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GruppenleiterInnen achten auf ein demokratisches Miteinander

Jungschararbeit heißt gemeinsam handeln und gemeinsam entscheiden. Wir gestalten unsere Zusammenarbeit demokratisch. Wir legen in der Jungschar Wert auf die Beteiligung aller Betroffenen und auf Transparenz bei Entscheidungen, und achten auf die Anliegen von Minderheiten.

Das Miteinander in der Kindergruppe

Innerhalb der Kindergruppe hast Du eine anspruchsvolle Rolle. Du sollst einerseits darauf achten, daß Du den Kindern genügend Anregungen für interessante Betätigungen gibst, andererseits sollst Du Dich auch wieder soweit aus dem Gruppengeschehen heraushalten können, daß die Kinder ihre Beziehungen und ihr gemeinsames Tun eigenständig und selbstbestimmt gestalten können. Immer wieder mußt Du entscheiden, wieweit Du in den Gruppenprozeß eingreifst oder Dich heraushältst. Beides aber mit dem Ziel, daß das Miteinander in der Gruppe gelingt, daß sich die einzelnen Kinder wie auch die Gruppe als Ganzes stetig weiterentwickeln.

Du schaust auf die Kinder und achtest auf ihre Eigenständigkeit

Du kannst darauf vertrauen, daß die Kinder ihr Zusammensein in der Gruppe weitgehend eigenständig gestalten können. Sie entwickeln eigene Formen des Umgangs miteinander, sie werden ihre Rollen und Positionen in der Gruppe untereinander aushandeln. Vielleicht werden sie es in einer anderen Art und Weise tun, als Du selbst. Das kann dann der Auslöser dafür sein, daß Du einen Impuls verspürst, in das Geschehen zwischen den Kindern eingreifen zu müssen. Du wirst mit der Zeit ein gutes Gespür dafür entwickeln, was die Kinder auf ihre Art schaffen, und an welchen Punkten Dein Mitwirken gefragt oder notwendig ist.

Du läßt sie ihre Konflikte alleine austragen

Streiten gehört zum Alltag einer Gemeinschaft. Für die meisten Kinder ist diese Form der Auseinandersetzung auch kein Problem, sie haben Erfahrung damit und entwickeln mit der Zeit eine eigenständige Streitkultur. In einer Gruppe gibt es auch vieles, worum gestritten wird: um die Durchsetzung der eigenen Ideen und Wünsche, um die vorhandene Zeit, um das Material, um Rangordnungen, Macht und Einfluß, um Deine Aufmerksamkeit und Zuwendung.

Erwachsene neigen dazu, eher zu früh als zu spät in den Streit von Kindern einzugreifen. Du wirst einschreiten, wenn die Gruppe auf einzelne Druck ausübt, wenn der Streit gewalttätig eskaliert, oder wenn einzelne Kinder physisch oder psychisch ausgegrenzt werden.

Es ist für die Kinder grundsätzlich wichtig, ihre Auseinandersetzungen untereinander auszutragen. Gelegentlich werden sie Dich um Hilfe bitten, wenn sie selbst nicht mehr weiterwissen. An diesen Punkten könnt ihr gemeinsam neue und brauchbare Strategien zum Streiten und Entscheiden entwickeln.

Deine Aufgabe ist die Leitung der Gruppe

Jedes Kind Deiner Gruppe verdient Deine Aufmerksamkeit, braucht Deine Zuwendung und Dein Interesse und wird zu Dir eine eigenständige Beziehung aufbauen. Eine Gruppe ist allerdings mehr als die Summe ihrer einzelnen Gruppenmitglieder. Die Kinder erwarten sich von Dir, daß Du den Fortbestand und die Weiterentwicklung ihrer Gemeinschaft sicherstellst. Du wirst also Dein Augenmerk auch auf die Gruppe als Ganzes richten. Die Vorbereitung der Gruppenstunden wird so gestaltet sein, daß die Gruppe sich entfalten und entwickeln kann. Dabei kannst Du auf eineVielzahl von Behelfen und Praxisbüchern zurückgreifen, die oft wertvolle Hinweise zu Fragen der Gruppenentwicklung und des Gruppenprozesses enthalten. Eine persönliche Auseinandersetzung mit Deinem Leitungsstil z.B. im Rahmen einer Weiterbildungsveranstaltung wird Dir für Deine Praxis mehr Sicherheit geben.

