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Sich auf die Seite der Schwachen, Unterdrückten und Benachteiligten stellen

Wir stellen uns auf die Seite der Schwachen, Unterdrückten und Benachteiligten und setzen uns für ein Zusammenleben ein, das von gegenseitiger Toleranz und Solidarität getragen ist.

"Wie die meisten unter uns bin ich bereit, einem Menschen, der für sich selbst und seine eigene Freiheit kämpft, zu vertrauen, und ihm beizustehen, wenn ich weiß, daß seine Freiheit mit der meinen verknüpft ist. Einem Menschen, der nur für mich kämpft, kann ich nicht uneingeschränkt vertrauen, denn ich muß befürchten, daß er früher oder später des Kampfes überdrüssig wird." (nach Basil Moor, Theologe)

Wenn wir uns auf die Seite von Schwachen, Unterdrückten und Benachteiligten stellen, dann, weil wir glauben, daß ein gemeinsames gutes Leben für alle Menschen möglich ist.

Anwaltschaftlich für die Schwachen,Unterdrückten und Benachteiligten tätig werden

Schwache Unterdrückte und Benachteiligte gibt es nicht nur in der Dritten Welt. Auch in unserer Kultur gibt es Menschen, die anders denken, gibt es behinderte Menschen, Menschen die ausgegrenzt und an den gesellschaftlichen Rand gedrängt werden. Die Jungschar ist in ihrem Selbstverständnis anwaltschaftlich für Kinder tätig. Es ist uns aber ein Grundanliegen, allen, die schwächer sind, deren Stimme nicht laut genug ist, um sich Recht und Gehör zu verschaffen, beizustehen.

Einer erster Schritt dazu kann es sein, die Aufmerksamkeit für Menschen in benachteiligenden Situationen zu erhöhen. Als GruppenleiterIn kannst Du auch die Kinder Deiner Gruppe dazu anhalten, ihre Sinne für Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen zu schärfen.

Verwendet gelegentlich in der Gruppenstunde Zeit dafür, einander zu erzählen, welche Ungerechtigkeiten oder Benachteiligungen ihr an euch selbst erfahren oder an anderen Menschen beobachtet habt: Erwachsene drängen sich beim Einkaufen vor; Leute schimpfen in der Straßenbahn, weil eine Mutter ihr weinendes Kind nicht beruhigen kann; ein Rollstuhlfahrer müht sich bei einer zu hohen Gehsteigkante ab; ein alter Mann traut sich nicht über eine dichtbefahrene Straße gehen, weil er nicht mehr schnell laufen kann ...

Gestaltet im Jungscharschaukasten das Plakat der "Benachteiligung des Monats": Eine Geschichte, die einige von euch erlebt haben, die ihr miteinander besprochen habt und für die ihr konkrete Verbesserungsvorschläge wißt.

Es gibt viele Ungerechtigkeiten in der Welt, zu deren Veränderung ihr im Moment konkret nichts beitragen könnt. Es ist sehr wichtig, diese Dinge öffentlich beim Namen zu nennen und auf Unterdrückung und Benachteiligung hinzuweisen. Bei der Gottesdienstgestaltung ist z.B. der geeignete Platz dafür das allgemeine Fürbitt-gebet: Für jemanden zu beten, dessen Lebensumstände uns betroffen machen, im Bewußtsein, jetzt nicht mehr zur Veränderung beitragen zu können ...

Haltungen verändern

Die ablehnende Haltung all jenen gegenüber, die anders sind als ich selbst, hat zu einem guten Teil mit Angst und fehlender Erfahrung zu tun. André Heller brachte es mit einer kleinen Geschichte auf den Punkt: "Wenn ein Wolf im Wald einen Wolf trifft, denkt er sich: 'Aha - ein Wolf!' Wenn ein Mensch im Wald einen Menschen trifft, denkt er sich sicher: 'Uijeh, ein Mörder!'" Wir sind in uns unvertrauten Situationen oft unsicher und zurückhaltend. Diese Unsicherheit behindert Begegnungen, weil sie eher bekannte Verhaltensmuster verstärkt und sich neuen Erfahrungen verschließt. Auch spielen äußere Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle, mit welcher Grundeinstellung wir auf fremde Menschen zugehen: Es macht einen Unterschied, ob jemand nachts in einem schlechtbeleuchteten Park alleine auf fünf lärmende türkische Jugendliche trifft, oder mit Freunden zu einem türkischen Sommerfest geladen wird.

Kinder sind dem Neuen gegenüber offen und aufgeschlossen. Diese Haltung kannst Du verstärken.

Wehre Dich dagegen, wenn Kinder über Fremde schimpfen, sie auslachen oder menschenverachtende Witze erzählen. Laß Dir von den Kindern die Gründe für ihr ablehnendes oder verächtlichmachendes Verhalten erklären und überlegt dann gemeinsam, wie es möglich ist, einander so näherzukommen, daß es problemlos möglich ist, Fragen zu stellen oder auch gerechtfertigten Ärger mitzuteilen.

Vermeide es, die Kinder dazu zu drängen, aus Mitleid lieb und verständnisvoll zu sein. Eine derartige Darstellung ist mindestens so diskriminierend, wie Ablehnung.

Haltungsänderungen erreichst Du am ehesten über besseres Verständnis. Je mehr Einblick die Kinder in die Lebenssituation von AusländerInnen, Behinderten, Flüchtlingen ... bekommen, desto besser werden sie deren Verhalten verstehen und selbst damit umgehen können.

Sich für ein Zusammenleben zwischen In- und AusländerInnen einsetzen

Schlägt man im Dritten Buch Mose, im Alten Testament nach, so kann man dort folgendes lesen: "Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst." (Lev 19,33-34)

Das Problem mit dem Zusammenleben zwischen Menschen ist also schon eine sehr alte Geschichte. Dabei fragen wir meist nicht nach, ob es sich wirklich um Angehörige anderer Staaten handelt. Franzosen oder Deutsche sind oft ein Stück mehr InländerInnen als Menschen aus Nigeria oder der Türkei.

Sehr oft wird von AusländerInnen erwartet, daß sie schon bald möglichst gut deutsch können. Das ist meist nicht der Fall, weil deutsch nicht so einfach zu erlernen ist. Vielleicht ist Dir schon aufgefallen, daß viele Leute gleich in die Nennform verfallen, wenn jemand auch nur "ausländisch" aussieht. ("Du müssen gehen da drüben ...!") Das solltest Du ganz bewußt vermeiden. Wie soll man denn eine Sprache lernen, wenn man sie immer nur fehlerhaft hört. Sprich mit den Gästen ein möglichst korrektes und verständliches Deutsch. Erkundige Dich, ob sie auf Fehler aufmerksam gemacht werden möchten.

In der Öffentlichkeit wird immer wieder gegen AusländerInnen geschimpft, sie werden bei Ämtern und Behörden ungerecht oder unfair behandelt. Du kannst ganz persönlich in solchen Situationen Stellung nehmen. Das bringt sicher eine Konfrontation, überlege Dir daher vorher, wie viel Energie und Mut Du aufbringst.

Wenn die Kinder Deiner Gruppe von Ungerechtigkeiten erzählen, die sie miterlebt haben, kannst Du aus aktuellem Anlaß in der Gruppenstunde darauf eingehen. Ihr könnt dann z.B. einen gemeinsamen Beschwerdebrief an die betreffende Person schreiben und euren Standpunkt darlegen.

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