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GruppenleiterInnen sind in ihrer Freizeit aktiv

Jungschararbeit wird fast ausschließlich unbezahlt und in der Freizeit geleistet. Wir berücksichtigen in der Jungschar die Möglichkeiten und Grenzen ehrenamtlicher Mitarbeit. Wir treten aber auch für eine entschiedene Aufwertung von ehrenamtlichem Engagement in der Gesellschaft ein.

Ehrenamt ist notwendig

Das Wort "Ehrenamt" hat seine historischen Wurzeln in der 2.Hälfte des 19.Jhdts. Damals wurde u.a. die Armenfürsorge und auch das Vormundschaftswesen gesetzlich geregelt. Wenn jemand ehrenamtlich tätig war, so hieß das, daß sie/er durch Wahl zu einer bestimmten gemeinnützigen Tätigkeit verpflichtet wurde. Diese Wahl für ein Amt wurde als Ehre betrachtet.

Heute spricht man eher von einer freiwilligen Tätigkeit, einer Dienstleistung, die unbezahlt und mit zeitlicher Begrenzung geleistet wird. Innerhalb der Kirche haben Freiwilligkeit und Ehrenamt eine größere Tradition als bezahlte Ämter und Funktionen. Kirche wie Gesellschaft können auch zukünftig ohne diese freiwilligen Leistungen nicht existieren. Dein Engagement in der Jungschar ist ein unersetzbarer Dienst an den Kindern wie an unserer Gesellschaft und Kirche.

Du leistest einen Dienst für das Zusammenleben von Menschen

Nicht nur daß es Angebote zur Freizeitgestaltung für Kinder gibt, ist bedeutsam, sondern welcher Art diese Angebote sind. Die Jungschargruppe hat das Ziel, gemeinschaftliches Leben unter Kindern zu fördern und weiterzuentwickeln. Das ist eine immens wichtige soziale Aufgabe. Du hilfst Kindern damit, ihre sozialen Fähigkeiten auszubilden. Du trägst bei zur Gestaltung ihrer Beziehungen, zur Art und Weise miteinander zu kommunizieren, gibst ihnen Gelegenheit neue Erfahrungen zu machen und hilfst ihnen, Grundwerte des Zusammenlebens von Menschen zu erkennen.

Die Jungschargruppe ist demnach auch ein wichtiger Ort sozialen Lernens. Auch wenn es aus Deiner Perspektive nur ein kleiner Beitrag sein mag, in Summe sind Du und Deine vielen tausend "KollegInnen" TrägerInnen einer besonderen Aufgabe, die dem friedlichen und solidarischen Zusammenleben von Menschen dient.

Du verdichtest das soziale Netz unseres Landes

Jungscharaktivitäten sind eine Form der Freizeitbetreuung von Kindern, was für berufstätige Eltern sehr entlastend ist. Vielleicht sind in Deiner Gruppe Kinder, für die das Jungscharlager oder der eine oder andere Pfarrausflug zu den wenigen Möglichkeiten zählen, einmal Urlaub zu machen. Vielleicht kommen auch Kinder zur Jungschar, weil sie damit den physisch oder psychisch beengenden Verhältnissen des familiären Zusammenlebens für ein paar Stunden entkommen können ...

Jungschararbeit soll gerade für Kinder benachteiligter Bevölkerungsgruppen ein Zufluchtsort sein, der Wärme und Geborgenheit gibt und Aktivitäten ermöglicht, die nicht an besondere finanzielle Bedingungen geknüpft sind.
Kinder zählen in unserem reichen Land zu der von Armut am meisten gefährdeten Gruppe. Dein Mittun in der Jungschar ist ein wichtiger Faden für das soziale Netz in diesem Land.

Du stärkst die Organisation der Jungschar in ihrer anwaltschaftlichen Arbeit für die Kinder

Lobby im Interesse der Kinder zu sein ist nicht bloß die Angelegenheit einiger weniger Funktionä-rInnen, die eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit machen. Eine/r der ersten und wichtigsten Anwäl-tInnen der Kinder bist Du selbst. Dein Auftreten, Dein persönlicher Einsatz für die Interessen der Dir anvertrauten Kinder prägt das Bild von Jungschar in der Öffentlichkeit. Du weißt ja aus eigener Erfahrung wie es sich mit Glaubwürdigkeit um öffentlich geäußerten Positionen oder Forderungen verhält: An der konkreten Praxis einzelner werden sie letztendlich gemessen. So ist das gemeinsame Eintreten für die Kinder in diesem Land untrennbar mit Deinem konkreten Engagement in der Pfarrgemeinde verbunden. Dein Bemühen um die Anliegen der Kinder stärkt die Jungschar in ihrer anwaltschaftlichen Arbeit. Das Wissen, daß Du alltäglich etwas für die Kinder tust, ermutigt gewählte Vorsitzende wie bezahlte MitarbeiterInnen im Namen der Jungschar an die Verantwortlichen in Kirche und Staat heranzutreten und beharrlich Rechte der Kinder in diesem Land einzufordern.