Das Miteinander unter GruppenleiterInnen und in der Pfarre

Je mehr Personen als MitarbeiterInnen zur Verfügung stehen, desto vielfältiger wird die Jungschararbeit gelingen. Es ist keinesfalls eine Dauerlösung, wenn Du alleine für die Jungschar engagiert und zuständig bist.

Das Miteinander von mehreren GruppenleiterInnen in einer Pfarre muß vereinbart und gestaltet werden. Es geht dabei über die Verteilung von Rollen und Aufgaben bis hin zu Formen gegenseitiger Unterstützung, Aushilfe oder Beratung in Konfliktsituationen. Ihr werdet dabei auf unterschiedliche Begabungen und Voraussetzungen Rücksicht nehmen müssen. Ein regelmäßiges Treffen in der GruppenleiterInnenrunde oder in einem Pfarrleitungskreis bildet dafür die Grundlage.

Es ist typisch für die Jungschar, daß derartige Fragen miteinander, und unter Ausnützung gemeinsamer Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen besprochen und gelöst werden. Eine wichtige Rolle hat dabei die oder der Pfarrverantwortliche. Sie/Er wurde von euch u.a. in diese Funktion gewählt, daß sie/er solche Aushandlungsprozesse gut leitet.

Du hast Recht auf Beteiligung und Mitbestimmung

Dein Engagement als GruppenleiterIn bietet Dir innerhalb der pfarrlichen Jungschararbeit verschiedene Möglichkeiten aktiver Mitbestimmung. Im Blick auf Deine Gruppe bist Du gewissermaßen "Experte" bzw. "Expertin": Du kennst die Kinder Deiner Gruppe, weißt um ihre Bedürfnisse und Entwicklungen und kannst eigenständig darüber entscheiden, wie Du eure Gruppenstunden gestaltest.

Innerhalb des Jungscharteams gilt es ein Jahresprogramm mit weitergehenden Aktivitäten und Veranstaltungen zu planen, auszugestalten und durchzuführen.

Deine Mitsprache wird auch in den Leitungsgremien der Pfarre gefragt sein, vor allem dann, wenn besondere Aktivitäten, die Kinder betreffen oder an denen Kinder beteiligt sind, beraten werden. Vielleicht kommen auch einzelne Eltern zu Dir, um Dich um einen Rat zu fragen.

Wenn Du diese Beteiligungsmöglichkeiten nützen möchtest, verlangt das von Dir Selbstbewußtsein und Entscheidungsfreudigkeit. Du kannst damit aber wesentlich zu einer Verbesserung eines kinderfreundlichen Klimas in eurer Pfarrgemeinde beitragen.

Du übernimmst Aufgaben und trägst Verantwortung

In der Jungschar ist eigenverantwortliches Entscheiden und Handeln gefragt. Es ist Dir möglich, sehr viel von dem einzubringen, was Du kannst, was Dich herausfordert oder was Deinen besonderen Vorlieben oder Interessen entspricht.

Von den anderen GruppenleiterInnen bzw. in der Pfarre insgesamt wird von Dir erwartet, daß Du die Aufgaben, die Du übernimmst auch gut und eigenverantwortlich ausfüllst.

Eine Aufgabe zu übernehmen heißt nicht, damit ganz allein zu sein. Im Pfarrleitungskreis bzw. in der GruppenleiterInnenrunde werdet ihr immer wieder über euer Engagement nachdenken und eure Schwerpunkte neu verteilen.

Du kannst über demokratische Wahlordnungen die Inhalte und Arbeitsweise der Jungschar als Ganzes mitbestimmen
Als MitarbeiterIn der Kath. Jungschar bist Du Teil eines demokratisch organisierten Netzes, das weit über die Pfarrgrenzen hinausreicht. Es gibt unterschiedliche Praktiken in jeder Diözese, aber die Grundidee ist überall gleich: Von der Pfarrgemeinde ausgehend hat jede/r GruppenleiterIn die Möglichkeit über Wahlen und Vertretungsaufgaben innerhalb der Jungschar gezielt mitzubestimmen. Das gelegentlich mißtrauisch als "basisferne" bezeichnete Diözesan- oder Bundesbüro der Jungschar ist eine Dienstleistungseinrichtung, deren Aufgabe es ist, die Jungschararbeit in den Pfarren mit geeigneten Maßnahmen zu fördern, zu begleiten und zu unterstützen. Zusammenkünfte und Beratungen von GruppenleiterIn-nen oder Pfarrverantwortlichen auf Diözesanebene sind dabei von unverzichtbarer, richtungsentscheidender Bedeutung.

