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Gruppenleiter/innen haben Platz für persönliche Begegnung

Jungschararbeit lebt von Jugendlichen und Erwachsenen, Frauen und Männern, die sich bewußt auf Kinder einlassen. Wir verstehen die Jungschar daher nicht nur als gemeinsames Arbeitsfeld, sondern auch als gemeinsamen Lebensraum. Wir legen in der Jungschar Wert auf Platz für persönliche Begegnung und gemeinsame Aktivitäten der Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter.

Begegnung mit Kindern

Als Gruppenleiter/in hast Du in erster Linie mit Kindern zu tun. Vielleicht entstehen Beziehungen, die über den Rahmen der Gruppenstunde oder der gemeinsamen Aktionen hinausgehen. Daraus können sich dauerhafte Freundschaften entwickeln, von denen Du auch selbst profitieren kannst.

Du wirst auch mit Kindern zu tun haben, die Dich nicht an sich heranlassen wollen, zu denen Du keinen Zugang findest, die Dir irgendwie unangenehm sind oder Dich sehr leicht aus der Ruhe bringen können. Das kann gelegentlich dazu führen, daß Du an Deiner Aufgabe zweifelst oder Dein Engagement als Gruppenleiter/in in Frage stellst. Kinder brauchen Deine Zuwendung und Anerkennung, aber sie sind eigenständige Persönlichkeiten, die selbstbewußt und differenziert Beziehungen aufnehmen und gestalten können.

Die Kinder sind auf Dich als Person neugierig

Kinder sind interessiert, etwas von Dir persönlich zu erfahren: Von Deiner Geschichte, Deinen Erlebnissen und Erfahrungen, Deinen Beziehungen. Sie interessiert auch, wie Du mit Ängsten umgehst, wie Du Konflikte meisterst und wie Du unangenehme Aufgaben löst. Sie schauen Dir zu, wie Du als Frau / als Mann bist, wie Du mit den anderen Männern / Frauen umgehst und welche Rollenerwartungen Du erfüllst - welche nicht.

Du mußt Kindern nicht alles von Dir erzählen oder zeigen. Es liegt in Deiner Entscheidung, was Du ihnen nahebringen möchtest und wie Du das tust.

Für eure Beziehung wird entscheidend sein, wie "echt" Dich die Kinder erleben können, wieviel ehrliches Interesse Du ihnen zeigst und wie sehr Dein Reden mit Deinem Handeln übereinstimmt.

Die Beziehung zwischen Dir und den Kindern ist etwas Besonderes

Du nimmst für die Kinder einen eigenen Platz ein. Du bist wahrscheinlich ein "Mittelding" zwischen Eltern oder LehrerInnen einerseits und FreundIn-nen oder (großen) Geschwistern andererseits. Du hast als Gruppenleiter/in Erziehungsaufgaben zu erfüllen. Die Kinder wiederum werden von Dir erwarten, daß Du auf ihrer Seite stehst und für sie Partei ergreifst, wenn sie mit anderen in Konflikte geraten, die sie nicht selber lösen können. Sie werden Dich ihre/n FreundIn nennen, Dir vielleicht persönliche Dinge anvertrauen, aber sie werden Dich auch zurückweisen oder ausgrenzen, wenn es um Angelegenheiten geht, die nur ihresgleichen betreffen.

Kinder werden Dich als Vorbild sehen, sie werden Dich als Reibebaum nützen, sie werden vielleicht bei Dir suchen, was sie in anderen Beziehungen vermissen. In jedem Fall wirst Du durch Deine Beziehung zu ihnen helfen, daß sie ihren eigenen Weg finden und ihn selbständig gehen.

Mit Kindern zusammensein ist eine Bereicherung für Dich

Mit Dir zusammen wollen die Kinder neue Erfahrungen machen. Sie erwarten sich, daß sie mit Dir etwas Spannendes erleben, daß Du ihnen etwas zeigst oder mit ihnen unternimmst, was sie noch nicht kennen bzw. womit sie sich nicht alltäglich beschäftigen können. Du wirst mit ihnen besondere Erlebnisse haben: Feste, Ausflugsfahrten, Ferienlager usw. Dort wirst Du Begegnungen haben, die über ein alltägliches Miteinander hinausführen. Ihr werdet neue Seiten aneinander entdecken, manchmal wird es möglich sein, die für die Kinder bedeutsamen Lebensthemen zu besprechen und Du wirst Dich mit den Kindern zutiefst religiösen Fragen stellen. Das kann auch für Dich ein Anstoß sein, über Dein Leben neu nachzudenken...