Ehrenamt bringt Anerkennung

Wahrscheinlich kennst auch Du das Gefühl, eine unbedankte Arbeit zu tun. Das kann z.B. damit zu tun haben, daß niemand so recht weiß, wieviel und wie intensiv Du tatsächlich bei der Sache bist. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, daß Dein Engagement bei der Jungschar als irgendwie "selbstverständlich" angesehen wird. Es ist leider eine weitverbreitete Unsitte, einander recht wenig für den Einsatz zu loben und das Engagement entsprechend anzuerkennen.

Und dennoch: Es gibt Lohn für die ehrenamtliche Tätigkeit. Sei es, daß die Kinder sich auf Dich freuen, ein kleines Geschenk oder eine Einladung von Eltern, Bewunderung und Anerkennung von den "KollegInnen", ein MitarbeiterInnenfest in der Pfarre, oder etwa die Schlüsselgewalt über Pfarrhaus und Kirche. Freilich - abgelten kann Dir Deine Arbeit niemand wirklich.

Du erfährst persönliche Bestätigung

Die Mitarbeit in der Jungschar wird Dir in jedem Fall ein Stück persönliche Bestätigung bringen: Du kannst (und sollst!) Dich im Zusammensein mit den Kindern und anderen GruppenleiterInnen persönlich weiterentwickeln, Dich selbst verwirklichen. Du darfst Deine ganz persönliche Motivationen zum Zug kommen lassen, sofern sie nicht den Zielsetzungen der Jungschar zuwiderlaufen.
Das Zusammensein mit den Kindern sollst du genießen. Du wirst von ihnen auch viel Zuwendung erfahren. Das ist ermutigend, anspornend, gelegentlich auch tröstend. In der Gruppenleite-rInnenrunde sollst Du Dir auch den Platz nehmen, den Du gut ausfüllen kannst, wo Du Deine persönlichen Begabungen und Interessen verwirklichen kannst. Gönne Dir ausreichend Zeit für persönliche Weiterbildung und mach sie nicht nur im Hinblick auf die Nützlichkeit in der Jungschararbeit. Suche Dir vielmehr auch Gelegenheiten zur Weiterentwicklung Deiner Persönlichkeit. Jungschar soll auch für Dich selbst gewinnbringend sein.

Du kannst aus Deiner Betätigung Sinn gewinnen

Ehrenamtliches Engagement ist sinnstiftend. Du tust es freiwillig und engagierst Dich bewußt an einem Punkt, wo Du davon überzeugt bist, auch etwas Sinnvolles tun zu können. Indem Du Deine vielfältigen Talente einsetzt, kannst Du immer wieder Neues erproben und neue Erfahrungen machen. Das wird letztlich Deine Begabungen vermehren und entfalten.

Jungschararbeit ist in besonderer Weise eine kreative und schöpferische Tätigkeit. Mit anderen Menschen, Kindern wie Erwachsenen planst und gestaltest Du, bewältigst Du Krisen und Probleme, erlebst Du Abenteuer und setzt Dich mit den zentralen Fragen des Menschseins intensiv auseinander.

Durch Dein Engagement bekommst Du die eine oder andere Antwort auf Deine eigenen Fragen und gewinnst ein Stück Sinn für Dein Leben.

Du hast eine Möglichkeit für andere da zu sein

Wir leben in einer Zeit, in der fast alles zwischen Menschen kalkulierbar, meß- und berechenbar geworden ist. "Gibst Du mir das, bekommst Du dafür von mir dieses..." Zwischenmenschliche Beziehungen geraten unversehens zur nüchternen Handelsware. Ehrenamtliches Engagement ist eine Form des Dienstes aneinander. So paradox es klingen mag, aber für die Kinder ist Dein Engagement als GruppenleiterIn ein "unverdientes Geschenk". Du schenkst ihnen Deine Zeit und Deine Aufmerksamkeit, weil Du ihnen damit eine Freude machen willst, weil es Dir einfach Spaß macht ...

Solche Geschenke - wenn sie dann noch dazu freudig angenommen werden - erfüllen die/den GeberIn zumeist mit tiefer Befriedigung. Vielleicht sind sie für Dich eine "Gegengabe" für unverdiente Zuwendungen, die Du anderswo selbst geschenkt bekommen hast.

Ehrenamt wehrt sich gegen Ausbeutung

Du wirst wahrscheinlich schon bemerkt haben, daß es bei der Jungschararbeit nicht mit der Gestaltung einer Gruppenstunde allein getan ist. Wenn Du Deine Zeit, die Du für Deine ehrenamtliche Tätigkeit einsetzt, kalkulieren willst, so kannst Du ruhig davon ausgehen, daß 1 Stunde Gruppenarbeit pro Woche das zwei- bis dreifache an zusätzlicher Zeit für Tätigkeiten benötigt, die damit direkt oder indirekt zusammenhängen: Vorbereitungsarbeiten, Materialbeschaffung, Besprechungen mit anderen GruppenleiterInnen, zusätzliche Kontakte zu den Kindern, Handwerkliches, Her- und Wegräumen, ...

Da sind dann besondere Aktionen wie z.B. das Sommerlager oder ein Kinderfest, bzw. Deine eigene Weiterbildung noch gar nicht mitgerechnet.

