich auch an einem partnerschaftlich- einander förderlichen sozialen Miteinander sowie an Haltungen, die auf einen pfleglichen Umgang mit der Natur abzielen. Die Auseinandersetzung mit dem Alltag wird viele Ungerechtigkeiten und Unzulänglichkeiten menschlichen Lebens deutlich machen. Das soll uns nicht daran hindern, bei den Kindern eine entsprechende Sensibilität zu wecken und sie in ihrer Kritikfähigkeit und Widerständigkeit zu ermutigen.

Hör immer gut auf das, was die Kinder Dir sagen. Vielleicht werden sie gelegentlich auch Kritik an Dir, an der Jungscharstunde oder am Pfarrleben äußern. Geh davon aus, daß die Kinder Dir direkt und ungeschützt sagen, was sie erleben und empfinden und nimm diese Kritik dementsprechend ernst. In den meisten Fällen ist sie gar nicht so unzutreffend!

Vertritt den Kindern gegenüber klar und anschaulich Deine persönlichen Werthaltungen. Achte aber darauf, daß Du nicht automatisch von ihnen verlangst, daß sie das genauso für sich übernehmen.

Die Medienberichterstattung in Zeitungen, Radio und Fernsehen liefert alltäglich eine Überfülle an Informationen über das Weltgeschehen ins Haus. Vieles davon ist schon aufgrund der Art der Berichterstattung einseitig bzw. emotional verzerrend dargestellt. Laßt euch einmal - anläßlich einer Exkursion in eine Zeitungsredaktion bzw. in ein Radio- oder Fernsehstudio - die Herstellung der Nachrichten zeigen oder ladet eine/n befreundete/n JournalistIn zu euch ein, die/der euch ein wenig hinter die Kulissen der Medienarbeit schauen läßt.

Ihr findet miteinander Möglichkeiten zum Handeln

Kinder brauchen konkrete Betätigungsmöglichkeiten. Miteinander etwas zu tun ist ein wichtiger Aspekt inhaltlicher Auseinandersetzung. Dies kann spielerisch im Rahmen der Gruppenstunde geschehen oder in Form verschiedener Aktionen, die ihr außerhalb der Gruppe plant und durchführt.

Vorbereitung wie auch die Aktion selbst geben meist viel Anlaß zu Gesprächen und Du mußt damit rechnen, daß die Kinder Dich vieles fragen werden. Achte deshalb darauf, daß ihr beim Miteinandertun auch genug Zeit habt, miteinander zu reden. In derlei Prozessen passiert oft die intensivste inhaltliche Auseinandersetzung mit Kindern.

Stellt euch als Gruppe selbst eine Aufgabe, mit der ihr miteinander etwas Konkretes bewirken könnt. Eine Umwelt-Aktion, eine Hilfeleistung für notleidende Menschen, eine Spielplatz-Verschönerungsaktion... Oft sind es gerade Kleinigkeiten, deren Veränderung von großer Wirkung sein können.

Achte darauf, daß alle Kinder von sich aus und ohne große Vorkenntnisse selbst tätig werden können: umwelt- oder gesundheitsbewußtes Einkaufen, kritische Auswahl der Fernsehprogramme, Energiesparen im Alltag... In der Gruppenstunde muß dann regelmäßig Zeit seit, damit die Kinder von ihren Aktivitäten berichten und ihre Erlebnisse austauschen können.

Überlegt auch, wie ihr bei anderen (Erwachsenen, in der Pfarre, im Ort ...) Aufmerksamkeit für eure Anliegen wecken könnt. Nützt dazu den Pfarrschaukasten, die Lokalzeitung oder andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit. Gerade in diesem Bereich gibt es viele Möglichkeiten, bei denen Du mit den Kindern kreativ tätig werden kannst: Flugblatt, Straßentheater, Ausstellung ...

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