Eine gute und belastbare Beziehung zu den Kindern lohnt sich auch für Dich: Die Kinder werden Dir mit Aufmerksamkeit und Offenheit gegenübertreten.

Begegnung mit anderen Gruppenleiter/innen

Deine Mitarbeit in der Jungschar ist nicht nur ein Arbeitsauftrag in Sachen Kinderbetreuung. Als Gruppenleiter/in bist Du Teil eines größeren Beziehungsnetzes und Betätigungsfeldes. Du wirst "KollegInnen" finden: In Deiner Pfarre, in anderen Pfarren oder durch überregionale Kontakte. Es gibt viel mehr Frauen und Männer, die sich ebenso wie Du in der Jungschararbeit engagieren, als Du vermutest.

Alleine in der Pfarre die Jungschararbeit zu machen kann auf Dauer ermüden und frustrierend sein. Es ist in jedem Fall besser, verläßliche Partner/innen zu haben, die in der Pfarre oder im Dekanat ein Netz tragfähiger und lebendiger Beziehungen bilden, von dem nicht nur Du, sondern auch die Kinder profitieren.

Du wirst mit den anderen GruppenleiterInnen Spaß haben
Das Zusammensein mit anderen GruppenleiterIn-nen ist in erster Linie eine Möglichkeit zum Austausch. Du kannst über Dein Engagement sprechen, wirst gute Hinweise und Tips für Deine Gruppenarbeit bekommen oder kannst selbst anderen in ihren Überlegungen weiterhelfen. Gleichzeitig knüpfst Du Kontakte zu Gleichgesinnten, mit denen sich andere Aktivitäten und Begegnungen ergeben können und sollen: Unterhaltung, Spaß, Feste, gemeinsame Freizeitgestaltung, Hobbys, Urlaubsfahrten... Aus Gruppenleiter/innenrunden entstehen oft lebenslang tragfähige Freundschaften.

Beziehung, Spaß und gemeinsame Erlebnisse sind auch eine Form der "Entlohnung" für ehrenamtliche Tätigkeit. Du kannst das in Deiner Pfarre guten Gewissens einfordern. Es gehört zur Aufgabe der MitarbeiterInnenbetreuung Gruppenleiter/innen zu Ausflügen einzuladen oder ihnen Räume für Feste oder geselliges Beisammensein zur Verfügung zu stellen.

Es geht leichter, wenn Du Dich gemeinsam mit anderen engagierst

Manchmal sind die Rahmenbedingungen in einer Pfarre nicht gerade ermutigend: Einzelne Gruppenleiter/innen mühen sich um ein paar Kinder und es will keine rechte Freude und Zufriedenheit aufkommen. Oft ein Anlaß zu resignieren. Vielleicht bist Du selbst gerade in so einer Situation - oder Du kennst Gruppenleiter/innen aus anderen Pfarren, die als Einzelkämpfer/innen eine wertvolle, aber ungemein kräfteraubende Arbeit leisten.

Teamarbeit hilft. Zu zweit (bei koedukativ geführten Gruppen ein Mann und eine Frau) die Gruppe zu leiten ist für die/den einzelne/n entlastender und eröffnet euch mehr methodische Möglichkeiten.

Ein Team, das die Jungschar der Pfarre leitet, hat auch mehr Ideen als die/der einzelne, und gibt Sicherheit bei der Planung und Durchführung von Veranstaltungen und Aktionen. Dort, wo mehrere Gruppenleiter/innen tätig sind, ist gegenseitiges Aushelfen leichter möglich und kann Austausch und Beratung stattfinden.

Gemeinsam könnt ihr Vielfalt und Buntheit in die Pfarre bringen

Jungschararbeit lebt davon, daß sie vielfältig ist. Gruppenstunden, Ausflüge, Spielfeste, Projekte und Aktionen sollen auf die unterschiedlichen Lebenssituationen und Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet sein. Je mehr verschiedene Begabungen der Gruppenleiter/innen zum Zug kommen, desto vielfältiger wird sich die Arbeit mit den Kindern gestalten. Für Dich bedeutet das zweierlei: Du kannst Deine ganz persönlichen Interessen und Begabungen in die Jungschararbeit einfließen lassen - und Du kannst von dem, was die anderen beisteuern, selbst profitieren. Ein vielfältiges und attraktives Angebot für Kinder in der Pfarre wird auch die Eltern ansprechen und dazu beitragen, daß eure Bemühungen auf ein positives Echo in der Gemeinde, im Ort ... stoßen werden. Du trägst damit dazu bei, daß eure Pfarre bunter, vielfältiger und lebendiger wird.

