Der heilige Nikolaus
Der Hl.Nikolaus ist eine der beliebtesten Heiligengestalten in der Vorweihnachtszeit. Entsprechend vielfältig ist auch das Brauchtum rund um diese Figur. Nikolaus gilt als Patron der Kinder, als Helfer und Gabenbringer.
Die Tradition hat allerdings aus dem Retterin Not einen fragwürdigen Erziehungsgehilfen gemacht, der das Wohlverhalten von Mädchen und Buben prüft und seine Geschenke nach Beurteilung von Gut und Böse verteilt. Dies hat dazu beigetragen, dass Kinder dem Nikolaus mit gemischten Gefühlen gegenübertreten, vor allem dann, wenn er seitens der Erwachsenen moralisierend missbraucht wird.
Material:
Ein Infofalter mit einem Vorschlag für eine Familienfeier mit Nikolaus kann über die Diözesanbüros angefordert oder im Jungscharshop gekauft werden.
Grundsätzliche Überlegungen und eine Fülle praktischer Hinweise für die Gestaltung von Nikolausfeiern bietet der Sammelband "NIKOLAUS. Der zu den Kindern kommt". Er ist in den Diözesanbüros der Kath. Jungschar bzw. im Jungscharshop erhältlich.
Lust auf Fortbildung?
Was tat der Hl. Nikolaus von Myra, warum wird er verehrt und wie kann ich Kindern seine Botschaft glaubwürdig vermitteln?
Den Hl. Nikolaus darzustellen, ist keine einfache Sache. Die Katholische Jungschar bietet deshalb in Österreich und Südtirol Schulungen an, damit die Feier für alle Teilnehmenden zu einem freudvollen Erlebnis wird. Die Angebote zu den Schulungen sind von Diözese zu Diözese unterschiedlich, es können Kurse auf Anfrage von Pfarren gebucht oder zu einem vorgegebenen Termin besucht werden. Einzig die Qualität der Angebote ist allerorten dieselbe, die von Jahr zu Jahr steigenden TeilnehmerInnenzahlen sprechen für sich. Wenn du dich für eine Schulung interessierst, wende dich bitte an das Jungscharbüro deiner Diözese, dort wird dir mit Rat und Tat zu Seite gestanden.
Hinweise für eine gelingende Feiergestaltung
Vorüberlegungen:
Der Nikolaustag ist für jedes Kind ein besonderer Tag. Trotz Geschäftemacherei und vorweihnachtlichem Kaufhausrummel verfügt die Heiligengestalt über eine ungebrochene Faszination.
Eine zeitgemäße Heiligenverehrung muss allerdings einige Hürden überwinden. Neben der unübersehbaren Kommerzialisierung ist es vor allem die missbräuchliche Verzweckung als fragwürdige Erziehungshilfe, die die Tradition des Nikolausfestes überschattet. Es liegt in der Hand von Eltern und vor allem von NikolausdarstellerInnen, mit einer überlegten Feierpraxis neue Wege zu beschreiten. Das Ziel: Die Gestalt des Hl. Nikolaus den Kindern in seiner ursprünglichen Intention deutlich zu machen, als selbstlosen, engagierten Christen, der sich um Schwache und Notleidende tatkräftig kümmerte und sich als Anwalt der "Kleinen" gegen alle Arten von Machthabern stellt.
Vorbereitung für Väter und Mütter:
Die Nikolausfeier nicht für die Kinder, sondern mit ihnen gestalten.
Die Familienfeier ist Sache aller Familienmitglieder. Es gibt dafür auch einiges zu tun: Ein Raum ist herzurichten, ev. adventlich zu schmücken, ein paar Süßigkeiten und passende Getränke sind bereitzustellen, vielleicht ein Anlass, mit den Kindern Raumdekorationen zu basteln oder Kekse zu backen.
Vielleicht ist so eine Nikolausfeier auch eine Gelegenheit, befreundete Kinder (und deren Mütter und Väter) einzuladen, dann können für die größere Runde auch einige Spielideen vorbereitet werden.
Sich selbst mit der Heiligengestalt vertraut machen.
Gerade das Nikolausfest ist ein Tag, der Kinder herausfordert Erwachsene mit den verschiedensten Fragen zu bestürmen. Dabei ist es sehr hilfreich, wenn man selbst einiges über das Leben des Bischof Nikolaus weiß und zumindest eine oder zwei Legenden erzählen kann.
Schon im Vorfeld einer Nikolausfeier kann darüber viel mit dem/den Kind/ern gesprochen werden, das gemeinsame Anschauen von Bilderbüchern ist dazu eine gute Hilfe.
Den Hl.Nikolaus nicht als Erziehungshelfer missbrauchen.
Die Tradition des Nikolaus-Brauchtums verführt Mütter und Väter dazu, mit dem Kommen (oder eben dem Nicht-Kommen) des Nikolaus zu "drohen". Das macht Kindern Angst und kann - je nach individueller Verfassung - im Einzelfall auch zu kritischen psychosomatischen Reaktionen führen. Das öffentliche Aufzählen von angeblich schlechtem Verhalten ("Sündenregister im Goldenen Buch") ist für Kinder erniedrigend und beschämend - und eignet sich zudem nicht als wirkungsvolle Erziehungsmaßnahme. Kinder erleben es vielmehr als Vertrauensbruch ihrer Eltern, wenn sie draufkommen, von wem eigentlich der Nikolaus seine "Allwissenheit" hat ...
