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jetzt fragen wir! - KINDERpressekonferenz zu 25 Jahren Kinderrechten

Anstatt über Kinder und ihre Rechte zu sprechen ließ die KJSÖ auf der KINDERpressekonferenz zu 25 Jahren UN-Kinderrechtskonvention Kinder Frau BM Karmasin zu ihren Anliegen und Rechten direkt befragen

Wien, 18. November 2014: „Wir wollen, dass Kinderrechte umgesetzt werden, dass sie bekannt gemacht werden und dass sie Verankerung finden, sowohl in der Verfassung als auch in den Köpfen und Herzen aller Menschen,“ brachte Anneliese Schütz, Bundesvorsitzende der Katholischen Jungschar (KJSÖ), das zentrale Anliegen der KINDERpressekonferenz gestern auf den Punkt.
Hoch hinaus wollte die KJSÖ mit ihrem Einsatz für Kinderrechte und hat es damit nicht nur in luftige Höhen mit eindrucksvollem Panoramablick über den Dächern Wiens geschafft, sondern auch etwas vollbracht, das eigentlich Normalität sein sollte und dennoch seinesgleichen sucht: 35 Kinder aus der Jungschar Kottes (NÖ) und der 1d des GRG 16 Maroltingergasse (Wien) nahmen das Dachgeschoss des Ringturms der Wr. Städtischen in Beschlag und verschafften ihren Anliegen Gehör. „Ich freue mich, dass ich heute mit euch diskutieren kann, denn das ist leider gar nicht üblich. Vielleicht können wir das öfters machen, denn letztlich geht meine Politik ja an euch“, begrüßte Familienministerin Karmasin die Gelegenheit. Ingrid Kromer,  Erziehungswissenschafterin und Forscherin an der KPH Wien/Krems, betonte, dass Kinderrechte und deren Kenntnis der Schlüssel zum Wohlergehen der Kinder sind: „Kinderrechte, sofern sie bekannt sind, die machen gesund, die machen gescheit, die machen stark und die machen groß und darum ist es ganz wichtig, dass wir heute darüber reden.“
Dass Mitsprache eines ihrer zentralen Anliegen ist, machten zahlreiche Fragen und Vorschläge der Kinder deutlich: Von Mitsprache bei der Gestaltung von Spielplätzen bis hin zu Kindergemeinderäten oder Schüler/innenparlamenten reichten die Ideen, die sie den Podiumsgästen Frau BM Karmasin, Anneliese Schütz und Ingrid Kromer mit auf den Weg gaben.

Gewalt auf der Tagesordnung

Als trauriger Bestandteil der unmittelbaren Lebensrealität der Kinder stand Gewalt gegen und Mobbing zwischen Kindern weit oben auf der Tagesordnung. Ingrid Kromer bestätigte, dass Gewalt in der Erziehung in vielen Elternhäusern Österreichs noch immer salonfähig ist: „Aus einer aktuellen Untersuchung wissen wir, dass bei rund einem Drittel der Eltern die Überzeugung herrscht: Eine Ohrfeige hat noch keinem Kind geschadet und kann oft besser erziehen als viele Worte“. Dass die „g’sunde Watschn“ nicht die einzige problematische Gewaltform ist, ergänzte Familienministerin Karmasin: „Viel perfider ist psychische Gewalt: Kinder nicht mehr lieb haben, mit Kindern nicht mehr sprechen, das ist genauso Gewalt und ist abzulehnen!“ Sie will durch Hilfestellungen für Eltern gegen Gewalt in der Erziehung vorgehen: „Eltern machen das meist aus Überforderung, deswegen muss man diese Eltern unterstützen.“
Anneliese Schütz zeigte auf, dass Mobbing und Gewalt gegen Kinder ernst genommen werden muss und Kinder damit keinesfalls alleine gelassen werden dürfen: „Es ist wichtig, sich Unterstützung zu holen und diese Sache gemeinsam mit anderen durchzustehen – ob das jetzt Eltern sind oder Lehrer/innen oder andere Vertrauenspersonen.“ Auch können Kinder selbst anderen Kindern helfen, ermutigte Ingrid Kromer das Publikum: „Nicht wegschauen, mutig sein! Das machen nämlich die Erwachsenen viel zu viel!“