Begegnung in der Pfarrgemeinde

Die Jungschararbeit ist auf das Leben und die Aktivitäten der Pfarrgemeinde hinorientiert. So wirst Du Dich immer wieder mit der Pfarre auseinandersetzen (müssen), auch mit Fragestellungen, die nicht unmittelbar mit Deinem Engagement zusammenhängen.

Deine Arbeit steht letztlich in einem Zusammenhang mit dem Leben, den Äußerungen und Handlungsweisen der Katholischen Kirche insgesamt. Das kann Dir einerseits Sicherheit geben, sinnvoll und förderlich sein, in anderen Zusammenhängen kann diese Verbindung als mühsam und belastend erfahren werden.

Du findest in der Pfarre Heimat

Eine lebendige Pfarrgemeinde bietet ein Stück gemeinschaftlichen Lebens, das von denen mehr genützt und gestaltet wird, die zum engagierten (Mitarbeiter/innen-)Kreis gehören. Dort Anschluß zu finden kann heißen, interessanten Menschen zu begegnen. Miteinander zu arbeiten und sich über Grundfragen des Lebens auseinanderzusetzen, läßt Nähe und vertrauensvolle Beziehungen entstehen, die nicht unbedingt alltäglich zu finden sind.

Beheimatung heißt auch Bindung und setzt die Entscheidung, sich auf diese Pfarre und die dort aktiven Personen einzulassen, voraus. Überlege Dir das gut. Ein Mittun in der Pfarrgemeinde kann auch "verschlingende" Dimensionen annehmen. Wäge ab, wieviel Zeit und persönliche Energie Du für Dein Engagement in der Pfarre einsetzen möchtest.

Du bist in der Pfarre wichtig

Die Gemeinde wird es Dir danken, wenn Du Dich für die Arbeit mit den Kindern zur Verfügung stellst. Du hast eine wichtige Funktion in der Pfarrgemeinde: Die Eltern übertragen Dir einen Teil ihrer Erziehungsaufgaben in der Hoffnung, daß durch Dein Mitwirken ihre Kinder sich auch in religiösen Fragen weiterentwickeln können.

Vielleicht bemerkst Du, daß es Mitarbeiter/innen in der Pfarre gibt, die nicht so gut mit Kindern umgehen können, die Schwierigkeiten mit ihnen haben und heilfroh sind, wenn sich jemand anderer der Kinder annimmt.

Auch die Kirche als ganzes will, daß Menschen sich um die Kinder bemühen, weil sie das Evangelium auch nachkommenden Generationen verkünden will.Du wirst bemerken, daß mit der Wertschätzung Deiner Arbeit immer auch hohe Erwartungen und Anforderungen verknüpft werden. Überlege Dir, welche Du bereit bist in welchem Ausmaß zu erfüllen.

Du kannst das Gemeindeleben mitgestalten und prägen

Das Klima einer Pfarrgemeinde wird wesentlich von den MitarbeiterInnen bestimmt. Als Jung-schargruppenleiter/in wirst Du Dich dafür engagieren, daß die Pfarre kinderfreundlich ist. Das ist eine zum Teil recht konkrete Aufgabe, z.B. im Hinblick auf Veranstaltungen, Räume oder Zeiten. Kinderfreundlichkeit läßt sich auch daran messen, ob die Lebenssituation der Kinder bei Entscheidungen eine Rolle spielt (z.B. bei der Festlegung von Gottesdienstzeiten, oder bei der Entscheidung über ein Lernhilfeangebot ...). In diesen Punkten wird Dein konsequentes Mitwirken wichtig sein. Über die Jungschararbeit hinaus hast Du die Möglichkeit in anderen Arbeitskreisen (z.B. Fachausschuß Kinderpastoral, im Liturgiekreis ...) oder im Pfarrgemeinderat mitzuarbeiten bzw. Leitungsaufgaben zu übernehmen.

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