Keine Angst, vor möglicher "Entzauberung".
Erwachsene argumentieren gerne damit, dass kindliche Phantasie möglicherweise zerstört wird, wenn kein "richtiger" Nikolaus auftritt. Dem ist entgegenzuhalten, dass gerade das Spiel mit Verkleidung im besonderen Maße die Phantasie der Kinder anregt, sodass sie durchaus den Nikolaus für "echt" einschätzen, auch wenn sie vielleicht schon über die Hintergründe des Nikolaus-Brauchtums Bescheid wissen.
So ist es also durchaus ein Bereicherung einer Nikolausfeier, wenn die/der DarstellerIn nicht bereits fertig verkleidet vor die Kinder tritt, sondern sich mit ihrer Hilfe erst umzieht.
Geschenke, die Freude bereiten.
Geschenke gehören zum Nikolausfest, aber sie sind nicht das wichtigste. Es sollten Kleinigkeiten sein, die Freude bereiten. Auch wenn die Zeremonie mit dem Gabensack zu jeder Nikolausfeier dazugehört, sollte für die Kinder klar bleiben, welche Geschenke sie von ihren Eltern und welche sie wirklich vom Nikolaus bekommen (weil die/der auch tatsächlich selbst etwas mitgebracht hat).
Grundsätze für NikolausdarstellerInnen
Immer bei der Wahrheit bleiben
"Ich heiße Gabi und habe mich heute mit diesen kostbaren Gewändern verkleidet. Jetzt schaue ich aus wie der Heilige Nikolaus...."
Vor allem für jüngere Kinder ist es wichtig zu erfahren, wer hinter der Verkleidung steckt. Der/die Nikolausdarsteller/in soll keine erfundenen Geschichten erzählen und Allwissenheit vorgaukeln. Der Nikolaus kommt nicht vom Himmel, er weiß auch nicht auf welcher Seite im Hausübungsheft das Sternchen am größten ist, welches Kind was besonders gut oder auch gar nicht kann.
Lob- und Tadelaufzeichnungen haben bei einem Nikolausbesuch nichts verloren.
Keine Maske verwenden, auf Kunstbart verzichten.
Die Verkleidung des Nikolaus - festlicher Umhang, Mitra und Bischofsstab - soll uns an einen besonderen Bischof erinnern und Kindern nicht die Begegnung mit einer Himmelsgestalt vorspielen. Durch die Verwendung einer Maske, eines Bartes, der wahrscheinlich auch noch das halbe Gesicht der/des Nikolausdarstellers/in verdeckt, und Verstellen der Stimme kann diese fremde Gestalt den Kindern unheimlich erscheinen.
Kindern keine Versprechen abnehmen
Der Heilige Nikolaus war kein strenger Aufpasser sondern ein liebevoller Mensch. Daher ist auch die Nikolausfeier nicht der geeignete Zeitpunkt, Kinder vom Schnuller zu entwöhnen, sie zum freiwilligen Aufräumen zu erziehen und ihnen Versprechen für das laufende Jahr abzunehmen. Erwachsene und Kinder können vielmehr gemeinsam konkrete Beispiele sammeln, in welchen Lebensbereichen sie dem Heiligen Nikolaus ähnlich handeln könnten.
Das Kind zu nichts zwingen, auch die Erwachsenen miteinbeziehen
Das Fest des Heiligen Nikolaus soll nicht ein Fest für die Kinder sondern ein Fest mit der ganzen Familie sein. Darum soll der/die Nikolausdarsteller/in auch Mütter und Väter in Gespräche miteinbeziehen und Kinder keinesfalls in unangenehme Prüfungssituationen bringen.
Kein Krampus - weder vor noch hinter der Tür!
Die finsteren Begleiter des Nikolaus kommen aus anderen Brauchtumstraditionen und haben mit der ursprünglichen Heiligengestalt nichts zu tun. Bei einer "Nikolaus"-Feier haben Krampusse deshalb nichts zu suchen.
Tipps, wenn Kinder ängstlich sind:
- nicht zum Kind hinunterbeugen, so wirkt ein erwachsener Mensch noch größer und manchmal auch bedrohlicher. Besser ist es, sich hinzuhocken oder hinzusetzen und den Kindern dadurch Augenkontakt zu ermöglichen.
- weiters: Mitra vom Kopf nehmen, Bischofsstab auf den Boden legen.
- jedenfalls keine Maske, kein Bart, kein Verstellen der Stimme.
Persönliche Vorbereitung auf einen Hausbesuch oder eine Nikolausfeier
Der/die Nikolausdarsteller/in erinnert an einen Heiligen, der Verkünder der Frohen Botschaft Jesu war.
Er/sie soll...
- ... sich genauer mit der Gestalt und dem Leben des Heiligen befassen. (Was beeindruckt mich?)
- ... sich überlegen, was sie/ihn eigentlich dazu veranlasst, die Rolle des Heiligen zu spielen
- ... Legenden lesen und (frei) kindgerecht erzählen können.
- ... sich gut auf die Begegnung mit Kindern vorbereiten. (kindgerechte, altersgemäße Sprache ...)
- ... sich um eine einfache, saubere und einem Bischof entsprechende Kleidung bemühen.
- ... mit den Einladenden den Ablauf der Feier vorbesprechen.
- ... eventuell selbst ein paar Kleinigkeiten für Kinder (und Erwachsene) als Geschenke mitbringen.