Kinderrechte als Strategie gegen Kinderarmut

Fragen, wie etwa einem Mitschüler geholfen werden solle, der sich den Schulskikurs nicht leisten könne, oder wo Kinder bei Regen spielen könnten, wenn die eigene Wohnung zu klein dafür ist, machten deutlich, dass Kinderarmut ein weiteres Top-Thema auf der Agenda der Kinder ist. Ingrid Kromer kennt die Schieflage in Österreich aus ihren Forschungen: „Da haben ganz wenige ganz viel und ganz viele ganz wenig. Und das trifft natürlich Mädchen und Buben besonders stark. Sind Eltern nicht in der Lage, für ihre Kinder zu sorgen – sei es durch geringes Einkommen, keine Arbeit, Krankheit – dann rutschen Kinder automatisch mit in die Armutsfalle. Kinder werden jedoch nicht gefragt, ob sie das wollen!“ Sie betont, dass Kinder nicht zuletzt im Hinblick auf Armutsbekämpfung bereits in der Gegenwart als eigenständige Persönlichkeiten ernst genommen werden müssen und die vorbehaltlose Umsetzung der Kinderrechte eine wirksame Strategie gegen Kinderarmut ist: „Kinder dürfen nicht gezwungen sein, die Armutskarrieren ihrer Eltern fortzuführen. Dafür braucht es einen gesetzlichen Rahmen.“

Kinderlärm ist Zukunftsmusik

BM Karmasin stellte eine bundesweite Gesetzesregelung in Bezug auf Kinderlärm in Aussicht, der bisher nur in wenigen Bundesländern als unzumutbare Lärmquelle aus der Gesetzgebung ausgenommen wurde: „Wir wollen, dass das in ganz Österreich möglich ist, dass Kinder spielen können, laut sein können. Ich glaube das ist zumutbar. Für mich ist Kinderlärm Zukunftsmusik!“ Anneliese Schütz forderte, dass Kinder und Kinderlärm nicht nur in den eigenen vier Wänden Akzeptanz finden: „Öffentliche Plätze und Orte gehören nicht nur Erwachsenen, sondern ganz klar auch euch Kindern!“

Kinder müssten über ihre eigenen Rechte besser aufgeklärt und dazu ermutigt werden, diese auch einzufordern, verlangte Ressortchefin Karmasin und möchte Österreich zum familienfreundlichsten Land Europas machen.
Kinder können ihre Rechte aber nicht alleine umsetzen. Die KJSÖ sieht in Österreich noch viel Handlungsbedarf und fordert einmal mehr, alle Kinderrechte in den Verfassungsrang zu heben.

Kinderrechteaktion der Katholischen Jungschar

Die Katholische Jungschar versteht sich als Sprachrohr für Kinder und deren Rechte und hat es sich zum Ziel gesetzt, Kinder, aber auch Erwachsene für Kinderrechte zu sensibilisieren. Das Schwerpunktrecht ihrer diesjährigen Kinderrechteaktion ist das Recht auf Ruhe und Freizeit sowie auf Spiel und altersgemäße Freizeitbeschäftigung (UN-Kinderrechtskonvention Art. 31). Unter dem Slogan da spiel‘n jetzt wir! setzten wir Zeichen für mehr Raum und Partizipation von Kindern in unserer Gesellschaft.
In den kommenden Tagen verteilt die KJSÖ in allen Bundesländern Kinderrechtepostkarten. Zahlreiche Radiostationen in Österreich spielen bis zum 20. November, dem Internationalen Tag der Kinderrechte, einen von der Katholischen Jungschar produzierten Radiospot zu 25 Jahren Kinderrechten.
Nähere Informationen zur Aktion und den Radiospot finden Sie unter: www.jungschar.at/index.php

Pressefotos zur einmaligen Verwendung: we.tl/FKAqDwPsNR
© KJSÖ/Elisabeth Hagel

Rückfragehinweis:

MMag.a Isabella Wieser
Katholische Jungschar Österreichs
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Gesellschaftspolitik
Telefon: +43/1/481 09 97-15
Mobil: +43 676 88 011 1000
isabella.wieser@kath.jungschar.at