Auch Deine Teilnahme (bzw. Nichtteilnahme) z.B. an diözesanen Aus- oder Weiterbildungsangeboten ist eine Möglichkeit, inhaltlich oder strukturell in der Jungschar mitzuentscheiden.

Das Miteinander in Gesellschaft, Kirche und Welt

Das, was Jungschar in Gesellschaft, Kirche und Welt signalisieren - und verändern - möchte, wird auch durch Dich sichtbar und repräsentiert. So ein Handbuch bleibt unbedeutend, wenn die darin formulierten Visionen nicht durch konkrete Personen lebendig und be"greif"bar gemacht werden können.

Jungschar versteht sich von ihrem Wesen her als Gemeinschaft ("communio") und steht mit diesem Selbstverständnis ein gutes Stück gegen gängige gesellschaftliche Trends der Individualisierung und Entsolidarisierung. Das findet einen gelebten Ausdruck in bestimmten Werthaltungen, Positionierungen und Alltagshandlungen.

Du stehst für eine "neue" Qualität des Miteinander

Ein besonderer Aspekt heißt "Partnerschaft". Jungschar bemüht sich um möglichst gleichberechtigte und "symmetrische" Beziehungen auf allen Ebenen. Zu den Kindern, im Kreis der Mit-arbeiterInnen und innerhalb von Kirche und Gesellschaft. Partnerschaft meint ein Denken und Handeln, das einseitige Abhängigkeiten, die aufgrund des Alters, des Geschlechts, der gesellschaftlichen Position, eines Amtes oder aufgrund geistiger oder finanzieller Macht bestehen, durchbrechen und beseitigen will.

Das signalisierst Du als GruppenleiterIn z.B. dadurch, daß Du Kinder als eigenständige Persönlichkeiten ernstnimmst, traditionelle Rollenzuschreibungen an Frauen und Männer kritisch hinterfragst und Dich einsetzt für transparente Leitungs- und Entscheidungsstrukturen in der Pfarrgemeinde usw.

Wahrscheinlich wirst Du mit dieser Haltung nicht immer auf Gegenliebe treffen. Partnerschaftliches Umgehen verlangt ein gutes Stück persönlichen Machtverzichts.

Du trägst zur Bewußtseinsbildung anderer bei

Dein entschiedenes und engagiertes Auftreten wird Dich gelegentlich in Konflikte führen, wird gleichzeitig andere aufmerksam machen. Du wirst gefragt werden, warum Du so und nicht anders für bestimmte Positionen eintrittst. Das sind Anlässe zur Auseinandersetzung, denen Du Dich stellen mußt. Dabei geht es nicht darum, daß Du anderen jetzt alles erklären mußt oder eine bestimmte Haltung aufdrängst. Auseinandersetzung soll dazu beitragen, daß jede/r der Beteiligten sich selbst weiterentwickeln und einen Teil der gemeinsamen Erkenntnis auf die eigenen Werthaltungen übertragen kann.

Du trägst auch zur Bewußtseinsbildung anderer bei, wenn Du Dich nicht engagierst. Deine Zurückhaltung oder Dein Schweigen werden dann als bestimmte Einstellung gedeutet werden. Denn als GruppenleiterIn bist Du nicht nur Privatperson, Du wirst automatisch mit dem größeren Rahmen Deiner Tätigkeit (Pfarre, Jungschar, außerschulische Kinderarbeit, Kirche, ...) in Beziehung gebracht werden.

Du bist in Deinen Grundhaltungen parteilich

Selbstverständlich bist Du in gewissem Sinne "Partei". Du stehst auf Seiten der Kinder, engagierst Dich für deren Bedürfnisse, für die Verbesserung ihrer Lebenssituation, für einen ihnen gemäßen Platz in der Kirche. Du stehst damit weiters auf der Seite der Kleinen, der sozial Schwachen und Ausgegrenzten, der Benachteiligten, auf der Seite derer, die in Abhängigkeit sind oder von Mächtigen benützt werden. Du stehst gegen Gewalt und Unterdrückung. Du stehst gegen die Zerstörung des Lebensraumes und gegen die Vergeudung von Ressourcen.

Du bist solidarisch mit den Menschen in anderen Ländern und Erdteilen, die ungerecht behandelt werden. Du bist offen für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft, unterschiedlicher Kulturen oder Religionen.

Du setzt Dich für die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Frauen und Männern, für Mitsprache und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, für Gerechtigkeit zwischen armen und reichen Ländern auf dieser Welt ein.

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