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Möglichkeiten für die Verbesserung der Lebensumstände der Menschen aktiv sein

Wir suchen mit den Kindern nach Möglichkeiten, sich für die Verbesserung der Lebensumstände von Menschen auf der ganzen Welt einzusetzen.

Die Lebenssituation von Menschen in der Dritten Welt zu verbessern ist ein schönes Ziel. Das Durschauen von Zusammenhängen hilft mögliche Richtungen zu entdecken, wo Verbesserungen ansetzen können und sollen. Die Frage nach konkreten Umsetzungen kann zu Mutlosigkeit, Resignation und langfristig zu Desinteresse führen. Zu groß erscheinen die Probleme, zu unsicher die Lösungsmöglichkeiten, zu widersprüchlich manche Strategien.

Vor allem in der Arbeit mit Kindern ist es wichtig, daß Du konkrete Zusammenhänge nicht aus den Augen verlierst. Kinder werden sich engagieren wenn sie das Gefühl haben, daß ihr Tun auch bestimmte Auswirkungen hat, die das Leben der Menschen in der Dritten Welt verbessern helfen.

Für die Verbesserung der Lebensumstände eintreten heißt, sich dafür stark machen, daß alle Menschen fair und korrekt behandelt werden - auch dann, wenn wir selbst daraus kurz- und mittelfristig einen Nachteil haben!

Kritisch einkaufen und konsumieren

Es wird Dir auffallen, daß heute deutlich mehr Produkte aus "Dritte-Welt-Ländern" auf dem Markt sind, als noch vor einigen Jahren. Besonders augenscheinlich ist es beim Obst. Viele Früchte bekommt man das ganze Jahr zu wirklich günstigen Preisen und das trotz langer Transportwege.

Zu diesem Problemkreis gehört z.B. die Tatsache, daß die BäuerInnen sehr wenig verdienen; daß früher für den eigenen Bedarf angebaut wurde, heute dazu keine Zeit bleibt und möglicherweise auch das Land dazu fehlt; daß der Regenwald abgeholzt wird; daß Kinder durch Arbeitsleistungen (z.B. Knüpfen von Teppichen) ausgebeutet werden; etc.

Es gibt in Österreich Initiativen, die speziell jene Produkte in den Vordergrund rücken, die fair gehandelt werden. D.h., daß die Hersteller einen angemessenen Preis erhalten und meistens kleine Genossenschaften (Kooperativen) gefördert werden.

Die EZA (Entwicklungszusammenarbeit mit der Dritten Welt) ist eine Organisation, die fair gehandelte Produkte nach Österreich einführt (importiert). Eine weitere Organisation ist CONA, die vor allem Produkte aus Lateinamerika importiert. Zusätzlich wurden in den letzten Jahren in Österreich eine Reihe von sogenannten "Weltläden" eröffnet, (ca. 70 in ganz Österreich). Diese Läden arbeiten eng mit der EZA und mit CONA zusammen und beziehen den Großteil der Waren von diesen Importorganisationen. Die Ehrenamtlichen, die sich in den "Weltläden" engagieren, wollen nicht bloß viel verkaufen, sondern mit den Gewinnen Bildungs- und Informationsveranstaltungen sowie kulturelle Veranstaltungen anbieten.

Transfair ist eine Organisation, die sich zur Aufgabe gestellt hat, Gütesiegel für fair gehandelte Produkte - bei denen die BäuerInnen, Handwerke-rInnnen etc. einen fairen Preis bekommen - zu vergeben.

Die Menschen in den Industrienationen und die Eliten im Süden waren bisher die Gewin-nerInnen des Systems. Die Zukunft weist überhaupt in die Richtung einer Zweidrittelgesellschaft in Nord und Süd. Wenn Du Dich engagierst, dann hat das kurzfristig zur Folge, daß Du zugunsten der Armen Privilegien verlierst. Überlege Dir, ob Du z.B. für alltägliche Konsumgüter mehr bezahlen willst und kannst ...

Mache Dich kundig, woher die Produkte kommen, die Du täglich kaufst. Überlege bewußt, warum Du manches kaufst oder auch nicht kaufst. Auch für die Kinder ist dieser Schritt möglich, zumindest bei jenen Dingen, die sie selbst entscheiden können.

Du kannst mit den Kindern selbstverständlich Auswirkungen unseres Konsums thematisieren (z.B. Aludosen werden aus Bauxit gemacht und bei der Gewinnung dieses Metalles wird der Regenwald zerstört...) und Alternativen suchen, sofern sie im Handlungsbereich der Kinder sind.

Einen Dritte-Welt-Bazar veranstalten

Es ist es eine gute und relativ einfache Möglichkeit, in der Pfarre einen "Dritte-Welt-Bazar" zu organisieren. Du kannst so einen Bazar gemeinsam mit GruppenleiterInnen oder Erwachsenen machen oder mit größeren Jungscharkindern veranstalten. Selbstverständlich wollt ihr bei so einem Bazars möglichst viele Produkte verkaufen. Ziel sollte es aber sein, ausführlich über die Produkte zu informieren und auf die Probleme des Welthandels hinzuweisen, damit eure "KundInnen" selbst auch in Zukunft bewußter einkaufen gehen.

