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Mit Kindern die Ursachen und Zusammenhänge ungerechter Strukturen durchschauen

Wir wecken bei Kindern ein Bewußtsein für das Unrecht in der Welt und helfen ihnen, daß sie die Ursachen und Zusammenhänge zu durchschauen beginnen.

Seit man die Erde vom Weltall aus betrachten kann, ist es leichter, globale Zusammenhänge darzustellen. Medien, wirtschaftliche Verflechtungen, Produktionstechnologien, Kommunikationsmöglichkeiten, Transportmittel etc. haben die Welt in den letzten Jahrzehnten "zum Dorf" werden lassen. Was heute in einem Teil der Erde geschieht, beeinflußt letztlich das Leben aller, auch wenn man die Auswirkungen nicht sofort sehen oder spüren kann.

Die Informationen, die täglich auf uns einströmen, zeigen, wie vielschichtig und kompliziert unsere Welt ist. Strategien, die Probleme zu ignorieren, einfache Lösungen anzubieten oder sich ganz aus dem sozialen Leben zurückzuziehen, hätten fatale Folgen. Gefragt sind daher Fähigkeiten, Zusammenhänge zu sehen und neue Möglichkeiten des sozialen Handelns zu entwickeln. Deine Aufgabe als GruppenleiterIn, Kinder bei ihrer Identitätsfindung zu begleiten, läßt sich nicht von globalen Entwicklungen und damit verbundenen Herausforderungen trennen. Die individuelle Lebensgestaltung hat immer Einfluß auf das Leben anderer Menschen und Menschengruppen.

Wenn die Kinder Neugier und Sympathie für fremde Menschen und fremde Kulturen zeigen, könnt ihr euch globale Zusammenhänge vor Augen führen und mit den Problemen und Ungerechtigkeiten der vernetzten Welt auseinandersetzen.

Das eigene Verhalten kritisch prüfen

Nimm Dir Zeit und überlege, welche Ideen, Werte und Bilder Dich begleiten, wenn Du an fremde Länder, Menschen und Kulturen denkst. Überlege, was Du davon den Kindern mitgeben möchtest. Überlege auch, was Du Ihnen nicht vermitteln möchtest und was sich ehrlicherweise deshalb an Deiner eigenen Alltagspraxis ändern sollte.

Dritte Welt ist nicht nur Hunger, Apartheid und Kakao. Zu unseren Vorstellungen von Dritter Welt gehören auch all jene Bilder, die wir von Kindheit an mit uns herumtragen. Der arme Mohr aus dem Struwwelpeter, der edle Wilde Winnetou, der gute alte Onkel Tom ... Nimm Dir Zeit und laß einige dieser Bilder aus der Kindheit vor Deinem geistigen Auge ablaufen. Welche Kindheitserfahrungen und Bilder über Dritte Welt begleiten Dich? Welche positiven/negativen Gefühle sind damit verbunden?

Für die Arbeit mit Deiner Gruppe kann es hilfreich sein, wenn Du weißt, wie über ein bestimmtes Thema gedacht und gesprochen wird und was Du selbst darüber denkst. Hör auf die Reaktionen in Deiner Umgebung zu Themen wie Ausländerpolitik, Bevölkerungswachstum, Flüchtlinge, Kriege in ehemaligen Kolonien, etc.

In unserer täglichen Sprache sind viele Vorurteile und Rassismen versteckt. Nur eine bewußte Beschäftigung macht sie sichtbar. Hör´ genau hin. So wird z.B. mit "Ich bin schon wieder Neger" vermittelt, daß AfrikanerInnen arm sind oder so weisen Ausdrücke wie "bis zur Vergasung" auf das Schicksal der Juden im Nationalsozialismus hin.

Informationen sammeln

Es handelt sich bei Dritte-Welt-Themen meist um komplexe Themen und es wird über Menschen gesprochen, die in einem Land leben, das räumlich sehr weit entfernt ist. Gewisse Grundinformationen solltest Du Dir beschaffen, um dir selbst einen Überblick zu verschaffen und nicht falsche Informationen zu vermitteln. So kannst Du auch besser auf Fragen der Kinder eingehen.

Abgesehen von Zeitungen, Radio und Fernsehen, gibt es Zeitschriften, die ganz speziell entwicklungspolitische Aspekte thematisieren. Im Jungscharbüro und auch in "Weltläden", die es in ca. 70 Städten und Orten gibt, bekommst Du weitere Informationen dazu.

Setze verschiedenes Material ein. Deine Gruppenstunden werden dadurch anschaulicher. Manchmal wird es sinnvoll sein, im Jungscharbüro oder an anderer Stelle (Kulturinstitute ...) etwas auszuborgen (Diareihen, Filme, Gegenstände etc.).

Lege Dir eine "Dritte-Welt-Mappe" an, in die Du Zeitungsartikel, Fotos, Kalenderbilder, etc. sammelst.

Kindern Zusammenhänge erklären

Vieles von dem, was unser Leben erleichtert und bereichert, hat Einfluß auf die Menschen in anderen Erdteilen, bringt sie in manchen Fällen an den Rand des Ruins. Ein kleiner Teil der (westlichen, reichen) Weltbevölkerung lebt auf Kosten der anderen. Beispiele dafür sind:

Silberschmuck: Silber aus bolivianischen Bergwerken wird teilweise unter unmenschlichsten Arbeitsbedingungen gewonnen.

Kaffee und Kakao: Die BäuerInnen erhalten meist Hungerlöhne.

Urlaub in einem Ferienclub in der dominikanischen Republik: Meist gehören solche Clubs westlichen Unternehmen, deren Gewinne nicht im Lande bleiben.

Man kann Ungerechtigkeit und den leichtfertigen Umgang mit der Natur nicht plötzlich abschaffen. Was Du tun kannst, ist, Dir die Zusammenhänge immer wieder vor Augen zu führen und diese auch gemeinsam mit Deinen Kindern zu entdecken.

Zusammenhänge erkennen ist für die Kinder spannend und entspricht ihrer Entwicklung. Erforscht deshalb miteinander, was zusammengehört und wie das eine vom anderen abhängig ist. (Z.B. Wir hören Musik aus Lateinamerika, trinken Kakao aus Ghana, essen Birnen aus Chile). Fordere die Kinder auf, auch zu Hause zu erforschen, woher bestimmte Lieder, Produkte, Alltagsgegenstände etc. kommen. Landkarten und Globen helfen bei der räumlichen Zuordnung.

Mach den Kindern auf keinen Fall ein kein schlechtes Gewissen. Auf die meisten Alltagsentscheidungen - auch in der Familie - haben die Kinder wenig Einfluß. Erfahrungsgemäß werden sie ohnedies von sich aus aktiv, wenn sie eine Möglichkeit, etwas Konkretes zu verändern, sehen.

Planspiele sind für ältere Jungscharkinder gut geeignet, um komplexe Zusammenhänge spielerisch zu erfahren. Mit den meisten Planspiele gelingt es ganz gut in einem zeitlichen Rahmen von 1,5 bis 2 Stunden eine zusammenhängende (Unrechts-)Situation deutlich zu machen. Wenn Du ein Planspiel einsetzten möchtest, solltest Du es selbst gespielt haben oder sehr gut mit dem Ablauf vertraut sein. Erkundige Dich im Jungscharbüro, wo Du derartige Spiel ausborgen kannst.

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