Du läßt Dich nicht von der Aufgabe verschlingen

Es ist nicht immer möglich genau vorherzusagen, was eine ehrenamtliche Tätigkeit alles nach sich ziehen kann. Schließlich hast Du mit Menschen zu tun, die sich verändern und weiterentwickeln, neue Ideen haben und ihre Bedürfnisse danach ausrichten. Dir macht es wahrscheinlich auch Spaß, etwas Neues auszuprobieren. So kommt es dazu, daß Dein Engagement mehr und mehr zusätzliche Aufgaben und Tätigkeiten nach sich zieht.

Du wirst Dich entscheiden müssen. Hilfreich ist eine genaue Planung. Du tust gut daran, wenn Du Dir einmal all das aufschreibst, was sich sinnvollerweise an Arbeit aus Deinem Engagement in der Jungschar ergibt. Dann kannst Du genauer überlegen, was Du auch leisten willst und hast Argumente, wenn Du Dich abgrenzen mußt.

Wenn ihr in der GruppenleiterInnenrunde gemeinsam plant, dann denkt immer auch an die Verwirklichung, an Zeit- und Arbeitsaufwand und an persönliche Kapazitäten. Die Euphorie, die jede Planung notwendigerweise begleitet, kann sehr verführerisch sein: Was gibt es nicht alles, das wir schon längst einmal gerne gemacht hätten ... oft der erste Schritt, sich selbst und einander zu überfordern.

Du achtest auf Deine eigenen Grenzen

Ehrenamtliche Tätigkeit bedeutet nicht, rund um die Uhr für alle möglichen Tätigkeiten und Aufgaben zur Verfügung zu stehen.

Du wirst sicher nicht nur an zeitliche Grenzen stoßen. Vielleicht kennst Du das Gefühl "ausgebrannt" zu sein: Die guten Ideen bleiben aus, Du hast keine rechte Lust mehr, das Zusammensein mit den Kindern wird zunehmend anstrengender. Das sind untrügerische Anzeichen dafür, daß Du eine Pause brauchst, daß Du Dir neue Motivation, wahrscheinlich auch neue Ideen und Impulse holen mußt. Es gibt viele GruppenleiterInnen, die über diesen Punkt zu lange hinausarbeiten und dann abrupt alles "hinschmeißen". Das ist natürlich für die Pfarre meist unangenehm, aber auch für Dich letztlich unbefriedigend. Die ersehnte Befreiung schleppt das ungute Gefühl mit sich, es nicht geschafft zu haben.

Sinnvoller ist es, zeitgerecht etwas für die eigene "Aufrüstung" zu tun: Das kann schon damit beginnen, daß ihr in der GruppenleiterInnenrunde Eure Arbeitsteilung neu festlegt; Du gönnst Dir eine gute Weiterbildung, oder machst einmal ein Projekt, auf das Du schon immer Lust hattest und vereinbarst, daß die Gruppenarbeit für eine Zeitlang von den anderen übernommen wird.

Du kannst aufhören

Ehrenamtliches Engagement ist zeitlich begrenzt. Selbstverständlich kannst Du ein Leben lang ehrenamtlich tätig sein, Du wirst Dir aber immer wieder neue Aufgaben und Arbeitsfelder suchen.

Wann ist es gut, aufzuhören?

Erfahrungsgemäß brauchst Du etwa ein Jahr, um Dich einzuarbeiten, dann sind 2-3 Jahre eine gute Zeit, sich voll zu engagieren. Egal, wie lange Dein Engagement dann wirklich dauert, das letzte Jahr sollte schon von Anfang an davon bestimmt sein, Abschied zu nehmen und die Nachfolge bzw. Übergabe zu regeln. Eine Mindestzeit von 5 Jahren solltest Du jedenfalls kalkulieren.

Die Entwicklung der Kindergruppe kann auch eine Orientierung sein. Je nachdem wie alt die Kinder waren, als Du mit ihnen begonnen hast, wird die Jungschargruppe doch 4-5 Jahre zusammensein. Das solltest Du kalkulieren, denn es wird für eure gemeinsame Entwicklung sinnvoll sein, wenn Du diese Zeit bei den Kindern bleibst.

Dein Engagement kann auch durch eine bestimmte "Karriere" bestimmt sein. Vielleicht willst Du über die Gruppenarbeit hinaus (oder danach) eine leitende Aufgabe innerhalb der GruppenleiterIn-nenrunde übernehmen. Du wirst neue Gruppen-leiterInnen in ihre Arbeit einführen und in andere pfarrliche Gremien eingebunden sein. Das wird wieder einige Jahre persönliche Verpflichtung bedeuten. Selbstverständlich stehen Dir auch viele Möglichkeiten offen, Dich für die Jungschar auf Dekanats-, Diözesan- oder Bundesebene zu engagieren. Da gilt es dann gut zu überlegen, ob Du diese Tätigkeit mit Deinem Beruf oder Deiner Familie verbinden kannst.

Das Aufhören solltest Du jedenfalls bewußt und geplant tun, am schönsten ist es natürlich, wenn man Dir dazu ein Fest bereitet.

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