Wenn ihr damit in eurer Pfarre alltägliches Verhalten der Menschen verändern wollt, dann wird es sinnvoll sein, einen derartigen Bazar nicht bloß einmalig zu veranstalten, sondern z.B. bestimmte alltägliche Produkte immer wieder anzubieten. Eine Kooperation mit örtlichen HändlerInnen oder Geschäften hilft dabei.

Die Produkte für den Bazar stellt Dir die EZA direkt oder ein "Weltladen" in Deiner Nähe zur Verfügung. Du kannst vereinbaren, daß Du das, was nicht verkauft wird, zurückbringen kannst. Zusätzlich zu den Waren bekommst Du auch Informationen über deren Herkunft.

Achtet darauf, daß die Information über die angebotenen Produkte nicht zu kurz kommt. Ihr könnt z.B. eine gemeinsame Verkostung von Kaffeesorten oder ein Probekochen mit fremdländischen Gewürzen veranstalten und dabei ausführlich über die Herkunft, Verarbeitung und Vermarktung informieren. Videos, Broschüren oder eigens geladene FachreferentInnen helfen dabei.

Lade die Geschäftsleute aus der näheren Umgebung zu einer Diskussionsveranstaltung im Rahmen des Bazars ein. Vielleicht könnt ihr sie davon überzeugen, Produkte, die mit dem "Transfair-Gütesiegel" ausgezeichnet wurden, in ihr Verkaufssortiment aufzunehmen.

Theater spielen

Die szenische Aufbereitung der Dritte-Welt-Problematik kann eine Hilfe für den Umgang mit diesem Thema sein. Beim Zuschauen und auch beim Spielen lassen sich Kinder und Jugendliche emotional auf das Gespielte ein.

Du kannst in der Gruppenstunde mit den Kindern Rollenspiele spielen. Mit Theateraufführungen erreichst Du eine größere Zielgruppe: Eltern, interessierte Mitglieder der Pfarrgemeinde, Öffentlichkeit. Die dritte Möglichkeit ist, sich ein Theaterstück mit den Kindern anzusehen. Es gibt auch verschiedene Formen des Mitspieltheaters, bei dem die ZuschauerInnen aktiv ins Geschehen eingreifen und mitspielen können.

Szenen zu spielen bietet die Möglichkeit, sich die eigene Position deutlich zu machen, oder aber in die gegengerichtete Rolle zu schlüpfen und eine bestimmte Situation aus einem neuen Blickwinkel zu sehen.

Straßentheater: Wenn euch in der Gruppe ein Thema besonders anspricht und betroffen macht, könnt ihr euch dazu entscheiden, "auf die Straße zu gehen", um auch andere Leute aufmerksam zu machen. Überlegt in der Vorbereitung, was genau euer Anliegen ist, bereitet die Szene gut vor und sorgt dafür, daß die Zuschaue-rInnen die Möglichkeit haben, sich über den Hintergrund zu informieren. Es muß also Leute geben, die spielen und andere, die einen Infostand betreuen. Eine Straßentheateraktion ist auch gut geeignet, wenn mehrere Gruppen etwas gemeinsam machen möchten. Erkundige Dich vorher, ob eine Genehmigung notwendig ist.

Forumtheater ist eine Art Mitspieltheater, wobei ein Stück vorgespielt wird und in bestimmten Szenen die ZuschauerInnen einsteigen können, ihre Problemlösungsansätze ausprobieren können und so erfahren, welche verschiedenen Wege es überhaupt geben kann. Das Forumtheater kommt ursprünglich aus Lateinamerika und ist Theater der Unterdrückten, die auf diese Weise nach Auswegen aus ihren bedrängten Situationen suchen. Für diese Art von Theater brauchst Du eine fachkundige Person. Es gibt in Österreich einige TheaterpädagogInnen, die Forumtheaterworkshops anbieten. Wenn Du in der Pfarre einen solchen machen möchtest, wende Dich ans Jungscharbüro.

Es kommt öfter vor, daß Musik- aber auch Theatergruppen aus Entwicklungsländern in Österreich zu Besuch sind. In jenen Orten, wo Weltläden oder Dritte-Welt-Gruppen aktiv sind, werden solche Vorstellungen angeboten. Wenn Du eine derartige Veranstaltung selbst anbieten möchtest, erhältst Du Infos über Angebote im Jungscharbüro. Es ist sicher günstig, wenn Du ein solches Vorhaben in den Gremien der Pfarre vorbringst und die finanziellen Möglichkeiten abklärst, bzw. auf Dekanats- oder Regionalebene für eine derartige Vorstellung Verbündete suchst.

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